handschrift f
Fundstelle: Lfg. 2 (1869), Bd. IV,II (1877), Sp. 415, Z. 33
1)
schriftzüge der hand (vergl. handgeschrift sp. 390): wiederantwortschreiben .. welches der apotheker, weil meinem weib sein handschrift und petschaft unbekandt, geschrieben. Simpl. 4, 52 Kurz; wie wunderbar muszte ihm daher die ähnlichkeit ihrer handschriften sein. Göthe 19, 66; es ist von nichts geringerem als nachgemachten handschriften, falschen testamenten, untergeschobenen schuldscheinen und ähnlichen dingen die rede. 24, 334; stehende sächsische handschrift. 15, 132; o gott! gott! Genovefens handschrift! Fr. Müller 3, 375; Siegbert las die sonst so feste handschrift, die ihm heute schwankend schien. Gutzkow ritter v. g. 6, 365;
T. sie haben documente gegen uns
in händen, die unwidersprechlich zeugen —
W. von meiner handschrift nichts.
Schiller Wallenst. tod 1, 3.
übertragen: ich hab mit männern unter diesen tapfern ungläubigen gelebt, die ganz der handschrift entsprechen, welche die natur mit kühnen zügen in ihr äuszres gerissen. Klinger 1, 279.
2)
daher schriftstück im allgemeinen: der achtbar doctor Eck hat e. k. f. g. sein handschrift und klagzeddel, darin er unter andern mich höchlich bei e. k. f. g. verkleint, behenden lassen. Luther 1, 148ᵇ.
3)
insbesondere die mit eigenhändiger namensunterschrift ausgefertigte den aussteller zu leistungen verpflichtende urkunde, schuldbrief: chirographus handschrift Diefenb. 123ᵃ; that er im dasselbige gelt, und nam eine handschrift von im. Tob. 1, 17; darumb denke wie du zu im komest, und solch geld fodderst, und im seine handschrift wider gebest. 4, 21; dessen allen er sich mit einer handschrift .. gegen die gläubiger verpflichtet. Kirchhof wendunm. 284ᵇ; wolten mir auch eine handschrift (über geliehenes geld) zustellen. Simpl. 1, 200 Kurz; packte ich meinen gefundenen schatz zusammen, nam ihn mit und gab ihn einem von den vornemsten kaufleuten daselbst gegen aushändigung einer specificirten handschrift aufzuheben. 1, 303; sie fragte nach der handschrift. hier, sagte er, und zog sie aus der schreibtafel. Hippel lebensl. 2, 122; der eigenthümer hat keine handschrift über das depositum zurückgelassen. Kant 4, 126;
hat sich verschrieben und versprochen,
mich zu bezahlen in vier wochen,
wie das zeiget sein handschrift an.
Ayrer 185ᵈ (923, 2 Keller);
nimm dieses mein sonnet zur handschrift und zum pfande,
dasz ich dein schuldner bin.
Fleming 643;
du bist ein ordentlicher mann,
dem musz man ohne handschrift borgen.
Gellert 1, 101;
T. ich hab nicht einmal deine handschrift.
W. ich geb nichts schriftliches von mir, du weiszts.
Schiller Piccol. 2, 5.
bildlich: hat uns geschenkt alle sunde, und ausgetilget die handschrift so wider uns war (goth. afsvaírbands þôs ana uns vadjabôkôs). Col. 2, 14; meinten sie etwa, ich würde den empfindlichen artikel meines ehbetts preisgeben, wenn mir meines weibes tugend und mein eigner werth nicht handschrift genug ausgestellt hätten. Schiller Fiesco 2, 16.
4)
handschrift, manuscriptum, geschriebenes buch im gegensatze zu einem gedruckten: dasz sie auch alle handschriften sollten gekannt haben, die von den nehmlichen fabeln hin und wieder in bibliotheken annoch verborgen liegen. Lessing 9, 8; die handschrift erst in die mitte des dreizehnten jahrhunderts zu verlegen. J. Grimm kl. schriften 3, 40; zur zeit der reformation befand sich eine handschrift des Tacitus im kloster Rossau. Freytag verlorne handschrift 1, 12. — In diesem sinne mehrere zusammensetzungen: handschriftenkunde, handschriftenlehre (Hugo lit. geschichte 1830 s. 31), handschriftensammlung, handschriftenverzeichnis.
Zitationshilfe
„handschrift“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/handschrift>, abgerufen am 14.10.2019.

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