hacken verb
Fundstelle: Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 103, Z. 6
ferire, concidere, pastinare, ahd. hakjan (Graff 4, 762), mhd. hacken, ags. haccan, altfries. hakia. dasz hacken sowol wie hauen auf éine vollere verbalform zurückzuführen ist, die am schlusse der deutschen wurzel sowol labialis wie gutturalis aufwies, und von der das eine verbum jene, das andere diese rettete, ist in der abhandlung J. Grimms über diphthongen nach weggefallenem consonanten (kleine schriften 3, 119) dargelegt worden. die goth. form des wortes fehlt uns, das altnord. höggva dagegen aus früherem haggvan, hagvan weist beide lautgattungen auf. während altsächs. hawan, ahd. hawan houwan die gutturalis einbüszten, rettete sich die letztere bei untergang der labialis in verschiedenen bildungen, und wie ags. hig heu zu heávan hauen steht, so wird zunächst hag und hagel von hauen nicht zu trennen sein, worüber unter diesen worten mehr. in andern bildungen aus dieser wurzel hat sich aber die gutturalis, wol unter dem einflusse ihrer doppelten stellung, nicht als media gehalten, sondern ist in die tenuis übergegangen, wofür in streng oberdeutschen gegenden auch sogar die gutturalaspirata ch platz griff. so erklärt sich hacken, hackelwerk neben hachelwerk, hache, wofür Keisersberg hagk schreibt; neben häcksel erscheint noch spät die schreibung hechsel. rücksichtlich dieses schwankens in der gutturalis vergleiche man rücken mit ursprünglicher doppelter gutturalmedia (alts. hruggi), wofür nach der verschiedenheit der denkmäler ahd. ruggi, hrucki, ruke, mhd. rugge und rucke erscheint, die aspirata tritt hervor in ahd. ruchilingun rücklings (Graff 4, 1149), ferner die verschiedenheit des auslautes in ahd. quek (vivus), wofür auch queh, quech, quecch, quekh und cheg steht, wobei zu bemerken ist, dasz auch die deutsche wurzel dieser beiden wörter in ihrem auslaute guttural- und labialverbindung wahrscheinlich aufwies (Grimm kl. schriften 3, 130. 131). hacken ist intensiver als hauen; wenn die thätigkeit des hauens auch in einem einzigen schlage beschlossen ist, so bezeichnet hacken vielmehr das wiederholte hauen, und setzt eine reihe von schlägen voraus. in folgenden fällen steht es:
1)
es ist verstärktes schlagen überhaupt; so niederdeutsch complaudere mit den hennen (händen) tosamede hacken Diefenb. 137ᵇ; im Göttingischen heiszt ein hacketau-brauer (hackezubruder) ein plumper und grober gesell (Schambach 71ᵇ) als einer der gern zuschlägt, prügelt. etwas entzwei hacken ist stärker als etwas entzwei schlagen. streitende hacken auf einander los, auf einander ein; sie hacken und beiszen sich selbs drüber wie die tollen sew unternander. Luther 5, 297;
(mein bruder) den der barbar an die Preuszen verschacherte, dasz ihn zu schanden
hackte der wilde kalmuck und menschenfresser und tatar.
Voss Idyll. 'die leibeignen'.
daher sagt man sprichwörtlich es hackt alles auf mich ein, alles will mir wie einem gegner zu leibe; auf abwesende hacken, absentes rodere amicos Stieler 732; dän. abgeblaszter hakke paa, einen tadeln Kristiansen 115. — Der feind wird in die pfanne gehackt, wie sonst in die pfanne gehauen, gewissermaszen zu so kleinen einzelnen stücken vernichtet, wie sie in die pfanne gehen; parallel ist die redensart einen zu kochstücken hauen, s.kochstück 5, 1564: dieser vortheil war das einzige mittel zur verhindernüss, dasz nicht das ganze Cimbrische heer in die pfanne gehackt ward. Lohenstein Arm. 2, 891.
1,
1064 begegneten wir dem ausdruck sich selbst in die backen hauen, gleichsam sich selbst verwunden, schädigen, das in die backen hauen war eine alte weise der kampfverwundung, wofür auch galt in die backen hacken:
hüebe sich ein schimpf (kampfspiel),
daʒ man hacken
würd die backen,
sæhe mangen schrimpf ...
MS. Hag. 3, 191ᵇ.
bei Fischart ist Hackenback ein gemachter heldenname:
von mannlicher tugent und meh dann menschlicher sterke
des streitwarn Hackenback.
Garg. 39ᵇ;
dafür Hakbak, Hakintebak Garg. 35ᵃ; wie ers vom groszvatter Hackelback gehört hat. 131ᵃ.
2)
vögel hacken mit dem schnabel ein ding, nach einem dinge oder in ein ding:
mich hacken die raben vom rade.
Bürger;
da hackten ihn die raben in das angesicht.
volkslied;
wir hacken, wie die steindohle, nach jedem glanze. J. Paul Titan 1, 58; bildlich: da ferner unsere näscherei nur nach überflüssigem witze hackt. werke 5, 43. das sprichwort sagt: keine krähe hackt der andern ein auge aus, lupus lupum non devorat. Stieler 731; s.aushacken. eine milde verwünschung ist: dasz dich der hahn hack! Mattheson critica musica (1725) 2, 153, wie schwäbisch dasz dich das mäusle beisz!
3)
fleisch, kraut, stroh, holz, wird gehackt, durch mehrfaches schlagen mit beil oder messer zerkleinert: ein fleisch eines swînes weich gesoten unde gehacket under ein ander. Haupt 5, 12; nim mager kalbfleisch und reinen speck, hacke das klein durcheinander. Colerus hausbuch 1, 156;
dein saffran hast zu Fenedig gesackt
und hast rindfleisch darunter gehackt.
fastn. sp. 478, 2;
der fleischer hackt fleisch oder leber zu würsten; fleisch hacken, carnem concidere Steinbach 1, 664; gehackt krautmuͦsz minutal Dasyp.; heiszt palea, ist gehackt stro. Fischart bienenk. 51ᵃ, vgl. häckerling, hackstroh; holz hacken, holz zu kleinen stücken schlagen, unterschieden von holz hauen, das holz im walde hauend fällen. bildlich wird gesagt auf einem holz hacken, ihn sehr schlecht behandeln, ihn gleichsam als hackeklotz für die schläge seines witzes oder seiner laune haben: das, wan er (in ungnade) fällt, jederman holz auf ihn hakken wil. Butschky hochd. kanz. 279; ich bin die personificirte sanftmut, ich lasse holz auf mir hacken. Kotzebue dram. werke 1, 314.
4)
sehr häufig ist hacken in der bedeutung mit der hacke das erdreich bearbeiten. es steht
a)
ohne object, allgemein die thätigkeit markierend: wolan, ich will an diesem ort eine prob nehmen und meinen karst auf diesen baum werfen; bleibt er droben hangen, so will ich mit in den krieg ziehen, fällt er aber wieder herunter, so soll mirs ein zeichen sein, dasz ich elender tropf noch länger hacken soll. Simpl. 3, 195 (1713 s. 153);
da Adam hackt und Eva spann,
sagt wer wa da ein edelmann?
beliebt sind die verbindungen hacken und graben, hacken und roden:
wenn man eine zeitlang musz hacken und graben,
wird man die ruh erst willkommen haben.
Göthe 13, 148;
das ich solt hacken und rüten.
N. Manuel fasn. 340 (Grün);
wer die rut fleucht,
und die arbeit scheucht,
und nichts leiden kan,
und wil nichts ausz stahn,
der bleib Johannes in eodem
und musz hacken und roden.
Peters teutsch weiszh. Eee 7ᵇ.
b)
mit object, das feld, den acker, den weinberg u. s. w. hacken: das ärdtrich hacken und karsten, fodere terram, perfodere, pastinare Maaler 204ᶜ; ich wil in (den weinberg) wüste ligen lassen, das er nicht geschnitten noch gehackt werde. Jes. 5, 6; nach pfingsten oder Johannis .. hacket man den ganzen hopfengarten umb. Colerus hausb. (1604) 2, 195; für den weinberg hacken sagt man auch schlechtweg wein hacken, pastinare vites Steinbach 1, 664; ähnlich kartoffeln, rüben hacken für kartoffel- oder rübenland hacken, mit der hacke bearbeiten: in der faste soll der alte hopfe gehackt und beschnitten werden. Colerus 2, 196; wer teilreben buwet von dem gotzhus, der sol si zu sant Clerien tag gehacket han. weisth. 4, 508. — Im winter, wenn flüsse und gossen gefroren sind, stellt man leute an, das eis zu hacken.
5)
bildlich gilt hacken in mehreren bedeutungen; für unmäsziges essen: er hackt stattlich drauf los, raptim vorat instar lupi famelici, devorat et ingurgitat sese. Stieler 732; für undeutliches stammelndes reden ( Adelung), ebenso wie engl. hack, schwed. hacka i tal, hacka i föredrag, stammeln, stottern; ebenso für undeutliche unschöne schriftliche darstellung: er schreibt einen gehackten stil.
6)
die milch hackt sich, sie gerinnt, wofür im Osterlande auch das frequentative hackern verwendet wird: die milch hackert sich oder ist gehackert.
7)
hacken für haken, s. d. letztere.
hacken n
Fundstelle: Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 104, Z. 75
der infinitiv des vorigen in substantiver bedeutung:
und sie streut dann (den vögeln) das futter aus,
..... da gehts an ein picken,
an ein schlürfen, an ein hacken.
Göthe 2, 91;
das hacken sarritio Frischlin nomencl. 377ᵃ; actio caedendi ascia sive securi, actio sarriendi, pastinandi, concidendi Frisch 1, 391ᵇ; das graben und hacken macht schmale backen, improbi labores vires exhauriunt. Stieler 732; hacken macht schwielen. das.; diesen hopfen, weil er nicht gehackt, nennt man rasen- oder grasehopfen, thut oft mehr und treget gröszere heupter, als der andere, welcher viel hackens und wartens bedarf. Colerus hausb. 2, 197.
Zitationshilfe
„hacken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hacken>, abgerufen am 23.05.2019.

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