Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

hütlein, n.

hütlein, n.
1)
kleiner hut, mhd. hüetelîn, hüetel: pileolum ein clein hutlin, hietle ł piret Dief. 435ᵃ; huͤtly pileolus Maaler 231ᶜ; (die geiszler) hettent alle mentel an und huͤteline uffe mit roten crüzen. d. städtechr. 8, 105, 10; eins jarkuchenjunkers und hofjungen hütlin, welchs fein aufs schweizerisch mit der feder geblümt war. Garg. 136ᵇ; (die pflanze) gewinnet runde scheublechtige breite blumen gleich einem breiten hütlein. Tabernaem. 441; die wunderlichst legend vom ursprung des ... vierhornigen und viereckichten hütleins (jesuiterhütleins). Fischart dicht. 2, 241 Kurz; das schwarze hütlein, zeichen der trauer: freu dich, liebes mütlein, traure, schwarzes hütlein, heiszts bei lachenden erben. Otho 1034. symbol der freiheit ist das hütlein (vgl.hut 1, c sp. 1979):
komm güldne freiheit, komm mein leben,
und setze mir dein hütlein auf.
Fleming 501;
das hütlein ziehen: das huͤtly abziehen, adaperire caput, aperire caput Maaler 231ᶜ, nicht nur zum grusze, sondern auch als bittender:
hält für der reichen thür
sein hütlein in der hand, und kömpt doch selten für.
Opitz 1, 154;
ergebung in fremden willen anzeigend: sondern es heiszet schlecht, dein hütlin zihen, und ja dazu sagen, und war lassen sein, als das nicht aus deinem verstand komen ist. Luther 6, 67ᵃ;
Hammen, gib dich gewillig darein!
der von Ulm muͦst du gefangner sein,
woltest mir mein huͤtlin rucken,
das dein will ich dir zucken.
Uhland volksl. 352.
das hütlein einem abziehen heiszt auch einem seine dominierende stelle nehmen: man darf nicht Cephas gewalt höher machen, denn der andern aposteln, wie sie denn zu der zeit pflegten zu sagen, Cephas helt dis also, der doch der fürnemste apostel ist, darumb sol es Paulus, und ander auch so halten. nein, spricht Paulus, und zeucht Petro dis hütlein ab, das sein ansehen und gewalt solt höher sein, denn der andern apostel oder kirchen. Luther 6, 524ᵃ; einem das hütlein wieder geben, ihn wieder als ersten anerkennen:
gebt im das hütl wider.
Püterichs ehrenbrief bei Haupt 6, 53.
anderes sprichwörtliches. einem ein hütlein aufsetzen, ihn teuschen, vgl.hut 1, g sp. 1981: fallere, betriegen, das hütlin uf setzen. Hoffmann findlinge 1, 77; vor mittag lesen sie (die bischöfe) mess ... nach mittag nemmen sie ein spiesz oder schwert. ungeschickter ding hat yemant sein lebenlang ye gehört. das heiszt dem bischofflichen ampt ein hütlin auffgesetzt. S. Frank chron. 1531 377ᵃ; die eergeitigen, die allem ding ain hütlin aufsetzen und verklügen, und mit neüwen fünden in (sich) ain ansehen bei dem fürwitzigen pofel machen. guldin arch 190ᵃ; unterm hütlein nicht wol verwahrt sein, nicht recht bei verstande sein (vgl.hut 1, i sp. 1981): unterm hütlin nit allzuwol verwahrt. Harnisch 36; nicht recht unterm hütlin verwahrt. 299. es heiszt sehen wohin man das hütlein setzen möge, wenn man die strafe des kopfabschlagens verblümt androht: derowegen sollten wir von solchem vornehmen abstehen und unsern herrn zum gehorsam ermahmen, denn, sollte es von uns nicht beschehen; so möchten wir sehen, wohin wir die hütlein setzen möchten. Schweinichen 2, 112. Gaukler bedienten sich eines hutes, mit hilfe dessen sie ihre kunststücke ausführten:
genuoge hêrren sint gelîch den gougelæren,
die behendeclîche kunnen triegen unde væren.
der sprichet: 'sich her, waʒ ist under disem huote?'
nu zucke in ûf, dâ stêt ein wilder valke in sînem muote.
zuck ûf den huot, sô stêt ein stolzer pfâwe drunder.
nû zucke in ûf, dâ stêt ein merwunder.
swie dicke daʒ geschiht, so ist eʒ ze jungest wan ein krâ.
Walther 37, 34;
davon die namentlich im 16. jahrh. sehr gebräuchliche redensart unterm hütlein spielen, heimlich und in der absicht zu teuschen etwas thun: es ist eine heimliche meuchlinge schalkheit, und wie man spricht, unter dem hütlin gespielet, das mans nicht merken sol. Luther 4, 407ᵇ; (die päpste) brauchten des türkischen kriegs zum hütlin, darunter sie spieleten. 432ᵃ; hie aber (bei der winkelmesse) sind keine zeugen, sondern eine einzele person, welche im tunkeln munkelt und unter dem hütlin spielet. 6, 88ᵃ; es gilt hie nicht, so unter dem hütlin spielen, und im finstern mausen. 106ᵃ; weil aber diese ungenanten unter dem hütlin spielen und aus der finsternis heraus schreien und ganz Israel betriegen. J. Wigandus ob die newen Wittenberger etc. 1ᵇ; unter dem hütlein spielen. Schottel 1112ᵃ; wohl aber können sie (die hutmacher) hauptsächlich unter dem hütel spielen, es wissen einige aus ihnen die leut dergestalt zu betrügen, dasz jemand möcht in zweifel setzen, ob sie huter oder häuter (hutabzieher, schinder) sein. Abr. a S. Clara etwas für alle 1, 349 (werke 14, 33); er würde es ihm wol angesehen haben, dasz es unterm hütle spiele. Felder Nümmamüllers 171;
nach dem eid habt ihr stets geziehlt
und unterm hüttlein lang gespielt,
man hat es wohl vernommen.
Hildebrand volksl. 401 (von 1664);
mit einem unterm hütlein spielen, ihn heimlich betrügen: auf das mit mir ein solch spiel unter dem hütlin gespielet würde. Luther 8, 4ᵇ;
nemlich auf das es bleib verschwiegen,
wie ir die leut nur thut betriegen,
und ewer mütlein an in kület,
unterm hütlein mit in spielet.
Fischart dicht. 1, 168, 1398 Kurz;
auch, nach der alten verbindung von spielen mit dem namen des spieles im genitiv: es heiszt des geiz under dem hütlein gespilt. H. Sachs dial. 23, 29;
wes sie da spielen unter dem hutlein
dasselb kann nymant auszspehen.
fastn. sp. 1112;
die in der folgenden stelle erscheinende form hütlich steht wahrscheinlich mit doppeltem verkleinerungssuffix für hütelchen:
die andern, welch man nent kaufleut,
kleiden sich auch in wolfes heut.
mit geiz den gemeinen mann bestelen,
doch wissen sies so fein zu helen,
des geiz fein unterm hütlich spielen.
B. Waldis Esop 4, 49, 137.
ähnliche redensarten sind: unterm hütlein stechen:
geit sich doch keiner an das licht,
tunt nur unter dem hütlein stechen.
H. Sachs 2, 1, 74ᵇ;
es geht unterm hütlein zu, heimlich, verborgen, mit list: es gieng aber under dem huͤdly zu und mit verettry (verräterei), das nit iedem zu wissen wart. Basler chron. 1, 21, 13;
unser gesellschaft geet unterm hutlein zu.
fastn. sp. 730, 9;
ein hütlein über etwas stürzen, eine sache verdeckend verändern, wie die gaukler thun:
ain richter, der dem armen das recht verkürzt,
und im ain hütlin darüber stürzt.
Keller alte gute schwänke no. 38;
so man aim armen das recht verquent,
und im ain hütlein für die augen wendt.
no. 40;
der schuldig clagt übern richter ...
wann in der arm vorm recht sol nützen,
und er im wol hülf treülich hinüber,
so stürz er im ain hütlin darüber.
Gengenbach 407, 183.
2)
hütlein in einem pflanzennamen, vergl. eisenhütlein. in der wappenkunst ist eisenhütlein vellus varium, petasi. Steinbach 1, 798.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 1990, Z. 75.

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Zitationshilfe
„hütlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/h%C3%BCtlein>, abgerufen am 12.07.2020.

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