Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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hülse, f.

hülse, f.
ilex aquifolium. vgl. unter hulst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1901, Z. 76.

hülse, f.

hülse, f.
folliculus, gluma. ahd. hulsa (aus hulisa) siliqua Graff 4, 849, als hüllender, einschlieszender gegenstand, mhd. hülse, md. hulse; vorzüglich in den alemannischen gegenden mit verbreiterung des inlautenden s auch hulsche, hülsche: folliculus hulse, hulsche, hilsz, holszen Dief. 241ᵇ; gluma kornhülsen 266ᵇ; siliqua hulse, hulss, hülschen f. käfen 534ᵃ. in mehrfacher verwendung.
1)
es ist von alters her vorzüglich auf die schale oder decke von früchten bezogen worden, innerhalb der ein nicht fest verwachsener kern steckt; die neuere botanik unterscheidet die hülse, legumen, als samengehäuse mit zwei klappen, worin die samen nur an éiner nat sitzen, von der schote siliqua, worin die samen an beiden näten sitzen (Nemnich 3, 359), die gewöhnliche sprache kehrt sich an diese einschränkung nicht: siliqua, ein hülsze der früchten, welche legumina genant werden, als bonen, erbsen, kichern etc., zuͦgemuͤsz hülsen, schmälsät hülsen. Dasypod.; hülse der früchten, siliqua, valvuli, scapus, calyx, follis. ebenda; kifel oder hülschen, als an ärbsen, bonen und dergleichen, siliqua. Maaler 243ᵇ; die hülschen einer yetlichen frucht, als der nussen und mandel, calyx 231ᶜ; hülschle, das klein heütle, darinn der kernen und saamen eines yeden dings ligt, folliculus. ebenda; weinbeerhülsen, alias tröstern, tunica, cutis, folliculus acini, hirsenhülsen appluda Stieler 865; hülsen von oliven nach dem pressen, fraces Frisch 1, 474ᵇ; Harl. wenn eine nusz leicht aus der hülse fällt, ist sie denn auch wohl schon vom wurme gestochen? Barth. ist das eine frage für einen klugen mann? die wurmstichigen sitzen allemal fest in der hülse. Möser 8, 34; früchte mit halm und hülse (halmfrüchte und hülsenfrüchte). Freytag handschr. 1, 117;
die knospen küss ich (der morgenwind) auf im traum,
reisz ab die alten hülsen!
Freiligrath dicht. 3, 92.
oft im gegensatz zu kern: auch sol er nichts essen, das man vom weinstock macht, weder weinkern noch hülsen. 4 Mos. 6, 4; sprichwörtlich und bildlich: kern essen wollen, ehe die hülsen drab sein. Schottel 1113ᵃ; lässet sich aber indessen ein und andrer (leser) der hülsen genügen und achtet der kern nicht, die darin verborgen stecken, so wird er zwar als von einer kurzweiligen histori seine zufriedenheit, aber gleichwol das jenige bei weitem nicht erlangen, was ich ihn zu berichten eigentlich bedacht gewesen. Simpl. 2, 124 Kurz;
Babenbergære ir sprâche brengent
von den hülsen ûf den kern.
Renner 22258;
weswegen wird der kern dem .. vetter
und mir die hülse zugewandt?
Lichtwer 2, 8.
hülse am schaft der kornfrucht: hülsen, hosen, schloszkiele, die landleute pflegen also die oberste, noch verschlossene blattscheide einiger gräser (z. b. der gerste) zu nennen. Nemnich wörterb.;
es bestehet, an der ähre, die so zierliche structur
blosz aus einerlei gehäuse, einer netten hülse, nur,
die, wo sich der obre theil ihres halms gemählich spitzet,
als ein eigenes gewächs, in so netter ordnung sitzet,
dasz es nett die eine seite von der ähren bau beschlägt,
da die andre seite gleichfalls eine solche hülse trägt,
die ein wenig höher sitzet; diesz geht wechselsweise fort,
bis zu ihres halmes spitze, an dem allerhöchsten ort.
Brockes 6, 73;
jede von den äuszern hülsen schlieszt ein ander in sich ein,
welche weichlicher und zarter, die die blühten in sich heget.
ebenda.
2)
von dieser verwendung (1) aus noch manche bilder: wolan, wir wissens fast wol, das die Walhen uns Deudschen nicht für menschen, sondern für eitel hülsen oder schemen halten. Luther 5, 227ᵃ; das also nur die fünf sinn dahin sterben, das ist das geringst sterben, und nur die hülsen vom tod, da man allein mit dem leiblichen tod ringet, wiewol es uns unversuchte leute das gröszest dünket. 500ᵃ; da ist es denn alles aus, und bleibt weder liebe, glaube, noch Christus, sondern lauter hülsen, und taube nüsse, die wol den namen der christen behalten, aber den kern verlieren, und sich selbs ausschelten und verweben, wie die sprew von dem reinen korn. 6, 49ᵃ; und ist niemand so evangelisch als sie, aber das es eine lauter hülsen sei, sihet man dabei, das sie nicht denken, darnach zu leben. 52ᵇ; die etwan uszerlich den namen, schyn und hülschen der reichthumb nit habend. S. Frank .. 2, 20ᵇ; und das sy nüt dann die hülschen, schyn, won und namen der rychthuͦmb habend. 22ᵃ; es ist fürwar ein wunderding, dasz der jenige theil eines oratoris oder redners, welcher nicht über die hülsen eingehet, und vielmehr eines gauklers tugend ist, als eines oratoris, .. als wann er der fürnembste theil were, gleichsam allein gelobt werde. Schuppius 754; vertrauen sie es mir allein, Harlekin; bei mädchen sind die geheimnisse ohnehin etwas lose verwahrt. sie fallen leicht aus der hülse. Möser 8, 63. das folgende bild ist seiner sinnlichen bedeutung nach nicht klar: so mus gewislich folgen, das solche meister zuweilen gröblich irren, mit treumen umbgehen und durch die hülsen sehen. schreiben Maximilians I an Leo X bei Luther 1, 99ᵇ (im lat. originale: necesse est interdum hallucinari, somniare et cecutire magistros istos); Steinbach 1, 791 hat ebenfalls durch die hülsen sehen, obcaecatum esse.
3)
hülse, in fernerer bildlicher verwendung, von dem, was der mensch äuszerlich an sich hat, im gegensatz zu seinem wesentlichen, innern: hülse verblümt, das worinnen etwas bessers als ein kern gewesen, der leib ist die hülse, worinnen die seele gewesen, der reichthum die hülse des seegens gottes. Frisch 1, 474ᵇ; wie ganz anders hat sich da Klopstock (körperlich) abzuhärten und die hülse seiner psyche zu erhalten gewuszt. Wieland in Böttigers litter. zust. 1, 218. gern von der kleidung, dem stande, der umgebung eines menschen (aber unedler als hülle): überhaupt schälte ihn der romanschreiber so eifrig aus seiner militärischen hülse. J. Paul uns. loge 2, 49; (die) hülse der beine eines grafen. teuf. pap. 1, 82; so oft er hinüber sah zu Lianen, die heute in ihrem langen schleier ohne schwere dicke gallahülse .. ging. Tit. 3, 108; wenn die schranken des unterschieds einstürzen, wenn von uns abspringen all die verhaszte hülsen des standes, menschen nur menschen sind. Schiller kabale u. liebe 1, 3; (tische, schreine, sessel auf einem estrich) jetzt ruhten sie zusammengeschichtet in wüsten haufen, die abgethanen hülsen früherer geschlechter. Freytag handschr. 3, 129; — wir achten eine geschichte, die einmal die unsrige war, und welche die hülse der verflognen stunden ist, viel zu wenig. J. Paul Hesp. 1, 89; jede physische unordnung ist nur die hülse einer ordnung, jeder trübe frühling die hülse eines heitern herbstes. 2, 220.
4)
hülse, nun auch von anderm umschlieszenden, in technischem gebrauch.
a)
in der gieszerkunst: wir brauchen messing hülsen, darein man blei oder glockenspeisz geuszet, damit sich die gewicht nicht abnützen und leichter werden. Mathes. Sar. 101ᵇ;
sehet! wie ein goldner stern
aus der hülse, blank und eben,
schält sich der metallne kern.
Schiller glocke v. 384.
b)
hülse auf den hammerwerken, ein behältnis, das den hammerhelm umgibt. Jacobsson 2, 293ᵇ.
c)
am schaft einer flinte die metallenen röhrchen, worin der ladestock steckt; bei den jägern auch das hörnerne mundstück eines schrotbeutels. ebenda.
d)
beim lustfeuerwerker die papierne röhre, welche nachgehends mit ihrem gehörigen satz angefüllt und geschlagen wird. ebenda; wie wenn von ungefähr unter der zurüstung ein feuerwerk in brand geräth, und die künstlich gebohrten und gefüllten hülsen .. unordentlich und gefährlich durch einander zischen und sausen. Göthe 18, 118. auch bei einer patrone heiszt der behälter der ladung hülse.
e)
hülse, an den jonischen capitälen drei den bohnenhülsen ähnliche zweige oder lange blätter, welche aus der schnecke zurück auf das capitell treten. Jacobsson 6, 123ᵇ.
f)
bei einem flaschenzuge heiszt hülse die flasche.
g)
auch das papier, worein geld in rollen verpackt ist, wird so genannt.
5)
hülse, eine muschelart, solen, auch messerscheide, scheidemuschel. Nemnich 4, 1321.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1900, Z. 14.

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Zitationshilfe
„hülse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%BClse>, abgerufen am 07.07.2020.

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