Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

hübschlich, adj. und adv.

hübschlich, adj. und adv.
in hübscher art; hubschlich, facete, urbane, venuste, pexe. voc. inc. theut. k 4ᵃ.
1)
nach hübsch 3, artig, klug, fein, der guten gesellschaft angemessen, von reden, benehmen, leibeskünsten, putz: hübschlich, fein wol, pulchre, eleganter, concinne Maaler 232ᵃ; du hast hübschlich oder wyszlich geredt, dixti pulchre. das.; er kund aber pirn sieden, dasz die stil nit nasz wurden (sprichwörtlich) und fieng ainmal in ainem rat an zu reden gar hübschlich, als er wol kund. d. städtechron. 5, 73, 8;
das ich mich so hubschlich kan ziren
mit singen und tanzen und hofiren.
fastn. sp. 103, 23;
wenn ich thu über das pflaster traben,
so mir die frauen nach zu sehen haben,
und fragen all: wer ist der,
der so hübschlich zelt daher?
362, 28;
hübschlich sagen und frölich singen
und mit den junkfrauen tanzen und springen.
737, 13;
lasset mich nu bald umbwenden,
mein lied hipschlich zu vollenden.
Weckherlin 377.
2)
daraus entwickelt sich die bedeutung artig, ruhig, gemach, die im schweizerischen hübscheli, sanft, bescheiden im thun und lassen, sachte (Stalder 2, 58) noch haftet: er (Uli) schosz das werkzeug herum, als ob alles drauf müszte an einem tage, und die thiere brüllte er an, dasz es dem meister in alle glieder kam; allein er hielt ruhig an sich, sagte ein einziges mal: nume (nur) hübscheli! J. Gotthelf Uli d. knecht s. 5; — hüpschlich, sittlich, sensim, lente, suaviter, senftlich, faulklich. Maaler 232ᵃ; hüpschlich anruͤren, permulcere, hübschlich gon, fuͦsz für fuͦsz, gradu modice ire. das.; musz man .. hübschlich mit umbgehn. Pauli schimpf 20ᵃ; hübschlich und gemach thun. 124ᵃ; fahrt hüpschlich, ihr gesellen. Fischart bienk. 45ᵇ; da rufet Keibkamp: holla ir stallbrüder, holla, hüpschlich ihr jungherrn, hüpschlich, was wolt ir mit mir anfangen, ihr secht doch, ich bin nur ein armer teufel. Garg. 228ᵃ;
aber luͦg far hüpschlich und gemach.
Jephthes (Straszb. bei Rihel) D iijᵇ.
in bezug auf essen und trinken: das ander das ein esel an im hett do wir im ouch glich sint, das ist er trinkt gar hübschlich und verzwunzen. es ist kuͦm ein thier, das also züchtiglichen verzwunzen und hübschlich trinkt under allen thieren als der esel, wie ein grob thier er doch susz (sonst) ist. Keisersberg bilg. 128ᶜ; welcher ochs langsam und hüpschlich iszt, derselb pleibet allwegen in einer stärke. M. Sebiz feldb. 124.
3)
hübschlich geht über in den sinn leise, heimlich: wasser, das da stillschweigend und hübschlich eindringet in das schif. Keisersberg schiff d. pen. 20ᶜ;
und als der touw   ein dürre ouw
hüpschlich begüszt,   das grasz dünn dann sprüszt
uff abgemäyter wiesen.
Leo Jud der 72. psalm;
ruckten wir das bett hübschlich von der thür. F. Platter 141; schlich er hüpschlich ausz dem sessel (in dem er gesessen hatte) und satzt sich wider under die thür an sein altes örtlin. Wickram rollw. 186, 21 Kurz; die thür hübschlich aufthuͦn, on alles geiren, aperire placide forem. Maaler 232ᵃ; gar still und hüpschlich widerumb keeren, quietissime se recipere. das.
4)
hübschlich auch in bösem sinne, heimlich, hinterlistig Schm. 1, 1040 Fromm. (beispiele aus Aventin):
noch künnen wir ainen list,
das der aller pöss ist:
mit hübschlichen sachen
künden wir zu treiben und auch machen,
das die knecht die maid swachen.
fastn. sp. 495, 18.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1856, Z. 67.

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Zitationshilfe
„hübschlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%BCbschlich>, abgerufen am 07.07.2020.

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