Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

halde, f.

halde f
ahd. halda (Graff 4, 894), mhd. halde (wb. 1, 619), im allgemeinsten sinne eine geneigte, abhängende stelle. es entspricht bis auf das geschlecht dem griech. κλῖ-τος hügel, abhang, welches mit κλί-μα und κλι-οία, sowie mit dem lat. cli-vus auf eine wurzel cli neigen zeigt, die im deutschen theils in der umgesetzten form hal, theils (wie auch im griech. lat.), in erweiterter, als hlin erscheint, worauf unter lehne und lehnen noch einmal zurückzukommen ist.Neben dem fem. halde macht sich selten, aber schon frühe eine masculine nebenform hald geltend, die zum altnord. hall-r abhang tritt, so hald clivus im voc. opt.; clivus, rupes, hald, naige Frischlin nomencl. 36ᵃ;
funden wir disen an eim haldt.
Wickram pilger bl. 59.
halde assimiliert sich in halle: clivus halle Diefenb. 127ᶜ, namentlich wo es im bergmännischen gebrauche in der bedeutung 2 ist; beispiele hierfür folgen unten.
Bedeutung:
1)
die abschüssige seite eines berges, bergabhang, zunächst oberdeutsch, namentlich alemannisch, Schmid schwäb. wb. 256. Schmeller 2, 178; die halden, stotz, gähe devexitas, clivus, dejectus, nutatio, nutus Maaler 207ᶜ; dasz der herd an der gehen halden davon war gerissen. Th. Plater 28; dieser berg hat ein absteigende halden gegen der undern statt. Reiszner Jerus. 1, 8ᵇ; auf diesem berg und an den halden dieses bergs ringsweisz war die understatt. 22ᵃ; drängten den feind die halde eines bergs hinan. Niebuhr 2, 277; in berg und thal, auf first und halden. Hebel schatzkästl. 28; mittags rasteten wir gewöhnlich auf einer sonnigen halde. Immermann Münchh. 2, 70; wie mit perlen und edelgestein übersät, prangen die beleuchteten, kräuterduftenden halden in ihrem glitzernden thaugeschmeide. gartenlaube 1866 s. 671;
ihr gärten, weinberg, först, ihr äcker, halden, haiden.
Weckherlin 306;
ich stand auf berges halde.
Rückert 89;
du zeigst an schattger halde
mir den beschilften see.
Uhland ged. 310;
als singend an der halde
ein mädchen beeren las.
s. 374.
in Schwaben heiszt auch das an einem solchen abhang liegende, gewöhnlich mit gras oder holz bewachsene grundstück halde Schmid 257.
2)
bei den bergleuten heiszt halde ein beim schacht aufgeschütteter hügel erde oder gesteins: halde wird genannt derjenige üm einen stollen oder schacht am tage aufgeworfene und aus dem gebäude geforderte berg und erden. Nehring hist.-polit. lex. (1736) anh. 46ᵃ; so füret aus der kau (schachthütte 5, 310) beider (jeder von beiden) sein laufkarren und schüttet in aus, also geschichts, das wann die tiefe schächt gesunken werden, ein grosze halde bei der kau des gezeugs aufgeht. Bechius vom bergwerk (1557) 132; auf den halden und gebirgen höret man die schönen geistlichen bergreien singen und klingen, das berg und thal davon hallet und erschallet. Mathes. Sar. vorrede; ich hatte das glück .. auf einer verlassenen halde thonschieferplatten mit kreuzweis laufenden sich mehr oder weniger verschiebenden quarzgängen zu finden. Göthe 32, 99. die assimilierte form halle geht im munde der gewöhnlichen bergleute: wie zwar auch ir bergleut alle taube und lere bergart und hallen falsch ding pfleget zu nennen, das kein silber oder ander gültig metall bei sich hat. Mathes. Sar. 108ᵇ. der bergmann klaubt die halde aus, sucht das dort etwa noch vorhandene erz; stürzt etwas auf die halde, wirft gestein auf einem dazu angewiesenen orte vor dem schachte zusammen. Jacobsson 2, 195ᵇ. einen auf die halde setzen, nämlich an einen ort, wo kein erz vorhanden, heiszt zunächst eine gewerkschaft aus dem felde vertreiben (Jacobsson das.), und zwar mittels gerichtlichen prozesses: da im aber ein ander fündiger gang in sein vierung fellet, fahen seine benachbarten gewerken ein hader mit ihm an und wöllen ihn ausztreiben und auf die halle setzen. Mathes. Sar. 21ᵇ; das ist auch als redensart in freierem gebrauch: to treibet er den heiligen geist wider ausz, oder wie ihr bergkleut redet, er setzet ihn wider auf die halle und fellet ausz dem glauben. 114ᵃ.
3)
eigenthümlich steht halde für die durch die geneigten zweige eines baumes gebildete laube: J. Goropius lobt den lindenbaum für all andere bäume wegen seines schattens und das man darausz schöne weit umb sich schweifende halden machen kan. a. weiszheit lustg. 435; die schattechten halden dieses baumes. 760.
in einer halden grün,
mit manchem pfersichbaum und epheu überschattet.
Weckherlin 773.
4)
im niederdeutschen erscheint die umgelautete form helde als technischer ausdruck der schiffer: von helden lôpen wird vom schiffe gesagt, wenn es vom stapel läuft. Schütze 2, 129; auch hier hat also helde die allgemeine bedeutung einer herunterwärts gehenden, abschüssigen stelle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 221, Z. 35.

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