hand f
Fundstelle: Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 324, Z. 17
manus.
A.
Formelles und etymologisches. Die älteste deutsche form des wortes, im gothischen gewährt, ist handus; dieselbe hat sich am besten noch im altnordischen hönd aus handu erhalten, in dem allen niederdeutschen sprachen gemeinsamen hand, sowie in dem ahd. mhd. hant aber ihres characteristischen auslauts ganz entledigt. das wort tritt im hochdeutschen in die i-declination über und entwickelt daher im plural, in der ältern sprache auch im dat. gen. des singulars, umlaut, nicht ohne dasz jedoch von dem ältern declinationsverhältnisse spuren bis in die heutige sprache hinein bleiben, die sich in dem fehlen des umlauts an der betreffenden casusform geltend machen. der gen. sing., ahd. henti, lautete mhd. hende, woneben sich eine erstarrte, von dem nom. hant nicht unterschiedene form ausbildete, die unserer heutigen genitivform zu grunde liegt; daneben steht indes auch eine alte, dem goth. handaus verwandte, aber durch abfall des casuszeichens s und schwächung des auslauts zurückgegangene form hande, bis in die nhd. zeit hinein dauernd, und namentlich dann verwendet, wenn hand art, weise bedeutet, vgl. unten IV, 2. gleiche formen hat der dat. sing., neben hand ist hande (goth. handau) dem ältern nhd. nicht ungewöhnlich:
was zog er von seiner hande?
von gold ein fingerlein.
Vilmar volksl. 129, 14,
namentlich in der adverbial gewordenen verbindung zu hande: zu hande gehorchen (confestim obtemperare). Frontin v. Tacius bei Fronsp. 3, 229ᵃ;
darnach tot man zuͦ hande
den Hagenbacher schier.
Liliencron volksl. 2, 28, 5;
daneben häufiger die form hende, gekürzt hend, die noch durch das 16. jahrh. hindurch dauert: in der hende. Bocc. 1, 70ᵇ;
was trag ich auf der hende?
Uhland volksl. 587;
er nam sie bei der hende,
bei ir schneweiszen hand,
er fürt sie an ein ende,
do er ein gertlein fand.
672;
und eh ein unglück hat ein endt,
ist schon ein anders vor der hendt.
H. Sachs 3, 1, 237ᵇ;
richt ahn, das dich potz marter schent!
wil dir denn nichts gehn ausz der hendt?
237ᵈ;
was hat sie an ir hende?
von gold ein ringelein.
Gödeke u. Tittmann liederb. 47, 19;
die blatern, die sie (die sonne) euch nun brennt,
und die ir schaffet inn der hend,
werden euch dienen noch zum rhuͦm.
Fischart glückh. schiff (Gödeke d. dicht. 1, 194ᵃ, 12).
vergl. auch behende 1, 1336. Der gewöhnlichen form des nom. acc. ahd. hentî, mhd. hende, nhd. hände, bis ins 17. jahrh. auch hende geschrieben, gekürzt hend: das er ihnen unter die hend .. gerhiet. Garg. 131ᵇ, steht bei Opitz hande vereinzelt gegenüber, das er aber nur in der übersetzung von Grotius' wahrheit der christl. religion wagt, und auch nur im reime, offenbar durch das holländische original beeinfluszt:
und dieses ist der bund, so durch des Moses hande
darnach besiegelt ist mit weit mehr andrem pfande.
s. 387;
von euch wird fest geglaubt, dasz über viel heilande
soll ein gesalbeter auch kommen, dessen hande
euch bringen sollen glück und fried und volle huld.
s. 388;
während auszerhalb des reimes, z. b. s. 362. 406 das ihm auch sonst allein gerechte umgelautete hände steht. eben auch vereinzelt ist eine schwache pluralform händen: in der kraft meiner händen. Klinger theater 3, 111, die auch sonst zu dem sprachgebrauche dieses dichters und zu dem ebenfalls gewagten die früchten 3, 114, die steinen 3, 124 stimmt. Neben der dativform händen, mhd. henden, ahd. hentin, hantin, steht, noch im nhd. nicht unhäufig, wenn auch im gebrauche eingeschränkt, das unumgelautete handen, ahd. hantum, hantun, als deutlichster rest der alten u-flexion. es wird von den ältesten zeiten des nhd. her nicht verwendet, wenn das wort in ganzer sinnlicher kraft steht, und das bei Opitz gewährte, vereinzelte:
der samarit, nicht wert von Petrus handen
zu werden angerührt.
H. Grotius wahrheit, s. 368,
ist nach dem oben gesagten zu beurtheilen; wol aber in einer reihe durch praepositionen eingeleiteter stehender formeln, in denen die sinnliche bedeutung des wortes zurücktritt, und die meistentheils rein adverbial empfunden werden, wie daraus hervorgeht, dasz sie auch stehen, wo man eine accusativform erwarten müste (unten b, d, h). die umgelautete form händen ist in solchen verbindungen die seltenere. es sind:
a)
bei handen (vergl. die zusammengerückte form beihanden 1, 1373):
lug, hab allzeit solch prob bei handen,
so kömpstu nimmermehr zu schanden.
grobianus (Erfurt 1552) c 4ᵃ;
gern hätten uns die guten männer einen abdruck mitgegeben, es war aber nichts bei handen, was zu irgend einer art von form tauglich gewesen wäre. Göthe 28, 120.
b)
vor handen: als ob er selbst (der feldherr) vor augen und handen wer. Wilw. v. Schaumb. 106, es ist hier noch ganz sinnlich gedacht, gleichsam greifbar; nicht mehr so im folgenden: ich hab ein gescheft vor handen. Bocc. 2, 74ᵃ; ir unrüwig leut, sind ir aber vor handen? Wickram rollw. 19, 23 Kurz;
wie er wider den türken
ein zuͦg vor handen hat.
ein christenl. zug wider den Türken C 4ᵇ;
vergl. unten II, 1, h, und vorhanden. ganz ohne gefühl für den casus ist die verbindung gesetzt:
menschen musz stets viel gefahr,
creuz und leid für handen gehn.
Opitz 1, 282,
die so sie (die poeten) als ein leichtes ding vor handen zu nehmen unbedacht sich unterstehen, abzuhalten. poeterei vorrede A 2.
c)
ob handen, wie vor handen, in die bedeutung da, gegenwärtig, übergegangen, auch zusammengerückt obhanden geschrieben: es muszte länger gekocht werden, besonders wenn sauerkraut ob handen war. J. Gotthelf schuldenb. 83;
wie manch und vielerlei
blutmordspektakel ihm der juden tyrannei
an dir zu sehn gedacht, schien dir als gott obhanden.
Scultetus bei Lessing 8, 299,
davon das adjectiv obhanden: die obhandene gefahr. Schm. 2, 203.
d)
unter handen, oft zusammengerückt unterhanden geschrieben:
Rudiger ist mir ab gestanden,
ein andern han ich unter handen,
der ist ein stolzer jüngling.
fastn. sp. 549, 4;
indessen aber hatte ich auch drei doppelhaken .. unterhanden. Simpl. 1, 287 Kurz; es ist schon wol zwanzig jahr, .. da hatte man diese sach auch schon unterhanden. 3, 312; ich erinnere dich deszjenigen, so du unterhanden hast, mit bedachtem mut zu thun. buch der liebe 208ᵇ; dasz ich die continuation (des buches) unter handen hab. Schuppius 587. Göthe wendet hier die umgelautete form an: wer seine sache empfiehlt, musz sie doch jemand empfehlen, und wem empföhle man sie besser als dem der sie unter händen hat. 26, 132; bedenke man zunächst, dasz seine mehresten werke ihm nicht lange unter händen waren. 37, 91. auch hier, wie bei b bleibt die als adverbium gefühlte dativische verbindung, wenn das folgende verbum auch einen accusativ verlangt: was ihn (den wild gewordenen pferden) unter handen kam, rannten sie zu boden. buch der liebe 226ᵈ; sorgen, so der liebe gott mir zugeschickt und unter handen hat stoszen lassen. Schweinichen 3, 242; sorgen, so mir das vergangene jar unterhanden gestoszen. 243.
e)
zu handen, zuhanden: nam seinen spiesz zuhanden. Aimon bog. 5; der ritter .. sein spär zu handen nam. Galmy 323; als nun Reymund sahe das grosz ungefell, das im zuhanden gangen was. buch d. liebe 263ᶜ; das ungefell, das mir zu handen gangen ist. 264ᵃ; lieber die gefährliche schlacht, dann den heilsamen verzug wöllen zu handen nemen. Fronsp. kriegsb. 3, 137ᵇ; meinen (gerichtsstab) wider zuhanden möcht nemmen. Kirchhof milit. discipl. 227; so mir auf einmal zugleich, neben dem verlangen ihn zu kennen, und den willen ihme zu dienen, zu handen gegeben. Butschky hd. kanzl. 39; wann alle deutsche für ihr vaterland sich recht fridlich vereinbahren möchten, so wirde zweifels ohne noch wohl etwas auszurichten und das entzogene wider zu handen zu bringen sein. s. 360; wann ich erwege, was dir noch zuhanden stoszen wird. unwürd. doctor 817; denselben morgen aber, da ihr solches zu handen gestoszen. Grimm deutsche sagen no. 176; nachdem sie die schönen frauen, die er zum staate mit sich führte, nebst allen kostbarkeiten, die er bei sich hatte, zu handen genommen. Wieland 6, 76; den geschäften des fürsten nicht allein, sondern auch der erziehung der kinder sollte nun Schlosser wo nicht vorstehen, doch mit rath und that willig zu handen sein. Göthe 25, 83; nun aber kam die kritik der urtheilskraft (Kants buch) mir zu handen. 50, 52; verschiedene bücher sind uns ungeachtet aller bemühungen nicht zu handen gekommen. 53, 8; mir sind nicht alle documente dieses wichtigen ereignisses zu handen gekommen. 54, 206;
so stöst mir, gott erbarms, das gröste noch zu handen.
Fleming 116;
kein leid stöszt mir zwar zu handen.
398;
habt ihr doch vielleicht verstanden,
was der Venus gieng zu handen,
da sie den Adonis liebte.
Logau 3, 99, 10;
fünf tausend kronen wären mir zu handen.
Göthe 41, 69.
In dieser formel ist das umgelautete händen nicht so gewöhnlich: es ist uns ein exemplar unsers dichters (des Logau) zu händen gekommen, das sich aus der Stollischen bibliothek herschreibt. Lessing 5, 108. das adverbiale der fügung tritt zurück, wenn ihr ein possessivum oder ein näher bestimmender genitiv beigesellt ist: er erkant wol, das er Montabon .. mit gewalt niemmer zuͦ seinen henden brecht. Aimon bog. x iij; auch hier wird indes, selbst von neuern, die unumgelautete dativform gesetzt:
der seiner grösze zu des rechtes handen
sich so entäuszert.
Shakesp. könig Heinrich IV, 2, 5, 2;
that would deliver up his greatness so
into the hands of justice;
herr, meine seel
zu deinen handen ich empfehl.
Uhland ged. 415.
f)
aus handen: welches ich als ein sonderbares kleinod, ausz handen eines groszen und gottsfürchtigen reichsfürsten empfangen. Schuppius 267; des herrn vettern rath, dem ich disz orts nicht ausz handen gehen .. werde. Simpl. 4, 41 Kurz. daneben öfter aus händen: weil dennoch meinem grosg. hn. belibet, solche unreife früchte (reimzeilen) zu kosten, habe demselben ich nicht entsein, noch aus händen gehen können. Butschky hd. kanzl. 165; so liesz er keine gelegenheit aus händen. Bünau 1, 80; noch die gelegenheit die Römer zu züchtigen, aus händen gelassen haben. 1, 147; ich feilschte schon 4 wochen darum, konnte es aber doch am ende nicht aus händen lassen. Göthe an Voigt 369.
g)
von handen: die arbeit geht ihm schnell von handen; von handen lassen. Reuchlin augensp. 13ᵇ. auch ab handen, s.abhanden 1, 54.
h)
an handen, eine von Göthe besonders bevorzugte fügung, findet sich, entgegen der 1, 366 geäuszerten ansicht, gerade in verbindung mit verben, die sonst den accusativ an die hand, an die hände fordern, nämlich mit geben und gehen, ist also nur noch adverbial gefühlt, und demnach öfters auch anhanden geschrieben: wenn uns nicht jemand ein sehr genaues und vollständiges ideal anhanden geben will. Siegfr. v. Lindenb. 3, 12; gott erweckt seinen auserwehlten immer herzen, die mit pflege und hülfe ihnen an handen gehen. Scriver seelensch. 2, 76; sie zeigte sich überall thätig und ging der mutter in allem an handen. Göthe 25, 346; dieser unermüdliche kunstfreund .. beschäftigt und begünstigt mehrere sich entwickelnde talente, unter welchen hr. Wendelstädt ihm unmittelbar an handen geht. 43, 346; wobei ihm die gebildeten schon als unterlehrer an handen gingen. 352; eine unzählbare menschenmasse, durch alle grade der geschicklichkeit, dem meister an handen gehend. s. 434; dasz sowohl directoren als custoden sich wechselsweise .. an handen gehen und das nöthige einander mittheilen. 55, 162; er gesellte sich gar bald zu uns, die sich freuten, ihm an handen zu gehen. 58, 94.
i)
ähnlich steht in handen, in händen nicht nur in verbindung mit verben, die den dativ fordern: in handen und gewalt des bapsts stünde. Luther 6, 328ᵃ;
nur hat die bestätigung jenem gefehlt,
die habt ihr nun kostlich in händen.
Göthe 1, 227;
als der knabe nach der schule
das pennal in händen ging.
4, 108;
sondern auch mit verben, die den acc. nach sich ziehen: der herr gibts oft andern menschen in händen, was zu unser nothdurft dienlich ist. Scriver seelensch. 2, 216. hand ist etymologisch zusammengestellt mit dem goth. verbum hinþan, was nur in den zusammensetzungen frahinþan und ushinþan gefangen nehmen vorkommt, und als greifende, fassende gedeutet worden. allein die bedeutung von hinþan wird nicht vom greifen, sondern von dem gefangen fortführen, bergen ausgehen, wie aus dem goth. hunþ-s αἰκμαλωσία Eph. 4, 8, ags. hûđ, ahd. hunda, mhd. gehünde beute hervorgeht, hinþan ist das sanskr. ćat verbergen (Böhtl.-Roth 2, 926); ein mit dieser verbalwurzel zusammenhängendes adjectiv ćatura schnell, rasch, geschickt, gewandt, verschmitzt (das. 927) führt zunächst auf ein substantiv ćatu (wie madhura süsz, honigbegabt auf madhu), was bis auf den nasal genau zu goth. handu-s stimmen und dem worte etwa den grundbegriff der gewandten, geschickten, beweglichen, verleihen würde.
B.
Bedeutung.
I.
Die menschliche hand; vielfach ausdrücklich als solche durch composition oder adjectiv hervorgehoben, s.menschenhand: dem anbau (des bodens) durch menschliche hände. Immermann Münchh. 1, 172; oft stehen nachdrucksvoll possessiva oder das adj. eigen dabei: das habe ich mit meiner hand geschrieben; erbeitet mit ewern eigen henden. 1 Thess. 4, 11; sich mit eigner hand umbbringen, im selbs den tod anthuͦn, parere sibi lethum manu Maaler 210ᵃ; hieb zuweilen vor grimm die weichenden mit eigner hand nieder. Zigler Banise (1700) 528;
der bürger zündet seine stadt, der landmann
mit eignen händen seine saaten an.
Schiller jungfr. 1, 5;
dem adressaten ein schreiben zu eignen händen übergeben; und dieses billet soll ich seiner hochfürstlichen durchlaucht zu höchsteigenen händen übergeben? Schiller kab. u. liebe 4, 9;
in meiner königin selbsteigne hand
befahl sie mir den brief zu übergeben.
Maria Stuart 2, 4;
vgl. auch eigenhändig 3, 97. etwas auf eigne hand sein oder thun, s. unten II, 6, i.
1)
der umfang der hand wird gewöhnlich bestimmt von dem handgelenk bis zu den fingerspitzen, und die finger sind in dem begriffe mit eingeschlossen: da aber die stichelworte allzu gemeine wollen werden, sahe sich Solande genötigt los zu brechen und dem gröszten under dem haufen eine hand voll finger auf die nasen zu werfen (einen schlag ins gesicht zu geben). pol. stockf. 286, wie ja die hand auch den fingerring trägt:
also vlôs mîn vrouwe ir vingerîde.
dô si den krumben reien ûf dem anger trat,
dô wart eʒ ab ir hant, seht, ân ir danc genomen.
Neidhart 60, 30;
Gînover gap ein vingerlîn
Gasozein ze minne pfant,
daʒ stieʒ er ir an die hant.
crone 13859;
was zog er von den henden sein?
von rotem gold ein vingerlein.
Uhland volksl. 175;
wenn er zehn finger an jeder hand gehabt hätte, er hätte sie alle zwanzig voll ringe gekriegt. Lessing 1, 552; den ring, den er noch an einem finger der rechten hand trug. Immermann Münchh. 4, 81; ungewöhnlich werden die finger zur hand nicht mit gerechnet:
in wurden die vinger nas
bis hinden zu der hand.
Hätzlerin 261ᵇ, 168.
2)
die form und beschaffenheit der hand wird durch adjectiva bestimmt. als hohe schönheit gilt die weisze, feine, zarte, schlanke, kleine hand, nicht blosz am weibe: ihrer alabasternen hände. Simpl. 4, 91 Kurz; ihre wohlgebildeten hände. Zigler Banise (1700) 206;
Kâedînes swester Isôt,
diu mit den wîʒen handen.
Trist. 476, 3;
die für mir her pei ir schneeweiszen hant.
fastn. sp. 585, 1;
er nam die junkfrauen edle
pei der schneweiszen hand.
Uhland volksl. 198;
an die lippen wollt ich pressen
deine kleine weisze hand.
H. Heine b. d. l. 217;
trotz aller arbeit war die hand weich und zart geblieben. Immermann Münchh. 3, 29; auch die mädchen haben sich für ihre zarten hände einen geeigneten erwerb ausersehen. Steub Tirol 119;
bricht, wie glas, durch zarte hände
stäb und riegel.
Gökingk lieder der lieb. (1779) 127;
das gestrickte mit den nadeln ruhte
zwischen den gefaltnen zarten händen.
Göthe 2, 105;
und wo ich mich erkühne,
die wollenweiche hand
in demuth zu umfangen.
Philander v. d. Linde verliebte ged. 70;
und deine seidenweiche hand.
Amaranthes 16;
ihn streichelt ihre sanfte hand.
Hagedorn 2, 81;
auch beim manne: ags.
svâ him mid näglum þurhdrifan nîđhycgende
þâ hvîtan honda and þâ hâlgan fêt.
Crist 1111;
hd. der schreiber huͦb uf sin wisze hand.
Uhland volksl. 749;
seine hände waren blendend weisz und ich küszte sie oft. es ist mir, als röche ich noch ihren süszen duft und er dränge mir stechend ins auge. Heine werke 4, 85. Ihr entgegengesetzt ist die grobe, dicke, fette, plumpe, rauhe, harte, schwielige hand:
in ihren händen,
die grob durch arbeit sind.
Opitz 1, 138;
das feine, spitze ding, besorg ich nur,
in meiner plumpen hand zerbricht.
Lessing 2, 270;
diesz feine saitenspiel zerbrach in ihrer
metallnen hand.
Schiller Carlos 5, 4;
eine dürre, hagere, magere, knöcherne, knochichte hand: sie darf nur ihre dürre hand zum fenster hinaus strecken, so zittert der ganze hof. Kotzebue dram. sp. 3, 232;
nimm mich! sie fragt: worauf? auf diese dürre hand:
die soll uns wohl ernehren müssen (spricht ein bettler).
Lessing 1, 13;
vergl.knochenhand 5, 1459; in rücksicht auf geschicklichkeit wird von einer leichten, schweren hand gesprochen, namentlich auch beim wundarzte: seine (des wundarztes) manieren waren mehr rauh als einnehmend, doch seine hand leicht, und seine hülfe willkommen. Göthe 19, 44; die operation, welche durch die schwere hand des chirurgen peinigender wurde als nöthig. Immermann Münchh. 3, 22. Man unterscheidet die äuszere und innere hand, jene wird als rücken der hand gefaszt, s.handrücken, diese als fläche derselben, daher die flache, platte hand genannt (auch handteller, s. d.): flach hand palma Dasyp.; offne hand, oder zerthone flache hand, manus explicita Maaler 209ᵈ;
wächst mir ein kornfeld in der flachen hand?
Schiller jungfrau 1, 3;
hier diese flache hand, versichr ich dich,
ist ausdrucksvoller als ihr angesicht.
H. v. Kleist 1, 125.
Auf ihr wird gereicht, was ein anderer hinnehmen oder beschauen soll, was allseitiger kenntnis dient: euszerliche satzungen, die man nicht aufs gewissen schlegt, sondern die allein auf die hand gelegt (vor andern zur schau getragen) werden. Luther 4, 188ᵃ; daher von etwas ohne mühe zu erkennenden: das liegt auf flacher hand, auf platter hand: so hält er (Göthe) uns die schattenrisse der köpfe blos auf der weiszen seite hin; er selber kennt freilich besser als einer die schwarze bestimmtere des kopfes, die ihm auf platter hand liegt. J. Paul kl. bücherschau 1, 4; dafür wird auch blosz gesagt auf der hand: es bedarf keiner erörterung, da die sache auf der hand liegt; es liegt doch auf der hand, dasz die .. einerleiheit der beziehungen unter stofftheilen nur eine äuszerliche ist. evangel. kirchenzeitung 1866 s. 740. Der gegensatz zu auf der hand ist unter der hand, was unter der hand liegt, ist dadurch verborgen und heimlich: im gegentheil hiengen und verhetzten sie dieselbe unter der hand heimlich mehr und mehr wider einander. Happel acad. roman. 48; meine heimlichen feinde waren weit entfernt meinen masznehmungen öffentlich zu widerstehen, aber unter der hand desto geschäftiger, ihren natürlichen erfolg zu hemmen. Wieland 2, 107; Filistos brachte unter der hand zeugen auf, die in dem kabinette des prinzen verschiedene umstände aussagten. 3, 107; was thun wir im grunde anders, als dasz wir ihnen unter der hand zu verstehen geben, dasz sie unrecht haben. 12, 59; weise männer lassen den knaben unter der hand dasjenige finden, was ihm gemäsz ist. Göthe 21, 227;
das fräulein war eine der wiszbegierigen seelen,
die, unter der hand, von ihren nächsten so gern
die anekdoten erforschen.
Wieland 4, 51.
Aus den linien der handfläche wird gewahrsagt: chiromantici und dergleichen, welche einem nach dem andern under sich die hände besahen und wahr sagten. Philander 1642 1, 395; gib mir deine hand .. dasz ich dir sage die wahrheit, die gute wahrheit (spricht eine zigeunerin). Göthe 42, 177; sie faszte mich am arm und sprach: ich will euch die schicksale eurer wanderschaft prophezeien, und begann in den linien meiner hand zu lesen. Riehl culturgesch. novellen 360; alles diesz konnte man dem römischen reiche auf jahrhunderte aus hand oder faust lesen. J. Paul sphinxe 154. Die hand ist offen oder geschlossen, hohl, gekrümmt, geballt; offne hand wird dem der gabe wartenden bettler beigelegt:
hier dränget sich der unzufriednen stimme,
der unverschämten offne hand nicht nach.
Göthe 9, 250,
während eine krumme hand sowol der geber macht, der etwas heimlich zusteckt: wäre er nur ein einziges mal mit krummen händen kommen, so würde er mehr ausgerichtet haben. pol. hofmädg. 172, als auch der die gabe empfangende oder ihrer wartende, daher den habgierigen und bestechlichen krumme hände zugeschrieben werden: man wüste nicht, ob die schultheiszen krumme hände hätten? baurenst. lasterprob 23. endlich macht auch der dieb beim stehlen krumme hände, wie sonst krumme finger. — Mit der hohlen hand schöpft man; wasser aus der hohlen hand trinken. Die hand ist blosz, sie wird vom gewande nicht mehr bedeckt, daher blosz wie eine hand, ganz nackt:
er reit âne gewant,
unde blôʒ sam ein hant.
Iwein 3236;
etwas in der bloszen hand tragen, offen und allen fährlichkeiten ausgesetzt: uns allein allen gefährlichkeiten unterwerfen, und so zu sagen unsere seelen in der bloszen hand tragen solten. Felsenb. 4, 297. der hand wird als bekleidung der handschuh gegeben, und es gilt als unfein, frauen die blosze hand zu reichen: grobian, wer wird denn ein frauenzimmer mit der bloszen hand führen wollen? Lessing 1, 290; auch bildlich sagt man von einer schwierigen und zart zu behandelnden sache, dasz sie nicht mit bloszen händen angefaszt sein wolle; vergl. unter handschuh. — blosze hand ist ferner im gegensatz gebracht beim genusz von nahrungsmitteln zu der hierzu mit geschirr versehenen hand, daher essen, trinken aus bloszer hand (auch von der hand weg, wie von der faust), ohne esz- oder trinkgerät:
ein guter reiner trunk schmeckt ja so wohl aus holz,
und gar von bloszer hand, als aus dem theuern golde.
Fleming 93;
wir andern müssen oft genug aus der hand speisen, dasz jeder gedeckte tisch uns festlich erscheint. Göthe 42, 374; aber auch in gegensatz zu bewehrter, bewaffneter hand: der fürst viel vom land herein erfoddert, mit gewapenter hand, im harnisch fast geputzt. Luther 3, 417; wiedereroberung mit gewaffneter hand. volksblatt 1866 s. 1345;
in sluoc einer mit blôʒer hant.
Iwein 396;
ferner zu voller hand, indem durch die blosze hand die besitzlosigkeit angedeutet wird: mit voller hand, uberflüssigklich, plena manu Maaler 210ᵃ; dessen vornehme voreltern haben verlassen .. ihr hab und gut, und sind umb der religion willen mit bloszen händen gangen in ein fremdes land. Schuppius 130. eben das heiszt leere hand: sie freuete sich meiner ankunft gar sehr, vornehmlich als sie sahe, dasz ich nicht mit leerer hand angestochen kam. Simpl. 3, 50 Kurz;
ich kan nichz kauten mit lerer hant.
fastn. sp. 784, 31;
wir kommen auch mit leeren händen nicht.
Schiller 331.
daher einem die hände füllen, ihn beschenken: wer nicht hatte die hände mit güldinen männlein zu füllen, der muste unterliegen. Philander 2 (1643) s. 158; die grosze reiche Hansen, welche einem die hände mit reichsthalern oder rosenobeln füllen können. Schuppius 428. Eine lange hand wird reichen und mächtigen bildlich beigelegt: wie dann die herrn auch lange hände haben, und einen uber viel meiln wegs beim haar erwischen und greifen können. Schiltbürger 1599 s. 85; grosze herren haben viel augen, viel ohren und lange hände. Schottel 1122ᵇ; herren hand geht durchs ganze land, grosze herren haben lange hände, an nescis longas regibus esse manus? Frisch 1, 409ᵇ;
wie das alt sprichwort thut erkleren:
die gewalting haben lange hend,
greifen weit umb sich.
H. Sachs 4, 3, 45ᶜ;
wie dem machtlosen eine kurze hand: ein schlimmer und verleumderischer kerl, wenn er auch noch so viel wesens macht, hat doch nur kurze hände, oder ist ohnmächtig. pers. rosenth. 8, 65. — lange hand, kurze hand als zeitmasze, s. unten IV, 1, b. Die reine hand, im eigentlichen sinne, steht im gegensatze zur unreinen, ungewaschenen, unsaubern hand:
sô nemet hovelîch daʒ gewant,
und jucket damit: daʒ zimt baʒ
denn iu diu hant unsûber wirt.
Haupt zeitschr. 6, 491;
mit gemeinen, das ist mit ungewasschen henden das brot essen. Marc. 7, 2; und mit anlehnung an diese bibelstelle bildet sich die redensart aus etwas mit ungewaschenen händen thun, ohne dazu befugt oder befähigt zu sein; als wann sie mit ungewaschenen händen ins predigtampt kommen. Schuppius 643; ferner: wilst du dasz .. unser vermögen, wie auch der saure schweisz meines Leonhards in gemeine hände gerathe? A. Gryphius seugamme s. 128. eine in Düringen gemeine redensart von äuszerst derber fassung stellt es als schimpf hin, wenn ein mensch seine hände sich von eines andern kot besudeln läszt, darauf spielt eine stelle bei Luther an: trit man uns darumb mit füszen und thut uns beide hende vol, das müssen wir für gut nemen, und nicht wundern, denn es nicht uns, sondern viel mehr im geschicht. 6, 58ᵇ; daher in bezug auf menschen die beschimpft und beschämt sind: nun stehen wir hie, als ob uns in die hände geschmissen wehre. Schiltbürger 1599 s. 64. — Bildlich ist die reine hand die, die keine sünde gethan hat:
die fahne trag uns vor in reiner hand.
Schiller jungfrau 2, 4.
3)
empfindungen des herzens gelangen für die auszenwelt durch bewegung der hände zur anschaulichkeit.
a)
der gott im gebet anrufende hebt die hände empor, faltet die hände: huben alle ire hende auf gen himel, und beteten. 2 Macc. 3, 20; so wil ich nun, das die menner beten an allen orten, und aufheben heilige hende. 1 Tim. 2, 8; welche sammentlich mit aufgehebten händen gott um hülf und barmherzigkeit anruften. Abr. a. S. Clara Merks Wien (1680) s. 119; wie sie die hände aufhob und über sie betete. Göthe 16, 85; beide erhoben vor dem altare betend die hände. Immermann Münchh. 3, 40;
da hebt er hoch die hände, der ritterliche greis:
der fink hat wieder samen, dem herrn sei dank und preis!
Uhland ged. 370;
welche die religion in äuszerlichen dingen, ... in gebetsformeln, in kläglichen tönen, in gefaltnen händen, in verzagten schritten suchten. Gellert 3, vorr. s. 3;
was suchen wir beweisz, weil sie die hände falten
für geistern die sie doch für böse selbst gehalten?
Opitz Grotius' wahrheit, s. 362;
die mutter faltet die hände,
ihr war, sie wuszte nicht wie;
andächtig sang sie leise:
gelobt seist du, Marie!
Heine buch der lieder 275.
b)
der segnende legt die hand auf: und leget die hende auf sie, und segenet sie. Marc. 10, 16; er führet sie aber hinaus bis gen Bethania, und hub die hende auf und segenet sie. Luc. 24, 50; der diaconus stand zwischen ihnen mit leuchtendem antlitz und hielt seine hände segnend auf ihren scheiteln. Immermann Münchh. 3, 40;
o blickt mich an, mein vater, und erhebt
zum segen eure hände über mich.
könig Lear 4, 7;
o look upon me, sir,
and hold your hands in benediction o'er me;
mir ist als ob ich die hände
aufs haupt dir legen sollt,
betend, dasz gott dich erhalte
so rein, so schön und hold.
Heine buch d. lieder 215;
so werden in gebet und segnen durch auflegen der hände krankheiten geheilt, ein biblischer brauch: und sie brachten zu im einen tauben der stum war, und sie baten in, das er die hand auf in legte (goth. bêdun ina ei lagidêdi imma handau). Marc. 7, 32; darnach leget er abermal die hende auf seine augen (goth. aftra galagida handuns ana þô augôna is), und hies in abermal sehen. 8, 25;
sie (die mutter gottes) beugte sich über den kranken,
und legte ihre hand
ganz leise auf sein herze.
Heine buch d. lieder 274.
c)
auch der bittende, flehende streckt die hand empor:
das vaterland
bat hülflos mit erhabner hand.
Uz 1, 165;
der bettler streckt die hand dar nach der gabe; herr ich ruffe dich an teglich, ich breite meine hende aus zu dir. ps. 88, 20;
sink ich in sünden nieder,
so richte du bald wieder
mich auf, dasz ich die hände
zu dir, herr Jesu, wende.
Schuppius 963;
wie ferner der besiegte gegen den sieger die hände empor streckt, die hände faltet, gleichsam um gnade flehend:
für ir vüeʒe er sich bôt
mit ûf gerahten henden.
Wigalois 110, 37;
mîn hende ich valde
mit triwen algernde ûf ir füeʒe.
Lichtenstein 394, 26;
alle alten hattend die hend gegen dem keiser auf, oder ergabend sich, omnes maiores natu manus ad Caesarem tendere. Maaler 205ᶜ; streck die hand dar, bekenn dich überwunden sein, dede manus. 210ᵃ. bei huldigungen nach lehnrecht faltet man einem die hände, rechtsalt. 139.
d)
der schwörende hebt die hand auf, er deutet damit nach gott, der ihm zeuge sein soll, ebenso wie er, wenn in anderer weise der eid durch auflegen der hand auf reliquien oder die bibel geleistet wird, auf diese sich zum zeugnis der wahrheit beruft: es ist ouch zu wissende, das der vorgenant schoefel ein eide zuo den heiligen mit ufgehebter hand gesworn hett. weisth. 5, 488;
ir herrn, gelobt uns auch also,
hebt auf die hend und sprechet: jo!
fastn. sp. 463, 10;
gott der gerechtigkeit! ich hebe meine hand auf!
ich bin an dieser ungeheuren that
nicht schuldig.
Schiller Wallenst. tod 5, 11;
betheuernd wird die hand aufs herz, auf die brust gelegt, zur hindeutung, wie gedanke und wort übereinstimmen: die hand aufs herz! Klinger 1, 378; die hand aufs gewissen, redlich gesprochen. Göthe 36, 38; mit dieser gebärde leisten frauen einen eid, rechtsalt. 897. — Das handaufheben ist endlich zeichen der zustimmung:
ir herren, wellt ir all also,
so recket auf die hend und sprechet: jo!
fastn. sp. 447, 25;
wer dazu stimmt, erhebe seine hände.
Schiller Tell 2, 2.
e)
freude und wolgefallen äuszern sich durch das reiben der hände: alle stimmten in das lob ein .. und der wirth zum weiszen lamm wuszte recht gut sich die hände reibend zu verbeugen. E. T. A. Hoffmann 12, 215; er rieb sich vor vergnügen die hände. Immermann Münchh. 4, 39; drücken und schütteln der hand ist zeichen freudiger begrüszung und zustimmung: er schüttelt ihm die hand (und spricht): ihr ehrlicher mann! Kotzebue dram. spiele 2, 334; ein verdienst für das ich ihm, so sehr ich in theoretischer hinsicht sein gegner bin, .. im geiste mit wärme die hand schüttle. Lasalle antwortschreiben (1863) s. 11; sie umschlangen sich mit den armen, drückten sich die hände, dasz mans knacken hörte. Riehl culturgesch. nov. 254; in zärtlichkeit wird die hand gedrückt, gestreichelt:
wart iht dâ friuntlîche getwungen wîʒiu hant
von herzenlîcher minne, daʒ ist mir unbekant.
Nib. 44, 7 Zarncke;
ich werde .. dir die hand väterlich drücken. Rabener sat. 3 (1757) 35; wie zärtlich drücken Aranth und Javolen einander die hände. 4, 378;
do sach ich in zu sand Moritzen
einer die hent gar freuntlich drucken.
fastn. sp. 543, 17;
drück ihr die hend und scherz mit ir,
so uberkömpt sie lust zu dir.
grobianus (Erfurt 1552) C 2ᵃ;
drucktest noch so freundlich gestern abend
mir die hände.
Göthe 2, 102;
traulich kam die mutter herbei und küszte sie herzlich,
schüttelte hand in hand; es schwiegen die weinenden frauen.
40, 334;
er setzte sich am bette nieder und streichelte die decke, als streichle er ihre hand. Immermann Münchh. 4, 38;
aufgelöst sind diese zauberbande
deiner arme, die mich sonst umschlingen,
und die hand, die reizende gefährtin
süszer schmeicheleien, unbeweglich.
Göthe 2, 106;
vgl.händedruck. — Das küssen der hand ist ein liebeszeichen, oft durch freude oder schmerz hervorgelockt:
von grôʒen freuden kuster dô
sîner juncfrowen munt,
hende und ougen tûsentstunt.
Iwein 7978;
laszt mich eure hand küssen. Schiller räuber 4, 3; sie fielen neben dem bette nieder im ausdrucke des unbändigsten schmerzes, küszten ihm die hände und den mund. Göthe 16, 192; in unterwürfigem danke wird die hand geküszt: gnädiger herr, muszt du rufen, und dich tief, tief bücken. thu nur als wenn du mir die hand küssen wolltest. Rabener sat. 3 (1757) 35; eine so liebenswürdige groszmutter ist werth, dasz man ihr die hände küszt. s. 215; die zufriedene tochter küszt der einfältigen mutter die hände dafür. 4, 367;
hab ich dir darum im leben so freundlich die hände geküsset?
Zachariä Murner (1757) s. 23;
daher handkusz bei einer audienz:
doch einmal noch ist mir vergönnt, die hand
der besten königin zu küssen?
Schiller Carlos 4, 20.
für das zulassen zum handkusz bei einer solchen braucht Olearius den knappen ausdruck an die hand kommen: kamen die pristaffen, sagten an: dasz ihre zaarische majestät morgen den herrn gesanten öffentliche audienz geben wolte .. nachmittage kam der jüngste pristaff wieder uns zu vergewissern, dasz wir morgen an ihre zaarische majestät hand kommen würden. pers. reisebeschr. 1, 7.
f)
die hand wird gegeben, gereicht, geboten, ergriffen zur begrüszung und zum empfange als symbol der vereinigung: eya, tund auf, tund uff dem zarten ewer herczen, bietend im die hand. Suso briefe 35 Preger; zu hofe gibt man viel hände und wenig herzen. Schottel 1133ᵇ; er reichte seinem schwiegervater stillschweigend die hand. Immermann Münchh. 3, 30; auch beim abschiedsgrusze:
wenn zwei von einander scheiden,
so geben sie sich die händ.
Heine b. d. l. 147;
eine hand zuwerfen, nur die gebärde des handreichens machen: er warf sich auf sein pferd, ich lief auf den balcon und rief ihm nach; er kehrte sich um, warf mir eine hand zu, entfernte sich eilig. Göthe 20, 64. ferner zur bekräftigung eines versprechens: gut, da hast du meine hand darauf. künftige mittwoche sollt du zwei stück bekommen. reisender avantür. (1748) 1, 100; 'sei ihre mutter'. ich gab ihr die hand drauf. 'du versprichst viel'. Göthe 16, 85;
doch müszt ihr mir die hand drauf geben,
dasz weil doch eine nur die schönste heiszen kann,
der andern keine mich deszhalb befeinden wolle.
Wieland 10, 164;
daher gibt man ein versprechen in die hände jemandes:
der ritter schwört zu handen ihrer dame
Lauretten ewige lieb.
Wieland 21, 184;
versprechen sie mir dieses? königin,
versprechen sie's in meine hand?
Schiller Carlos 4, 21;
schwur meinen irrthum ab in seine hände.
Maria Stuart 1, 6;
bei eingehung eines vertrages schlagen die verhandelnden die hände in einander zur bekräftigung, s.handschlag, ↗handtreue, ↗darschlagen 2, 789 und kauf 1, d, theil 5, 317:
ich fürchte,
irgend ein jüngling besitzt diesz herz und die wackere hand hat
eingeschlagen und schon dem glücklichen treue versprochen.
Göthe 40, 301;
das hiesz auch einem in seine hand greifen Schm. 2, 204; zeugen eines solchen vertrages schlagen durch die so gereichten hände, um symbolisch den abschlusz des vertrages anzudeuten:
die mutter weinend lachet,
sie trauet kind und freund, gibt ihrer liebe pfand,
sie schlägt mit eigner faust durch die gepaarte hand,
und spricht es sei also.
Fleming 154.
man verspricht mit hand und mund, durch wort und handreichung: wie trewlose leut heiszen, die ir eid und pflicht und was sie mit hand und mund zugesagt, vergessen. Mathesius Sar. 111ᵃ; sie versprach ihm mit hand und mund. Engel 12, 303; der knabe schied, versprach aber mit hand und mund, heute abend an dieser waldecke meiner zu warten. Göthe 22, 196; daher in mund und händen getreu, seiner verpflichtungen eingedenk: nehmet das zum andenken, dasz wer in der welt im mund und händen getreu ist, habe überall genug. unw. doct. 362; getreue hand hat wieder der, der von seinen gelobten und übernommenen pflichten nicht läszt:
itzt trauen dir zu treuen händen
Zytheris und ihr junger sohn
der süszen liebe milden lohn,
indem sie dir disz mensch verpfänden.
Fleming 369;
durch eine treue hand gelingt es mir,
ihr mein verändert herz zu offenbaren.
Schiller Maria Stuart 2, 8;
ihm die lande wieder zu überantworten, welche ich dir zu getreuer hand bevohlen habe. Senkenberg sel. jur. 3, 326; es wurden tage gesetzt und sich in denen dingen bedacht, dasz man nicht unrecht und zu gutem glauben die rechten erben des landes entwehret und die getreue hand beschlossen und zugehalten hette. 334; und da Magis den (erbeuteten, über des kaisers zelt befindlichen goldenen) adler in getrewe hand bevolhen het. Aimon bog. s iiij; sprichwörtlich trewe hand geht durch alle land, untrewe hand gehet hin, komt aber nicht herwider. Neander sprichw. 26;
warer mund und trewe hand
wandern durch alle städt und land.
30;
eine getreue hand geht durchs land. unw. doctor 362. Die hand wird ferner gegeben bei einem bündnis:
dann reichen sie zum bunde sich die hände.
Uhland ged. 440;
namentlich auch bei verlöbnis und eheversprechen:
und kumt her, meine liebe kint,
als lieb und holt ir einander sint,
und pietet an einander die hent.
fastn. sp. 578, 2;
wol mir zu disen stunden!
ich hab meinen gleichen gefunden (einen geliebten)
nach meines herzen gir ...
gib her dein hant, du edler hort!
ich pin mit dir hie und dort.
620, 8;
desz hab dir mit gebottner hand
mein ehlich pflicht und treu zu pfand,
darzu den ring von rotem golt.
Ayrer 195ᵇ (971, 19 Keller);
Truffaldino lachte, Smeraldina jammerte, endlich kam Pantalone und legte ihre hände in einander. Heine werke 2, 107; jetzt werden unsre hände in ewigkeit nicht in einander gelegt werden. Riehl culturgesch. nov. 232. darum heiszt die hand geben jemand heiraten, die hand anbieten, zur ehe begehren: mit einem worte, du bist glücklich. gieb ihm deine hand. Rabener sat. 3, 242; ich gebe ihnen meine hand, um mich dem jungfräulichen zwange zu entreiszen, und als frau thun zu können, was ich will. 248; gieb deine hand dafür, heirathe ihn, er will dich nehmen. Arnim schaub. 1, 312;
eher wollt ich meine hand
dem Geszler selbst, dem unterdrücker schenken,
als dem naturvergesznen sohn der Schweiz,
der sich zu seinem werkzeug machen kann.
Schiller Tell 3, 2;
dem duc von Anjou schenkt sie thron und hand.
Maria Stuart 1, 6;
glücklich ist der, dem sogleich die erste geliebte die hand reicht.
Göthe 40, 280;
er hoffe, sie werde ihm ihre hand nicht versagen. 18, 61; (meine freunde) versichern mir so viel gutes von ihnen, mein herr, dasz ich mich nicht länger bedenken darf, ihnen meine hand anzubieten. Rabener sat. 3, 251; wollen sie meine hand annehmen? 255; wenn sich nun aber einer fände, der es auf alles das hin wagen wollte, ihnen seine hand anzubieten? Göthe 7, 131; dasz er jenem trefflichen frauenzimmer sein herz und seine hand angeboten. 20, 181. dann steht hand für die zu ehelichende person selbst:
ists der verwandten mächtger wille nicht,
der über eure hand tyrannisch waltet?
Schiller Tell 2, 2,
(vgl. unten III); jemandes hand besitzen, mit ihm verheiratet sein: Seladon redet von nichts als von dem glücke, das er sich wünscht, die hand eines so liebenswürdigen kindes ewig zu besitzen. Rabener sat. 4, 367; die hand dieses mannes ist frei, er ist nicht oder nicht mehr verheiratet; wie ferner die durch den tod gelöste ehe die gebrochene hand heiszt: ist daʒ die hant gebrochen ist, daʒ under zwein êllîchen lûden eins abe gangen ist. Mone anz. 7, 361; vgl. die hand verbrechen, zur zweiten, dritten ehe schreiten Schm. 2, 205. Haltaus 795. Die hand wird endlich als zeichen der versöhnung gereicht: er bittet um ihre hand, als um ein zeichen des friedens. Göthe 14, 209;
ehrwürdger vater, gebt mir eure hand!
gebt mir die eurige! Melchthal, auch ihr!
bedenkt euch nicht! o, wendet euch nicht weg!
Schiller Tell 4, 2.
g)
man winkt mit der hand, zum grusze, oder auch einen einzuschlagenden weg anzudeuten:
ich soll zurückgehn, winkt sie mit der hand.
Heine buch der lieder 159;
das nehmen, fassen bei der hand ist zeichen der herzlichkeit und vertraulichkeit. man führte noch lange nach dem mittelalter an der hand zum mahle, zum tanz, zu gesellschaft, das fassen unter den arm galt für bäurisch:
ie zwischen zwein frowen stuont,
als si noch bî tanze tuont,
ein ritter an ir hende:
dort an enem ende
ie zwischen zwein meiden gie
ein knabe der ir hende vie.
dô stuonden videlære bî.
Helmbrecht 97—103;
do nam ers bei der hende,
bei ir schneweiszen hant,
er fürets an ein ende,
do er ein wirtshaus fant.
Uhland volksl. 671;
das kind nem in pei seiner hand,
unde für in für die reine maget.
Liliencron volksl. 2, 20, 420.
hand in hand stehen, gehen u. ähnl. ist so zeichen inniges verbundenseins:
hand in hand! und lipp auf lippe,
liebes mädchen, bleibe treu!
Göthe 1, 60;
komm zu mir und setze dich nieder,
wir kosen hand in hand.
Heine b. d. l. 178;
manche irrungen und verirrungen .. theilten und bestanden die geschwister hand in hand. Göthe 25, 22; hand in hand müssen genie und kritik schreiben. J. Paul grönl. proc. 2, 3;
die frühe sich verloren hatten,
begegnen sich im abendschatten,
und gehen hand in hand zur ruh.
Gotter 1, 10.
h)
bei lebhaftem ausbruch des gefühls werden die hände zusammen geschlagen, so in der freude und verwunderung: welches die alte mit erstaunen und höchster verwunderung, die arme kinder aber mit zusammenschlagenden händen und höchsten freuden annahmen. Simpl. 3, 359 Kurz; mit vor freuden zusammen geschlagenen händen. Abr. a S. Clara Merks wol soldat (1680) 47; ich klatschte in die hände vor lust. Bettine br. 2, 262; händeschlagen, händeklatschen als beifallsäuszerung: machten in zum könige, und waren frölich, und schlugen die hende zusamen, und sprachen, glück zu dem könige. 2 kön. 11, 12;
die leute schlugen in die hände,
und riefen bravo ohne ende.
Heine b. d. l. 80;
in aufregung, zorn, schmerz: da ergrimmet Balak im zorn wider Bileam, und schlug die hende zusamen. 4 Mos. 24, 10; aber die selben gaben den Israeliten iren rechten lon, das sie endlich die hende uberm kopfe zusammen schlugen. Mathesius Sar. 107ᵃ; da zu hof alsbald diese traurige zeitung ankommen, erhebte sich ein ungewöhnliches geschrei und lamentiren, unter andern schlugen die cammerjungfrauen ihre händ ober dem kopfe zusammen. Abr. a S. Clara Merks Wien (1680) s. 139. im höchsten schmerz ringt man die hände: o wenn du sehen könntest, mein geliebter, wie ich hier vor dieser schwelle liege, wie ich untröstlich meine hände ringe. Göthe 15, 65;
sît sach man schœne vrouwen weinen mit windenden handen.
Gudr. 919, 4;
kalt wehten entsetzen und grausen sie an,
'o Jesu, mein heiland, was hab ich gethan!'
sie wand sich das bast von den händen.
Bürger 62ᵃ.
i)
zorn und wut läszt die hände ballen:
zer fluste twanger sus die hant,
daʒ deʒ pluot ûʒen nagelen schôʒ.
Parz. 229, 12;
sein herzblut wallt, zur faust ballt sich die hand:
'ach nur ein schwert, ein scharfes schwert!'
R. Reinick lieder s. 227;
der sultan gieng, die geballten hände auf den rücken verschränkt, mit ziemlich starken schritten auf und nieder. Wieland 8, 409; vor verdrusz besizt man in die hand: da er nun diesen ausputzer, von dem das glück gewichen war, hörete, bisz er aus verdrusz in seine hände. pers. baumg. 2, 18. in zurückgehaltenem groll zuckt die hand: Tell steht in fürchterlichem kampf, mit den händen zuckend. Schiller Tell 3, 3; in aufregung, schmerz und furcht bebt sie: endlich erbrach sie das völlige paqvet mit bebender hand. Zigler Banise (1700) s. 95; ich hielt mein herz mit bebender hand. Immermann Münchh. 2, 13;
ihr zittert,
die hand erbebt euch, eure knie wanken.
Schiller Tell 3, 3;
aber auch der greis hat zitternde, bebende hände:
in bebenden händen
fühltest du, hungriger greis, schwere verwandelte kost.
Göthe 1, 374.
k)
sinnend ist der kopf in die hand gestützt:
ich saʒ ûf eime steine,
und dahte bein mit beine:
dar ûf sazt ich den ellenbogen:
ich hete in mîne hant gesmogen
daʒ kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer welte solte leben.
Walther 8, 7;
wenn er so bei tische sitzt und den kopf auf die hand stemmt, niedersieht, und still ist in sorgen. Göthe 7, 131;
du lehnst das haupt auf deine hand,
o schönes mädchen, bist so still.
R. Reinick lieder 162.
l)
der schweigende legt die hand auf den mund, er will die worte darin zurückhalten (s.halten sp. 286): da die obersten aufhöreten zu reden, und legten ire hand auf iren mund. Hiob 29, 9;
aber ich lege die hand auf den mund. denn werden mir auch
morgenröthe die worte, so fehlt es doch stets an etwas
dem gedanken von ihm, fehlt dem gefühl, ich schweige.
Klopstock 7, 44.
m)
der müszig gehende hat die hände im busen, im schosze, in den hosen, hosentaschen: die hend im buͦsen haben, am ofen ston, das ist faul und träg sein, manum habere sub pallio Maaler 218ᵇ;
ich bin ein reicher, ders so weit gebracht,
dasz er die hand nun in den schosz darf legen.
Rückert 397;
die hände in den busen stecken, stoszen, faul sein: darumb muͦsz man aber nit got versuͦchen, die händt in buͦsen stoszen, sondern thuͦn mit gott und ehrn alles das wir mögen. Agricola spr. (1560) 380ᵃ; die hände nicht in den sack stecken, sich vertheidigen. Frisch 1, 409ᵇ; frisch! die händ aus den hosen gethan. arme mann im Tockenb. 189. der in der arbeit ermattende läszt die hände sinken: auch der beste läszt wohl einmal die hände sinken, wenn er beständig einem sklaven gleich arbeiten soll. Möser patr. ph. 2 (1798) s. 11.
n)
wer etwas dargebotenes zu nehmen sich bedenkt, der zieht die hand zurück, der geber steckt, drückt die gabe in die hand, das ist immer entweder aufdringend oder auch verborgen gedacht, im gegensatze zu dem freien nehmen oder offenen reichen der gabe: nachdem sie ihm eine harte krone in die hand gestecket. Happel acad. rom. 265; er drückte dem diener etwas geld in die hand; sie .. drücken ihm die rose in die hand. Göthe 14, 209;
da versetzte der pfarrer, und drückt ihm das geld in die hand ein:
niemand säume zu geben in diesen tagen und niemand
weigre sich anzunehmen, was ihm die milde geboten.
40, 299.
4)
wenn die hand so in den vorhergehenden beispielen innere empfindungen für die kenntnis der auszenwelt vermittelt, so wird sie nicht blosz als einfaches, eigenen selbständigen lebens baares werkzeug menschlichen willens aufgefaszt, sondern die sprache legt ihr attribute bei, die eigentlich nur dem menschen, dem besitzer der hand zukommen (vgl. unten III). so spricht man von einer kargen, milden, bedächtigen, raschen, kühnen, zagen, mächtigen hand;
Willalm bin ich genant,
getrag ich immer gebende hant,
iu wirt vergolten disiu nar.
Willeh. 135, 18;
denen (armen und dürftigen) sollen vermügende hausmütter gerne ihre milde hand aufthun. Roth hausmütter ABC G 4; aber anstatt dasz diese .. ihre milde hand aufthun solte, thät sie etwas zu streng und scharf den mund auf. Simpl. 3, 270 Kurz;
Pätus ist gar milder hand, hat er, gibt er auch,
einen theil für manche hur, andern für den bauch.
Logau 3, 207, 93;
Cnospus hat zwei tausend gölden auf sein lernen angewand,
wer dafür ihm funfzehn zahlet, zahlet gar mit reicher hand.
3, 24, 6;
soll greifen in manches königs tisch
mit seiner freien hand.
Uhland ged. 338;
er war der reichste dieser stadt, und darum merkwürdig, weil er sich, mit ökonomischen händen, die schuhe und strümpfe selbst geflickt .. hatte. Rabener sat. 2 (1761) 251; diebische hände, manus rapaces, furaces Stieler 750;
hier grub mich todt, mit frommer hand,
ein fischer in den leichten sand.
Lessing 1, 14;
war nicht jungfräulich deine hand?
Uhland ged. 353;
er unterschrieb seinen namen mit fester hand; einen rühmlichen tod von ihrer gereizten hand empfangen. Zigler Banise (1741) s. 641; ob ihr den angriff eines so mächtigen feindes mit lässigen händen erwarten .. wollet. s. 475; erkennet seine mechtige hand und ausgereckten arm. 5 Mos. 11, 2; sobald er nicht zu befürchten hat, dasz ihm durch eine mächtige hand einhalt geschehe. Möser patr. phant. (1798) 2, 27;
schon hält ers schwert in tapfrer hand.
Arndt ged. (1840) 202;
dasz eines mädchens zage hand mit blumen
als könig dieses landes dich bekröne.
Uhland ged. 183;
sie .. entziehen manchem guten menschen, dem sie nützlich sein könnten, ihre hülfreiche hand. Göthe 19, 341;
dô diu vrowe von Nârisôn
ir nôt überwant
von gehülfiger hant,
dô begunder urloubes gern.
Iwein 3804;
langsame hand, so da drucket und sottert, hat man für unwillig, und geht niemand zu herzen, aber entgegenlaufende hand bhalt den preisz in allem land. Agricola sprichw. (1560) 232ᵇ;
arbeitlieb und flinke hand
geilte nie nach stutzertand.
Blumauer werke 1, 101;
stets gibt doppelt, wer mit raschen
händen gibt.
kladderadatsch 1866, s. 113;
nun aber fühlt sie sich durch das grosze freie talent, die dreiste hand des künstlers aufgeregt. Göthe 22, 141;
die blumen pflücktest du mit kühner hand.
R. Reinick lieder 149;
auch magstu wol mit grober handt
ein wüsten bossen an ein wandt
hin schreiben oder malen dran,
so lacht denn mancher grobian.
grobianus (Erfurt 1552) H 2ᵇ;
herr, ich sol billich euch vor andern heute binden,
und einen mayenkranz in eure haare winden,
der ich vor langer zeit durch eurer günste band
euch mich so hart verknüpft, dasz diese schwache hand
sich niemals lösen wird.
Fleming 41;
gott legt ein wichtig, grosz geschick
in eure schwachen hände.
Schiller M. Stuart 4, 11.
Auch hier sind eine anzahl verbindungen formelhaft; so
a)
gute hand: etwas ist, steht in guter hand, ist bei einem wol verwahrt: unser vermögen ist in so guter hand, dasz ich mich darum gar nicht bekümmere. Göthe 19, 155; der küster .. da er seine sache in guten händen sah. Immermann Münchh. 3, 43;
es liegt in guter hand. gewissenhaft
wird es zu seiner zeit zurückgegeben!
Schiller M. Stuart 1, 1;
wer eine hingegebene sache wieder zu nehmen sich weigert, sagt höflich sie sei in guter hand: Eckarth aber wegerte sich solche (ducaten) wider zu nehmen, sagende: sie sind in guter hand. unwürd. doctor 146; aus einem zugebrachten glase zuerst zu trinken wird mit den worten abgelehnt: es steht in guter hand (des zubringenden); hie den willkomm, es steht in guter hand. Garg. 99ᵃ. einen bericht, eine darlegung hat man aus guter hand: ich musz es doch zum teufel aus guter hand haben. Lenz 1, 229; und es wird sodann die formel auch mit verben des wissens und hörens verbunden, dahinter steht noch die sinnliche vorstellung von der guten hand, die die kunde gegeben, dargereicht hat: ich weisz von guter hand, dasz sie .. Wieland 13, 87;
der könig hört von guter hand,
man sei voll kampfeslust.
Göthe 1, 150;
ähnlich: es ist uns im sinn, was von sicherer hand von ihm gesagt ist. Claudius 5, 149. Der gegensatz ist schlechte hand: das buch war in schlechten händen, es ist nicht gut gehalten; dieses kind ist lange unter schlechten händen gewesen;
ich sehe mich in fürchterlichen händen.
Schiller Carlos 4, 12.
b)
freie hand, macht zu thun und zu lassen (s. frei 4, 96), zunächst aber angelehnt an die sinnliche vorstellung von einer jeder fessel baaren hand: weil dem pöbel ein groszer gefallen geschahe, und sich dadurch der könig freiere hand machte. Zigler Banise (1700) 545; er wandte hierzu hauptsächlich die frühen morgenstunden an, über welche ihm sein aufenthalt auf dem lande freie hand liesz. Wieland 3, 361; ehe ein .. friede mit Polen ihm freie hände gab. Schiller 920; und somit lässest du mir freie hand. Göthe 10, 107; trieb die menge von dem damm herunter .. um den hülfreichen freie hand zu geben, welche die versinkenden herauszuziehen suchten. 17, 158; man hatte freiere hand: man leistete, da alles im gange, .. mehr auf einmal. s. 144. Der gegensatz dazu ist gebundene hand: greif zu, ehe dir die hände gebunden werden. Schottel 1134ᵃ; es sind ihm die hände gebunden, non potest facere quae vult, impeditur. Frisch 1, 409ᶜ; Lucinden, wie uns allen, waren die hände gebunden. Göthe 21, 169;
drum bind ich ihm noch fürder so die hände,
dasz er es mühsam oder nie vollende.
Uhland ged. 434;
und dieser schritt musz ihr die hände binden.
Schiller Maria Stuart 2, 8;
warum hab ich gerechtigkeit geübt,
willkür gehaszt mein leben lang, dasz ich
für diese erste unvermeidliche
gewaltthat selbst die hände mir gefesselt!
4, 10.
c)
stürmende hand: inn welchen landen er ettliche stett mit stürmender hand gewonnen hat. röm. maj. glück u. sieg wider den herzog von Cleven (1543) ijᵃ; festung .. mit stürmender hand anfallen. Kirchhof milit. disc. 180; derowegen rumpelten wir hinein und gleich darauf in Manheim mit stürmender hand. Simpl. 3, 243 Kurz; die thracische armee eroberte Idomene mit stürmender hand. Heilman Thucyd. 305; ward die stadt mit stürmender hand eingenommen. Niebuhr 3, 634; ähnliche fügungen: dermassen dasz die clewischen am ersten flucht gaben, doch stettigs mit werender handt. warhaftige u. gewisse newe zeitg. (1543) A iijᵇ; also must wir stets durch das land ziehen mit werender hand. Leo v. Rozmital 190; derjenige aber der mir heute mit gewalt zu nahe trit und mit verstärkter hand etwas von mir suchet. polit. stockf. 246;
kem aber niemandt der dich strief (strafte),
oder mit gwerter handt nachlief,
so richt erst allen mutwill an.
grobianus (Erfurt 1552) H 4ᵇ;
vergl. mhd. sus kom mîn her Gawein
selbe viere in daʒ lant:
die fuorten werlîche hant.
Wigalois 244, 25;
ich trage noch werlîche hant.
Parz. 693, 10.
5)
von den händen ist die rechte die geschicktere und kräftigere und darum die bevorzugte, sie wird die schöne, bessere hand, alts. swîđora, forđora hand genannt, niederd. best hand Schütze 2, 98, wie ja selbst der ausdruck rechte, der an stelle des alten zëswâ, goth. taíhsvô getreten ist, jene bevorzugung hervorhebt. oft wird sie nur als die hand schlechtweg aufgeführt, in den zahlreichen verbindungen nämlich, wo eine thätigkeit nur als durch die rechte hand ausgeführt gedacht werden kann, wie eine feder in der hand halten und damit schreiben; ich Paulus hab es geschrieben mit meiner hand (goth. gamêlida meinai handau). Philem. 19; die hand zum grusze bieten; bei der hand fassen; darauf nahme mich der alte bei der hand, ich aber volgete ihm. Philander 1 (1642) s. 94; mit der hand schlagen, stechen, nähen; die hand ans schwert legen;
die hand am schwerte, schauen sie sich drohend
von beiden ufern an seit tausend jahren.
Schiller Maria Stuart 1, 7;
ferner beim bergmann, bei dem zur hand arbeiten nach der rechten hand zu arbeiten heiszt, min. lex. 285ᵇ; dem fuhrmann geht das pferd von der hand, d. i. nach rechts, von der leitenden hand weg, und zu der hand, d. i. nach links, der leitenden rechten wieder zu, brem. wb. 2, 577; in Obersachsen geht das linke pferd unterm sattel, das rechte geht zur hand, dem im sattel sitzenden führer zur rechten, zügelfreien hand. Wer einem andern wesentliche und dauernde hilfe leistet, der wird einer rechten hand verglichen: S. wer ist der Weislingen? M. des bischoffs rechte hand. Göthe 8, 5;
und Meurabs hoher geist, des fürsten rechte hand,
ward mit gemahl und kind nach Schiras zugesandt.
A. Gryphius 1698 1, 110.
Dagegen gilt die linke hand als ungeschickt, in der kindersprache heiszt sie die schlechte hand, zur begrüszung soll sie nicht gereicht werden: G. lebt wohl. (er reicht ihm die linke hand). M. warum reicht ihr mir die linke? bin ich die ritterliche rechte nicht werth? Göthe 8, 16; wenn auch der die linke einmal reichende zur entschuldigung sagt, sie gehe von herzen; die linke hand gehet von herzen. Pistorius thes. par. 5, 26. gelöbnisse werden ebenfalls mit der rechten hand gegeben, und das mit der linken geschlossene eheverlöbnis gewährt dem weibe nicht die vollen rechte einer ehefrau, daher die ehe zur linken hand nur ein gesetzlich anerkannter concubinat ist: eine wollistige bestie hatte ihn mit eitelkeit eingenommen, dasz er von ihr letzlich überwunden und selbige sich an seine linke hand nechst mir trauen lassen. polit. stockf. 326; dasz diese nicht seine rechte gemahlin, sondern nur seine concubine, welche er sich bei der vorigen an die linke hand vertrauen lassen. 330. Dem gebrauche der einen, vorzüglich der rechten hand, steht der gebrauch beider hände gegenüber, oft als zeichen einer nachdrücklichen kraftanwendung, oder von hast und gier hervorgehoben: fraszen zu beiden händen die wassernuteln und käszküchlin. Garg. 199ᵃ; dieser wöhrete mit beiden händen von sich. Happel acad. rom. 44; J. sie mag keinen. Th. keinen? sie ist toll. sie soll gott danken und mit beiden händen zugreifen. Göthe 11, 13; darauf habe buchhändler Macklot den vorschlag gethan, die deutschen dichter und prosaisten auf dieses papier abzudrucken .. mit beiden händen habe man dieses angenommen. 48, 18; er hätte sicher mit beiden händen zugegriffen. Kotzebue dram. spiele 2, 200; nahm ihn mit beiden händen beim kopfe. Immermann Münchh. 2, 35;
und weil sichs nun einmal so gemacht,
dasz das glück dem soldaten lacht,
laszts uns mit beiden händen fassen,
lang werden sies uns nicht so treiben lassen.
Schiller Wallenst. lager 11. auftr.;
auch frühe schon in komischer rede auf den act des schwurs angewendet, wo die eidliche versicherung recht nachdrücklich dargestellt werden soll:
ich swer mit beiden handen,
daʒ si sich niht erkanden.
Walther 104, 20.
Wiederum wird gegenüber dem kraftaufwande mittelst beider hände etwas leichtes mit nur éiner hand vollbracht: der mensch ist so schwächlich, dasz ich ihn mit éiner hand umwerfe. Wenn der sing. hand steht da wo man eigentlich den plur. hände erwarten sollte, so ist das wol collectiv zu fassen, die beiden hände werden in gemeinsamer thätigkeit als ein eng verbundenes ganzes gefaszt: erbrach sie das .. paqvet mit bebender hand. Zigler Banise (1700) s. 95, bei einer solchen handlung müssen beide hände vereint thätig sein;
weil deine jugend lernen musz,
so lasz dich meine öftern kusz
die menge deiner schätze lehren.
gieb seinem treuen unbestand
stirn, augen, wangen, mund und hand,
und lasz ihn jeden reiz, der dich erhebt, verehren.
Hagedorn 3, 93;
so reihn sich mit vereinter hand
jene süszen erwachenden.
Klopstock 2, 218;
namentlich auch in der formel mit gesammter hand, s. unten III, 5. Dem gegenüber steht der gebrauch des plurals, wo der singular erwartet wird und man sich die im satze angeführte thätigkeit als nur die eine, namentlich die rechte hand betreffend zu denken gewöhnt hat: zu Rom war ein orator, der Potamon, bei dem käiser Tiberio in so groszen gnaden, dasz als er einsmals in sein vaterland Mytilenen reisen wolt, ihm der käiser einen pasz schrieb mit eigenen händen. Schuppius 245; es ist ein sehr kostbarer ring, den er wohl noch dazu von lieben händen hat. Lessing 1, 552;
was zog er von den henden sein?
von rotem gold ein ringelein.
Uhland volksl. 175;
nie ging die wahre kunst nach brod,
wenn sie vorher dem eigensinne,
der faulheit nicht die hände bot.
Gökingk 2, 113;
wie durch heilge thäler wir
händ in hände wandelten.
Göthe 56, 18;
vgl. auch zu hand und zu handen kommen u. ähnl., unten II, 1.
6)
stellung oder lage anderer personen oder gegenstände wird nach der hand bestimmt: bei hundert meil von Corfun auf die link hand ligt ein insel Maffra. Frank weltb. 17ᵇ; das grab Rachelis auf die rechte handt bei dem weg. 173ᵇ; es fahre der feind schiffzeug ausz der engen meerschosz und schlage auf die linke hand gegen dem gestad. Fronsp. kriegsb. 3, 157ᵃ; zehen under diesen raubern sind auf die rechte handt mit dem ritter, und die fünf auf die linken mit den zwo jungfrauwen gezogen. Amadis s. 353; ich kehrete mich auf die andere hand, zur linken. Philander 1 (1642) s. 359; dannenhero er sich auf die linke hand nach dem walde schlug. Zigler Banise (1700) s. 596; in dativischer fügung: ein statt nahend bei dem mör, auf festem landt, auf der linken handt gegen aufgang. Frank weltb. 206ᵃ; so du got und den tugenden dienst, und denn wider den sünden, der welt, und den bösen werken, und schirmest zu beden henden. Keisersberg bilg. 41ᵇ;
hier zu der einen hand
durchstrahlt desz mannes zier und königliche stand
mir sinnen und vernunft, zur andern deine tugend.
Opitz 1, 9;
schwerter deren klinge an beiden seiten geschliffen ist, werden zu beiden händen geführt: deszgleichen haben sie darneben auch breite und gute schwerter, die sie zu beiden händen führen und gebrauchen. Fronsp. kriegsb. 3, 145ᵃ; in Baiern heiszt ein baiderhander einer der nach beiden seiten hin recht sein will, achselträger Schm. 2, 205; vgl. auch beidenhänder theil 1, 1365. Für diese verbindungen stehen namentlich in der modernen sprache die genitive rechter hand, linker hand: er stand mir linker hand, ad laevum stabat. Steinbach 1, 687; wir waren .. die landstrasze hinan, die Rhone uns linker hand, geritten. Göthe 16, 260;
dein weg ging linker hand.
Wieland 4, 84;
rechter hand, linker hand, beides vertauscht.
v. Mühler.
Entsprechend dem vorzuge der rechten hand vor der linken ist der platz zur rechten der ehrenplatz: und der herr .. ward aufgehaben gen himel und sitzet zur rechten hand gottes. Marc. 16, 19;
das er den küng von Frankrich
setzet zuo der gerechten hand (des papstes).
Büheler 5347,
nachher: den kunig von Frankenrych
setzte er gar würdiclich
über den babst, als er in hiesz.
5357.
Der platz zur linken kann die bedeutung eines bösen platzes annehmen, nach Matth. 25, 33: wird die schafe zu seiner rechten stellen, und die böcke zu seiner linken:
der guoten ræte der sint drî:
drî ander bœse stênt da bî
zer linggen hant.
Walther 83, 32;
den weist man am jüngsten tag zu der linken hend,
tief in den verfluchten hellischen grund.
Münchner handschr. cgm. 713, bl. 167ᵇ;
vergl. auch ärgere hand unten III, 3. — In den genannten verbindungen wird hand oft unterdrückt und für die rechte hand, auf die rechte hand, auf die linke hand gesagt die rechte, auf die rechte, auf die linke, wie für zur rechten hand, zur linken hand zur rechten, zur linken.
7)
mit dem namen anderer körpertheile formelhaft verbunden erscheint hand:
a)
hand und mund; ihr müsset sie itzund mit hand und mund empfangen (zu den begrüszungsworten die hand reichen). schaub. engl. u. franz. com. 1, 551; dafür: ich hatte mich in unverdächtiger entfernung an einem alten baumstamme aufgepflanzt und die zwiesprach begann sofort mit hand und lippe. Riehl culturgesch. nov. 363; man verspricht etwas mit hand und mund, s. oben 3, f sp. 332; er hat mirs mit der hand und mund gesagt, das ist, er hat mir seinn glauben und trew zu pfand gesetzt. Agr. spr. (1560) 167ᵇ; man dankt mit hand und mund;
nun danket alle gott mit herzen, mund und händen.
M. Rinkhart;
hand und mund sein für jemand, d. i. handeln und reden; der dienst aber des gaists ist den hailigen gaist predigen, die kraft des lebendigen worts treiben, und allain ain handt und mundt gottes sein. Frank parad. 140ᵇ;
wann er (der rat) als seinen herrn erkennt das vaterland,
und ist nur, was er ist, des volkes mund und hand.
Lessing 3, 341;
aus der hand in den mund leben, eben das nöthige haben, was die hand erschafft, wird vom munde sogleich aufgezehrt; dasz man im nächsten augenblicke den vorhergehenden verspeist, den tag im tage verthut, und so immer aus der hand in den mund lebt, ohne irgend etwas vor sich zu bringen. Göthe 22, 125; seitdem ich die weihnachtsferien nicht zur ausarbeitung der vorlesungen .. anwandte, bin ich mit jenen sehr in rückstand gerathen und lebe zwischen den tagen von der hand zum munde. Niebuhr leb. Nieb. 1, 509. bei Göthe ist dann auch aus der hand zum munde im sinne von flüchtig, schnell zu erledigen, gebraucht: ein jeder der die naturgegenstände nur nicht gerade aus der hand zum mund, wie etwa der koch, behandelte, wer nur einigermaszen consequent aufmerksam auf die erscheinungen war. 54, 77.
H. ich will nun hin und hochzeit halten.
B. ich bitt euch, nur geduld genommen;
als wenn das so von hand zu munde ging!
57, 260.
b)
hand und herz:
lange schon wünschte die mutter daher sich ein mädchen im hause,
das mit der hand nicht allein, das auch mit dem herzen ihr hülfe.
Göthe 40, 308.
beides wird gegeben bei ehebündnissen (oben 3, f sp. 333): mit hand und herzen schalten und walten. Kotzebue dram. sp. 2, 297
sie will ihm hand und herz noch diesen abend reichen.
1, 181;
wenn einig herz und hände,
welch frühling ohne ende
hebt da zu blühen an!
R. Reinick lieder s. 93.
c)
hände und füsze: wenn man den narren ziehen wil, so stellet er sich, als wolt man im fessel an hende und füsze legen. Sir. 21, 22; band seine hende und füsze. apostelgesch. 21, 11; der verstorbene kam her aus, gebunden mit grabtüchern an füszen und henden (goth. gabundans handuns jah fôtuns faskjam gegen das greich. τοὺς πόδας καὶ τὰς χεῖρας). Joh. 11, 44; welcher mich an händen und füszen an die eisen schlosz. Simpl. 1, 212 Kurz; wenn der bauer nicht musz, so regt er weder hand noch fusz. Pistorius thes. paroem. 9, 91;
in der stadt verworrnen gassen
regt sich emsig fusz und hand.
R. Reinick lieder s. 4.
regungen des menschlichen herzens, wenn sie recht kräftig sind, werden nicht durch blosze bewegungen der hände (oben 3 sp. 330) sondern durch hände und füsze kund gegeben: da verwundert er sich mit händ und füszen. Ayrer proc. 1, 1;
welcher gern mit der liebsten scherzt,
der thu zuvor ein räuschlein trinken,
in eim hui wird er haben platz,
wird ihm mit händ und füszen winken,
beim wein bekompt man bald ein schatz.
Philander 2 (1643), 218;
so wuszt auch Hans vor groszer freude
nicht, wo er händ und füsze liesz,
als ihn schulmeisters Adelheide
das erste mal herr schulze hiesz.
Gellert 1, 133;
ich habe mir die freiheit genommen, ihnen die ehre antragen zu lassen, meine gemahlinn zu werden. sie müszten verrückt sein, wenn sie nicht mit händen und füszen zugreifen wollten. Lessing 2, 411; ähnlich Terent.
conari manibus pedibus noctesque et dies.
Andria 4, 1, 51;
ich kann nicht fort, bis ich weisz, dasz du dich hast brichten lassen, und das glück nicht mit händen und füszen von dir gestoszen. J. Gotthelf schuldenb. 9; mit händen und füszen abwehren. Jucundiss. 208; Paulus weret mit händ und füszen allenthalben der ebionischen ketzerei. Frank paradoxa 57ᵃ; der alte H. wehrte sich mit hand und fusz, aber die arme des privatgelehrten hielten ihn wie eine zange einen nagel. novellenzeitung 1866 s. 648. Dann will hände und füsze, die äuszersten theile des menschlichen körpers zusammenfassend, in dieser verbindung den ganzen leib bezeichnen:
stül und benke giengen drab,
sie fielen händ und füsze ab,
man maint es käm zum jungsten.
Liliencron volksl. 2, 129, 7,
d. h. sie fielen sich zu tode. daher etwas hat hände und füsze, ist ganz, vollkommen, wie es sein musz (ähnlich es hat arm und bein): ein gerader ungestümmelter leib hat sein art an händen und füszen. also brauchen wir disz wort, es hat händ und füsz, was der thuͦt und redt, das ist, es ist rechtschaffen, es hat einen bestand, es ist wol gestalt und wol gethon. Agr. sprichw. (1560) 203ᵇ; dise reformation hat händ und füsz und gewint sein glückseligen fort- und auszgang. Mathes. Sar. 153ᵇ; wann der verwalter und die laqueien solche ihres junkern discurs anhören, so denken sie, es hab händ und füsz, was ihr junker sage. Schuppius 87; sie bilden sich grosze klugheit ein, was sie aber reden, hat oft weder hände noch füsze. pers. rosenth. 7, 20; er weis dem dinge hände und füsze zu geben. Schottel 1118ᵃ; es hatte, wie man spricht, alles hände und füsze. ehe eines mannes 63; das ist ein periodus, der hände und füsze hat! Mattheson critica musica (1722) 1, 68;
der brief hat händ und füsz.
Schiller 363.
Namentlich die neuere sprache bevorzugt hier den singular hand und fusz: eine rede die hand und fusz hat; was hier geschrieben steht, hat weder hand noch fusz; man braucht hier die einzahl collectiv (s. oben sp. 338).
8)
andere redensarten und sprichwörtliches. etwas offenbares liegt vor einem wie seine hand: wenn du die verhältnisse hier wüsztest, die vor mir liegen wie meine hand. Göthe 29, 141; das herz in der hand tragen, gleichsam offen, keine heimlichen gedanken haben: ich trage meine seele immer in meinen henden. ps. 119, 109; alle tragen ihr herz in der hand ... jedermann ist redsam und redselig. Göthe 45, 41; er rede mit dem herzen in der hand. E. T. A. Hoffmann 4, 100;
ein rechter ritter fromm und brav,
sein seele trug er in seiner hand.
Arndt ged. (1840) s. 205;
im dunkeln sieht man seine hand vor augen nicht; keine hand vor augen sehen können. irrgarten 67; nicht hand vor augen sehen können. Heilman Thucyd. 504; etwas mit händen greifen können, eine thatsache oder den beweis für eine behauptung gleichsam körperlich erfassen, wie Maaler sagt: ich glaub dir nit, ich habe es dann gerad in den henden. 218ᶜ; denn der gute frome man .. hat wol mit augen gesehen und mit henden gegriffen und erfaren, wie gar schendlich sich der teufel sperret in der welt wider den christlichen glauben. Luther 6, 44ᵇ; mich dünket als griffe ich es mit händen. A. Gryphius 1698 1, 904; denn es kann jedweder verständiger leser die abgeschmackten thorheiten mit händen greifen. Chr. Weise erzn. 150; das will niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit händen greifen. Göthe 16, 15; das kann man mit augen sehn, ja man möchte sagen, mit händen greifen. 59, 69; er glaubte den in der katholischen kirche allein gegenwärtigen gott gleichsam mit händen zu greifen. Riehl culturgesch. nov. 284;
und maint, er woll es nit offenberen,
und get mit worten doch umbschleifen,
man mocht es mit den henden greifen.
fastn. sp. 230, 27;
gemüth musz verschleifen,
höflichkeit läszt sich mit händen greifen.
Göthe 2, 265;
einem die hand im sack erwischen, gleichsam einen dieb auf frischer that: erwischte der so schmerzlich weinenden madamoisellen mitten im nachtruppen ihrer anfechtung die hand im sack, als sie weder den lauf ihrer seufzen, noch den flusz ihrer übermäszigen zähren hemmen konnte. Simpl. 4, 77 Kurz; die hände immer in den taschen, im beutel haben, immer geld zahlen müssen; hand von der butte! nicht angerührt, s.butte 2, 580; zum eilen wird angespornt mit dem rufe nimm die beine in die hand!; die hände in die kohlen schlagen, übel ankommen (wie sich die finger verbrennen); denn sie waren all gerüste leute, also, dasz ich sorg hatte, ich schlüg die hände in die kohlen, wie auch geschah. Götz v. Berl. von Büsching und Hagen 123; darum sollt er eben drauf sehen, wie viel heraus ziehen, und mirs wieder wahrhaftig anzeigen, damit wir die händ nicht in die kohlen schlügen. 124; die hände in den teig stoszen, etwas arbeiten, thätig sein in einer sache, ein bild hergenommen von dem häuslichen backgeschäfte: vil davon lesen und hören, und die hend nit in teig stoszen. Keisersberg sünd. d. munds 2, 41ᵇ; kalte hand warme liebe. Frischbier sprichw. 1464; ihre hände hatten die eigenheit, dasz sie oft plötzlich erkalteten, was freilich auf ein warmes herz deutete. Immermann Münchh. 3, 63; eine hand wäscht die andere; ein hand juckt die ander. Agr. sprichw. (1560) 315ᵇ;
hand wird nur von hand gewaschen;
wenn du nehmen willst, so gib.
Göthe 2, 308;
wenn du also ein bach der richtuͦm sihest flieszen vor dinem husz hin, so wesch din hend darusz und losz das überentzig furflieszen. Keisersberg bilg. 112ᵈ; die hände in eines andern blute waschen, manus alicujus sanguine imbuere. Steinbach 1, 687; seine hände in der brüder blut zu waschen, sei eine ersprieszliche nothwendigkeit. Zigler Banise (1700) 372. biblisch ist das waschen der hände zum zeichen der unschuld: ich wasche meine hende mit unschuld, und halte mich herr zu deinem altar. ps. 26, 6, nachher auch Matth. 27, 24, und jetzt als redensart viel gebraucht. Der höfliche und unterwürfige entblöszt sein haupt: personen die mit dem hute in der hand zu ihm sprachen. Happel acad. rom. 28; daher mit dem hute in der hand kommt man durchs ganze land; hei wie schlugen wir da drein und zeigten dem gesindel, dasz ein deutscher handwerksbursche nicht blosz mit dem hut in der hand, sondern auch mit den fäusten fechten kann. Riehl culturgesch. nov. 351. der mutige nimmt das herz in die hände (vergl. sich ein herz fassen 3, 1346): fasset widerumb das herz zuͦ beiden henden. Wickram rollw. 16 Kurz; ich nahm also das herz in beide händ, und bat den vater noch desselben abends, dasz er mir ein gewisses stücklein land abtrete. arme mann im Tockenb. 41. von zwei eng verbundenen heiszt es, sie sind wie zwei finger einer hand: der wirth und der landjäger sind wie zwei finger an einer hand. J. Gotthelf schuldenb. 29; engl. they are hand and glove, hand und handschuh, welcher vergleich von neueren auch in das deutsche übertragen ist: sie wissen ja, der regierungspräsident .. ist sein onkel, onkel und neffe sind hand und handschuh. Spielhagen hammer u. ambosz (1869) 2, 294; er war ehrerbietig gegen den onkel, aufmerksam gegen die tante, voll chevaleresker höflichkeit gegen Paula, hand und handschuh mit den knaben. 3, 67. der bestechliche läszt sich die hände salben, schmieren: die hände mit gelde schmieren. Schottel 1116ᵇ;
wer mich mit gelt in der hent schmirt,
es sei von mannen oder weiben,
die losz ich do ir kurzweil treiben.
fastn. sp. 110, 32;
sich wil ein altsz weip gen dir zukaufen,
die orenkraut dir allenthalben
und maint, du solt ir die hend salben.
161, 26;
ich hor und merk an irem hofiren,
das sie meint, man sol ir die hend schmirn.
164, 11;
viel hände machen leichte bürde. Schottel 1113ᵇ; viel hände machen bald ende. Frisch 1, 409ᵃ; viel hände machen die schüssel ledig. Frischbier sprichw. 1468; wenn man dem teufel einen finger gibt, so nimmt er die ganze hand; wen das glück ein finger reichet, so sol man die hand bieten. Schottel 1119ᵇ.
9)
glaube. die hand, mit der man einen frevel begeht, verdorrt:
und es verdorre die hand meines geschlechts, die den tod
schickt auf die deinen mit blei, und schlingen stellet und netze.
Arndt ged. (1840) 164;
die hand die sich an den eltern vergreift, wächst zum grabe heraus: dasz euch die hand nicht aus dem grabe wachse, weil ihr euch an der mutter vergreift! Bürger im d. museum 1776 1, 443; auch die hand dessen der gebannte bäume beschädigt (vgl. Grimm märchen no. 117 und anmerkung):
die bäume seien
gebannt, sagt er, und wer sie schädige,
dem wachse seine hand heraus zum grabe.
Schiller Tell 3, 3.
10)
alter rechtsbrauch war die besitznahme einer sache dadurch, dasz man seine hand daran oder darauf legte, in der rede klingt dieser brauch noch bis heute nach, wenn auch die symbolische handlung längst geschwunden ist: so wollen wir es künftiger zeit unter uns halten, wo ein jeder seine hand hinlegt, da mag er seinen sitz nehmen (bei tafel). unw. doct. 800; sobald er etwas findet, so ihm ansteht, wirft er sobald die hand als das auge darauf. Happel acad. rom. 31; das buch war zu verkaufen, ich habe sofort meine hand darauf gelegt. Eine leibesstrafe bestand im abhauen der hand, vorzüglich der rechten (rechtsalt. 705 f.): hand ab, sub poena amputationis manus Stieler 2;
man rach die muoter, daʒ man sluoc
im ab die hant und einen fuoʒ.
Helmbr. 1691;
by wem man valsche pfenninge vint mê den einen schilling, man howt im dy hant ab. Magdeb. blume 2, 5, 9. daher bei hand und wiede verbieten, bei leib- und lebensstrafe (wiede ist der strang zum hängen, sp. 250):
ir herrn, ich peut euch allen frid
bei der hand und pei der wid (sagt der richter).
fastn. sp. 589, 32.
Biblisch ist das bild einen in die hand zeichnen für nicht vergessen: und ob sie desselbigen vergesse, so wil ich doch dein nicht vergessen. sihe, in die hende hab ich dich gezeichnet. Jes. 49, 16;
du bleibest mein: ich sorge für und für,
für dich mein kind. disz sei der treue pfand:
ich habe dich gezeichnet in die hand.
A. Gryphius 1698 2, 112;
gott der die seelen die ihn lieben,
und mich hat in die hand geschrieben.
2, 132.
II.
Die manigfache thätigkeit der hand, die durch beigesetzte verba näher bezeichnet wird, bringt eine grosze anzahl stehender verbindungen hervor. als formelhaft werden mehrere von ihnen auch dadurch characterisiert, dasz der artikel zwischen praeposition und substantiv nicht steht: in hand nehmen, zu händen kommen, aus händen gehen, an hand gehen u. a. die aufzählung dieser formeln erfolgt hier nach gewissen, am eingange jedes abschnittes angegebenen gesichtspunkten.
1)
die hand als fassende, greifende, in besitz und gewalt nehmende, betreffend.
a)
in die hand, an die hand nehmen hat neben den zahlreichen fällen wo es ganz in sinnlicher bedeutung steht und die nicht besonders belegt zu werden brauchen, auch eine unsinnlichere entwickelt, etwa wie ergreifen 8 und 9, theil 3, 828. 829, angreifen 1, 356: ich will diesz geschäft selbst in die hand nehmen; das regiment in die hand nehmen. Nürnb. chron. 3, 133; so aber der knab nimpt weder bürsten noch alen in hant. Keisersberg sünd. d. munds 81ᵃ; will einer ein hantwerk lernen, er musz es in die hant nemen, er mag es nit vom zusehen lernen. pred. 22ᵃ; wie Friedrich der herzogin zween weg anzeiget, und welchen sie an die hand nimpt. Galmy 278; den ernst dargegen gebrauchen und an die hand nemen. Kirchhof wendunm. 162ᵃ; sol solcher letzter weg (über berge und durch schluchten) ohne merkliche ehehaften nit an die handt genommen .. werden. milit. discipl. 101; das ward nu erstgemelter maszen an die hand genommen. Schiltbürger 1599 s. 69; derohalben so ligt dir und uns ob, das euszerst an die hand zu nemmen. Ayrer proc. 1, 11; eben solche mittel nahm Salomo an die hand, seine weiszheit zu offenbaren. Schuppius s. 112;
wer dieser sache schutz wird nehmen an die hand,
sol haben sie zum weib.
D. v. d. Werder Ariost 4, 60, 4;
an die hand oder in die hand nehmen heiszt auch gefangen nehmen: in feste hand genommen und in engern verwahrsam gebracht worden. Hippel lebensl. 2, 309.
b)
zur hand, zu handen nehmen, in gleichem sinne mit dem vorigen, verschiedene beispiele stehen schon oben unter den formen des dat. pl. sp. 325;
wasz man bracht von desz königs tisch,
es wer gleich fleisch, käsz oder fisch,
das namen sie zu ihrer handt,
das man des morgens nichts mehr fand.
E. Alberus 113;
damit sie dester ehe nach ihrem gefallen die flucht möchten zu handen nemen. Fronsp. kriegsb. 3, 158ᵃ; als wann wir ein zug gegen ihm in sein landt zur handt nemen. 180ᵃ; ich muszte also die glatten wort und das streicheln zur hand nehmen. a. m. im Tockenb. 25. auch übergehend in den sinn für dauernden besitz ergreifen, verwahren: das ich zu Cöln zu holen hätte, würde mir nicht entlaufen, als welches unser kostherr zu seinen verwahrlichen handen zu nemen nicht unterlassen würde. Simpl. 1, 357 Kurz; solte .. von der damen selbst der schlüssel zur hand genommen werden. 3, 101.
c)
vor die hand nehmen, gesagt von einer arbeit, einem geschäft, und anrührend an unten 6: hab ich dise arbeit für die hand genummen. Frank weltb. 3ᵃ; zum allerersten das inventarium für die handt nemmen. Frankf. ref. VII, 4 § 5; nach vergehung disz streits mit den drei rittern name der junkher vom meer die landtstraszen, von welcher er ein wenig abgewichen wardt, widerumb für die handt. Amadis 62; wolte ein rath die schatzung vor die hand nehmen. Schweinichen 1, 274; zur zeit Christians III. hat die längst verlassene grönländische schiffahrt sollen wieder für die hand genommen werden. pers. reisebeschr. 3, 4; ich werde kein ander gebet vor die hand nehmen, als ich von meinem meister gelernet habe. pers. baumg. 2, 2; der herr wird unter euch senden unfall, unrath und unglück in allem dem das ihr für die hand nehmet. Schuppius 201; ich weis gewisz, dasz sie den nun erst auferweckten Logau selbst vor die hand nehmen und studiren werden. Lessing 6, 120; als er .. seine Merope vor die hand nahm, und sie in weniger als zwei monaten zu stande brachte. 7, 189; indem sie Miltons gedicht vor die hand genommen. Schiller an Göthe 617; wenn ich sie (blätter und hefte) nun aber nach jahren wieder vor die hand nehme. Göthe 45, 158;
was künftig nutz dem vaterland,
solchs fürderlich nehmt für die hand.
Opel und Cohn 368, 4;
auch unter die hand nehmen: dann ein guter werkmeister laszt kein stück ungearbeitet, er nimmt es alles unter die hand. Garg. 259ᵇ; und daher:
denn was ich berühre,
wird mir unter der hand gleich ein behendes gedicht.
Göthe 1, 374.
d)
in die hand, zu handen gehen, kommen, stoszen, laufen u. ähnl., mhd. in die hant werden:
dô brach in dem anger wît
manec krût daʒ mir was unbekant:
mir wart einʒ in mîne hant.
liedersaal 1, 211, 20;
das deinem fründ zu handen gangen ist, das allen mönschen zu handen gon musz. Keisersberg trostspiegel BB ijᵇ; so bringen mich schöne weiber darzuͦ, deren diener ich allzeit sein will, was mir darumb zu handen gath, das wil ich gerne leiden. Hugoschapler (Straszb. 1537) 10; aber was glücks oder unglücks ihnen durch jedes alter zuhanden gehen würde. Fronsperger kriegsb. 2, 34ᵇ; so einem etwas krankheit oder trübsal zuͦ handten gadt. Wickram rollw. 10 Kurz; da erzalt er sein geschicht nach der lenge: also muͦszten sy lachen zuͦ seinem groszen schaden, so im dann widerfaren und zuͦhanden gangen was. s. 71; erzehlte seinem cameraden oder wegeferten, was wunderseltzams dings ihm auf seiner gefährlichen reise zu handen gangen. Simpl. 3, 410 Kurz; fürnemlich, so er in solchem stande sitzet, da ihm, ein und anderes zu practiciren zur hand gehet. Butschky Patm. 497;
Sintzig gieng in in hand (wurde genommen),
Remagen ward bald berant.
Liliencron volksl. 2, 49, 203;
man findt gar vil gerechter lüt,
die hye uff erd hant ubelzyt,
und loszt in gott zuͦ handen gon,
als ob si vil sünd hetten gthon.
Brant narrensch. 57, 73;
bisz mir etwan ein kunstverständiger an die hand käme, der mich um seine (eines gekauften gegenstandes) beschaffenheit berichtete. Simpl. 3, 92 Kurz; demnach des herren schönes buch mir zu handen kommen. Butschky hd. kanzl. 43; einwürfe, die mir von männern zu händen gekommen sind. Kant 4, 104; war mir das buch des Kabus zu handen gekommen. Göthe 6, 224; uns kam jedoch abermals einiges zur hand. s. 242;
auf das euch nicht mit spot und schand
die lauter warheit kom zu hand.
B. Ringwald l. warh. 290;
der weisz, wie dem umbs hertz, dem unglück kömpt zu handen,
wenn er auch was versucht, und unglück auszgestanden.
pers. rosenth. 8, 91;
denen, die da schliefen, ist viel glück entstanden:
denen, die da wachen, kümmt das recht zu handen.
Logau 3, 46, 42;
der weitzen ist ein edle frucht, doch hat er manchmal brand:
biszweilen kümt dem klügsten mann auch thorheit an die hand.
3, 226, 46;
liebchen, kommen diese lieder
jemals wieder dir zur hand.
Göthe 1, 115;
ein brief kommt zu händen des adressaten; in briefaufschriften wird das verbum unterdrückt: an das kreisgericht zu N., zu händen des directors. sprichwörtlich: der glaube wird dir noch in die hand kommen, das jetzt nicht geglaubte wird dir gleichsam körperlich und greifbar entgegen treten: die mögen immerhin spotten, bisz inen zuletzt .. der glaube in die hand kommen und der unendliche zorn gottes sie .. uberfallen wird. B. Ringwald tr. Eck. A 8ᵇ; glauben nicht ehe, bisz inen (wie man spricht) der glaub in die handt kömmt. Kirchhof wendunm. 91ᵃ ;
bis dir der glaub wird in die hand,
mit spot und schaden kommen.
Ringwald evang. C 5.
nimpts an, wie ein ander frei werk, das im on sein erwelen auf die hand stöszet. Luther 1, 230ᵃ; alles was uns unter handen stoszen oder im wege ligen kan. 4, 454ᵃ; wann mir ein glück zu handen stiesze. Lazarillo de Tormes 44; die uns zu handen stoszende unglücksfälle. Butschky Patm. 609; wegen mir unverhoft zu handen gestoszener wichtiger geschefte. kanzl. 115; erzehlung des mir zu handen gestoszenen vilfältigen unglücks. 646; alles des menschen zu handen stoszendes elend. 677; wegen eines solches zu handen stoszenden unglücks. 868; ein ungefähr an die hand gestoszener keis. cammergerichtsbott. Werth. deduct. 256;
in schwachheit und in banden,
und was mir stoszt zu handen,
so tröstet mich sein wort.
Fleming 289;
der hirsch klaget bei sich selbst, ach wehe, dasz ich für den menschen geflohen, und in die hand eines stärkern gefallen bin. Lokmans fab. 8; in was für hände sie auch gefallen sind. Göthe 11, 49; aber es rennt mir so von selbst in die hände. Engel phil. f. d. w. 18; wo ein halbschuldiger verbrecher .. den ewig unerforschlichen, unbegreiflich-folgerechten gewalten in die hände rennt. Göthe 46, 18; der landwirt sagt, seine speisen wachsen ihm in die hände; da einige feindliche trupps ihnen in die hände ritten. Schiller 1090; wie wann er vielleicht wer unsinnig worden, und er mir jetzund darumb in die hand gerhit, auf dasz ich ihn wider zu recht brechte? Garg. 208ᵇ; in welche hände bin ich gerathen! Göthe 14, 205.
e)
in die hand, an die hand geben. die erste verbindung will mehr als das blosze geben ausdrücken, indem sie den antheil des empfängers an der handlung des gebens, die aus darreichen und erfassen besteht, ausdrücklich hervorhebt; sie steht sowol in sinnlicher frische: Eboli nimmt ein goldnes ordenskreuz vom busen und gibt es in die hände der herzogin. Schiller Carlos 4, 20; als auch in abgeblaszter bedeutung: die rechte underweisung und lehre, zu welcher die natur den grundt und das fundament in die hände giebt. Schiltbürger 1599 s. 6; er wird dem ersten besten betrieger sich wieder in die hände geben. Göthe 14, 222; er gibt mir in die hand, dem domherrn durch meine nichte vorzuspiegeln, was ich will. 165; schreckliches verhängnis, welches mich in die hand eines buben giebt! Immermann Münchh. 2, 32; nehmen sie mein herr. es ist mein ehrlicher name — es ist Ferdinand — ist die ganze wonne meines lebens, was ich jetzt in ihre hände gebe. Schiller kab. u. liebe 3, 6; herr von Augusti, fing sie ernst an, hat mir gesagt, dasz sie eine bitte für ihren kranken freund in meine hände geben wollen. J. Paul Titan 4, 44;
und sprach zuo ir: ich geb mich hie
in üwer und meins herren hant.
Büheler 805.
auch der glaube wird in die hand gegeben, wie er in die hand kommt (oben sp. 344): ich sah bei ihm den ersten aerolithen, an welches naturerzeugnis der glaube uns erst vor kurzem in die hand gegeben ward. Göthe 31, 97; den glauben in die hand thun. Schottel 1117ᵃ. Dieser verbindung gegenüber drückt an die hand geben weniger aus, es will das ergreifen des dargereichten in das belieben des empfängers stellen: als habe ich diesen andern sontag desz advents darzu anwenden und armen einfältigen leuten an hand geben wollen, wie sie etwan ein paar stündlein am sontag anwenden .. können. Schuppius 428; er wolle ihnen die weis an die hand geben, wie sie auch möchten den himmel erwerben. Abr. a S. Clara Merks Wien (1680) s. 123; bisz die gelegenheit würkliche abstattung würde an die hand geben. Chr. Weise kl. leute 11; nach den beobachtungen, die ihr dieser abend bereits an die hand gegeben. Wieland 1, 217; er bitte, dasz ihm über die mystik rath und licht an hand möge gegeben werden. Claudius 1, 2, 125; gab ihnen die besten mittel und wege an die hand, wie sie der forderung des staates .. entgehen .. könnten. Immermann Münchh. 1, 137;
wer krieg fleucht, giebt dem feind nicht ursach an die hand.
A. Gryphius 1698 1, 101.
f)
ähnliche verbindungen: etwas in die hände bekommen; weil wir dadurch zwar noch nicht die wirklichkeit selbst, aber doch gleichsam eine anweisung auf sie in die hände bekommen. Immermann Münchh. 2, 38; dasz ich ihnen mein schicksal und das schicksal meines freundes gerne in die hände lege. Göthe 20, 208; glück und unglück ist doch zuletzt in deine hand gelegt. Riehl culturgesch. nov. 285;
ich hab es in der götter hand gelegt.
Göthe 9, 66;
uns beide hab ich nun, die überbliebnen
von Tantals haus, in deine hand gelegt.
87;
doch mein kindlich herz
hat unser ganz geschick in seine hand
gelegt.
91;
und sieh, ich lege gnädig dein geschick
in deine eigne kunstgeübte hand.
Schiller Tell 3, 3;
ich habe noch
ein wichtiges bekenntnis abzulegen;
in ihre hände leg ichs ab.
Carlos 4, 21;
sagent dem keiser, das er uns mit gewalt niemmer zuͦ seinen handen bring (in seine gewalt). Aimon bog. e; ehe dann er uns zu seinen handen bringt. bog. i; bisz er den schatz glücklich zur hand gebracht. Simpl. 3, 101 Kurz; solle er macht und recht haben, ihn in der justiz hände zu liefern. Happel acad. rom. 269; sie will mich dem domherrn ... in die hände liefern. Göthe 14, 211; überliefert ihn .. hülflos den händen seiner beamten. Freytag handschrift 2, 101; der teufel weisz wol ein holz zu finden, daraus er ein creuz macht, man solls ihm nicht zu hand schaffen. Lehmann 97; weil ich nun mein anliegen meiner mutter eröffnet, schaffte sie mir denselben fendrich, wiewohl zur unzeit, an die hand. Simpl. 3, 80 Kurz; sind derowegen alsofort allerhand geräthschaften .. an die hand geschaffet. pers. reisebeschr. 2, 1; könig Christian IV hat ihm die grönländische fahrt wieder angelegen sein lassen, einen erfahrnen steuermann an die hand geschaffet, und 3 schiffe dahin gesandt. 3, 4; als der ochse siehet, dasz der löwe so viel holz zusammengetragen und gar grosze töpfe zur hand geschaffet, läuft er darvon. Lokmans fab. 5; wo nicht sein anbefehlnüs eine übung meiner schuldigkeit an di hand lifern wird. Butschky hd. kanzl. 21; so will uns gebüren, bei so einem haufen volks .. ernstlich regiment .. vor die handt stellen und ankündigen. Reuter v. Speir kriegsordn. 32; es waren etliche darunter, die ihm vielerhand juwelen ... zur hand stelleten. Happel acad. rom. 28;
Grangij ward übergeben
zuͦ des von Wirtenberg hand.
Liliencron volksl. 2, 66, 6,
so wird er gnädig auch mir schaffen an die hand,
dardurch mir rath geschicht und taht wird zugewand.
Fleming 97;
lauf Amor, suche bald dein reiszzeug zu der hand.
639;
frauenwasser ausz dem brunn, einem manne nur bekant,
soll ihm Pheron, wil er sehn, würklich bringen zu der hand.
Logau 2, 196, 1.
g)
an die hand geht (verschieden von oben d sp. 344) der helfende oder zur hilfe bereite, so dasz der hilfe suchende die hand nur nach ihm auszustrecken braucht: die geringere und niedrigere den höhern und mächtigern sollen zur hand gehen. Lehmann 130; denn sichs gebüret, freunden wilfärig an die hand zu gehen. Butschky hd. kanzl. 59; da man den gast so toll und foll heim schickt, das alle gasse zu enge scheinen, und weder hände noch füsze recht zur hand gehen. Patm. 684; eine alte frau, welche ihr an die hand gieng. Chr. Weise kl. leute 225; keinen mann habe ich, der mir an die hand gienge. Gellert 3, 211; seine ältesten knaben, die ihm dabei an die hand gingen. Wieland 8, 345; so würden wir unserm freunde, dem herausgeber des damenkalenders, gleich an hand gehen können. Göthe 15, 285; bei der auswahl der stücke .. ging er Melinan eifrig zur hand. 18, 284; sie wollte mir an die hand gehen und konnte sich in nichts schicken. 20, 53; wo klugheit und gewandtheit dem ausübenden zur hand geht. 21, 129; um dem physiker ernstlich an hand zu gehen. 60, 50; sollten sie mir in herrschaftlichen aufträgen, deren ich in jener gegend habe, an hand gehen können, so würde ich im falle sein, ihnen auch etwas dafür zu reichen. bei Schöll 173; dafür auch die formel an handen gehen, die oben sp. 326 aufgeführt ist.
h)
an der hand, bei der hand, zur hand, zu handen ist, steht der oder das, was eine danach ausgestreckte hand schnell erreicht, so dasz diese fügungen nähe und bereitschaft hervorheben: ich sprach den obristen umb einen pasz an in die nechste reichsstadt, die mir eben an der hand stunde. Simpl. 3, 47 Kurz; der herr begehret, das ich disem menschen ferner möglichst an der hand stehen und wilfärig sein solle. Butschky kanzl. 414; teten si imande mee schade in orem lande, so hetten si den kampf an der hant. Stolle chron. 27; die erndte ist an der handt. Frey garteng. 58; er hat einen guten freund an der hand. Schottel 1137ᵇ;
so habe wir strît an der hant
und bestât uns alleʒ daʒ lant.
Trist. 219, 35;
den vyndt den hant wir an der handt.
Brant narrensch. 99, 60;
da war die fastnacht an der hant.
H. Sachs 1, 508ᵇ;
haben wir denn lust zu weine?
Leipzig ist bald an der hand.
Fleming 425;
gut gewissen achtet nicht,
was verleumdung ticht und richt.
warheit steht ihm an der hand,
macht sein unschuld noch bekant.
Logau 3, 212;
früher auch den tod an der hand haben, ihm nahe oder verfallen sein, mhd.
swelhe dâr gerîtent, die habent den tôt an der hant.
Nib. 1480, 4;
alts. nu is irô dôđ at hendi.
Heliand 2990 (vgl. 4780);
vergl. mythol. 377. 807, wogegen Wackernagel bei Haupt 9, 310 geneigt ist, die redensart auf den zum tanze gefaszten tod (s.todtentanz) zu beziehen, die dann zu dem sp. 334 gesagten zu stellen wäre.In Hessen geht die reimende verbindung an der hand und wand sein, einheimisch sein, nachbarlich wohnen, daher auch juristisch erreichbar sein, Vilmar 147;
nd. et is better en nohwer an der hand,
oss en fründ öwwer land.
Curtze volksüberlief. 324;
und were sach, dat einich man noth het und den meiger von Schonecken nit bei der hand enfunde. weisth. 2, 553 (von 1476); es war schon eine fackel beihanden, welche als sie angezündet, gienge Timoclee darmit für ihnen her. Opitz Argenis 1, 57; wenn sie nur was zu seciren, klystiren, electrisiren haben, sind sie bei der hand. Göthe 11, 48; bist du alle morgen gleich bei der hand wie sonst. 14, 260; Henriette dagegen war .. mit dem lobe frisch bei der hand. 15, 261; in der geschichte waren ihr namen und jahrzahlen nicht gleich bei der hand. 17, 60; die gelegenheit war so glücklich, das zeugnis so bei der hand. 18, 119; Philine war nach ihrer art am ersten bei der hand. 238; mit unterdrücktem artikel: weil .. der stachel der thätigkeit hier aber sogleich bei hand und äuszerlich ist. Kant 4, 272; wir haben doch die beispiele der moralisch-urtheilenden vernunft bei hand. 290;
die klugen alle sind so fern,
der thor ist bei der hand.
Göthe 11, 38;
sag pförtner! ist dein herr schon bei der hand?
Schiller 564;
unter denen, so ihm (dem löwen) stets zur hand und seine fürnehmsten bedienten wären. pers. rosenth. 1, 16; sie solten sich nur nicht zu weit von dem orte weg machen, dasz er bei abgelegter expedition sie also bald zur hand hätte. Chr. Weise erzn. 442; wozu mir denn gegenwärtig als erwünschtes hilfsmittel die darstellung zu handen liegt. Göthe 39, 360; wir legten dazwischen, was von grund- und aufrissen ähnlicher gebäude zu handen war. 369; er hat jeden augenblick seine sittlichen, mystischen und geistigen betrachtungen zur hand. Gervinus gesch. d. d. dicht. 1, 78;
er was geheiʒen Rûmolt und was ein helt zer hant.
Nib. 1458, 1;
nur ist das übermasz
auch gleich zu handen.
Göthe 5, 207;
durch feuerdunst ist dieser fels zu handen.
41, 150;
frisch, gesellen! seid zur hand!
Schiller glocke;
früher noch in der fügung zu handen bereit: hiebei merke wie wir christen solten reich sein und groszen vorraht haben dieses brots, und also geübt und geleret sein, das wir das wort gottes zu handen bereit hetten teglich in allen anfechtungen. Luther 1, 80ᵃ. Gleich mit an der hand, bei der hand ist vor der hand, manchmal recht anschaulich gebraucht: dieser erfreuete sich von herzen dasz ihm abermahl eine gelegenheit vor der hand aufgestanden, sein altes leid zu verbüszen. polit. stockf. 313, er brauchte gleichsam nur danach zu greifen; ähnlich:
so meint es (das volk), was ihm nicht steht täglich für der hand,
sei über die natur.
Opitz 1, 46,
vgl. auch oben A b sp. 325; gewöhnlich abgeblaszter in dem sinne von da seiend, auch nahe liegend, bereit, wo die moderne sprache den plural setzt, s.vorhanden: wo eine rechte nohtwehr vor der handt ist (= si defensio fuerit necessaria et coacta). Ayrer proc. 1, 1, obs. 3; tuh was vor der hand und recht, das künftige lasse gott walten. Butschky Patmos 314; zu dehm mus man allezeit dem übel, welches vor der hand und am gefährlichsten ist, am ersten begegnen. 855; H. was bedeutet der schall von pauken und trompeten? S. es ist wieder was abendtheurliches vor der hand. das bärt. frauenz. 21; weil die nacht vor der hand war. Felsenb. 3, 45;
nun, es sind die feind vor der hand,
wöllen angreifen unser land,
desz wehret euch als dapfer leut.
H. Sachs 3 (1578), 2, 219ᵇ;
der mohr ist vor der hand.
Greflinger Cid D;
die not war vor der hand.
D iiij,
(= le péril approchoit, Cid 4, 3). gegensatz ist hinter der hand, etwas hinter der hand hat der, der sich einen notpfennig ersparte, niederd. he hett wat achter de hand, er hat was erübrigt, wozu er greifen kann. Dähnert 172ᵇ.
i)
hieraus haben sich drei adverbial gewordene verbindungen ergeben, vor der hand, zu hand, nach der hand.
α)
vor der hand, zeitlich verwendet, = zunächst, vorläufig: inzwischen erkühnen wir uns, euch vor der hand (bessern vorschlägen unnachtheilig) einen rath zu geben. Wieland 2, 202; ja aber vor der hand dächt ich sie reisten. Lenz 1, 117; dasz ein mensch mit sich laut redend betroffen wird, bringt ihn vor der hand in verdacht, dasz er eine kleine anwandlung von wahnsinn habe. Kant 6, 382; wenn man sich gleich vor der hand keine stütze von ihm versprechen darf. Gotter 3, 18; was überkommt aber denn sonst das gute arme volk .. für ermunterungen zum werthe? so viel vor der hand freilich noch nicht, musz man antworten, als ein preisschaf und ein preisrind in England. J. Paul nachdämmerungen 82; hätten mich nicht wichtige gefühle nach süden hingezogen, so wäre ich vor der hand in Trient geblieben. H. Heine werke 2, 76;
ich küsste sie und sie mich wieder,
und — vor der hand nichts mehr von tod.
Göthe 1, 24.
Rückert gibt die verbindung in éinem worte:
und vorderhand um mich sich nicht mehr kümmernd.
156;
(das licht) konnte vorderhand doch nichts als leuchten.
176.
β)
zu hand, zur hand, seltener örtlich:
du läufst einmal
und holst mir den beutel zum spiele.
er liegt zur hand
auf meines tisches rand.
Göthe 1, 221;
zur hand im schnee   starr liegt ein reh,
blutrünstig, frisch geschossen.
Freiligrath;
gewöhnlich zeitlich, in der bedeutung alsbald: sicht der einen notdürftigen armen menschen, der mangel leidet, zu hand reichet er im dar von dem das er hat. Keisersberg seelenp. 73ᵃ; darnach zu hand ist der fiscal herfürkommen. Luther 3, 417ᵇ; zuͦhand geet er zuͦ hausz und thuͦt ym selbs den todt an. Frank weltb. 17ᵃ; da findt man brunnen, was man darein dunkt, das wirt zuͦhand stein. 60ᵇ; zuhand ihr gar eine subtile boszheit erdacht. wegkürzer 86; wo ein mensch solchen angreift, so stirbt er zu handt. Forer fischb. 116ᵇ; fiel er zu handt darein. Tacius bei Fronsp. 3, 249ᵇ;
ich bitt euch jüd, leicht mir zuͦ hand
bargelt auf bürgen oder pfant.
Schwarzenberg 122ᵇ;
damit uns sterken wil zuͦ hand.
147ᵃ;
das ich darüber starb zu hand.
B. Ringwald tr. Eck. F 6ᵃ;
und gieng zu hand nach Bethlehem.
evang. C iijᵃ;
hat nichts als unbestand bestand,
so wird mein ach zu hand
in lust verwand.
Fleming 529;
ist ein esel zu erstreiten, ei so suche dir zur hand
einen richter, der nicht selbsten ist dem esel anverwand.
Logau 2, 238, 174.
γ)
nach der hand, der gegensatz von vor der hand, in zeitlicher bedeutung später, nachher, weiterhin: doch gieng nach der handt die sage. Kirchhof milit. disc. 265; nach der hand kam der pfarrherr. wendunm. 297; aber nicht desz weniger nach der handt schwärlich ist gestraft worden. Fischart bienk. 107ᵃ; ich habe mich bekehrt, und nach der hand keine ungebührliche werke mehr verübet. pers. baumg. 7, 8; nach der hand rüsteten sie eine flotte aus. Heilman Thucyd. 328; ein stillestand, welchen anfänglich nur die Geloer schlossen, worauf aber nach der hand auch die übrigen Sicilianer zusammentraten. 528; es boten sich mir nach der hand gründe dar. Kant 8, 236; ihre nachsichtsvolle aufmunterung erwartet .. dasz ich mich bestrebe, sie, wenigstens nach der hand, recht haben zu lassen. Lessing 5, 356; hält er für wahrscheinlich, dasz die veränderung des körpers unten im morast vorgegangen sei, und der bach ihn nach der hand heraus gespühlt und nach dem teiche geführt habe. Lichtenberg 5 (1803) s. 156; vor alters hätten die menschen alle ein separates os intermaxillare gehabt, das sich nach der hand durch debauchen und zunehmenden luxus der nachwelt verloren. Göthe 55, 154;
wenn nun die gottesfurcht .. von eurer ersten jugend
bei euch gefunden ist und bleibt auch nach der hand,
so seid ihr billig ja versetzt in disen stand.
Rist Parn. 58.
k)
von der hand gewiesen wird ein anerbieten, ein vorschlag, den man nicht ergreifen oder auf den man nicht eingehen will.
2)
ebenso schlieszen sich an die hand als haltende und besitzende eine reihe von formeln an, in denen die sinnliche bedeutung des substantivs zurück tritt. die letztere bleibt aber stets gewahrt, wenn das dazu gehörige verbum haben, halten unterdrückt wird: besser ein spatz in der hand dan ein storch auf dem dache. Schottel 1115ᵃ;
besser ein vogel in der hand,
als zwanzig auf dem land.
Pistorius thes. par. 8, 64;
und von der anderen seite
trat, ein kind an jeglicher hand, der richter zugleich an.
Göthe 40, 311;
bejahrte frauen,
in braunen, verschollnen gewändern,
gesangbuch und rosenkranz in der hand.
Heine buch der lieder 325;
oder durch die praep. mit ersetzt ist: sah aber .. eine dunkle gestalt, mit einer überlangen stange in der hand. Immermann Münchh. 2, 28; keine galerie ohne ein schock Engländer, die mit ihrem guide in der hand darin umherrennen. Heine werke 2, 121. von den oben erwähnten formeln sind zu nennen:
a)
in händen haben, halten, in händen sein, fest haben, besitzen; so von dingen: sich, alle dinge, die er hat, sind in deiner hand. Keisersberg pred. 6ᵇ; es wird nöthig sein, dasz sie wenigstens tausend thaler in händen haben. Rabener sat. 3 (1757) 31; ein ganzes jahrhundert, und darüber, haben sich die liebhaber mit einer einzigen auflage dieses dichters beholfen; in wie vieler händen kann er also noch sein? Lessing 5, 104; wenn der schmuck in ihren händen ist. Göthe 14, 173; ich habe keine ruhe, bis ich das kleinod in ihren händen weisz. 174; der den der kauf reut, wenn er die waare in händen hat. 19, 340;
mein frau kont sich auch wol machen,
wenn sie het pfenning in der hant.
fastn. sp. 105, 13;
Reinmundt der hat in seiner hand
die grafschaft Forst, die ich ihm gab.
Ayrer 349ᵃ (1749, 5 Keller).
sprichwörtlich: in keiner hand nichts haben, gar kein vermögen besitzen; sie hat fünf unerzogene kinder, und in keiner hand nichts als armuth. Gellert 3, 158; das heft in der hand, in händen haben, volle gewalt, wie der der das heft des schwertes hält;
jetzt sind wir noch beisammen im land,
wir habens heft noch in der hand.
Schiller Wallenst. l. 11. auftr.
von personen: erwachte nicht früher, als bis er sich in den händen seiner geistlichen brüder sah. Göthe 20, 269; daher hat man einen menschen in händen, wenn er willenlos in eines macht gegeben ist: sih er ist in deiner hand, jedoch behalt sein sel. bibel 1483, 250ᵇ (ecce, in manu tua est. Hiob 2, 6); würde aber der könig in Frankreich dagegen undankbar sein und widerumb neue händel anfangen, so hätte der kaiser ewigen ruhm davon, dasz er einen so mächtigen könig in händen gehabt und losz gelassen hätte. Schuppius 398; werden sies (die menschen) geschehen lassen? Tr. wir haben sie in händen. Göthe 14, 114; ich bin ganz in ihren händen. 168; ich dachte, wenn ich will, kann ich euch in meiner hand haben, ihr herren gelehrten. Freytag handschrift 3, 250;
ich bin ja, herr, in deiner hand.
Gellert 2, 212.
ebenso das menschliche herz: mein liebster Hertod, ihr habt mein herz in euren händen. Happel acad. rom. 331; meiner alten ihr herze hatte ich in händen und sie vertraute mir mehr als ihren kindern. jungfer Robinsone 115; verstand er seine kunst, so waren alle herzen in seinen händen. Schiller 1027; da der mann, ich wuszte selbst nicht wie, mein herz in seine hände bekommen hatte. Thümmel reise 2, 53. Ähnlich steht, ist etwas in der hand eines, er hat es in gewalt und die verfügung darüber:
dô sprach diu schœne Krimhilt: ich hân einen man,
daʒ elliu disiu rîche zuo sînen henden solten stân.
Nib. 758, 4;
so steht auch jetzt in seiner handt
zu sammt Rom der Sabiner landt,
dasz regirt er alles allein.
Ayrer 19ᵇ (111, 13 Keller);
die weil die eine gestalt des sacraments, durch menschliche satzung, und beider gestalt desselben in handen und gewalt des bapsts stünde. Luther 6, 328ᵃ; mein glück liegt ganz in ihrer hand; das christenthum sei jetzt schon ganz in den händen der juden. Heine werke 2, 388;
mein leben, heil und tod
beruht in eurer hand.
A. Gryphius 1698 1, 30;
steht unsre zeit in dessen händen,
der in der glut die zeit soll enden.
1, 48;
doch dein glück dir selbst zu schaffen,
tochter, steht in deiner hand.
Gotter 1, 86;
ich sage dir, es liegt in deiner hand.
Göthe 9, 66;
wie man etwas, z. b. geld, vermögen in die hände bekommt, in besitz und freie verfügung: als mann bekäme ich es (das geld) in die hände. Lessing 2, 418.
b)
ebenso in der ältern sprache bei händen haben: dero wir noch bücher in griechischer sprach by unsern handen haben. Reuchlin augensp. 10ᵇ; vermög meines bei handen habenden gewalts. Ayrer proc. 1, 2; darüber gaben sie mir einen revers, den ich auch bei meinen händen habe. Schweinichen 2, 155; derjenige kan nicht rechtschaffen frölich sein, der da vermeinet, er genüsse nur allein dessen, was er noch bei händen hat, anschauet und sihet, und aber das, was er zuvor gehabt, für nichts hält. Butschky hd. kanzl. 700; einen bei händen behalten, ihn nicht los geben: so ersiehe ich leuth von uns hinweg fliehen .. und erreit zween, die behielt ich bei meinen handen. Götz v. B. 82.
c)
darnach etwas in die hände empfehlen: vater, ich befelh meinen geist in deine hende. Luc. 23, 46; so glaube ich, dasz ich mein glück in keine bessern hände als in die ihrigen empfehlen kann. Rabener sat. 3 (1757) 28.
d)
durch die hände gehen, laufen, bei vorübergehendem besitz: das haus ist seit zehn jahren schon durch viele hände gegangen; das buch ist mir eben nur durch die hand gelaufen, ich habe es nicht lange gehabt; zum exempel diese venusmuschel, durch wieviel hände ist sie nicht schon gegangen, und immer wieder in die meinigen ... zurückgekommen. Lessing 2, 448; dieses aber bitte ich mir zugleich unterthänig aus, dasz alle diejenigen gelder, welche ew. gnaden aufborgen, durch meine hände gehen. Rabener sat. 3 (1757) 133; mehrere copien, die er im kleinen, nach den vorzüglichsten meisterwerken, die durch seine hände gegangen, gefertigt. Göthe 43, 349; stoffe, in sich so grosz .. so fest und gewaltig, dasz sie jede neue idee .. in sich aufnehmen, .. gehen auf diese weise von hand zu hand, von jahrhundert zu jahrhundert. Gervinus gesch. d. d. dicht. 1, 99;
(sie) führte mich von dannen nach Paris.
hier ging ich durch verschiedne hände,
und meinen reiz besasz am ende
ein alter wackrer präsident.
Bürger 106ᵇ.
e)
von hand zu hand vertrauen, dem besitz übergeben:
wo lasz ich aber dich und deine schöne laute,
herr Klipstein, welche dir von hand zu hand vertraute
Apollo Phöbus selbst, der sie vor erst erdacht,
der deine schnelle faust ihr griffreich hat gemacht?
Fleming 58;
nimm dieses brieflein an, und meine hierbeineben,
als hätte sie dirs selbst von hand zu hand gegeben.
69.
f)
unter händen lassen, in besitz und gewalt: dasz man einem fehlschützen von mutterleib aus kein gewehr unter händen lassen müsse. Immermann Münchh. 1, 226.
g)
unter den händen schwinden: alles verschwindt ihm unter den händen. Garg. 68ᵃ; adieu welt! .. in deinem hausz ist das vergangene schon verschwunden, das gegenwärtige verschwindet uns unter den händen. Simpl. 2, 110 Kurz; im gegensatze zu unter den händen wachsen: rechte reichtumb wechst im geben unter den henden. Frank sprichw. 1, 137ᵇ;
vgl. ahd. sô thaʒ heri thô gisaʒ, thaʒ brôt gisegonotaʒ aʒ,
iʒ wuahs thar thera ferti in munde joh in henti.
Otfrid 3, 6, 36;
alts. it undar irô handun wôhs,
meti mannô gihwemu.
Heliand 2860.
unter den händen sterben: denn etliche verscheiden denen, so sie auf die wagen bringen wöllen, under den händen. Kirchhof milit. discipl. 118; aber indem sie so damit umging und uns von ihrem mann erzehlete, starb sie uns unter den händen. Simpl. 2, 40 Kurz; seine gesundheit ist nur ein schein, es (das kind) wird uns unter den händen wegsterben. Göthe 20, 298.
h)
von den händen fordern: gott wird vieler groszen herren und reichen schlemmer blut von euren händen fordern. Schuppius 88.
i)
aus den händen geben, bringen, kommen u. ähnl.: ich wurde ihnen ehe alle ding von händen geben. Th. Plater 162; Arsace würde sich ehe selber tödten lassen, ehe dann sie die zwei jungen von handt gebe. buch d. liebe 217ᶜ;
jud, so gib das auch aus der hand (= verzichte auf das recht zu klagen).
Ayrer fastn. sp. 24ᶜ (2457, 11 Keller);
wer will den schatz, welchen die eltern vom gebet, thränen und seufzen für ihre kinder gesammlet und im himmel beigelegt, ihnen veruntreuen und von händen bringen. Scriver seelensch. 2, 237; sehet die Niederlande an: was hat dieselbige aus des königs in Spanien händen bracht? Schuppius 384; sollich (die rabbinischen) commentarien kan und mag die cristenlich kirch nit von handen lassen. Reuchlin augensp. 13ᵇ; so du aber solch bequem gelegenheit deines wollebens ausz den henden lässest. Kirchhof wendunm. 61ᵃ; viel gute occasiones und bequemligkeiten ausz händen lassen und versäumen. Schuppius 105; dasz er etliche cölnische kaufleute bei den köpfen gekriegt, die er nicht ausz händen lassen wolte, es sein ihm dann meine sachen zuvor eingehändigt. Simpl. 1, 377 Kurz; meinst du meinen befehlen entwachsen zu sein, weil ich dich einmal aus meiner hand liesz? Freytag handschrift 2, 380; dasz er (Logau) in seiner jugend verliebte gedichte geschrieben habe, die ihm in den unruhen des krieges von händen gekommen wären. Lessing 5, 106; ich könnte jeden punkt angeben, auf dem ich diese und jene gute eigenschaft wieder fand, die mir, gott weisz wie, nach und nach von der hand gekommen war. Thümmel reise 2, 7; mein herr wird mir nicht aus handen gehen, wann ich ihn ersuche, euch einige hülfe zu ertheilen. d. bärt. frauenz. 33; es könnte den vater reuen, und ers (das land) wieder an sich ziehen, wenn ich ihm den kaufschilling nicht baar erlege. ich musz um geld schauen, so kann er mir nicht mehr ab der hand gehen. a. m. im Tockenb. 42; als wir einsprangen und die .. dirne ihren händen entrissen, sagten sie, das schandkind habe ihr gemeines geld veruntreuet. Riehl culturgesch. nov. 376. in reimspielender verbindung: und es war aller welt unmüglich .. sich wider ausz des teufels handen und banden zu winden. Mathesius Sar. 113ᵃ. — aus der hand fallen, im sprichwort: es war einem geistlichen das herz .. aus der hand gefallen, nehmlich, er hatte sich .. in eine hohe persohn verliebet. pers. rosenth. 5, 4.
3)
an die beiden vorigen bedeutungen schlieszt sich nun die hand als symbol des besitzes, der gewalt über eine sache an: hand haben bei einem, etwas über ihn vermögen Schm. 2, 203; cardinal von Augsburg hat herzog Heinrich geraten, das er das land in kais. maj. hand stellen sol. Schertlin briefe 38; er hatte die hand über den ganzen erdboden, und war euch alles in allem. Göthe 8, 171; die hanse, die, an sich mächtig genug, durch den Stralsunder frieden eine hand über die dänische krone gewonnen hatte. Dahlmann dän. gesch. 2, 52;
das kayserliche mayestat
braucht nun sein handt und gwöltig macht.
Soltau volksl. 367 (16. jahrh.);
sprichwörtlich in die hand wünschen, zum besitz: aber ich tröst mich dessen, ist es nicht hie so ist es dort, und villeicht mehr, als ich mir inn ein hand wünschen solt. Garg. 30ᵃ; niederd. mannes hand baven! brem. wb. 2, 580. von dieser bedeutung geht aus über die hand wachsen: ich fragte ihn, ob seine kinder auch alle so gutartig seien als seine frau? ja, sagte er, ja, sie sagt, wenn ich nicht daheim sei, wollten sie ihr wohl auch oft über die hand wachsen. a. m. im Tockenb. 300; ferner über hand, zusammengerückt überhand nehmen, ausgehend von dem mhd., das die obere, die höchste hand (wb. 1, 627ᵇ) als bezeichnung der obersten gewalt (vgl.oberhand) verwendet:
vrou Minne nam die obern hant,
daʒ sî in vienc unde bant.
Iwein 1537;
wie im nd. de üperste hand hem im hause herschen Schamb. 73ᵃ: die ungerechtigkeit wirt uberhant nemen. Schmelzl augensp. 13ᵇ; er wird die unordnung über hand nehmen lassen. Stüve wesen u. verf. 268; auch in andrer fügung: dieser meister (Petrus Lombardus) von hohen sinnen were ein groszer lerer gewesen, wenn er inn der propheten und aposteln schrift gerathen were. aber das bapsthumb hatte er uber hand genommen. Mathes. Sar. 92ᵇ.
4)
wieder in einigen fügungen soll die hand wacht, schutz und vertheidigung hervorheben, die durch sie gewährt werden; sie heiszt deshalb bewehrte, bewaffnete hand (oben sp. 329): hierzu dann nöhtig ist einer bewehrten hand, kriegsmacht und rüstung. Kirchhof milit. disc. vorr., und steht auch sonst geradezu in dem sinne schutz, schirm, bewachung: nachdem es aber der himmel so gefüget, dasz sie unter meiner hand den tempel bewohnet. Zigler Banise (1700) 511; prinz Nherandi aber nebst der princessin wurden noch als gefangene unter der hand des Abaxars verwahret. 574; so in der verbindung hand haben, wenn sie die bedeutung des franz. maintenir hat (vergl.handhaben): so dasz ich nichts von der krone mehr übrig habe als dasjenige, was mir Ambiodorix mit waffen und schwertstreich hat erhalten können, und meine mutter, welche so grosze sorge gehabt hat, mir dieselbige hand zu haben, theilet sie anjetzund fremdlingen zum raube aus. Opitz Argenis 2, 24; den frieden zu versichern und hand zu haben. 158. das rechtssprichwort hand musz hand wahren. Pistorius thes. paroem. 5, 70, betont die gewähr, die die gebende der empfangenden hand zu leisten schuldig ist.Von hierher gehörigen formelhaften verbindungen sind zu nennen:
a)
hand ob jemand halten, ihn schützen: weil er meiner bedurft und vermerket, dasz i. f. g. hand über mir hielten. Schweinichen 3, 3; dasz man mit allem ernst ob ihm hand halte. Philander 1, 631; wo gott nicht hand ob mir gehalten hätte. 2, 38; über ihr halten schirmende geister die hände. Immermann Münchh. 1, 215;
gott hält ob ihnen hand.
Opitz 2, 14;
auch von sachen häufig gebraucht: er hält alle hände über das buch, bewahrt es sorgfältig; alle hände über etwas breiten, es aufs beste zu bewahren suchen. Rüdiger zuwachs 2, 81. — Anders ist die formel von Heilman verstanden, der damit zügelung bezeichnen will: welche denen, die sie am vernünftigsten fanden, zusprachen, dasz sie ruhig bleiben und auch über die andern mit hand halten möchten. Thucyd. 1150.
b)
biblischen ursprungs ist jemanden auf den händen tragen, nach ps. 91, 12: denn er hat seinen engeln befolhen uber dir, das sie dich behüten auf alle deinen wegen, das sie dich auf den henden tragen und du deinen fus nicht an einen stein stöszest (wiederholt Matth. 4, 6); es hat von alters her eingang in die gewöhnliche sprache gefunden:
ê der unsanfte müese gân,
ûf mîner hant wolt ich in tragen.
minnes. frühl. 105, 32;
das sie (die engel) uns gern trügen in iren henden, uff das wir unser füsz der selen nit verletzten an dem struchstein der verzwifflung. Keisersberg bilg. 33ᶜ; seinen eltern alle ehre thun und sie auf den henden tragen. Luther 4, 396ᵇ; es wolte mich aber ein jeder auf den händen tragen, die zuvor mich nicht gerne ansahen. Schweinichen 2, 275; warum ist alle welt dem grafen Egmont so hold? warum trügen wir ihn alle auf den händen? Göthe 8, 172; und wenn sie unsere rechte und freiheiten aufrecht erhält, so wollen wir sie auf den händen tragen. 199; und mit anderm ausdruck: wäre sie aber so glücklich meine person als frau zu bedienen, so wolte sie mir die hände gar unter die füsze legen. ehe eines mannes 209.
c)
die hand abziehen von einem, ihm nicht ferner schutz oder hilfe angedeihen lassen, die bedeutung rührt an no. 5 unten: ich will ihm schreiben, dasz ich meine hand von ihm wende. Schiller räuber 1, 1;
keinem hat er abgezogen
seine hand, der busz gethan.
Schuppius 959;
ich zieh meine hand von euch ab,
lasse zu edlern sterblichen mich herab.
Göthe 13, 105;
mein königlicher herr! zieh deine hand
nicht von uns ab! gib deine treue stadt
nicht unter Englands harte herschaft hin.
Schiller jungfrau 1, 5.
5)
hand ist auch die helfende, unterstützende: des mund allezeit gibt und hilft, des hände nicht. Schottel 1121ᵃ. daher
a)
jemandem die hand bieten, hilfreiche hand bieten: der uns so oft in verzweifelten sachen die handt hat botten und auszgeholfen. Frank parad. 141ᵇ; die gesetze verbinden mich, bemeldter witwen hülfreiche hände zu bieten. d. bärt. frauenz. 25; hülfliche hand leisten, adjumenta subministrare Stieler 751; frau von * bot nach kurzer zeit einer einrichtung selbst die hände, nach welcher das gute mädchen sich Theresens vater überliesz. Göthe 20, 229; und so vergingen die glücklichen tage der rosenfarbenen zerstreuungen, wo so ein tag dem andern freundlich die hand bietet. 10, 165; der einflusz solcher hoher geister erstreckt sich bis aufs handwerk, so dasz die schnöde grenzlinie, welche begann kunst und handwerk zu trennen, wieder beinahe ganz verschwindet und beide sich als kinder éiner mutter freundlich die hand bieten. E. T. A. Hoffmann 12, 220;
er beut den armen hülf und hand.
Günther bei Steinbach 1, 688;
weisz um den bund, er bietet selbst die hände.
Schiller Maria Stuart 1, 6.
niederd. auch: enen ene hand lenen, Dähnert 171ᵇ;
die hand will ich dir leihen, rette du
den namen, wie du kannst.
Schiller M. Stuart 2, 5;
reich ihr die hand, der tiefgefallenen!
2, 4.
b)
hand anlegen, helfend, in anderm sinne als unten 6, b und 11, a: hand anlegen, damit derselb desto eher von dannen queme. weisth. 3, 368 (von 1469);
helft — leget hand an — steht mir niemand bei,
den schmerzenspfeil ihm aus der brust zu ziehn?
Schiller Tell 4, 3;
kommt alle, kommt, legt hand an, männer und weiber!
brecht das gerüste!
5, 1.
c)
die hand versagen: man zeucht in den herrenhöfen die jungen herren darzuͦ, dʒ sie irer hände milt sind, und niemand die hand versagen. Agr. sprichw. (1560) 167ᵇ.
d)
daher kann hand stellvertretend für pflege, abwartung, bedienung stehen: als ich ihm (dem gastwirte) .. auszer der zahlung etwas für die gute hand gab. H. Heine werke 2, 98 (wol nach dem ital. della buona mano).
6)
die hand als schaffende, arbeitende, wird in den sprichwörtern gezeichnet: wir müssen alle arbeiten, einer mit der hand, der ander mit dem verstand. Creidius 2, 416;
was hände bauten, können hände stürzen.
Schiller Tell 1, 3;
nd. wat hendeken gebuwet haen,
dat können wol hendken tobreken.
Uhland volksl. 443;
und von hier gehen folgende formeln aus:
a)
hand schlagen an ein werk: wenn wir ablassen vom nachdenken, müssen wir die hände alsbald ans werk schlagen. Scriver seelensch. 1, 215;
was werden die (die mitverschworenen) nicht wagen,
die zweifelsohn verpflicht, hand mit ihm anzuschlagen.
A. Gryphius 1698 1, 31;
eine geringe arbeit läszt sich leicht von der hand schlagen;
und schulden einkassiren, ist gewisz
auch kein geschäft, das merklich fördert, das
so von der hand sich schlagen läszt.
Lessing 2, 191.
b)
ebenso hand anlegen: wie sie aber hand anlegen und ir gewachsen salz abschneiden wöllen. Schiltbürger 1599 s. 79; dasz ich .. bestes vermögens hand zu werke lege. Opitz poeterei vorr. A 2ᵇ; sogleich wird hand an eine neue oper gelegt. Göthe 29, 119; ihn zu diesem zwecke wirklich hand anlegen zu lassen. Schiller 768;
hiemit so stiesz man ab von land
und legt an d'ruͦder manlich hand.
Fischart glückh. schiff bei Gödeke d. dicht. 1, 192ᵇ, 58;
er läst
erschallen solch ein lied, dasz herz und seel erreget,
wie wen Amphion den (dann) hand an die geige leget.
Rist Parn. 309;
bei todten wird umsonst die hand zu werk gelegt.
A. Gryphius 1698 1, 39.
daneben auch die hand rühren: der rührt keine hand, wenn er nicht musz, arbeitet nicht; ich wollte keine hand deszwegen umwenden, manum non verterim Frisch 1, 409ᵇ. Der arbeiter legt die erste, letzte hand an sein werk: die letzte hand an etwas legen, summam manum alicui rei imponere Frisch 1, 408ᶜ; dort mögen spinnerinnen und weberinnen sich ansiedeln, maurer, zimmerleute und schmiede sich und jenen mäszige werkstätten bestellen; alles mag durch die erste hand verrichtet werden (gleichsam nur aus dem rohen). Göthe 22, 148. vorzüglich auch auf die thätigkeit des schriftstellers bezogen: ich schrieb das vorspiel ungefähr in acht tagen, die letzte hand ward in Lauchstädt selbst angelegt. Göthe 31, 137;
so leg ich da mit sorgfalt und geduld
vielleicht die letzte hand an mein gedicht.
9, 232;
so wird die erste, letzte hand einem werke gegeben, was wol dem ital. dar la prima mano nachgebildet ist: die erste hand, wie man zu reden pfleget, wird demselben (dem steine) mit eisen .. gegeben, welche man subbie nennet. Winkelmann 3, 135; nachdem man den figuren die erste hand der glätte, nämlich mit dem bimsteine gegeben hatte. 5, 103; um ihnen (den statuen) selbst die letzte hand zu geben, welches insgemein von demjenigen musz gesagt werden, der sie glättet. 104; einige der schönsten statuen in marmor, denen die letzte hand mit dem eisen, ohne glätte, gegeben worden. 105.
c)
daher redet man von der ersten, letzten hand eines schriftstellers, eines künstlers in bezug auf das werk das er bearbeitet: die letzte hand des künstlers erwarten. Kant 6, 14; eine ausgabe erster hand, letzter hand: der verfasser der poetischen und prosaischen werke, die in gegenwärtiger vollständiger ausgabe von der letzten hand gesammelt erscheinen. Wieland 1, vorr. s. 3; der begriff einer ausgabe von der letzten hand schlieszt auf seiten eines schriftstellers die pflicht in sich, seinen werken .. in jeder rücksicht die gröszte innere güte, die reinste politur, kurz die höchste vollkommenheit zu geben, die ihm zu erreichen möglich ist. s. 6; Göthes werke. vollständige ausgabe letzter hand.
d)
leicht, schwer von der hand gehen, von einer arbeit oder unternehmung gesagt: es war eine lust zuzusehen, wie behend und geschickt ihm die arbeit von der hand ging. Wieland 8, 272; sonst habe ich meine stärke im ernsthaften. sonderlich die theologisch-polemisch-poetischen sachen laufen mir gut von händen. Lessing 2, 409; gedichte .. die mir wegen der bequemlichkeit des sylbenmaszes und der leichtigkeit des inhalts sehr wohl von der hand gingen. Göthe 24, 225; alles geht mir leicht von der hand. 29, 79; nd. dat flüggt er van händen, sie thut die arbeit sehr geschwind. Dähnert 171ᵇ;
richt ahn, das dich potz marter schent!
wil dir denn nichts gehn ausz der hendt?
H. Sachs 3, 1, 237ᵈ.
e)
jemandem in die hand arbeiten, einen theil der arbeit jemandes übernehmen: so weit, sollte ich meinen, hätten sich die alten künstler die steine wohl können in die hand arbeiten lassen. Lessing 8, 126; die köche .. arbeiteten den ärzten .. in die hände. Klinger 10, 101; so wird gewisz mancher bildende künstler sich .. herumwenden und lieber euch in die hand arbeiten, als dasz er gegen überzeugung und gefühl ein widerwärtiges handwerk treibe. Göthe 23, 33; wie allgemeiner musz der nutzen sein, wenn unterrichtete menschen einander in die hände arbeiten. 50, 12; alles fand ich mir .. dabei in die hände gearbeitet. Schiller 768; Ilse und er arbeiteten im stillen einverständnis einander in die hände, der frauenwelt liebenswürdiges zu erweisen. Freytag handschr. 2, 264.
f)
alle hände voll zu thun haben, arbeit genug: ein jeder hat einen standt oder beruͦf, des warte er, so wird er alle hend voll zu thuͦn haben. Agr. sprichw. (1560) 285ᵇ; da nun die römischen kaiser im orient alle hende vol zu thun hatten. Mathes. Sar. 87ᵃ; beide hände voll zu thun haben. Schottel 1117ᵇ; etwas anders ausgedrückt: kommen sie zu hause, so finden sie schon beide hände voll arbeit wieder. Möser phant. 1 (1798), 97; da war ja noch arbeit alle hände voll. Felder sonderl. 2, 232;
den ganzen tag hat man die hände voll!
Göthe 12, 172;
in komischer rede: meine füsze haben alle hände voll zu thun. Schiller Fiesko 2, 15.
g)
etwas um die hand haben, sich mit etwas beschäftigen: er musz immer etwas um die hand haben, wenn er sich wohl fühlen soll; ebenso unter handen haben, wovon beispiele sp. 325.
h)
jemandem auf die hände sehen, einem arbeitenden, wir müssen unsern arbeitern mehr auf die hände sehen; auch einem dieb auf die hände sehen, observare manus furaces Frisch 1, 409ᶜ.
i)
die hände schonen, träge zur arbeit sein:
da musz ein junger kerl nicht seiner hände schonen.
Philander v. d. Linde scherzh. ged. 110.
k)
so kann hand wieder geradezu für arbeit stehen: der spruch, selig bist du, der du das brodt deiner handt issest, und der rhuͦm der arbeit von Paulo gepriesen, gilt nicht mehr. Agric. sprichw. (1560) 233ᵃ; sich in die hand schicken, ein geschäft geschickt angreifen. Schm. 2, 203; Nürnberger hand geht durchs ganze land. Pistorius thes. par. 8 no. 38; namentlich auch in dem folgenden. wer sich eine eigene arbeitsstätte gründet und sich darauf ernähren will, sagt, er setze sich auf eigne hand: ist es in einer wohlbestelleten republik zu dulden, dasz sich ledige personen dem dienst ihrer herrschaften entziehen, und sich auf ihre eigene hand setzen? reis. avantur. 2 (1749) 148; denn diese condition gefällt mir gar nicht, und ich werde mich bald auf meine eigne hand setzen. Immermann Münchh. 2, 10; wer eine solche arbeitsstätte hat, sitzt auf eigner hand: ernehren sich mit der hand, darauf sie sitzen. facet. facet. (1645) s. 506; diese ernehrete sich und ihren mann fleiszig mit der hand, darauf sie sasz. gefl. finken 231; da doch die bübin keinen mann hatte, sondern sich nur von dergleichen schelmstücken und von ihrer hand, darauf sie zu sitzen pfleget, ernehrete. polit. stockf. 204. ausläufer dieser redensart ist auf eigne hand leben, etwas thun u. ähnl., es wird das als arbeit, die auf eigene rechnung und gefahr geschieht, aufgefaszt: das heiszen sie in Frankreich eine uniforme de goût, wenn einer auf seine eigne hand was buntes trägt. Göthe 11, 11; ich habe eine viertelstunde auf meine eigne hand gelacht. 18, 157; ich war also eine herrnhuthische schwester auf meine eigne hand. 19, 328; er (ein reiseführer) gehörte zu jenen beweglichen, thätig gewandten, welche .. ihre patrone doch immer wohlfeiler und vergnüglicher durchs land zu führen verstehen, als diesen auf eigne hand würde gelungen sein. 22, 136; dergleichen leute, die auf ihre eigne hand hin und wieder zogen. 26, 137; Prometheus .. indem er auf eigne hand menschen bildet. 314;
das heiszt, wenn ich ihn recht verstand:
ich bin ein narr auf eigne hand.
2, 292;
das thu auf deine eigne hand.
41, 149;
willst du entstehn, entsteh auf eigne hand.
das.
in diesen redensarten steht für hand auch faust, s. 3, 1380. 1381.
7)
mit der hand wird geschrieben: am nähesten hab ich euch geschrieben, war wol (zwar) durch m. Philipps hand, weil ich für schwindel und schwachheit meines geistes mit eigener handschrift nicht konnte schreiben. Luther br. 4, 423; der ritter von stund an erkannt, dasz ihn (den brief) sein allerliebste herzogin mit eigner hand geschrieben hatte. Galmy 288; di traurige zeitung wegen seines unglückes hat mich dermaszen gekränket, das ich meine feder fast nicht an die hand legen können: Butschky hd. kanzl. 675;
das meine zung viel besser kall itzmal,
als schneller hand kain schreibers kiel nit mal.
Melissus ps. T 6ᵃ;
einem der nicht schreiben kann, führt man die hand. — Daher
a)
mit knappem ausdrucke eine schöne, schlechte, saubere, leserliche hand schreiben (für handschrift; vgl. die vorhin gegebene stelle aus Luther): die leutchen müssen mehr als eine hand zu schreiben wissen. Lessing 1, 276; wenn dieser kerl kein schelm ist, so schreibt der schöpfer keine leserliche hand. Kant 10, 338; er war ein so guter stiller mensch, der .. seine schöne hand schrieb. Göthe 16, 137; meinem vater, der keine expedite hand schrieb. 24, 224; in ähnlichen verbindungen: er hatte sich eine flüchtige, leserliche hand erworben. das.; er verwahrte ein reizendes lied von der hand der gräfin in seiner schreibtafel. 19, 66; ein manuscript, eine übersetzung aus dem französischen von meiner hand. 21, 72; menschen, unfähig .. die beste hand zu lesen. J. Paul Tit. 3, 185. eigenthümlich gewährt Grimmelshausen: ich fande sie überaus rachgierig, .. aus welcher gottlosen neigung sie dann auch besagtes tractätel, um den herrn zu verehren, zu ihrer eigenen hand hat schreiben lassen. Simpl. 3, 174 Kurz, d. h. in der art, als ob es von ihr eigenhändig aufgezeichnet wäre.
b)
hand für handschrift in noch andern wendungen: dann ob wohl nicht ohne, das er solchen wahn ausz dem buchlein, so e. f. g. hiebevorn underthenigst uberschickht worden, und des verstorbenen Weigels handt ist .. gefast haben magk. Opel Weigel 358; ich wolte dem juden die auf mein wort auszgelegte vier hundert mark wieder geben. allein er sagte nein, er habe meine hand über zwei tausend mark. Schuppius 582; du wirst noch seine hand kennen, wiewol die übel gezogne buchstaben das zittern der krankheit verwirrt hat. 772; dieses liesz er durch seinen jungen, der gar eine feine hand hatte, abschreiben. pol. hofmädg. 107; konnte es nicht möglich sein, dasz meine hand von bösen leuten nachgemalt war? Rabener werke 3, 212; du siehst es ja, dasz ich den brief nur jetzt gleich bekommen habe. ich weisz zwar wahrhaftig nicht, was ich davon denken soll. die hand meines advokaten ist es nicht. Lessing 1, 275; diese köstlichen züge seh ich vor mir (auf die papiere deutend) ich erkenne deine hand. Göthe 14, 169; wie hart würde einer gestraft, der die hand des fürsten in irgend einer unterschrift nachahmte. 210;
A. ich hab ein sicher pfand,
das sein erzählung stärkt. B. und was? A. des prinzen hand!
glaubt ihre majestät, was Thomaras geschrieben?
A. Gryphius 1698 1, 107;
mit hand und siegel versprechen, durch eine geschriebene und untersiegelte urkunde: ein jeder versprach mit hand und sigel dem cantzlar eine starke summe geldes. Schuppius 883; unter meiner hand und siegel, sub manu et sigillo meo. Stieler 752;
wir haben seine hand, sein siegel.
Lessing 2, 304.
8,
a)
die hand, mit der dargereicht und gegeben wird, thut man auf: wenn du deine hand aufthuest, so werden sie mit gut gesettigt. ps. 104, 25; du thust deine hand auf, und erfüllest, was lebet, mit wolgefallen. 145, 16; anstatt dasz diese .. ihre milde hand aufthun solte. Simpl. 3, 270 Kurz; die hand, die nicht geben will, verschlieszt sich: ihr sehet, dasz euere nechste reiche freunde herz und hand vor euch zuschlieszen. Schuppius 582.
b)
der empfangende nimmt daher von der hand jemandes etwas an: und weil ich mich .. bald verheirathen musz, so werde ich keine frau, als von ihrer hand annehmen. Rabener sat. 3 (1757) s. 33; der graf von Bruchsall hat das fräulein enterbt, weil sie keinen mann von seiner hand annehmen wollte. Lessing 1, 582.
c)
der verlangende und von wohlthaten abhängige sieht einem geber in, auf die hände, zunächst nach biblischem sprachgebrauch: wie die augen der knechte auf die hende irer herrn sehen, wie die augen der magd auf die hende irer frauen. ps. 123, 2, ähnlich auch in der bibel von 1483, 292ᵃ; es ist besser, das deine kinder dein bedürfen, denn das du inen müssest in die hende sehen. Sir. 33, 22; dann auch in die gemeine sprache übergegangen: darumb dasz ich will, sie (Luthers frau) müsse nicht den kindern, sonder die kinder ihr in die hände sehen. Luthers test. vom 6. jan. 1542 (werke Erlangen 1854, bd. 56, s. 3); gott lohnete ihm (Joseph), machte ihn zu einem groszen herrn dasz er nicht allein konte vater und brüder ernehren, sondern auch die augen des ganzen königreichs Egypten ihm endlich in die hände sahen. Schuppius 354; denen knechten und mägden wünsche ich .. eine grosze brill, dasz die knechte sehen auf die hände ihrer herren, und die mägde auf die händ ihrer frauen. 668; ich denke aber immer, Joannes, der in der irre herum schweifte, seinem eidam in die hände sehen und erst auf dessen hülfe warten muste, habe nicht viel zu resigniren gehabt. Hahn hist. (1724) 4, 139, not. h; überhaupt müssen wir uns in die möglichste verfassung setzen, und nicht andern auf die hände sehen. Heilman Thucyd. 789;
wie schielt er nach den händen!
Lessing 2, 214.
d)
wie das zahme thier das dargebotene aus der hand friszt, und zum danke dafür die gebende hand leckt, so wird das bildlich auch vom menschen gesagt: wir haben an ihm einen sehr guten demagogen, der zugleich so zahm ist, dasz er jeden speichelnapf beleckt, und aus der hand friszt. Heine werke 2, 23; ihre freundliche dankbarkeit däuchte mir wie die eines herrenlosen hundes, dem man brod gegeben hat und der uns dann die hand leckt. Riehl culturgesch. nov. 359.
9)
bei kauf und verkauf ist die hand thätig: das übrige schickte und verkauft er den königen der Hethiter und den königen in Syrien durch der kaufleute hand. Schuppius 122. beim abschlusse eines handels empfängt der den gegenstand des vertrags gewährende geld auf die hand (s.handgeld) als zeichen des abgeschlossenen vertrags: disz geschahe eben, als ich bereits geld auf die hand empfangen hatte (bei der anwerbung zum soldaten). Simpl. 1, 432 Kurz; da wird denn das gesinde bewogen, ihre versprochene dienste wieder aufzukündigen, schicken herren und frauen das geld wieder, das sie auf die hand genommen haben. Schuppius 345; weil die tugend selten belohnt wird, musz er von denen lastern geld auf die hand nehmen. Chr. Weise kl. leute 235;
das geld empfangen auf die hand.
B. Ringwald l. warh. 15;
(eben da auch auf die faust);
ei, lieber meister, wenn doch ir
der krankheit könt abhelfen mir!
ich wolt euch werla redlich lohnen.
seht hin! nembt auf die hand die cronen
und thut eur kunst an mir bewehren.
Ayrer fastn. sp. 41ᶜ (2543, 30 Keller).
In bezug auf den handelsverkehr ist der verfertiger einer waare die erste hand, unterhändler und widerverkäufer werden als zweite, dritte hand bezeichnet: dasz man .. ir (der Ulmer) blei und angehengtem zeichen so wol trawet, das etwan ein fardel barchet (mit dem ratssiegel) bisz in die zehendt handt kompt und verkauft wirt, ehe dann aufgethon und zerschnitten. Frank germ. chron. 1538 313ᵇ; die grosze menge von colonialwaaren haben den handel erster hand jetzt völlig vernichtet, wie es denn in Amsterdam und Rotterdam nur sehr wenige häuser gibt, die groszhandel treiben. Bremer handelsblatt 1853, no. 99; sodann hat die maatschappij sich in Ostindien sogar den handel zweiter hand zugeeignet. das. daher befindet sich ein waarenvorrat in erster hand, in der hand des producenten, er wird aus erster hand verkauft; und dann wieder in knappen ausdruck: die erste hand ist völlig geräumt (= vorräte erster hand). Weserzeitung 1859, 4882. — aus freier hand, von der hand weg verkaufen, s. unten IV, 1, a.
10)
beim spiele wirkt die hand, die den einsatz, würfel und karten hält (s.halten II, 2, sp. 289): es mag sein wie es wolle, so wurde die charte durch die dritte und vierte hand vermischt, dasz es nicht gehen wolt, wie es gehen solt. Schuppius 253. daher die hand in den karten, die hand im spiele haben, bei etwas mitwirken:
auch möcht ich in den karten
der unterwelt nicht gern die hände haben.
Schiller Carlos 1, 1 der ursprüngl. bearbeitung bd. 3, s. 18 der ausg. von Kurz);
und ich narr glaubte, sie hätte die hand im spiele gehabt. Freytag handschrift 2, 384;
sie hat die oberhand, sie will allein regiren,
und allenthalben selbst die hand im spiele führen.
Philander v. d. Linde scherzh. ged. 6;
und mit gedrängtem ausdruck: hier wuszte sie (ohne dasz es schien, dasz sie hand dabei habe), eine menge gelegenheiten zu veranstalten, wodurch sie einander seltner wurden. Wieland 2, 158; auch hand in etwas haben; er hat seine hand in allem;
mag
mein näschen nicht in alles stecken; mag
mein händchen nicht in allem haben.
Lessing 2, 296;
ferner jemandem etwas in die, aus der hand spielen: einem etwas in die hände spielen, in manus alicujus aliquid inferre. Steinbach 1, 687; aber das musz ich ihnen zeigen .. dasz man mit diesen gemeinplätzen ihnen jedenfalls die frage aus der hand spielt, um die es sich handelt. Lasalle antwortschreiben (1863) s. 19. So geht hand dann auf die in der hand gehaltenen karten eines spieles über: pabst Leo X ist ein groszer liebhaber des kartenspiels gewesen, also, dasz er nicht wenig zeit damit zugebracht. es begab sich aber, dasz er einsten in einem spiele die ganze farbe in die hand bekame, und das spiel nicht verlieren konte, als wegen der hand, welche sein gegentheil hatte. Wesenigk spielsieben (1702) s. 103, der gegner hatte nämlich auch alle karten einer andern farbe.
11)
an die hand endlich, die straft und tödtet: darumb must du sterben von meinen henden. Steinhöwel 1487 73ᵇ:
so müszt er fallen durch des henkers hand.
Schiller Wallenst. tod 5, 2;
lehnen folgende formeln an:
a)
die hand an einen legen, zum tödten (verschieden von oben 5, b und 6, b), s.anlegen, th. 1, 396: leg hand an, yetz magst du deinen feind erwürgen. Schmelzl Saul 3ᵇ; die praep. an verbindet sich hier auch, aber selten, mit dem dativ: er erkühnte sich hand an mir zu legen. Wieland 8, 378. in anderer fassung:
zum dritten haben ja die brüder beide sich
selbselbst auf einen tag erwürget jämmerlich,
und hand für hand zugleich einander aufgerieben.
Opitz 1, 166;
darein schlahen, hand an hand, mann an mann, conferre dextras Maaler 210ᵃ. auch die hand gegen einen erheben, wie franz. lever la main sur quelqu'un: er hat die hand gegen den eigenen vater erhoben.
b)
auch in milderem sinne, nur zum züchtigen wird hand an jemand gelegt: mit solcher ehfräulicher freündtlicher red hat sie im das herz abgewonnen, das er ir die hand gab, und ir zusaget, er wolt forthin kein hand mehr an sie legen. Fischart ehezuchtbüchl. bei Scheible 10, 633; daher die hand abziehen (verschieden von oben 4, c sp. 352), aufhören zu züchtigen: wann er (gott) seine hand von uns abziehet, und aufhöret uns zu züchtigen. Schuppius 261; die hand zurück halten, vom strafen: er verfluchte sich endlich, dasz er seines sohnes praeceptori so hart gewesen, ihm die hände zu ruck gehalten, wann er strafen wollen, nicht leiden können, wann dem jungen herrn zu hart zugeredet. Philander 1 (1642) 405.
III.
Es ist schon oben (sp. 335) erwähnt worden, wie die hand gern persönlich gedacht und ihr in folge davon eigenschaften und handlungen beigelegt werden, zu deren entfaltung und ausführung sie eigentlich nur das werkzeug ist; und auch eine anzahl der unter II gegebenen beispiele rühren hier an. die verwendung des wortes in diesem sinne ist sowol in der alten als in der neuern sprache häufig und mannigfach, so dasz hand (ebenso wie andere theile des körpers) geradezu als vertreterin ihres eigenthümers erscheint, immer jedoch nur insofern als eine handlung desselben durch sie vollbracht werden kann (vergl. gramm. 4, 297. 350), z. b. die leistung eines eides:
er sprach: ir sult gedenken was mir swuor iwer hant.
Nib. 562, 1;
dô sprach der künec zu dem gaste: ir habet mich rehte ermant.
jâ sol niht meineide werden des mîn hant.
563, 2;
schenkung, mildthätigkeit, erwerbung:
solt ich den pfaffen râten an den triuwen mîn,
sô spræche ir hant den armen zuo: sê daʒ ist dîn.
Walther 10, 26;
iu hât verdienet iuwer hant
eine künegin unde ein lant.
Iwein 2879;
kampf und krieg:
dane sî mîn lîb umb unt mîn leben
gewaget unde geveilet,
swie mir der hof erteilet,
hant wider hende,
ê ich den vuoʒ gewende.
Trist. 251, 9;
vil schône satzte mich sîn hant
hinderʒ ros an daʒ lant.
Iwein 743;
schutz, hilfe, dienstbarkeit:
si sprach: mit kleinen sîden næ ich ûf sîn gewant
ein tougenlîcheʒ criuʒe.   dâ sol, helt, dîn hant
mînen man behüeten, sô eʒ an die herte gât.
Nib. 847;
wir suln vil gerne rîten in Etzelen lant;
dâ mag wol dienen künige guoter helde hant.
1451.
im nhd. in vielfacher verwendung, in der bibelsprache sowol wie in profaner rede: er hat seine hand (χεῖρα αὐτοῦ septuag.) gewendet wider mich. klagel. 3, 3; deine hand schütze das volk deiner rechten. ps. 80, 18; denn es mangelte deiner allmechtigen hand nicht (welche hat die welt geschaffen aus ungestaltem wesen) uber sie zu schicken menge der beeren, oder freidige lewen. weish. Sal. 11, 18; die hand so den eid aufnimmt, kan ihn auch erlassen. Pistorius thes. par. 2, no. 56;
eur hant ist gen eer und milt verspert.
fastn. sp. 650, 26;
dies lied auch sei von meiner hand ..
ihr zugesand.
Fleming 530;
victoria! so sieget meine hand.
Zigler Banise (1700) 707;
da wünscht ich mir einen gatten, dessen hand mich durch die welt begleitete. Göthe 10, 165; die liebenden sind nun durch priesters hand verbunden;
so fahrt .. aufs dorf, und laszt euch an dem ort,
und von des priesters hand, der mir mein glück im leben,
mein selig ehweib gab, ganz still zusammen geben.
Gellert 1, 267;
da ihr (einer frau) auge, wie das der elstern, an allen glänzenden dingen hing, und ihre hand besitzen muszte, was ihrem auge gefiel. Immermann Münchh. 1, 221; sprichwörtlich was seine augen sehen, das machen seine hände, von einem geschickten arbeiter; was ihre augen sehen, können ihre hände machen. Möser phant. 1 (1798) 135; denn wenn ich gutes hoffe und schon zu genieszen glaube, dann entschlüpft es meinen händen. Europa 1868, s. 614;
aber leib und gebein ist nicht zum besten verwahret,
wenn die geistliche hand der weltlichen zügel sich anmaszt.
Göthe 40, 303;
dies schwert der höchsten kriegsgewalt, das uns
der kronfeldherr im zorn zurückgesendet,
hat eine würdigere hand gefunden.
Schiller jungfr. 1, 10;
der pfeil musz fliegen,
wohin die hand ihn seines schützen treibt.
2, 4;
und diese grade hand, sie ist zu starr,
um deine neuen thaten zu versiegeln.
M. Stuart 5, 15;
das will ich durch die dritte hand schon stimmen lassen wie wirs nur wünschen können. Wieland 19, 303; in der Schweiz als der mehrern hand schien, der mehrheit, Stalder 2, 17, gewis von der stimmenabgabe durch handaufheben hergenommen. hierher auch die formel fremde hand: etwas kommt in fremde hände, geht an einen fremden besitzer über (s.fremd 4 u. 5, th. 4¹, 126): nu betrubete sich der ritter sere, daʒ sin groʒiʒ gut an fremde hende gefallen solde. Ködiz 21, 29;
sein herr läszt sich betriegen,
und jedes gut in fremde hände fliegen.
Hagedorn 2, 172;
Benz hatte .. jetzt wirklich zeit zu gehen, wenn er nicht fremde hände am kopf haben wollte. J. Gotthelf erzählungen 4, 247;
denn er kriegt bald fremd händ ins haar.
H. Sachs 4, 2, 90ᵈ;
ich habe ein geschenk von unbekannter hand empfangen:
damit sie andre hände nicht erkaufe,
biet ich die meinen an.
Schiller M. Stuart 2, 8.
Recht anschaulich wird namentlich der arbeitende mensch durch seine zwei hände vertreten: wann man schon daselbs mit acht henden muszt das pratrad wenden. Garg. 80ᵃ, mit vier mann; denn es wurde von so viel tausend händen das nahegelegene holz fast gänzlich ausgerottet. Zigler Banise (1700) 649; eine frau und vier kinder, also sechs mäuler und ein dutzend hände machen meinen haushalt aus. aber das gesunde speisen der erstern .. zehrt das product einer noch so muntern arbeit der letzteren beinahe auf. a. m. im Tockenb. 214; er kann nicht im groszen und mit vielen händen arbeiten. Möser phant. 1 (1798) 24; alle nothwendigen verrichtungen in dieser haushaltung (waren) so verknüpft, dasz sie .. mit der möglichsten ersparung überflüssiger hände ... geschehen konnten. 46; darauf begannen sämmtliche hände die stadt zu verschanzen. Hallische zeitg. 1868, no. 120; alle hände an deck! befehl für die schiffsmatrosen zum erscheinen auf dem verdeck; ein clavierstück für zwei hände, für vier hände, für einen, zwei spieler; wie ja auch sonst menschliche arbeit mit einem gewissen nachdrucke durch der hände arbeit bezeichnet wird: sich dasjenige durch stehlen und betteln zu erwerben, was sie sich mit ihrer hände arbeit nicht verschaffen können. Möser patr. phant. 2 (1798) s. 6. Die rechtssprache verwendet in verschiedenen formeln hand stellvertretend für die person.
1)
die blutige hand, der mit dem schwerte tödtet, henker, gewöhnlich aber der mörder, auf den das rechtssprichwort zielt: blutige hand nimmt kein erbe, schon altfries. sâ ne mey thiu blôdich hond nêne lâwa fagie. Richthofen 205, 1.
2)
lebende hand, todte hand. die lebende hand bezeichnet die person, die eigenthum bei lebzeiten veräuszert, todte hand die deren eigenthum durch erbrecht oder verfügungen auf den todesfall in andern besitz übergegangen ist: von lebendiger hand ein guth haben, per traditionem inter vivos. Haltaus 794; wann ein gut inn Dinkhoff gehörig, es seie nach todter oder lebendiger hand, verändert und fällig wird. 1793. es hiesz fordern, klagen nach todter hand, auf grund des rechtsverhältnisses, das der todte vorbesitzer einer sache eingegangen war: von gekouftin erbe, wy man daʒ vordert nach totir hant von deʒ totin erbe. Magdeb. blume 2, 1, 9. besitzungen der geistlichen stifter werden güter todter hand genannt, nicht darum weil, wie man zu erklären liebt, diese güter von abgaben frei und darum für den staat todt seien, sondern weil sie zumeist in folge von verfügungen auf den todesfall an die frommen stifter gekommen sind, wodurch freilich zugleich eine entziehung der güter von allem lebendigen handelsverkehr eintrat: es (das haus) gehört einer todten hand zu — dem hospital der probstei, dem eine andächtige seele die einkünfte davon vermacht hat. Thümmel reise 3, 40; daher etwas an die todte hand schenken, an geistliche stiflungen: alle schenkungen von grundstücken an die todte hand zu verbieten. Dahlmann dän. gesch. 2, 65. — Ferner heiszt todte hand (franz. main morte) die der leibeignen, die nichts erwerben, nichts veräuszern kann: knechte haben eine ewig todte hand; sie können nicht fechten, nie etwas erwerben, nichts verjähren und uns mithin auf keine art gefährlich werden. Möser phantas. (1798) 1, 256.
3)
bessere, ärgere, schlechtere hand bezeichnet eigentlich nichts als die rechte, linke hand, s. oben I, 6, sp. 337. in der ehe steht der mann als haupt zur rechten, die frau zu seiner linken, kinder folgen der bessern hand, wenn sie des namens, der würde und der rechte ihres vaters theilhaftig werden; sonst folgen sie, namentlich bei ungleichen ehen oder in auszerehelichen verhältnissen der ärgern hand, genieszen nicht mehr rechte, als der mutter zustehen: das kind gehöret zur ärgern hand. Haltaus 795; den grundsatz, dasz das kind der ärgern hand nachschlechte. Niebuhr 2, 93; die ungleichen ehen, .. wo denn das kind der ärgeren hand nachschlechtete. 1, 585.
4)
getreue hand, s. oben I, 3, f, sp. 332. 333.
5)
die gesammte hand wird mit besitz oder rechten belehnt, wenn alle glieder der familie des lehnsmannes an dem lehn theil haben sollen; der ausdruck ist gewählt, weil auch alle familienglieder dann den lehnseid schwören (vergl. im eingange dieses abschnittes, sp. 358). rechtssprichwörter: der gesammten hand musz folge geschehen (simultanea investitura curate observanda). Pistorius thes. par. 5, no. 92; mutschierung bricht keine gesamte hand (divisio ad tempus non infringit simultaneam investituram). 6, no. 3. aus einem solchen lehnsverhältnisse folgt dann auch die heerfolge mit gesammter hand, heerfolge der ganzen sippe, und so wird der ausdruck formelhaft auch freier gebraucht, bei einem streite mit vereinten kräften:
allda mit gesammelter hand
dem türken solt than widerstand.
H. Sachs 4, 3, 81ᵃ;
dasz sie Pavia mit gesamter hand belagern wolten. Mascou 2, 208; mit gesamter hand anzugreifen. 2, 224; die Athenienser eilten mit gesamter hand nach dem Piräus. Heilman Thucyd. 298; wo die Athenienser mit gesamter hand zu ihnen stieszen. 431; alles, was die auswärtigen mächte .. sich zugeeignet, wird ihnen mit gesammter hand wieder abgenommen. Schiller 986; dann in noch andern wendungen: die herren procuratores, protocollisten, notarij und schreiber stutzten gesambter hand daher. Philander 1 (1642) 253; die seufzer und die thränen der elenden werden mit gesammter hand zu gott eindringen und hülfe und rettung erheischen. Scriver seelensch. 2, 340; wenn sie ihm sein urtheil mit gesammter hand abnöthigten. Wieland 19, 71.
IV.
Die hand dient, wie arm, fusz, haar, als masz, und es entwickelt sich aus dieser bedeutung zugleich die der art, weise, mode.
1)
hand als masz, und zwar
a)
zunächst für raum und inhalt eines gegenstandes, in den verbindungen hand voll, hand breit, hand hoch:
daʒ er hinder im vergaʒ
bî dem mülsteine
melwes alsô kleine,
es fulte kûme eine hand.
Haupts zeitschr. 7, 347;
eine hand voll gold ist schwerer dan ein sack voll recht und wahrheit. Schottel 1141ᵇ; hernach nahm jedweder bramin oder pfaffe drei hände voll reisz. Zigler Banise (1700) 360; es ist zwar nicht vonnöthen, dasz ihr allzeit händ voll mit geld unter die arme auszwerfet. Schuppius 748; umb einer hand voll ehre willen. 309; und was verbessert mir die hand voll ehre. Chr. Weise kl. leute 348; darauf rief er: er verwünsche den herzog und uns, er und wir wären eine hand voll esel. Göthe 34, 222;
die hand voll jahre die der himmel euch nachsieht.
A. Gryphius 1698 1, 97;
die leichte hand voll jahre,
die uns des himmels licht auf dieser erden schenket.
1, 132;
zwar schlaf ich nur auf einer hand voll stroh.
Kotzebue dram. sp. 1, 286;
vierecket sol es sein und zwiefach (das amtschildlein), eine hand breit sol seine lenge sein, und eine handbreit seine breite. 2 Mos. 28, 16; dasz ihre unterkleider zwei hände breit nasz waren. Grimm d. sagen no. 60; hofleuten traue er keine hand breit. J. Paul uns. loge 1, 108;
op sîn schilt wære ganz?
des enwas niht hende breit belibn.
Parz. 386, 25;
von den snüeren ist eʒ (das haar) reit
innerthalp der hûben,
volleclîche hände breit,
sô eʒ beginnet strûben.
Neidhart 86, 21;
die edle geschichtschreiberin der feen beschreibt sie als eine kleine frau, einer hand hoch. Wieland 9, 34. solche verbindungen sind auch zusammen gerückt, handvoll (vergl.hampfel), handbreit, handhoch. Aber die hand als masz steht genaueren maszen, wie der elle, der wage gegenüber: daher ist ein verkauf, eine hingabe aus der hand entgegengesetzt einer gewissenhaftern schätzungsart, dem wägen oder genauen messen mit instrumenten: daʒ man von der hand verkeyfet (kleine waare). cod. dipl. Brandenb. 1, 23, 3, v. j. 1253; alle fisch .. sollen nicht vor der hand, sondern mit dem gewicht, und in dem preisz, welcher in unser taxordnung vermeldet ist, verkauft werden. fischordng. des ldgr. Georg von Hessen; die armen erhalten auch monatlich ihr theil auszer dem, was man aus der hand weggiebt. Niebuhr leb. 2, 316. hierher verkauf aus freier hand, das heiszt eigentlich, dasz die schätzung des zu verkaufenden gegenstandes mit der freien, durch kein meszinstrument beschwerten hand gemacht werden soll, es ist aber in die bedeutung verkauf nach eigener willkürlicher schätzung übergegangen: ein notarius hatte den auftrag von der directrice erhalten .. in den verkauf aus freier hand zu willigen. Göthe 18, 170;
es stehe nahe bei der stadt
zum kauf aus freier hand
die schönste mühle weit und breit.
J. F. Kind gedichte.
dann auch kostbare, wohlfeile hand, theurer (s. th. 5, 1858), wohlfeiler kauf, aber auch wohlfeile herstellung (anrührend an sp. 359 oben): alles dieses fehlt in kleinen städten. hier kommt alles auf die kosthare hand an; der verdienst ist zu schwach, um die anschaffung groszer maschinen .. zu nutzen, und so ist alles hier theurer als an groszen orten. Möser patr. phant. (1798) 1, 188; alle arten geringer leute, welche doch zum flor der manufakturen und zur wohlfeilen hand so unentbehrlich sind. 1, 205; man sah ein, dasz es dem seestädter an wohlfeilen händen mangelte. 1, 14. — Jene ursprünglichere, oben angegebene bedeutung von freier hand ist noch in manchen wendungen gewahrt, z. b. aus freier hand zeichnen, im gegensatz zum zeichnen mit lineal und zirkel; von freier hand schenken. Frank sprichw. 1, 138ᵃ, d. h. ohne ängstlich abzuwägen; aus, von freier hand, sine adminiculis vel apparatu. Stieler 752. auch von der hand weg etwas thun klingt hier an, man handelt nach ungefährem, nicht sorgfältigem ermessen: sein sohn Titus hat von der hand weg geschrieben, was ihm beliebet hat. Opitz 1, vorr. 4ᵇ; wie dieses drama aus dem italienischen mehrentheils genommen, also ist es gleichfals auf selbige art, und heutigem gebrauche sich zu bequemen, wiewohl auch von der hand weg, geschrieben worden. 1, 66; der baur singt von hand, oder wie es die natur gibt, fragt keiner kunst nit nach, indocili numero cantat fossor. Maaler 210ᵃ. ein bei Weckherlin begegnendes auszhanden musz hiernach einen ähnlichen sinn haben sollen, frisch von der hand weg, ohne bedenken:
ach schlimmer geist und leib, die ihr einander hasset,
die ihr in bosheit nur einander umbgefasset,
und nun in schmerz und angst (die ewer sünden lohn)
verfolget, mördergleich, euch selbs mit hasz und hohn,
verlasset ewern streit! villeicht kont ihr genesen,
so ihr an rew und busz, wie vor auszhanden gleich,
euch nunmehr gegen den umbwendet, welcher euch
kan (gnädig) bald erlösen.
328.
wie ihr früher euch ohne zögern gegen euch gewendet, so wendet euch nun vereint zu gott.
b)
zeitmasz. eine recht kurze zeit ist die, die man zum umkehren der hand braucht (vergl.handumdrehen): wie man eine hand umwendet, ist es anders mit mir. Göthe 16, 116; das ist ein verzweifelt durchschlagender wein; der würzt euch das blut, ehe man eine hand umdreht. Shakesp. Heinrich IV, 2, 2, 4 (it perfumes the blood, ere one can say: what's this); er disputirt gerne, denn er disputirt keck, den gegner blendend, siegreich, ehe man die hand umdreht. Riehl culturgesch. nov. 380;
ê ich die hant umb kêrte,
oder zuo geslüege die brâ,
sô fuor sî hin und schein doch dâ.
Erec 5172.
auch die genitivischen verbindungen kurzer hand, langer hand bezeichnen eine zeitdauer, ersteres wie lat. brevi manu, letzteres wie das franz. de longue main: ich habe die verbindung mit ihm kurzer hand abgebrochen, ohne weiter zu zögern; das schriftstück wurde ihm kurzer hand übergeben; mit kurzer hand zur zahlung angehalten werden (ohne umstände). Möser phant. 4, 301; und seind solliche schawspil noch im schwung gangen zuͦ der zeit der heidnischen keiser, ausz wellichem ich erachten musz, dasz der wettlauf mit den rossen also von langer hand auch auf uns gewachsen. Seuter rossarznei (1599) s. 7; einen anschlag von langer hand (lange vorbereitet). Butschky Patm. 692; ein man, der schon von langer hand her sich bei seinen bürgern furchtbar gemacht. Heilman Thucyd. 831; in dem er des Tissaphernes absichten schon von langer hand her wuste. 1140; die gemüther aber waren schon von langer hand erbittert. Möser phant. 2, 191; aber das beweist nur dasz das ganze aus langer hand vorbereitet wurde. Köln. zeitg. 1854, no. 6.
2)
die bedeutung art, weise, die dem worte hand inne wohnt, ist mhd. recht häufig, wb. 1, 630;
sêlîc sî diu alde hant,
bî der man triuwe und sêlde vant:
unsêlîc sî diu niuwe hant,
diu schendet liute unde lant.
Renner 2094;
auch im nhd. noch gewahrt, wiewol selten in freierer stellung;
ihr seit von redlichkeit, von groszer streitbarer hande.
Garg. 39ᵃ;
viel gutes thun nach unser hand.
B. Ringwald evang. Bb iiijᵃ;
er sprach: nu machts nach ewrer handt.
B. Waldis Esop 4, 66, 134;
meist in den festen formeln aller hand, mancher hand, vieler hand, gleicher hand, auch in der häufung allerlei hand, s. th. 1, 225, und zusammengerückt geschrieben allerhand (1, 224) u. s. w.:
wie ich denn auch nach aller hand
an meinen brüdern das erkand.
B. Ringwald tr. Eck. CIVᵇ;
die gott allein nach aller hand
wie sie sich halten, wol bekand.
l. w. 360;
hetten mancher hand anschläg und wünsche. Frey garteng. 64ᵇ;
an kunst und an maisterschaft
han ich maniger hande kraft.
fastn. sp. 427, 14;
hier ist ein kühler platz voll lieblicher violen,
und blumen vielerhand.
Opitz 1, 131;
was dan ware krank und reudig
er dan heilet gleicher handt.
Spee trutzn. 285.
in eigenthümlicher weise ist die genitivische natur der formel mancher hand nicht mehr erkannt, der letzte theil derselben erscheint decliniert:
da schwatzten sie von mancher handen.
B. Waldis Esop 3, 88, 9.
hand in bezug auf tracht und gesellschaftliches benehmen gebraucht, bezeichnet dann auch mode: uf die alten hant zierlich gemacht. Götz v. B. herausg. v. Zöpfl s. 14;
ich kann tanzen nach der neuen hant
auf schwertern, das ist nit ein mer.
fastn. sp. 583, 20.
V.
hand bei personificationen, bei thieren, an geräten.
1)
gott, der in menschlicher gestalt gedachte, hat auch hände: das regiment auf erden steht in gottes handen. Sir. 10, 4; des herrn hand ist uber mich ausgegangen. Ruth 1, 13; und die hand des herrn kam uber Elia. 1 kön. 18, 46; und sagt ihnen an die hand meines gottes, die gut uber mir war. Neh. 2, 18; wolt got, wir weren in Egypten gestorben, durch des herrn hand. 2 Mos. 16, 3; weil ihnen das gift, die pest, oder soll ich sagen die straf, die hand gottes eilfertig ist nachgefolget. Abr. a S. Clara Merks Wien (1680) 117; eine solche anschauung der hand gottes (in der schöpfung). Kant 6, 384. für hand gottes steht auch hand des himmels, der vorsehung, der allmacht; nicht geglaubt, dasz ein auge im himmel seie, das alles siehet, ein ohr, das alles höret, ein hand, die alles lenket. Schuppius 882; die höhere hand wollte mir einen wink geben. Immermann Münchh. 2, 13;
ich bin in den händen
der allmacht.
Schiller Carlos 5, 7.
die hand gottes wird ferner der schlagflusz genannt: die hand gottes hat ihn gerührt, apoplexia correptus est. Frisch 1, 408ᶜ; fur den schlag oder der hand gottes sich zu verwahren, sollen diejenigen, so sich darzu geneigt spüren, .. etwas gebrannten weins mit zucker wol gemenget, trinken. Sebiz feldbau 70; goldwurz, distilliert mit gutem wein .. bringt denen, so in gottes hand gefallen sind, die sprach wider. das.
2)
hand bei persönlich aufgefaszten abstracten:
des unglücks rauhe hand.
Uz 2, 52;
sie hatten freilich die hand des krieges schwer gefühlt. Göthe 25, 128; diejenige, so ihr busz und poenitenz auf die lange bank schieben, gerathen gemeiniglich in die händ des höllischen erbfeinds. Abr. a S. Clara Merks Wien (1680) 157; ja der tod, welcher mir jetzt die eiskalte hand reichet. Zigler Banise (1700) 675;
wie seelig werd ich denn, wie überseelig sein,
wenn, wie ihr seid mein haus, so sein wolt auch mein schein,
aus dem mich auch die hand der höllen nicht wird reiszen.
Fleming 549;
nach den römischen grundsätzen ging dieses (grundeigenthum) von der republik aus; die welche bürger wurden, trugen es dem staat auf und nahmen es zu dessen händen zurück. Niebuhr 1, 332; er trägt das haupt so hoch, als wenn die hand der majestät nicht über ihm schwebte. Göthe 8, 185; die edle seele lag in der gewaltigen hand des fiebers. J. Paul Tit. 4, 35;
die sanfte hand der zeit löscht jeder thräne spur.
Gotter 2, 106;
die hand der zeit. J. Paul leben Fibels 128; das jahr 1791 mit seinen 365 händen. lit. nachl. 4, 218; er ging .. an der hand des schlafs in das reich der träume. Hesp. 2, 252. der menschliche geist wird persönlich gedacht und mit händen begabt: von des auszerordentlichen mannes geistiger hand zuerst nur leicht umrissene stellen finden wir bedächtiger ausgeführt. Göthe 45, 60; ebenso das menschliche herz:
K. in deinem haus den vater nimmst du auf.
S. du spottest! K. was! du weigerst dich? S. in händen!
in meines herzens händen nehm ich ihn!
H. v. Kleist Käthchen 5, 11.
3)
hand bei thieren; beim affen: darzuͦ ist der affen hand, finger, nägel, den menschlichen nit gar ungleich, weder das sie etwas gröbers und wilder sind. die füsz am affen sind einer sondern art, eben wie groszlechte hende. Forer thierbuch (1583) 1ᵃ; daher der neuere name der affenartigen thiere vierhänder, ganghänder, s.ganghand. die tatze des bären, in der gestalt einer hand ähnlich, wird so genannt: item in der vorgeschriben wyttraiche haben die armen leut im tal zu Bayerszbrunn gerechtigkait zu jagen und zu fahen allerhand wildprett, on das rottgewildt, davon sollen sie geben, nemlich von einem beer das haubt und die recht handt von einem hawenden schwein den kopf. weisth. 1, 388;
bist verwägen, so vertrauw
einem gezämpten bätzlin rauw.
saugt er dir gleich hand und finger,
er wirt mer dann vor vil grimmer.
Forer thierbuch (1583) 15ᵇ.
beim falken: hände werden von den falkenierern die beine der zur jagd abgerichteten falken genannt. Behlen jagdcatechism. 254; wenn dem vogel die hände geschwollen, dasz er entweder sein weidwerk zu hart geschlagen oder dasz ihn die fesseln gedruckt hatten. Falconaria v. 1617, s. 91; die hände (des falken) musz man auch besichtigen, ob sie überall sauber sind und keine warzen haben. Heppe jagdlust (1783) 3, 142. auch die füsze von eidechsen, fröschen, kröten heiszen bisweilen hände. — flache hand nennt man fünf in form einer hand ausgebreitete enden am obern theile der stangen eines geweihs. Nemnich.
4)
hand an einem wegweiser: hand oder stein, die den wäg zeigend, cippi Maaler 210ᵇ;
ein hant die an dem wägscheid stat,
die zeigt ein weg, den sie nit gat.
Brant narrensch. 21, 7.
5)
hand an der uhr: wenn das gewicht vom seiger abgenommen ist, so stehen und halten alle reder, sampt der hand, zeiger, unruhe und hammer stille. Mathes. Sar. 38ᵇ.
6)
kalte hand heiszt eine eiserne handhabe, um einen heiszen, über dem feuer hängenden kessel abzuheben.
7)
hand wie franz. main de carosse, die ringe oder schnallen, worin eine kutsche hängt.
8)
bei den papiermachern heiszt hand der theil der form, den der büttgesell in der rechten hand hält. Jacobsson 6, 22ᵃ.
9)
bei den tapetendruckern die druckform: da für jeden neuen aufdruck die tapete wieder neu in arbeit genommen werden und durch die hand gehen musz: so pflegt man wohl von händen statt druckformen zu sprechen und hiernach die tapeten ein-, zwei-, dreihändig zu nennen, wenn sie mit einer form, mit zwei, drei formen vollendet werden. Prechtl encyclop. 18, 293.
Zitationshilfe
„hand“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hand>, abgerufen am 22.10.2019.

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