Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

hügel, m.

hügel, m.
collis; ein ehemals nur landschaftliches, wie es scheint vorzugsweise in Düringen und den östlich angrenzenden gegenden einheimisches wort: tumulus hugel Dief. 601ᶜ (aus Trochus), doch vgl. unten no. 4 auch die stelle aus Keisersberg, und pfälz. hugel hügel, anhöhe Schm. 1, 1069 Fromm.; von Luther zuerst in die schriftsprache eingeführt (s. unten), in Petris Basler nachdruck des neuen testaments (1523) als nicht für jedermann verständlich durch gipfel, bühel erklärt (Fromm. 6, 43ᵃ); die alte ober- und theils mitteldeutsche form dafür war hübel, sp. 1849. dasz aber hügel nur eine veränderte form zu diesem hübel sei, etwa wie hofer und hoger höcker éin wort sind (vgl. sp. 1651), darf für gewis nicht gelten, wenn man einerseits mhd. neutrales houc, gen. houges hügel, und die diesen zunächst stehenden mitteldeutschen masculinen formen huck (sp. 1858) und oben hug erwägt, zu denen hügel als diminutive ableitung gefaszt werden könnte. hügel bedeutet
1)
erderhöhung von mäszigem umfange, geringer als berg, in der bibelsprache oft mit letzterem verbunden: denn werden sie anfahen zu sagen zu den bergen, fallet uber uns, und zu den hügeln, decket uns. Luc. 23, 30; alle berge und hügel sollen ernidriget werden. 3, 5; morgen will ich auf des hügels spitzen stehen. 2 Mos. 17, 9; und richteten seulen auf, und haine auf allen hohen hügeln, und unter allen grünen bewmen. 2 kön. 17, 10; lobet den herrn auf erden, .. berge und alle hügel. ps. 147, 9; grüner hügel, collis vestitus, sandhügel, tumulus arenae, wallhügel, aggeris propugnaculum. Stieler 808; weg der über einen hügel gehet, trames. 809; das bewog den verstorbenen grafen von M. seinen garten auf einem der hügel anzulegen, die mit der schönsten mannichfaltigkeit sich kreuzen, und die lieblichsten thäler bilden. Göthe 16, 7; entferntere hügel rechts ganz bedeckt von rebgeländern. 43, 249; die hügel verflächen sich, ihre sanften seiten und rücken sind mit weinstöcken überdrängt. 251;
alle farbenpracht
der bunten hügel und der felder.
Hölty 48 Halm;
entzückt bestieg der hirt den hügel.
Kretschmann 2, 113;
hügel und thal, wie sonst berg und thal:
der fürst ist da! sagt thäler es den hügeln.
Schiller 1, 23 Kurz;
wonne weht vom thal und hügel,
weht von flur und wiesenplan.
Bürger 72ᵇ.
auch die letzte erhöhung eines berges heiszt hügel: und füreten in auf einen hügel des berges, darauf ire stad gebawet war, das sie in hin ab stürzeten. Luc. 4, 29; selbst ganz kleine erdaufwürfe werden so genannt, wo sich das wort mit haufe berührt; vergl. ameisenhügel, maulwurfshügel.
2)
die neuere dichtersprache braucht hügel gern für das aufgeworfene erdgrab, entweder in der verbindung grabes hügel (s. auch grabhügel):
wer pflanzt auf seines grabes hügel
die trauerweide Babylons?
Ramler 2, 95;
oder allein:
man pflanzt ein kreuz, mit flittergold
bekränzet, auf ihr grab;
und auf den frischen hügel rollt
so manche thrän herab.
Hölty 16 Halm;
welch gemisch von grünen leichenhügeln!
gelbe blümchen breiten
teppiche darüber, wilder wermuth
überragt die hügel.
49;
nun schläft, bei andern musensöhnen,
die sanfte herzenzähmerinn,
ohn einen seufzer ihr zu fröhnen,
trabt man auf ihrem hügel hin.
Gotter 1, 122;
kränze stolz zu neuen siegen
dich mit meines hügels moos.
261;
bis auf diesen leichenvollen hügeln
die allmächtige posaune klingt.
Schiller elegie auf d. tod eines jünglings v. 77.
3)
hügel auf etwas hügelähnliches übertragen: hügel auf der haut, sonst buckel; bei den anatomen heiszt der gestreifte hügel eine rundliche erhebung am gehirn, sehhügel solche erhebungen an den sehnerven;
der mond von einem wolkenhügel
sah kläglich aus dem duft hervor.
Göthe 1, 75;
vergl.doppelhügel vom weiblichen busen theil 2, sp. 1265 (aus Wieland Oberon 3, 44), und unten hügeln 3.
4)
eine redensart bei Keisersberg den hugel henken: man sol frölich syn, man sol nit alwegen den hugel henken. bilg. 168ᵇ, vergleicht sich der bairischen den hübel henken traurig, niedergeschlagen sein (sp. 1850); hier wie dort ist der kopf unter dem bilde eines hübels oder hügels gefaszt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1873, Z. 14.

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Zitationshilfe
„hügel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%BCgel>, abgerufen am 15.07.2020.

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