halt adv.
Fundstelle: Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 272, Z. 44
in zwei bedeutungen.
1)
die ahd. partikel halt, magis, potius, die auch im altsächs. als hald sich vorfindet, im goth. und altnord. als comparativbildung haldis, heldr erscheint, lebte im mhd. in manigfacher anwendung fort, in der ursprünglichen noch bis in spätere zeiten, vergl. Schm. 2, 184: wie men die ackere solte eren und hacken und bereiten, dasz sü deste halt korn gebent. Königshoven chron. 17; häufig aber (mhd. wb. 1, 618ᵇ) in concessivsätzen verwandt, wo es auch, wenn auch, ausdrückt: gehieʒe er dir halt guot, er mac sîn dannoch niht geleisten. Br. Berthold 343, 4;
swie halt mir mîn dinc ergê
ich wil dem phluoge widersagen.
Helmbr. 570;
ich wil niemer wider komen
eʒn sî daʒ ich in gesehe,
swaʒ halt mir dar nâch geschehe.
Wigal. 38, 6 Pf.;
von einer wunden sîhte
der trûwet sie vil wol genesen,
ob sie halt tiefer wær gewesen.
Crone 12498.
auch über das mhd. hinaus wird das wort in diesem sinne verwendet:
ob ich halt nimmer wurd erloszt,
ich wolt euch ee mein höchsten trost,
nimmermer gesehen.
Hätzlerin 186ᵃ, 251;
P. wie, mainstu, ich turr nit zu dir gen?
B. ich fleuch dich nit, weren halt deiner zwen.
fastn. sp. 37, 26;
so wol an, wir wellen schlan,
und sol man uns halt alle vahn.
437, 11.
2)
halt, in abgeblaszter, vielfach blosz füllender verwendung, etwa durch freilich, eben, wol, ja zu übersetzen, obschon diese übersetzungen den sinn nicht getreu widergeben, weil ihre bedeutung eine noch zu scharf umgrenzte ist, erstreckt sich durch Oberdeutschland bis nach Mitteldeutschland hinein: mhd. wæret ir halt zwei jâr von in gewesen. Br. Berthold 322, 36;
halt in allen diutschen rîchen
kom mir nie deheiner zuo,
der beidiu spât unde fruo
sô wol an trinken tûre.
weinschwelg in Wackern. lesebuch (1861) 739, 5;
nhd. Ham fiel nach der sindflut und halt auch sein weib. Luther 4, 48ᵇ; aber es sind halt Brocardische schwindelhirn. Fischart groszm. 75; es gieng halt nach dem alten sprichwort gleich und gleich geselt sich gern. Simpl. 3, 52 Kurz;
das mag halt niemant understan.
fastn. sp. 398, 16;
nu wart, wie pin ich also stet,
das ich solchs dings (der liebe) halt nit tet?
ich wolt sein halt ungern pflegen.
ich hoff, ich sei halt noch ain rainer degen.
622, 8;
ist dirs halt unverborgen?
Spee trutzn. 14.
Die neuere schriftsprache hat halt den mundarten überlassen und verwendet es nur, wenn die rede mundartlich anklingen oder eine trauliche färbung empfangen soll: so wird halt der gute junge lang hier bleiben müssen. Mercks briefs. 1, 221; weil sie mich nun halt dauerten. Wieland 11, 68; ich habs ihnen ja schon oft gesagt, ich mag nicht madam heiszen; ich bin halt frau schlechtweg. H. L. Wagner kindermörderin 13; ei sie belieben halt zu vexiren. 17; was kann ich halt machen! ich musz wohl. 62; ihr seid doch mein goldiger junker — freilich halt ein biszchen locker gewesen. Schiller 131; so haben wir halt unsern lohn. 133;
ein groszer mann
ist halt ein mann, der alles kann.
Wieland 18, 205;
ist halt, dacht sie, ein geschenkter gaul.
Göthe 12, 145;
herr hauptmann, seid ihrs? gott sei dank,
haben euch halt erwart't so lang.
13, 63;
bemerk ich nun das und sinne darüber,
nun, so spiel ich halt auch mein spiel.
40, 133;
ein alter bettler mit der krücke
spricht: kind, hier gibts halt keine brücke.
Fr. Kind gedichte;
mir gings halt wohl zu Wien.
Uhland Ludwig 51;
Th. sie thun sich alles bittre herzeleid.
St. ist halt nicht recht, sind doch gesippte freunde.
s. 53;
nur fünf und siebzig blieben
da sitzen stumm und trist;
sie wollen halt nicht lieben
und jubeln nicht zur frist.
kladderadatsch 1866, s. 162.
Es ist unentschieden geblieben, ob halt in der bedeutung 1 und 2 eines ursprunges sei. das ahd. adverb halt, das sich dem ursprunge nach vom verbum halten nicht trennen läszt und dem die vorstellung des zusammenhaltens, geistigen erfassens, sowie die richtung nach etwas begehrtem hin, zu grunde liegt, konnte, wenn es einmal partikelhaft in concessivsätzen gebraucht ward, recht wol zu jener oben unter 2 aufgeführten, fast nur ausfüllenden verwendung gelangen, und die in Östreich gebräuchliche nebenform halter, die auch sonst (wie halt) in der schriftsprache erscheint: weil sie halter meint, dasz sie allein sei. Wieland 11, 221;
unser einer hats halter gut in geistlicher herren
landen, ihr joch ist sanft, und ihre lasten sind leicht.
Schiller xenien, die geistl. flüsse;
kann diese annahme stützen, da sie sich am natürlichsten als comparativform des adv. halt fassen und an goth. haldis, altn. heldr anlehnen läszt; auch ein superlativ hältest, häldest in der bedeutung ehestens, nächstens, alsbald, sogleich, erscheint dazu, Schm. 2, 184. so hat sich ähnlich ein oberrheinisch-hessischdüringisches als (1, 247), die kürzung von alles omnino, in die nachdrucklose bedeutung freilich, eben, verloren und wird vielfach im sinne von halt 2 verwendet. andrerseits hat zuerst Schmeller (2, 186) halt in der bedeutung 2 als ein von halt 1 verschiedenes wort gefaszt und als 1. pers. sing. des verbums halten in der bedeutung meinen, glauben, genommen; das empfängt bestätigung einmal aus dem ahd. halto (Graff 4, 911), das seiner ganzen anwendung nach als schwächung der verbalform haltu opinor sich erweist, sodann durch mundartliche formen wie schles. haldich, hallich, hâlich, hach (Weinhold 32ᵃ), henneberg. heillich, eilich, ellich (Reinwald 1, 26), bei denen das pronominale ich sich noch zeigt, und die daher mit dem adv. halt nicht vermittelt werden können (vgl.halten II, 11, f unten); ähnlich hat sich mhd. wâne, wæn (mhd. wb. 3, 497) aus wæne ich, schweiz. denkh aus denk ich, oberpfälz. glau aus glaub ich, ergeben, und das niederdeutsche man, das ganz wie halt 2 gebraucht wird, kann auch nur die 1. sg. des verbums alts. ags. munan glauben dafür halten, sein. eine sichere entscheidung wird sich schwer treffen lassen, und die von Lexer 132 vertretene annahme ist die natürlichste, dasz die partikel halt potius, magis mit halt aus halt ich opinor sich gemischt habe. eine weiterbildung von halt ist das seltene haltig: ich gedenke haltig, herr wolf, dasz ihr wölfe seid. Simpl. 1, 1, 3 s. 13; wie sich gleichmäszig aus halter im fränkischhennebergischen ein halterig entwickelt hat. Fromm. 3, 224.
halt m.
Fundstelle: Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 270, Z. 54
nach dem verbum halten in mehrern bedeutungen.
1)
der begriff des zusammenhalts und innigen verbundenseins der einzelnen theile, der nach der zu halten gegebenen etymologie voranzustellen ist, scheint gleichwol erst in der modernen sprache häufigere verwendung gefunden zu haben, mit ihm verbindet sich die nebenbedeutung der festigkeit und stätigkeit. so wird von dem halt einer kette, auch eines taues, eines gewebes gesprochen, in dem die einzelnen fäden fest verbunden sind: wir sehen an der stelle des schlosses eine fünfte schale, um dem ganzen rückgratsweise halt und zusammenhang zu geben. Göthe 55, 327; bleibt nichts als die weisze und durchsichtige asche. gibst du dieser die feuchtigkeit und den halt wieder, so kehren die körper in ihren ersten zustand zurück. 53, 225. Öfter übertragen auf seelische zustände des menschen: das studium der kunst wie das der alten schriftsteller gibt uns einen gewissen halt, eine befriedigung in uns selbst. Göthe 30, 192; eben so nöthig scheint es mir, gewisse gesetze auszusprechen und den kindern einzuschärfen, die dem leben einen gewissen halt geben. 20, 178;
geb er mir muth und freudigkeit und halt,
wenn laut und fordernd mich der tag umschallt.
Freiligrath glaubensbek. 34.
2)
nahe zum vorigen steht die bedeutung des anhalts, unterschieden dadurch, dasz die haltende kraft, der stützpunkt, auszerhalb des gehaltenen subjects liegt: halt, sustentaculum, worauf etwas hält oder steht Frisch 1, 404ᵃ; es hat keinen halt mehr, non est quod illud retineat, sustineat das.; eine mauer hat keinen halt, wenn das erdreich unter ihr sich nicht tragfähig erweist;
der ein mittelpunct
für viele tausend wird, ein halt, sich hinstellt
wie eine feste säul, an die man sich
mit lust mag schlieszen.
Schiller 335ᵇ;
das zuverlässige bild, das sich ein wohlgerathenes kind so gern von seinen eltern macht, verschwindet; bei dem todten (vater) ist keine hülfe, und an der lebendigen (der wieder verheirateten mutter) kein halt. Göthe 19, 74; die deutschen dichter ... genossen in der bürgerlichen welt nicht der mindesten vortheile, sie hatten weder halt, stand noch ansehen. 25, 289; zur erinnerung und um dem gedächtnis einen halt zu geben. Niebuhr 2, 4.
3)
halt, das haltenbleiben, verharren auf einem platze, nd. hâld, halt, stillstand Schambach 72ᵃ:
die zeit, so wir verschlieszen,
pflegt als ein strom zu flieszen,
der keinen halt nicht weisz.
Opitz 2, 131;
nach Tacitus bezeugt schnelligkeit furcht, zauderung stehmuth und halt. J. Paul dämmerungen 29; deren (der schauspielkunst) gänge und halte wird diese zeitschrift nie aus dem blicke verlieren. Börne 3, 128; halt machen an einem orte anhalten, wofür die ältere sprache gewöhnlich das fem. halte (s. d.) verwendet: ein im marsche begriffenes corps trouppen machet auch .. einen halt von einer guten stunde, um die soldaten ein wenig ruhen zu lassen. Eggers kriegslex. 1, 1141; in Thessalonich machten wir halt. Immermann Münchh. 2, 58;
jedoch wir machen,
hier weislich halt.
Cl. E. Schmidt poet. briefe 33;
die letzten gründe alles existirenden und gedachten können nur in dem absoluten geiste gottes halt machen. evangelische kirchenzeitung 1866 s. 672; daran schlieszt sich: dergleichen betrachtungen anzustellen versammelte sich eine grosze gesellschaft, die überhaupt wo es halt (auf dem marsche) gab, sich .. immer zusammenfügte. Göthe 30, 58 (campagne in Frankreich).
4)
halt geht daher auch auf den ort, wo halt gemacht wird und man sich lagert oder birgt, und ist namentlich der technischen sprache einer streitbaren truppe eigen (vgl. hinterhalt): donnerstag vor trinitatis beweiseten sich bei fünfzig Polen auf dem Haberberge und hatten einen halt wol bei dreitausend. Waissel chron. (1559) 267ᵇ; der vor dem haufen her zoge, die strasz und hält (plur.) zu besichtigen. Rihel Liv. 625; sie ritten sämtlich so geschwind und unordentlich in unsern halt, als wann ein jeder der erste hätte sein wollen, die beste schlappe zu holen. Simpl. 1, 271 Kurz; der feind hielt sich still, als wir in ihren halt kamen. s. 304;
do fiengen in die Nürnberger reiter gut,
die hielten auf in in dem halt.
Uhland volksl. 350;
und suchten in (den könig) mit gewalt
in zu schlachen us sin (so) haldt.
Lenz Schwabenkr. 120ᵃ;
(eine rosshaut klagt) must oft stehn in eim finstern wald
tag unde nacht in einem halt,
bisz er (mein herr) etwan kaufleut erdappt.
H. Sachs 1, 500ᵈ;
ein reitersknecht redet
ich bin oft dauszen in den halt
so ubl erfroren und erkalt
dasz mirs herz oft im leib hat zittert.
5, 339ᵇ;
hier lag er (Cupido) oft im halt
mit rosen wol verhägt.
Logau 2, 64, 57.
ein solcher halt wird geschlagen, gesteckt, gelegt:
do si sachen der lantzknechte gewalt,
do schlugen si bald ein halt.
Lenz Schwabenkr. 40ᵃ;
macht der haubtman ein anschlag, steckt zu mittag einen halt, nit vast weit von Brüssel, liesz darnach für die stat rennen. Wilw. von Schaumburg 82;
als er im Lykierlande gewählt die tapfersten männer,
legt er den halt.
Ilias 6, 189.
Einen halt bezogen auch früher die geleitsreiter, die auf straszen und in wäldern zur sicherung der kaufleute wachten: das füro alle sampstag die zwen amptman zu Lonsen und Ampstetten umb zwölfe zu mittag in ir halt ziehen. Ulmer verordn. von 1526 bei Schmid schwäb. wb. 256; daher auch die bewachung der landstraszen selbst ein halt genannt wird: den halt bereiten, die unterthanen zur besichtigung der straszen im wald aufbiethen. Frisch 1, 404ᵃ; vergl.halt, locus ubi clientes solent morari voc. inc. theut. h 8ᵇ. in der Schweiz heiszt halt ein jägermahl, mahl im freien (Stalder 2, 15), die bezeichnung der stelle wo das geschieht, ist auf die verrichtung selbst übertragen.
5)
eine ähnliche übertragung hat stattgefunden, wenn halt nun von den personen gilt, die an einem solchen orte sind: der halt (die im hinterhalte liegende mannschaft) brach auf. Aventin bei Schm. 2, 188; wurde ihr versteckter halt in guter ordnung herfür brechen. Kirchhof milit. discipl. 189.
6)
halt für gehalt, das enthalten einer bestimmten wertmenge: der ander ober bronnen .. führt in seinem halt alaun 9 part., schwefel 2 part. badbeschreibung von 1629 im oberbair. archiv, 27. band s. 24; ein rechenmeister, der keine zahl schreiben wollte, deren halt er nicht zugleich bedächte und gleichsam an den fingern abzählete. Leibniz 451. namentlich gebraucht von erzen und münzen: halt der ertz ist, wie reich der haufen ertz an metall sei. Nehring hist.-polit. -jurist. lexicon (1736) anh. 46ᵃ; damit man ausz einer prob eines quintel schwer den halt erfinden kan wider centnerwerk kupfer oder groszer stück silber, was für silber oder gold drinne ist. Mathesius Sar. 143ᵇ; das sie (die silberkuchen) ihren gebürlichen halt und prob haben. s. 147ᵃ; die (kette) befandt sich am golt sehr fein und lauter, darzu am halt nicht geringe. Kirchhof wendunm. 285ᵇ; fressen und saufen was sie finden, bezahlen aber nichts. dann auch die münz im halt sehr gering und ungangbar ist bei ihnen. milit. disc. 215; was halts ist es (das gold) an der güte? Philander 1, 225; (münzen, die) nichts in sich haben als kupfer am halt. 2, 154; an der münz wird das gepräge immer zu zierlicher, der halt aber an schrot und korn nimmt abe. Scriver seelensch. 1, 854;
das erz wollt er probieren,
damit er recht möcht spüren,
wie reich es wär in halt.
R. Köhler alte bergmannslieder 108,
dann wird von diesem ertz auch etwas eingewogen,
dasz man den halt erfährt, nachdem man es probiert.
bergw.-lexicon (1743), vorrede.
in bildlicher verwendung: und ist unsere gute teutsche sprach diszmal in ein recht kipperjahr gerathen, ein jeder beschneidet und bestimmelt dieselbe, wie er will, gibt ihr einen halt und zusatz wie er will, eben auch wie es mit dem münzen zugehet. Simpl. 4, 463 Kurz.
7)
halt, in der tonkunst das längere aushalten einer note als es der tact vorschreibt, auch das zeichen dafür (𝄐).
halt interj.
Fundstelle: Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 273, Z. 81
s.halten sp. 280.
Zitationshilfe
„halt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/halt>, abgerufen am 18.10.2019.

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