Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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heulen, verb.

heulen, verb.
ululare. mhd. hiuweln, hiulen, hûlen (Lexer wb. 1, 1309), ahd. hiwilôn freudig schreien, jubeln (Graff 4, 1069 aus Otfrid); ein tonmalendes wort, wie das lat. ululare, griech. ὀλολύζειν, das auch insofern zu dem ahd. tritt, als es mit den zu ihm gehörigen ὀλολυγή und ὀλόλυγμα das freudige neben dem klagenden geschrei bezeichnet. theil 3 sp. 1193 ist etymologischer zusammenhang zwischen eule und heulen vermutet. heulen wird gesagt
1)
von den langgezogenen, meist klagenden tönen gewisser thiere: gannire hylen als ein fuchs, nd. huylen als ein voss grint Dief. 257ᵇ (vgl. auch heunen); heulen als die leuwen, rugire, etiam est proprium asinorum ... heulen und winslen als die hund und wolf, ullulare. voc. inc. theut. k 1ᵃ; heulen wird von dem wolf gesagt, wenn er laut wird und sich hören lässet, welches mehrentheils im winter und zwar des nachts geschiehet. heulen sagt man auch von den wilden tauben, wenn sie sich rufen. Jacobsson 2, 257ᵃ; die grausamen wilden thier heuleten. weish. Sal. 17, 19; horch! grausig heulet der kauz. Schiller räuber 4, 5; der löwe brüllet! der wolf heulet. Lessing 1, 152;
zuͦ Magdenburg auf der brucken
da ligen drei hündelein,
si heulen alle morgen,
kain Spanier laszen si ein.
Uhland volksl. 552;
es heulen eulen durch die luft.
Kretschmann Rhingulph 58;
und das leichhuhn schlug an das kammerfenster und heulte.
Hölty 43 Halm;
wie sich die schafe bang zusammendrängen
wenn sich des wolfes heulen hören läszt.
Schiller jungfrau, prolog, 3. auftr.;
soll ich mit dir das zimmer theilen,
pudel, so lasz das heulen,
so lasz das bellen!
Göthe 12, 66.
auch von tönen der freude:
kaum sprengt er den rücken des hügels hinan,
so springen ihn seine zwei doggen schon an,
mit freudigem heulen und wimmern.
Bürger 81ᵃ.
Sprichwörtlich: wer untern wölfen ist, musz mit ihnen heulen. Pistorius thes. par. 8, 26; wenn du ihnen (den wölfen) nicht entweichen kannst, so sollst du sagen: ich bin ein mensch und kein wolf. ich kann nicht so schön heulen, wie ihr. Hebel 2 (1853) 179;
ich wollt sonst schnell von hinnen eilen,
und in dem wald mit den wölfen heulen.
Göthe 13, 90.
2)
in bezug auf menschen. dasz hier heulen von dem thierischen laute auf den menschlichen in starker ausdrucksweise nur übertragen sei, ist man sich bewust, und zeigt diesz durch vergleiche: des abends las sie widerumb auch heulen wie hunde. ps. 59, 7. 15;
secht, lieben freund, dem golzen zu!
er lut und heult sam ein ku.
nu grein du, aller teufel namen!
fastn. sp. 538, 10;
wer seid ihr denn, dasz ihr des hauses schaffnerin
entgegen heulet, wie dem mond der hunde schaar?
Göthe 41, 190.
Es steht
a)
von dem lauten weinen in langgezogenen tönen; oft in den verbindungen heulen und weinen, heulen und schreien: heülen und klagen, vast weinen, leid haben und leid tragen, bekümmeret sein, weeklagen, lugere, eiulare, clamare, vociferari, quiritari, plangere, lamentari. Maaler 220ᶜ; ich heule fur unruge meines herzen. ps. 38, 9; erhöre mich, wie ich so kleglich zage und heule. 55, 3; heule thor, schreie stad, ganz Philisterland ist feige. Jes. 14, 31; das sie weinen und heulen uber Nebo und Medba in Moab. 15, 2; zihet secke an, klagt und heulet. Jer. 4, 8; heulet nu ir hirten und schreiet. 25, 34; heule, wie eine jungfraw, die einen sack anleget umb iren breutigam. Joel 1, 8; aber die kinder des reichs werden ausgestoszen in das finsternis hinaus, da wird sein heulen und zeenklappen. Matth. 8, 12; und sahe das getümmel, und die da seer weineten und heuleten. Marc. 5, 38; weh euch, die ir hie lachet, denn ir werdet weinen und heulen. Luc. 6, 25; wolan, nu ir reichen, weinet und heulet uber ewer elend, das uber euch komen wird. Jac. 5, 1; nun kumpt mir ein seltzamer schreyber zuhanden, der sich Johan Fritzhans nennet, und wolt gerne hewlen, wan yhm einer sein haut balget. Carlstadt wider bruder Johan a ijᵃ; sie schrauen und heulten. Aimon bog. F; heulet ein wäyse, wer hat woll je freude drob. pers. baumgart. 2, 1; endlich kam sie darauf, dasz sie mit lauten heulen sagte, es schmerzte sie dieses am meisten. polit. stockf. 353; als die sonne kam, heulte er laut, und schwur, dieser tag bräche edle männer. Klinger 1, 352; heult mit mir! 2, 132; nur ein heulender sünder konnte den tod ein gerippe schelten. Schiller kab. u. liebe 5, 1; er hörte eine jugendliche stimme, die, zornig und drohend, durch ein unmäsziges weinen und heulen durchbrach. Göthe 18, 223; er freute sich einige zeit herzlich, bis ihm der schimpf, den ihm der stärkere angethan, wieder einfiel, da er denn von neuem zu heulen und zu drohen anfing. 224;
mir tut eur heulen im kopf so we.
fastn. sp. 539, 11;
sahe man ein jemmerliches spiel,
weinens und heulens war kein ziel.
mückenkr. 1, 290;
ihr geist soll, wie die sagen gehn,
in dieser kirche weilen,
und bis im dorf die hahnen krähn,
bald wimmern und bald heulen.
Hölty 34 Halm;
fiel ich sie an und schlug und traf, mit blindem beginnen,
ohne zu sehen wohin. sie heulten mit blutigen nasen.
Göthe 40, 272;
überall sieht er den tod, und genieszt die letzten minuten
grausam, freut sich des bluts, und freut sich des heulenden jammers.
292;
du sollst
mir heulen, alter (aus schmerz über empfangene schläge).
Schiller Iphig. 2, 1.
von personificationen: eine mücke sprach zur kerze: ich bin in dich verliebt, drumb ists billig, dasz ich durch dich sterbe, aber warumb heulest und knirrestu so? pers. baumgarten 3, 24;
ein betrübter esel heulte,
weil des schicksals karge hand
ihm nicht hörner zugewandt.
Hagedorn 2, 31.
in der derben sprache des volks wird auch schon das stille weinen heulen genannt.
b)
auch auszerhalb des weinens und jammers von den heulenden tönen eines gesanges, der wut: das ist nicht gesungen, das ist geheult; er schrie, oder vielmehr er heulte vor wut.
c)
in beiden bedeutungen nicht unhäufig auch transitiv, mit dem object des heulend ausgestoszenen oder empfundenen: rache heulen. Klinger theater 4, 131; ich will zu dem grab meines lieben wandern, und mehr grimm und heiszen durst nach ihrem (seiner mörder) blut bei seiner asche in meine adern heulen. 2, 182;
nun tanzten wohl bei mondenglanz,
rund um herum im kreise,
die geister einen kettentanz;
und heulten diese weise.
Bürger 15ᵇ;
erhebt er fürchterlich des zornes donnerstimme,
und heult in diese worte seinen schmerz.
Schiller zerstörung von Troja v. 93;
geh — und heul es bis zu jenen pforten.
räuber 4, 5.
Mit anfügung directer rede: so laszt uns in das wasser springen, oder uns .. hier tödten! heulten die verzweifelnden. Klinger 10, 82;
Jesu Maria hilf! mein freund, ich bin verloren!
so heult es ihm auf einmal in die ohren.
Alxinger Doolin 4, 77.
3)
in bezug auf dinge: er fand in der wüsten, in der dürren einöde, da es heulet. 5 Mos. 32, 10; heulet ir schiffe auf dem meer. Jes. 23, 1; heulet ir tannen, denn die cedern sind gefallen ... heulet ir eichen Basan, denn der feste wald ist umbgehawen. Sacharja 11, 2;
mache dich auf, heulender sturm!
Gotter 2, 510;
laut heulten sturm und wog ums haus.
Bürger 36ᵇ;
wie durch todter wüsten schauernachtgeflüster,
wo verlornes heulen schweift.
Schiller Laura am klavier;
wenn im sturme sich die winde heulend schlagen.
zerstörung von Troja v. 73;
und des glockenthurmes dumpfes heulen
schlage schrecklichmahnend an dein ohr.
kindesmörderin;
schnell
harscht der bach, und im see heulet gediegener frost.
Voss 3, 7.
heulen sagt der orgelbauer von einer pfeife, die auch ungerührt eine stimme von sich gibt. Jacobsson 6, 73ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1288, Z. 15.

hülgen, verb.

hülgen, verb.
ist für helligen, plagen, quälen, beunruhigen (sp. 974) geschrieben: item hat der scheffen geweist, dasz niemandts den andern im hochgericht Schawenburgh binnenwendig einer bannmeilen zu hülgen oder zu bekummern habe, er habe dann innen erstlich ersucht und erfordert guittlich an seinen herrn und darnach richtlich. wehre aber iemandts so freventlich, dasz er sulches alles verfolgte, so habe dann der ander zu hülgen, zu kümmern, zu beclagen oder mit recht anzufallen, who ihme das allerbequemlichst wehre. weisth. 3, 762 (Lothringen, von 1587).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1895, Z. 45.

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höllenstrafe
Zitationshilfe
„hülgen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%BClgen>, abgerufen am 15.06.2021.

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