hallen verb
Fundstelle: Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 232, Z. 61
sonare, eine bildung aus dem subst. hall, die das starke verbum hellen tönen, mhd. hëllen, prt. hal, seit dem 16. jahrh. schon allmählich verdrängt hat. obwol das wort schon im 15. jahrh. auftaucht (sonorus lut halend Diefenb. 542ᵇ), ist es doch bis ins 18. jahrh. hinein noch in seltenerm gebrauch, vgl.erhallen 3, 834, hallen sonare clangere, strepere Stieler 734; recht häufig wird es erst, namentlich in der dichtersprache, seit der zweiten hälfte des 18. jahrhunderts. die allgemeine bedeutung einen lauten, weithin schallenden ton von sich geben, ist in mehrfacher weise ausgesprochen.
1)
rein passiv, das subject wird durch fremden, nicht von ihm ausgehenden hall bewegt, den es aufnimmt und verbreitet: das berg und thal davon (von den bergreien) hallet und erschallet. Mathesius Sar. vorrede;
der nymphen göttin singt. die frohen haine hallen.
Hagedorn 2, 117;
die lüfte
hallen von reitergalopp und gebell der spürenden meute.
Bürger 246ᵃ;
im strome der melodie zum hallenden ocean
der allvollkommenheit.
Herder 20, 111;
ist dir nicht wohl beim näheren himmel?
nicht wohl im hallenden felsen?
Stolberg 1, 105;
im donner der hallenden felsen.
s. 104;
wir schweben, wir wallen auf hallendem meer.
Herder der eistanz (volkslieder 2, 287);
hats nicht gedonnert? ja! es hallen noch
die berge dumpf.
Uhland Ludwig 109;
vgl. wiederhallen.
2)
activ, der hall geht vom subjecte aus, wird aus demselben erzeugt; und zwar ist das subject ein unbelebtes, der aus ihm entspringende hall das product fremder thätigkeit; so hallen laut, stimme, wort, lied, töne, glocken, waffen: ein dumpfes stöhnen, ächzen und todesröcheln und geheul der verzweiflung hallte in dem felsen. Klinger 5, 365; er läszt seine jamben den mächtigen hallenden gang fortsetzen, der unserer sprache eigen ist. Bürger 140ᵇ; das todtenlied musz noch in deinen ohren murmeln, das deinem vater zu grabe hallte. Schiller 124 (räuber 3, 1);
auf ödem strande,
wo keines menschen stimme hallt.
Gotter 3, 454;
trauertöne hallen
durch die öde luft.
s. 530;
todt', erwacht! die posaun hallt!
Klopstock 6, 274;
fröhlich hallte der pokale läuten.
Matthisson ged. (1794) s. 31;
unter dem ahorn, an der felsenquelle,
horcht ich sinnend der nachtigall; elysisch
hallten, gleich harmonikatönen, ihre silberaccorde.
s. 48;
wo der see, mit grüner welle,
dumpf der moosbedeckten zelle
schroffe klippenwehr umschäumt,
hallt dein nam in stiller feier.
s. 115;
kühn liesz ich durch die todtenstille nacht,
verlorne müh! der stimme klang erschallen,
liesz durch ganz Ilium den theuern namen hallen.
Schiller 37;
töne drein, gewölbte leier!
hall am felsen, wiederklang!
Bürger 1ᵇ;
hallend stürzt er dahin, und über ihm klirrte die rüstung.
219ᵃ;
hört, es hallen herdenglocken
auf der trift am hohen roggen.
Seume der tag der heuernte;
dort, wo des beiles schläge fallen,
einsame waldhornklänge hallen.
Uhland ged. 296;
klinge, prophetischer klang! halle, verfliegendes wort!
Arndt ged. (1840) s. 189;
man hörte waffen hallen den helden an der hand.
Simrock Nibel. 1915,
wofür im mhd. texte nach der oben gemachten bemerkung noch das starke verbum hëllen steht:
des hôrt man wâfen hellen den helden an der hant.
1915, 3 Lachm.
Hier wird auch die fügung mit dem unbestimmten es gebraucht, wenn man das hallerzeugende subject nicht näher bezeichnet: es hallt im walde; es hallt auf der strasze, sind das nicht schritte der soldaten? oder wenn die ursache des halls durch von noch ausdrücklich hervorgehoben wird: es hallt im walde vom gesange der vögel.
3)
das subject ist ein belebtes, das den hall in eigner thätigkeit hervorbringt:
ihr (der freiheit) naht ein drommeterheer,
das lauter hallte, denn die eisen
klirrten, und knieend sie göttin nannte.
Klopstock 7, 29;
und in dem heiligthume hallen
um deinen magischen altar
durch blüthenflocken nachtigallen
dem schönen neugebornen jahr.
Seume der mai.
4)
hallen wird endlich transitiv verwandt, wie die ähnlichen wörter brausen, klingen, schallen, tönen:
ihr gestirn hier in der strasze des lichts, hallts feirend,
des erlösenden lob!
Klopstock 6, 251;
es darf das lied der holden nachtigallen
mich, hingestreckt auf flaumen oder moos,
wol in den schlaf, wol aus dem schlafe hallen.
Bürger 69ᵇ;
Laura betet! engelharfen hallen
frieden gottes in ihr krankes herz.
Matthisson ged. (1794) s. 124.
Zitationshilfe
„hallen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hallen>, abgerufen am 20.10.2019.

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