Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

hübscheit, f.

hübscheit, f.
nach den verschiedenen bedeutungen von hübsch.
1)
nach hübsch 3, feines, gesittetes betragen, feinheit des benehmens, wie mhd. hübescheit Lexer 1, 1367: honestas hubschheit, hubsheit Dief. 280ᵃ; urbanitas hobischeit, hubischeit 629ᶜ; da (auf dem concil von Constanz) soviel hüpschhait, klueghait und sovil wunders da beschechen ist, dasz ain mentsch vormals oder nach nie gehört noch gesehen hat. d. städtechron. 5, 66, 14; verdeckte wort werden oft zu betriegen, oft zu schimpfe und hübscheit geredt. A. v. Eybe 84ᵇ; da war einer under inen, der die andern all ubertraff in person und kleidung, in hübschheit. Pauli schimpf 40ᵇ;
der ding ich nit gelernet han,
wie man sich nach hubscheit sol keren.
fastn. sp. 105, 4;
nu hört mein hübscheit von mir jungen!
ich han in dorfen getanzt und gesprungen,
darzuo traib ich solch geradigkait,
das mir holt warn alle rockenmait.
343, 17;
wer es hint aller pest macht
mit hübschait und mit singen,
mit tanzen und mit springen,
des sol diser spiegel sein.
451, 16;
ich wil es auf mein warhait jehen,
ich hab kain hübschhait da von euch gesehen.
671, 24.
auch auf die liebeskünste gewendet (vgl. unter hübsch 2, sp. 1852):
tanzen, stechen und spatiern
und des nachts auf der gassen hofiern,
und was man von der hübschhait sagt,
dasselb mir alles mishagt,
und das ist alles an mir derloschen,
wenn ich hab unten ausz getroschen.
fastn. sp. 720, 18.
dann aber in tieferer bedeutung wolwollen, milde, gnade, von gott (hübsch 2 a. e., sp. 1852): die gütikeit gots, in deren er allen mönschen wol will .. des gleichen sein barmherzikeit, suͤszikeit, hübscheit. Keisersberg eschengrüdel b 6ᵃ.
2)
nach hübsch 5, schönheit, zierliches äuszere: pulchritudo hupscheit, hupschkeit Dief. 471ᶜ; das im Welschland kein statt sei an hübscheit offner gemeiner gepew der stat gleich. S. Frank chron. 21ᵇ; von einer heszlichen alten frawen sagt er (Geiler von Keisersberg), sie hab alle stück der hübschheit an ir, nur das sie versetzt, und an den unrechten orten stünden, als das roth in den augen, das schwarz an den zänen. Zinkgref apophth. 1, 222; hübschheit eines gartens, amoenitas horti, hübschheit des gesichts, honor frontis Stieler 809;
wer hübscheit im, und synem kind
wünschet, der suͦcht ursach zuͦ sünd.
wer Helena nit gwesen schon,
Parisz het sie in Kriechen gelon.
Brant narrensch. 26, 45.
seit dem 17. jahrhundert ist das wort erloschen, zum schaden der sprache, der nun ein substantiv zu hübsch entgeht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1856, Z. 10.

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Zitationshilfe
„hübscheit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%BCbscheit>, abgerufen am 06.07.2020.

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