Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

hündisch, adj. und adv.

hündisch, adj. und adv.
nach der art eines hundes; canicularis hundisch Dief. 95ᵃ; caninus hündisch Stieler 867, doch auch im 17. jahrh. noch ohne umlaut hundisch. pers. baumg. 4, 9; hundischer mensch, cinocephalus, est homo caninum caput habens. voc. inc. theut. k 5ᵃ; gewöhnlich auf die charactereigenschaften eines hundes gewendet, und zwar
1)
in lobendem sinne:
da der fremdling ihn (den Argus), mit nassen augen, streichelt, ..
ächzt, heult er, siehet auf, erkennt Ulysz, und stirbt.
so hündisch lieben nicht die klugen unsrer zeiten.
Hagedorn 1, 41.
2)
meist aber mit bezug auf die verächtlichen eigenschaften eines hundes: der geizige ist hundisch und murrisch, wenn er etwas ausgeben soll. Scriver seelensch. 1, 841; man redet von hündischem (niedrigem, kriechendem) benehmen, hündischer gier, hündischer frechheit eines menschen;
dein huntische weis, die du teglich treibst,
lasz sehen, wie lang du freunt dinnen (da innen) seist!
fastn. sp. 54, 12;
was birgt wohl das zaudern? verwegene that;
das lächeln, das neigen, was birgt es? verrath;
die heiligen blicke? vernichtenden scherz;
der göttliche busen? ein hündisches herz.
Göthe 40, 397;
trunkenbold mit dem hündischen blick.
Stolberg 11, 16 (κυνὸς ὄμματ' ἔχων Il. 1, 225);
und so schimpfwort: Golo! verrätherischer, hündischer Golo! Fr. Müller 2, 205;
nur dir gefolget insgesammt sind wir, ...
den Menelaus und dich hündischen (κυνώπης Ilias)
zu rächen an den söhnen Ilions.
Bürger 143ᵇ.
adverbial:
hündisch karg und genau.
H. Sachs 1, 513ᵃ;
indem ihr mund so hündisch spitzt und höhnet.
A. Gryphius 1608 1, 499;
die herlichste gemühter
sind stets des Momus spiel, den wen er unsre gühter,
welch überirdisch sind, nicht füglich tadlen kan,
so greift er die person auf sein guht hündisch an.
Rist Parnass B 5ᵇ.
3)
wie das subst. hund (sp. 1916) namentlich in compositen, nur steigernd nach der übeln seite hin verwendet wird, so auch hündisch: man gähnte, seufzte, wischte sich die stirne, rieb die augen, hatte hündische lange weile. Wieland 19, 266 (235).
4)
hundische tage, dies caniculares (vgl. hundstag):
ouch will ich dir mit triwen sagen,
hüte dich vor den hundischen tagen.
monatreime in der Germ. 8, 108, 7 (15. jh.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1931, Z. 32.

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Zitationshilfe
„hündisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%BCndisch>, abgerufen am 14.08.2020.

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