hart m. und f
Fundstelle: Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 509, Z. 1
silva. ahd. hart und hard Graff 4, 1026; montana quae dicuntur hart. 5, 753; mhd. hart wb. 1, 640ᵃ. das wort, in seiner abstammung mit haar höhe, berg sp. 22 zusammenfallend, und von alten zeiten her in ortsnamen viel verwendet, lebt als appellativum fem. in der bedeutung wald noch in dörfern der Rhön (Vilmar 151), als masc. in gleicher bedeutung in Tirol (Fromm. 6, 145), ganz wie in folgendem: wellicher zu Embrach husen well, dem soll der vogt ein ufrichty (dachstuhl) usz dem hard geben, ob er sy darinn finden kan. weisth. 1, 114 (Zürich v. j. 1518); als hard, fem. name vieler berge im Waldeckschen (Curtze 470ᵃ); den berg, den man nennet daz hard. weisth. 1, 324 (Schwarzwald); während anderwärts, wie in Baiern und Franken, wo das wort in allen drei geschlechtern gilt, die bedeutung etwas geändert ist: hier bezeichnet es boden aus sand und kies bestehend und nur mit weniger trocknen und an sich unfruchtbaren dammerde überzogen. Schm. 2, 241. dem angeschlossen bezeichnet hart, hard in den folgenden stellen unbebautes land, heide, das nicht bewaldet zu sein braucht: so ahd. in der Würzburger marktbeschreibung: dar in daʒ houc in dero heride. Müllenhoff u. Scherer 175, 57; mhd.
wis gegrüeʒet, spica nardes,
veldes bluome, klê des hardes.
Haupts zeitschr. 8, 281, 198;
nhd. und git man von dem erb das best houpt, das den hard buwt. weisth. 1, 61; wer in der hart fert, er sye arm oder rich, den soll nieman pfenden. 729; da rit Ulenspiegel uf die hart und stelt den wölfen. Ulensp. 78 Lappenberg (der Kruftersche drucke hat dafür in dem walde, aber vorher werden die wölfe in dem felde hausend geschildert);
darumb er (Nebucadnezar) uszgestoszen ward
von menschen, triben in die hard,
und da byn wilden thieren läbt,
byn waldeszlen sin wonung ghegt.
Daniel 1545 Kᵇ (nach Dan. 4, 29);
auch plan, anger:
pfeif auf .. so danzet der Liendel mit der Län umb die linden auf der hart.
Fischart groszm. 74.
Der name des Harzes, Hercynia silva, der im mittelalter noch Hart hiesz, gehört hierher, die veränderung des auslautenden t zu z ist zu beurtheilen wie im mhd. gît, nhd. geiz. auch für die Pfälzer Haardt begegnet die form Hartz: sein statt Newenstadt (Neustadt) genant am Hartz. Mones anzeiger 8, 153.
hart adj. und adv
Fundstelle: Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 498, Z. 52
durus. der goth. form hardus mit dem adv. harduba gegenüber heiszt es in den jüngeren dialecten nur noch alts. hard, nd. nl. hard, ags. heard, fries. herd, altn. hard-r, schwed. haͦrd, dän. haard; in den oberdeutschen dialecten tritt eine doppelform auf, ahd. hart und herti, mhd. hart und herte, mit dem adverb harto, später harte. für die mhd. zeit kommt die adjectivform hart den nördlichen, näher zum niederdeutschen stehenden quellen zu, an sie schlieszt sich die nhd. form hart an, während herte mehr den bairischen, alemannischen und südfränkischen quellen gemäsz ist. diese form dauert daher bei schriftstellern solcher heimat auch bis ins 17. jahrh. hinein: herte durus voc. inc. theut. i 4ᵇ; durus hert Serranus dict. g 3ᵇ; hert, rauch durus Maaler 219ᵇ; Dasyp. hat hart und hert; einen herten dienst. Keisersberg bilg. 160ᵈ; es ist kein richer man so hert. das.;
der hett ein linsenhülsen an,
ans harnisch stat, die war so hert,
dasz durch sie brechen kund kein schwerdt.
mückenkr. 1, 859;
auch Opitz verwendet einmal härte, es ist wol die folge seines aufenthaltes in Süddeutschland:
so geht ingleichen auch der kleine beigefehrte
der groszen herde her, eh ihm der kopf noch härte
von hörnern worden ist.
1, 227;
noch jetzt in Baiern hart und hert Schm. 2, 141; in Tirol hert Fromm. 6, 145; im Lusernischen härt, herte Zingerle 34ᵇ; in Kärnthen herte, hörte Lexer 135ᵃ; schweiz. meist härt Stalder 2, 22, während norddeutsche mundarten von jeher nur die unumgelautete form kennen. süddeutsche quellen verwenden auch oft statt der adverbialform harte die umgelautete adjectivform: dise fürgelegte wort von dir sind zuomal schwer und herte zu hören. herzog Ernst 235, 22 Bartsch; wie wir so strenge und herte gehalten sein. Steinhöwel 168, 17 Keller; vast und hert schlaafen, arcte et graviter dormire Maaler 219ᶜ;
do sy vollbrachtend iren lust,
entschliefend sy gar hert alle beid.
Körner volksl. 76;
im fränkischen (Kehrein 187) und bairisch-östreichischen gilt diese adverbialform noch neben hart. Über herkunft und ursprüngliche bedeutung von hart sind verschiedene meinungen geäuszert worden, am wahrscheinlichsten ist die zusammenstellung mit altind. kart schneiden, zerspalten, nikart niedermetzeln, zerschneiden, zerhauen (Böhtl.-Roth 2, 128. 129), da das wort in den ältesten deutschen dialecten vorzüglich vom schwert und den kriegswaffen gebraucht wird. demnach hätten sich aus der grundbedeutung des zum zerspalten, zerhauen geschickten die übrigen bedeutungen entwickelt. das der form nach mit goth. hardu-s sich deckende altind. adj. kaṭu (aus kartu) hat zwar nur den abgeschwächten sinn scharf, beiszend vom geschmack, geruch, vom winde und von der rede, doch tritt in der weiterbildung kaṭuka die ursprünglichere bedeutung wieder hervor, insofern es auch vom heiszen kampfe gebraucht ist (Böhtl.-Roth 2, 24. 25). hart wird verwendet:
1)
von schwert und waffen, vornehmlich in der epischen sprache der alten dialecte: alts.
druog negilid sper
hard an is handun.
Heliand 5707;
ags. nam on Ongenþió îrenbyrnan,
heard sveord hilted and is helm somod.
Beóvulf 2988;
fuhton þearle
heardum heoruvæpnum.
Judith 263;
auch noch nhd.: zu der zeit wird der herr heimsuchen mit seim harten, groszen und starken schwert .. den Leviathan. Jes. 27, 1;
an dem das härteste schwert zerschellt.
Uhland ged. 353.
2)
dann von metall und stein überhaupt: hartes eisen; harter stahl; harter fels;
ûʒ einem herten velse er manigen vanken sluoc.
Gudr. 104, 2;
es mocht ein herten stein erparmen.
fastn. sp. 47, 18;
er ist vom wirbel bis zur sohl
in harten stahl geschnallt.
Uhland ged. 307;
und lies dir wasser aus dem harten felsen gehen. 5 Mos. 8, 15; lies in honig saugen aus dem felsen, und ole aus den harten steinen. 32, 13;
es wird ein harter stein
von stetem triefen klein.
Opitz 2, 76;
harte quadern, oft benetzt von thränen.
Bürger 95ᵇ.
vgl. eisenhart, stahlhart, felsenhart, steinhart. harter kamm, im bergwesen ein festes, gleichsam verwimmertes gestein, welches sehr schwer zu gewinnen ist. Jacobsson 2, 223ᵃ; sprichwörtlich zwei harte steine mahlen selten reine, wofür allgemeiner
hart gegen hart
nimmer gut ward.
Lehmann 117,
eine formel, die auch sonst mit anderm nebensinne steht: hart wider hart, sagte der teufel und schmeisz (cacavit) wider einen ambosz. kunst üb. alle künste 36, 13; auf persönliche tapferkeit bezogen, s. unten 6, sp. 501. ein harter thaler heiszt der thaler der in einem einzigen silberstück gewährt wird, im gegensatz zu dem thaler in kleiner münze oder in papier: er gab ihr so gute wort, dasz endlich Gretel ja sagte und .. einen harten thaler von ihm auf die ehe empfieng. Simpl. 3, 321 Kurz; zu wenig harten thalern kommen. Chr. Weise kl. leute 256;
hier hab ich, glaub er mirs, mehr harte thaler liegen,
als ich und er zusammen wiegen.
Gellert 1, 294.
3)
auch von andern gegenständen, im gegensatz zu weich: hartes holz; die harte rinde eines baumes; hartes brot; die harte erde; den butter nach einander in demselben bächlein netzte, damit er fein hard und frisch bleiben solte. Simpl. 3, 322 Kurz; sprichwörtlich: auf einen harten klotz gehört ein harter keil. Pistorius thes. par. 10, no. 3; die harte schale einer nusz; daher auch harte nusz bildlich für ein schwer zu lösendes rätsel (s.nusz): dis pünctlin hab ich im (Eck) zu Leipzig vielmals für gehalten, es ist im aber das nüszlin allweg zu hart gewesen. Luther 1, 153ᵃ; hartes bein, harter knochen, vergl. beinhart, knochenhart;
die magd durchsucht das haus,
zum sieden hartes holz zu finden.
Gellert 1, 286;
so will ich ruhig denn mich legen
auf harte erde wie auf flaum.
Arndt ged. (1840) s. 521;
harter (holpriger) weg: herter scharpfer weg, salebra voc. inc. theut. kᵃ; dann der weg also hart (ist), bös reuten. Schertlin br. 51; von theilen des körpers: so entblöste ich meinen schneeweiszen busen und zeigte dem rittmeister meine anziehende harte brüste. Simpl. 3, 20 Kurz, vergl. auchhartrund;
der waden nur noch zu gedenken:
sie waren grosz, und hart wie stein.
Lessing 1, 115;
harter hals (Opitz 2, 281), harter nacken eigentlich der sich nicht biegen läszt, darum in die bedeutung 7, a (sp. 502) übergreifend.Weiche dinge, der luft lange ausgesetzt, werden durch trocknen hart, vgl. lufthart; daher sprichwörtlich: lasse sie sitzen, bis sie mögen hart werden (so lange sie nur wollen). causenmacher 16; weiche erde wird durch das wasser gehärtet, s.wasserhart; auch der frost verändert weiche gegenstände in harte: die feldfrüchte sind vom frost hart geworden; der boden ist hart gefroren; die feuchtigkeit wird durch die kälte harte, humor frigore durescit. Steinbach 1, 702; so bei Ramler hartes wasser für eis:
dann schweift er
auf harten wassern laut jauchzend umher,
die füsze beschuhet mit stahl.
1, 13.
über harter frost, harte kälte u. ähnl. s. dagegen unten 10.
4)
dann ferner von dingen, die nur einen mindern grad von weichheit haben, als ihnen in normalem zustande zukommt: das bett ist hart, nicht gut aufgelockert; ein hartes polster, hartes sopha, ein harter stuhl;
ein psalmbuch und ein wenig brodt
lag neben ihm auf seinem harten bette.
Gellert 1, 144.
und daher adverbial man liegt, sitzt hart; auch von schweren speisen wird gesagt sie liegen hart im magen; hart gehen auf den schuhen, soleis uti incommodis Frisch 1, 418ᶜ; der braten war hart und kaum zu genieszen; alles brot das sie mit sich namen, war hart und schimlicht. Jos. 9, 5; einem armen dürren distel, der auf der harten weid wechset. Suso briefe 45 Preger; dasz das wachs, so sie hielt, und durch die lange zeit hart worden, entzwei knellet. Amadis 85; den kienrusz musz man in allem, was von oelfarben ist, vermeiden, dann er verstirbet und machet andere farben zu hart, worunter er gemischet worden. Sandrart academie (1675) 1, 73; harte hände von der arbeit; sehen sie, wie grosz meine hand dagegen ist, und wie hart die haut, das kommt vom anfassen in der wirthschaft. Freytag handschr. 1, 321; häufig in der technischen sprache: hartes metall, eine spröde mischung von kupfer und messing; hartes blei, das härter als das gewöhnliche ist; harte weintrauben, die mit einer minder weichen schale versehen sind. Jacobsson 6, 43ᵃ; hartes wasser, welches kalktheile enthält; diesen wein werd ich vermissen und alles andere wird mir sein wie hartes geistloses wasser, dessen man keinen tropfen mehr verlangt, als man bedarf. Bettine br. 1, 117; hartes bier, wenn es anfängt sauer zu werden ( Adelung); herter wein, käch wein, vinum asperum Maaler 219ᶜ; dazu in Franken das härtlein, beginnende säure eines geistigen getränks. Schm. 2, 241; hartes korn, hart getraid, weizen, roggen, gerste im gegensatze zu dem weichschäligen haber. Frisch 1, 418ᵇ; s.hartkorn; dura mater, die dicke oder harte hirnhaut. Nemnich 2, 1453; man pflegt ihn (den gaumen) einzutheilen in den harten gaumen .. oder in den weichen oder beweglichen gaumen. 4, 836.
5)
die bedeutung 4 wird auch unsinnlicher gebraucht: da alle nerven und wurzeln seiner seele nackt an der harten luft blosz lagen. J. Paul Titan 1, 110; harte thränen wurden wie funken aus der stolzen verletzten seele geschlagen. das.; an sich hab ich wol jetzo mehr ruhe vor meiner schwiegermutter, die aus einem harten gewölke weiches eisen geworden. herbstblumine 3, 213; harte gesichtszüge; ich habe ihn, mutter, sagte der magister zu den harten zügen der frau aufblickend. Freytag handschr. 1, 404; technisch harte consonanten; be (klingt) weicher als pe und härter als w. Gottsched kern der sprachkunst (1753) s. 2; harte tonleiter, dur-tonleiter; der arzt redet von dem harten pulse eines kranken;von dingen die dem schönheitsgefühl entgegen sind, das das weiche, schmiegsame will: die harte auszsprach unserer sprach. Weckherlin vorrede zu d. weltl. ged.; dasz die ausländer unsere haubtsprache für hart, schwär und blökkig halten, wann sie so viele consonantes und harte buchstaben auf einander geschmiedet sehen. Schottel 188; also kan auch einige nicht recht ausgebildete gliedmasze und zu harte farbe ein völliges gemähl zernichten und verwerflich machen. Sandrart acad. (1675) 1, 63; harten geschmacks, quod offendit gustu. Frisch 1, 418ᵇ; hart .. man sagt es von einer malerei, worinn die hellen farben an den dunkeln zu nahe stehen, und nicht wohl unter einander vertrieben sind ... es ist das gegentheil von dem weichen oder sanften und von dem markigten. Jacobsson 2, 222ᵃ; die zeichnung war nachdrücklich, aber hart, mächtig, aber ohne gratie. Winkelmann 5, 225; die kunst war strenge und hart, wie die gerechtigkeit dieser zeiten, die auf das geringste verbrechen den tod setzte. das. (spielend mit der bedeutung 10 unten); handhabten .. diese saubern blätter als brouillons, und einer zog mit harten bleistiftstrichen seine verbesserungsvorschläge dergestalt derb über das zarte papier, dasz an wiederherstellung der ersten reinheit nicht zu denken war. Göthe 26, 20; man lese folgende stelle .. sie hat viel hartes nach unserer itzigen mundart und uns ungewöhnliche versetzungen. Gellert 2, 87; ein fehlschlusz, der noch härter ist. Kant 8, 131; in einem tone, worin das ziehend weiche und das heiser harte schroff abwechselte. Heine 4, 41; ein harter, schwarzer morgen! J. Paul Titan 3, 71;
wo, göttin, bleibt dein stolz, die harte sprödigkeit?
Wieland 10, 151;
ein pferd trabt hart, wenn es keinen angenehmen gang hat; s.harttraber.
6)
die alte sprache übertrug hart von den kriegswaffen auf den mann, der sie führt, das adjectiv bezeichnete in ihr auch kräftig, kriegstüchtig, tapfer: alts.
thô he gibolgan gêng (Petrus),
swîđo thrîstmôd thegan for is thiodan standan,
hard for is herron.
Heliand 4873;
ags. se hearda Higelâces þegn.
Beóvulf 2978;
mhd. der junge muotes herte.
Parz. 208, 1;
nhd. dar an (am ende der zeit) wirt gar behende
geporen von schnöder weiplicher art
der endcrist schwind und hart.
Liliencron volksl. 2, 57, 577;
wil einen solchen menschen haben, der hart gegen hart sei, dasz er sich nichts abschrecken noch überteuben, und keinen undank noch bosheit der welt uberwinden lasse. Luther 5, 355ᵃ. Dieser bedeutung schlieszt sich an das alte hart als zweiter theil von eigennamen, wie ahd. Përinhart, Reginhart, Meginhart, Wulfhart u. ähnl., eine form, die später auch nur ableitend für männliche wesen in bösem sinne verwendet wird, wie im mhd. nëmhart, slinchart, nhd. bankhart, neidhart, worüber gramm. 2, 339. 340 handelt.
7)
von hier aus wird hart gebraucht:
a)
von körperlicher tüchtigkeit und ausdauer, kraft, gesundheit: die ebreischen weiber sind nicht wie die egyptischen, denn sie sind harte weiber, ehe die wehmutter zu inen kompt, haben sie geborn. 2 Mos. 1, 19; denn wiewol euch gott bisher einen festen harten leib gegeben und behalten, machet mir doch ewer alter zu diesen zeiten sorgliche gedanken. Luther 5, 12ᵇ; die jungen leute durch die arbeit härter machen, adolescentes labore durare Steinbach 1, 702, vergl. abhärten; ein hartes (dauerhaftes) leben, vivax anima Serz 64ᵃ. auch von thieren: harte hunde nennt der jäger solche, die in strapazen ausdauern. Jacobsson 2, 222ᵃ.
b)
von fester, strenger, mannhafter gesinnung: M. wenn ich so einen mann haben sollte, der sich immer gefahren aussetzte, ich stürbe im ersten jahr. E. dafür dank ich gott, dasz er mich härter zusammen gesetzt hat. Göthe 8, 20; er (Louis Philipp) ist hart gegen sich selbst. H. Heine 9, 40; spielend mit der bedeutung 2: landgraf werde hart, landgraf werde hart, wie dies eisen! Grimm deutsche sagen no. 556. so begegnet hart als parteiname im gegensatze zu lind, nachgiebig: linde nannte man nämlich (in einem schweizerischen bauernkriege 1653) die zu der landesregierung haltenden, während die von der bauernpartei sich selbst die harten hieszen. Argovia 1862/3, s. 141.
c)
hart auch ohne mitgefühl und mitleid für andere: es ist kein richer man so hert, dʒ er wolt dʒ im sin knecht so vil dient und sich uberarbeit in sinem dienst. Keisersberg bilg. 160ᵈ; das herz Pharao ist hart, er wegert sich das volk zu lassen. 2 Mos. 7, 14; ein hert rauch herz, das nit ze bewegen ist, cor alienum. Maaler 219ᶜ, s. hartherzig; der man aber war hart und boshaftig in seinem thun. 1 Sam. 25, 3; ich wil die Egypter ubergeben in die hand grausamer herrn, und ein harter könig sol uber sie herrschen. Jes. 19, 4; denn du bist ein harter mann (goth. untê manna hardus is), du nimpst das du nicht gelegt hast, und erndtest, das du nicht geseet hast. Luc. 19, 21; Oroondates glaubet der sachen (dasz seine gemahlin ihm nicht treu sei) bald, doch war er ir darumb nicht hart, liesz sich auch nichts merken. buch d. liebe 207ᶜ; häszlicher mann, wie konnten sie gegen ihn so unfreundlich, so hart, so grausam sein? Lessing 1, 534; mit anlehnung an die bedeutung 2: ich wil dir als hart sein als kein stein dem andern. Ayrer proc. 1, 12;
ich truoc iu dô so herten muot.
Gregor. 3545;
so hart als auch der feldherr war,
so konnt er doch dem zauberischen flehen
der weiber nicht ganz widerstehen.
Gellert 1, 127;
der vater, ein harter und zorniger mann,
schalt laut die arme Rosette.
Bürger 61ᵇ;
worte und handlungen die aus solcher gesinnung hervorgehen, sind hart: wer wil mirs ansagen, so dir dein vater etwas hartes antwortet? 1 Sam. 20, 10; eine linde antwort stillet den zorn, aber ein hart wort richtet grim an. spr. Sal. 15, 1; gib im nicht böse wort, und begegne im nicht mit harter rede. Sir. 31, 40; wann einer dieser sach ein harten namen wolte geben. Schuppius 756;
er warf ihm erst mit manchem harten fluche
die armuth vor.
Gellert 1, 162.
so auch hart in adverbialer stellung: und redet hart mit inen. 1 Mos. 42, 7; antwortet inen der könig hart. 2 chron. 10, 13; einen ze hert oder übel halten, nimis aspere tractare aliquem Maaler 219ᶜ; weder sein glück, noch seine erniedrigungen, die ihm Diderot sehr hart aufrechnet, konnten ihn vor dem untergange schüzen. Göthe 36, 159.
d)
hart gewinnt die bedeutung widerspenstig, verstockt, hartnäckig: hert am sinn des gemutz, pertinax voc. inc. theut. i 4ᵇ; obstinax herte, hart Dief. 390ᵇ; cervicosus hart 115ᵇ; ein hartstarrig, rauch, härt volk. b. d. liebe 218ᵃ; verflucht sye ir zorn, das er so heftig ist, und ir grim, das er so hart (Luther: störrig) ist. Züricher bibel 1530 bl. 27ᵇ (1 Mos. 49, 7); so wird unser herz niederträchtig, .. hart zum mitleiden und zur menschenliebe. Gellert 6, 355;
der kan wol herten herzen geben
wâre riuwe und lîhteʒ leben.
Walther 6, 21;
doch ihr (juden) seid eisen art, euch kan doch nichts erweichen.
den demant zwinget blut, den stal zerschmelzt die glut,
kein demant und kein stal gleicht eurem harten muth.
Fleming 13;
da keine wege waren,
kein proviant, kein hausz, nichts als nur wüstenei,
hielt er dich, hartes volk, in speisz und kleidern frei.
das.;
die strafe trübt dich selbst, mit der du uns belegen,
uns harte sünder must.
s. 28.
daher harter sinn, harte stirn, harter kopf, harter nacken, umschreibungen für verstocktheit: pertinax ein harter halszederiger Dief. 430ᶜ (vgl. oben 3 sp. 500); denn das ganze haus Israel hat harte stirne und verstockte herzen. Hes. 3, 7; aber die kinder, zu welchen ich dich sende, haben harte köpfe und verstockte herzen. 2, 4; werden an meinen namen gedenken, und sich von irem harten nacken und von iren sünden keren. Baruch 2, 33; unverständige harte köpfe. pers. rosenth. 4, 5; ich habe aber bei den harten köpfen nichts verrichten mögen. Schweinichen 3, 303;
der könig und die keiserinn,
des langen haders müde,
erweichten ihren harten sinn,
und machten endlich friede.
Bürger 13ᵃ.
hart adverbial: lächelt der heilige nie himmlischer als auf dem krankenbette, und der verlorne nie härter als eben da. J. Paul Titan 5, 5.
8)
hart wurde von den kriegswaffen und dem kämpfer auch auf den kampf selbst übertragen, wo es strenge und heftigkeit desselben malt, wie ähnlich z. b. das ags. biter zunächst vom schneidenden schwerte, dann vom krieger und dem kriege selbst gesagt wird (beispiele bei Grein 1, 120): ags.
nô ic on niht gefrägn
under heofenes hvealf heardran feohtan.
Beóvulf 576;
mhd. vil manegem man dô wol dâ sprach,
der eʒ des tages het versolt,
mit herter riterschaft erholt.
frauend. 76, 14;
nhd. kame der graff von Rama .. in das aller hertest des streits gerant. Aimon bog. B iiij; rant in das härtest des streits. Dj; und geschach da eine harte schlacht, das viel verwundet wurden und umbkamen auf beiden seiten. 1 Macc. 9, 17; es war aber ein harter streit wider die Philister, so lang Saul lebet. 1 Sam. 14, 52; und es erhub sich ein seer harter streit des tages. 2 Sam. 2, 17; in dem harten kriege, welchen Alexander Magnus mit dem Darius ... geführet. Schuppius 781; wie viel streiche, und wie harte streiche sie einander gegeben. Philander 2 (1643) 276;
mit einem harten sturm
hand si Lila gewonnen.
Liliencron volksl. 2, 66ᵃ;
umarme mich, mein sohn!
dir ist der härtre kampf gelungen.
Schiller kampf m. d. drachen v. 298;
hab dank, du tapfrer degen, und reit mit mir nach haus,
dasz wir uns gütlich pflegen nach diesem harten strausz!
Uhland ged. 369;
adverbial hart kämpfen, hart fechten: doch ich fechte nicht hart umb die wort, sondern umb die sache. Luther 6, 20ᵃ; es gieng hart her, in kampf und aufregung, auch freier von groszer anstrengung:
dir .. ein grablied jetz zu bringen,
geht hart und sauer her, mein spiel will niergend klingen.
Rompler 75;
dann adj. hart sein, vom hartnäckigen und unsanften verfolgen einer sache, allitterierend mit heftig verbunden: auch solich meister mit irem auszbrechen (eines zahns), solich dinst ze thuͦn allweg gern hert und häftig sein. Steinhöwel 458, 11 Keller; eine ähnliche adverbiale fügung niederdeutsch:
doch ik heb noch wat hart un stive vör mi namen.
Lappenbergs Lauremberg s. 117, 105.
hart halten, im kampfe fest stehen, ausdauern: weil ir gott lob so hart gehalten und fest gestanden. Luther 6, 11ᵇ;
wiewol die zwölf sich hielten hart.
B. Waldis Esop 1, 38, 10;
die helden hetten auch verschoben dieses streiten,
ein jeder aber hielt doch hart auf seiner seiten.
D. v. d. Werder Ariost 29, 25, 6;
jedoch das man bisz in den todt
nach seim gehaisz halt hart in not.
Schwarzenberg 131ᵃ;
von hier aus entwickelt sich auch unpersönliches hart halten, schwer halten, s.halten I, 7 sp. 284; es hält jetzt sehr hart mit mir, in angustum oppido nunc meae coguntur copiae. Stieler 772.
9)
das letzt gegebene beispiel zeigt den übergang von hart zu der nun folgenden bedeutung.
a)
zunächst auf widriges, entgegenstehendes, unglück gewendet, heiszt es schwer, drückend, empfindlich: er ward von inen mit harter niderlag inn die flucht geschlagen. Frank germ. chron. (1538) bl. 38ᵇ; unser leben, spricht Bernardus, achten die weltlichen und fleischliche menschen gar herdt und grusamlich. Keisersberg bilg. 3ᵈ; was nützet es, das wir sein gebot halten und ein hart leben fur dem herrn Zebaoth füren? Maleachi 3, 14; hart und streng läben, oder rauche narung, victus asper Maaler 212ᵈ; es ist .. harte straffe uber uns komen. 1 Macc. 2, 49; er thüe im denn also einen herten dienst, der uber sin kraft und uber sin vermügen sy. Keisersberg bilg. 160ᵈ; die Egypter .. legten einen harten dienst auf uns. 5 Mos. 26, 6; mache du nu den harten dienst und das schwere joch leichter. 1 kön. 12, 4; seine krankheit war so seer hart, das kein odem mehr in im bleib. 17, 17; Simonis schwiger war mit einem harten fieber behaft (goth. vas anahabaida brinnôn mikilai). Luc. 4, 38; daher an einer krankheit harte darnieder liegen, graviter aegrotare Steinbach 1, 702; der selb gut mann kam in ein seer grosze krankheit, durch welche er lange zeit hart und übel gekrenkt ward. Wickram rollw. 7, 13 Kurz; auf das ewre bande nicht herter werden. Jes. 28, 22; es ist ein harter orden, der seinen bulen meiden musz, und noch viel härter, dasz ich disz hoch glasz auszsaufen musz. o wie ein harte busz, drei gläser mit wein auf ein schimlich nusz. Garg. 92ᵃ; schliche ich mit ihr aus der cammer, in deren sie zwar eine angeneme, ich aber gar eine harte nacht gehabt. Simpl. 3, 321 Kurz; es geht ihm hart, vitam agit duriter. Stieler 772; ein harter gang, als zum galgen, via terribilis, horrenda Frisch 1, 418ᵇ; aber welcher ein legat gottes ist, der dem vaterland dient, .. demselbigen gibt die besoldung kaum das salz, und aus harter mühe reiszen sie kaum soviel davon, dasz sie den hunger stillen. Schuppius 712; es sein zwo weisen, die gewonheit zu machen, zu exerciren und zuzurichten, eine hebt von leichterem an, und führet algemach zu höheren, die andere befilcht anfangs härtere sachen. 728; dieser harten probe ungeachtet. Zigler Banise (1700) 507; das sind harte bedingungen, conditiones sunt durae. Steinbach 1, 702; gegen ihre (frau von Stael) französische volubilität aufzukommen, ist eine zu harte aufgabe. Schiller an Göthe 898; es ist hart, sehr hart für mich, .. dasz ich dich unter meinen feinden sehe. Schiller parasit 2, 4; mir ist ein hartes loos gefallen; das ist eine harte zumuthung; er hat viel harte entbehrungen gelitten; so hätten sie .. mit ihr einen härteren stand bekommen. Immermann Münchh. 4, 137;
mangel alsô grôʒ ..
menschlîchir nâtûre
zu herte und zu sûre.
Jeroschin 96ᵃ;
ja, wenn ich unvorsichtig wäre,
da freilich schnitte mich die scheere;
allein ich bin ja schon mit ihr bekannt.
so sprachs (das kind), und schnitt sich in die hand.
die mutter kam. o welche harte lehre!
Gellert 1, 289;
von diesen trotzig herrischen gemüthern
sich meistern lassen, von der gnade leben
hochsinnig eigenwilliger vasallen,
das ist das harte für ein edles herz.
Schiller jungfr. 1, 6;
wol liegt ihm ein harter gram auf dem herzen.
Odyssee 8, 541;
die kron ich dir vertraue,
ein herzlich liebespfand,
bis ich dich wiederschaue
nach manchem harten stand.
Uhland ged. 229.
hierher auch: denn mir ist ein hart gesicht angezeigt. Jes. 21, 2, eine böse prophezeiung; dann persönlich: ich bin zu dir gesand ein harter bote. 1 kön. 14, 6, ein bote der übles verkündet.
b)
auch sonst und abgeblaszter schwer, beschwerlich; einem etwas hartes geben, schweres auferlegen: er hat allhier seine geschicklichkeit wol von nöthen, ihr habt ihm ein hartes gegeben, dasz er genug zu thun hat. schaub. engl. u. franz. com. 2, 292;
der schneider fiel neben die geisz
ein schwinden fall so harter ding,
dasz im gleich auch die seel auszgieng.
H. Sachs 2, 4, 65ᵇ;
zu schlecht war aber sein verstand,
durch raht ein harte sach zu schlichten.
Weckherlin 439;
wie es so ein blind ding ist umb die liebe und wenn die angezündt wird und erbrennet, wie hart die zu erlöschen ist. fortun. A 8ᵇ; diser berg ist gar hoch, deszhalb gar hart aufzuͦsteigen. Frank weltb. 169ᵇ; ein uberausz süsz fleisch haben sie, das hart zu glauben ist. Forer fischb. 128ᵇ; je stärker man in erfasset oder greift, je härter man in behalten mag. 178ᵇ; frau, ich habe ein mittel gefunden, ... es ist zwar etwas hart und herbe auszzuführen. Happel acad. rom. 341; die ameisen sind hart zu vertreiben. Hohberg 1, 425ᵇ; die birnen sind am geschmack, geruch, form, grösze und farbe so unterschieden, dasz es hart, ja fast unmöglich wäre, ihre namen .. zu specificiren. 429ᵃ; weil sein (des sultans) sonderbares amt und die daraus flieszenden ansprüche und forderungen sich so hart mit der philosophie vereinigen lassen. Klinger 6, 290;
gen berg gät hart auf wegen schmal,
das weite strasz layft selbst gen thal.
Schwarzenberg 152ᶜ.
in festen formeln: es kommt einem etwas hart an (s.ankommen 1, 385): und es kam sie hart an uber der geburt. 1 Mos. 35, 17; er ist nur zu wohl von meinen verbindungen mit Alvarez unterrichtet, und wie hart es den ankömmt, etwas übriges zu thun. Lenz 1, 219; Friedrich und Eva vermochten kaum ihren dank in worte zu fassen, besonders kam es Friedrich hart an. Riehl culturgesch. nov. 260; — so es nun dem türken zuͦ feld will hart liegen und der feind zuͦ stark werden. Frank weltb. 105ᵃ; das etwan der teutschen weiber für ir vatterlandt haben gestritten, und den männern, als es in hart lag, und jetz der sieg mit gebrochner spitz in gefar schwebet, zuͦgesprungen, und in zu hülf kommen. germ. chron. 5ᵃ; — denn sie mochten hart dulden, das der minst zu Rom inen gleich sein und sie gar kein vorteil haben solten. Livius v. Corbach 49; — dasz es ihm nicht hart fällt, ohne mich zu leben. Lessing 2, 37;
wenn gleich ein solches wunder dir
fast hart zu glauben fällt.
Bürger 84ᵇ;
dem alten manne, der in zwanzig schlachten
dem tod für sie entgegen gieng, fällt es
doch hart, sich so entfernt zu sehn.
Schiller Karlos 4, 12.
Aus hart in diesem sinne entwickelt sich die bedeutung schwerlich, kaum: do wurden diener und dienerin so tewer, dasz man ir hart bekam. Pez script. austr. bei Frisch 1, 418ᶜ; so wirt es noch in xv tagen hart beschehen. Chmel urk. Max. 74; mit dem groszen jungfrawenwagen hart durchkommen mugen. das.; nimstu eine hübsche, so begeren sie ander lüt auch und ist hart zu behüten, das vil lüt ir begeren. Keisersberg narrensch. 113ᵃ; die von natur bosz seindt, die werdent hart zu guten werken bekert. Steinhöwel (1555) 88ᵇ; und in prägnanter bedeutung rührt es fast an den sinn nie:
die kacz leszt ires mausens hart.
Behaim Wiener 366, 2;
es ist mein art,   die lasz ich hart,
ich bin also erschaffen,
dasz mich die werden frawen zart
machen zu einem affen.
Uhland volksl. 641.
c)
hart schwer, von organen des körpers und geistes, deren gebrauch einigermaszen gehemmt ist: einen harten leib haben, s. hartleibig; es geht ihm hart (auf dem abtritt), nititur et durum cacat. Serz 64ᵃ; dieses öl wird gelobet wider das harte gehör. Tabernaem. 867; adverbial hart hören, s. auch harthörig; einen harten kopf haben (unterschieden von 7, d sp. 502), schwer von begriffe sein; dafür: er ist langsamen geistes und hart von begriff. Riehl culturgesch. nov. 253; und, wie es früher hiesz: herte am sinn der vernunft, hebes, obtusus voc. inc. theut. i 4ᵇ; adverbial: es geht mir hart ein, rem non capio. Frisch 1, 418ᵇ, vergl. hartlehrig; bair. sich hart erinnern, hart explicieren, hart lernen, mit mühe, schwierigkeit; auch hart hausen, sich hart hausen, sich mit mühe in der wirtschaft fortbringen. Schm. 2, 241. s. hartdäuig.
10)
hart gelangt zu dem sinne strenge, scharf, in manchen wendungen; so in bezug auf wetter, kälte, frost: hart und kalt wetter. Henisch 1275; eine harte kälte. pers. reisebeschr. 1, 15; ein harter winter; ein harter frost; adverbial es friert hart, rührend an no. 3 sp. 500; von der zeit: es sind jetzt harte zeiten;
(eine magd klagt) doch hab ich auch ein hartes jar,
mein dienst ist sampt in einer klaus,
ich dörft nit schmecken aus dem haus.
H. Sachs 1, 510ᵃ;
von worten, gebot, verbot: eine harte rede; ein hartes verbot; viel nu seiner jünger, die das höreten, sprachen, das ist eine harte rede (goth. hardu ist þata vaúrd), wer kan sie hören? Joh. 6, 10; eure entrüstung .. möchte euch zu harte worte in die feder werfen. Schiller räuber 1, 1; ihn wegen einiger im wortwechsel zu hart ausgesprochenen ausdrücke um verzeihung bat. Göthe 18, 213; Liscov erfuhr in Göthes lebensbeschreibung ein zu hartes urtheil, so wie Rabener ein zu günstiges. J. Paul kl. bücherschau 2, 22;
mit hartem ernst zu inen sprach.
B. Waldis Esop 2, 54, 56;
vom herschen, erziehen, strafen, wo der sinn mehrfach nach 9, a (sp. 503) hinüberspielt: eine harte regierung; die kinder erfuhren eine harte erziehung; eine harte, aber gerechte strafe; eine harte busze;
kein schermesser das härter schirt,
dann so ein bettler ein herr wirdt.
Agr. spr. (1560) 94ᵇ;
adverbial: der man band uns das hart ein. 1 Mos. 43, 3; er bedrawete sie hart (goth. filu andbait ins, griechisch πολλὰ ἐπετίμα αὐτοῖς), das sie in nicht offenbar machten. Marc. 3, 12; zog er wider zum könig, und verklagte sie hart. 1 Macc. 7, 25; es ligt mir beides hart an (sterben und leben bleiben, griechisch συνέχομαι δὲ ἐκ τῶν δύο). Phil. 1, 23; und ist auch aller apostel weise, das sie also thun, und der schrift meinung einfüren on solchen zenkischen genawen fleis und fülle des texts, darumb sie viel herter zu fragen weren, denn Mattheus hie umb den namen Jeremia. Luther 4, 302ᵃ; die peinlich frag soll ... oft oder wenig, hart oder linder, nach ermessung eines guten vernünftigen richters fürgenommen werden. Carolina art. 58; vergl. härtiglich fragen geradezu für die peinliche frage art. 39; strenge und hart herrschet ir uber sie. Hes. 43, 4; leute werden hart geplagt; ist deine tochter nicht schamhaftig, so halt sie hart. Sir. 26, 13; er hat guͦte gerechtigkeit gehalten, und hart ob den kriegsleuten, das sie niemandt gewalt ... anlegten. Frank germ. chron. (1538) 38ᵃ; der herzog von Lauzün sagte: damit man prinzessinnen zu liebhaberinnen behalte, so halte man sie hart und schelte sie brav. J. Paul Levana 2, 112; bisz unsere rechnung, worauf er allzuhart dringet, geschlossen sei. Happel acad. rom. 334; wenn auch der verwalter ihn hart antreiben wolte (zur arbeit). 636; dis tödten ist ja so hart geboten. Luther 3, 45ᵃ; wozu ist denn die beschneitung nütz? oder warumb hat sie gott so hart geboten? 8, 56ᵇ; es bleibt im (dem winkelpfaffen) eben so hart nach der weihe verboten, als davor. 6, 91ᵇ; der universität und residenzstadt von Hohenfliesz, deren anblick sogar bisher sein vater ihm hart verboten hatte. J. Paul Titan 1, 4; weil, den nächsten zu beleidigen, uns hart untersaget worden. Butschky Patm. 723;
allein vom baum, so mitten stot
im garten, uns gott hart verbot.
G. Wickram bilg. D 3, bl. 12;
sie die sich, hart bedroht, als liebende geküsst,
die küssten sich nunmehr erlaubt als ehegatten.
Gellert 1, 188.
11)
hart geht in die bedeutung über derb, gewaltig, kräftig: geschahe ein harter trunk. Schweinichen 1, 113; lasset nur die satten fliegen sitzen, kommen hungerige, die saugen und saufen viel härter. Schuppius 833; ein harter fall, lapsus gravis Frisch 1, 418ᵇ;
daʒ (die geometrie) ist eine konst so herte.
Muscatblut s. 251, 83;
ich wil ghorsam sein
und euch ein herten eid da schwern.
H. Sachs 4, 3, 24ᵃ;
schlosse die hände so hart in einander. Amadis 85; indem sie (die katze) an derselben (feile) hart lecket. Lokmans fabeln 26; er nahm den klopfer (an der hausthür) in die hand und schlug damit so harte an, dasz er die ganze nachbarschaft davon aus dem schlaf erweckete. Darbennime 163; und er trat ans fenster, drehte es hart auf. J. Paul Hesp. 2, 186;
hart stöszt es (das schiff) auf am strande.
Uhland ged. 245;
vom lauten und kräftigen sprechen, lachen u. ähnl.: sie würden sich auflehnen, und ja so hart schreien und rufen, gottes wort, gottes wort, gottes wort stehet da. Luther 3, 45ᵇ; wer die nasen hart schneutzt, zwingt blut eraus. spr. Sal. 30, 33; Henrich lachte hart. Stilling jugend (1779) 139; er lachte hart (vor glück). dess. wanderschaft (1778) 170;
zurück! rief Charon ziemlich hart.
Gellert 1, 223;
dann auch kräftig, mit eifer und ausdauer, wo die bedeutung auch andrerseits an die unter 8 gegen ende (sp. 503) gegebenen beispiele anknüpft: erbaiteten sie mit ganzem ernst bis zu der mauer uber die von Neüsz, polwerkten und grueben so hart herwider. Wilw. v. Schaumb. 20; ein verletzt bruder helt herter denn eine feste stad, und zank helt herter, denn rigel am pallast. spr. Sal. 18, 19; sie halten so hart an dem falschen gottesdienst, das sie sich nicht wollen abwenden lassen. Jer. 8, 5; so nimpt er nu zum ersten für sich gottes güte aufs herteste. Luther 4, 104ᵇ; nu wollen wir am ersten die historien handelen, derselbigen nach sihestu aber einen trost, den da haben alle gleubigen, wie gott sich irer sachen so hart annimpt. 132ᵃ; doch dringen wir nicht so hart darauf, das ein bischoff für seine person solch bischoffliche ampt ausrichten müste. 8, 9ᵃ; helphant, die bsunder frembden leüten hart zuͦstellen. Frank weltb. 7ᵇ; zwinge es durch ein tuch hart aus. Tabernaem. 390; auch vom eifrigen zuhören: so hart auch der regent zuhörte (der huldigungsrede). J. Paul Titan 2, 98;
ir (der tugend) lob sol man erwerben hart.
Schwarzenberg 158ᵇ;
hab mir auch furgesetzt gar hart.
Wickram bilg. K, bl. 33;
inn desz dreht Klotho hart an unsrem schwachen faden,
an dem disz leben hängt.
Fleming 106;
ach vatter, zürne nicht so hart,
ach halte nicht so widerpart.
Rist himl. lieder 40.
auf dieser bedeutung fuszt die andauernd, dicht folgend, häufig: sie anhube ze weinen und mit dicken hertten zächern (zähren) dem marggraffen und seiner frawen alle ire trübsal saget. Steinhöwel 93, 33 Keller; das erdtrich, so tief und schwarz ist, das gibt die beständigsten und hertesten wasser. Herr feldb. 15ᵃ.
12)
hart, in adverbialer stellung, in der bedeutung unseres heftig, sehr, wie ahd. harto, mhd. harte: damit sich etliche martern und engsten, so hart, das sie möchten unsinnig werden. Luther 6, 184ᵃ; hat er das volk noch herter geplagt. 2 Mos. 5, 23; wurden hart gedrenget. richter 2, 15; sie drungen hart auf den man Lot. 1 Mos. 19, 9; des erschrack der könig Belsazar noch herter. Dan. 5, 9; entsetzten sichs hart, vermeinten nun sehen sy dondern. Frank weltb. 227ᵃ; erschrickt noch härter. Kirchhof wendunm. 398ᵃ; erschrack Moyses uber die maszen hart. Ayrer proc. 1, 5; er sagt ihm von der Chariclia, die er also lobet, und ire schöne so hart herausz strich. b. d. liebe 214ᶜ; dadurch derselbe bürger eines mals so hart uber sie erzürnet ward. 288ᵇ; das verdrosz Romulum so hart, das er seinen bruder Remum zu tod schlug. Livius v. Corbach 4; der seine frau so hart gefürchtet, dasz er dadurch den todt nam. 292ᶜ; welche einen rauschenden hahn und schleichende katze sahen und sich über dem leisetritt hart verwunderten. Schuppius 830; wenn er von seiner obrigkeit gar zu hart beschweret wird. 385; aber der amtmann stellete sich hart darwider. Happel acad. rom. 589; sie quäleten mich so hart. Simpl. 1, 221 Kurz; es griff euch hart an. Schiller räuber 1, 1; bildlich: aber der schuh truckte ihn zu hausz so hart (er hatte häuslichen kummer). Philander 2 (1643) 306; Immermanns: zu jenem verderblichen, über den ich mich so hart enttäuscht sehe. Münchh. 3, 118, kann hierher oder zu 9, b (sp. 504) fallen;
ich müst mich des hart schämen,
wurd ich an euch prechen.
Hätzlerin 190ᵃ, 190;
das tet den gecken allen zorn
und ward sie hart verdrieszen.
Uhland volksl. 509;
desz bekümmert sich der Xanthus hart.
E. Alberus 7;
wie hart thet mich nach dir verlangen
in meiner hartseligen zeit!
J. Ayrer 351ᵇ (1760, 28 Keller);
fürwar, du hast mich hart erschreckt.
desselben fastn. sp. 97ᵇ (2826, 17 Keller);
als er (der harnisch) im angezogen ward,
beklagt er sich, es drückt in hart.
mückenkr. 1, 204;
kommt auch die spinn, ein starker feind,
thut nach dem gift hart stechen.
Opel u. Cohn 98, 7;
hergegen ist das volk ja zweyfach hart verblendet,
das wollust liebt und sucht.
Rompler 151;
die geschos der blitzen .. werden aus den wolken, als von einem hartgespannen bogen, faren zum ziel. weish. Sal. 5, 22;
so hat er ... seinen bogen angesötzet,
ihn hart zu spannen.
Weckherlin 23.
verstärkend vor einem adjectiv oder anderm adverb, wie mhd.
mir was der wille harte guot.
Iwein 759;
deʒ ist diu wârheit
harte dicke vor geseit.
Martina 130ᵃ, 12;
ein hart merklich wort ist das, das auszer gottes wort alle menschenlere so gar verdampt sind. Luther 8, 309ᵇ; folgende nacht werden i. f. g. gar hart schwach. Schweinichen 3, 128;
ihr band, damit sie sich hart unzertrennlich bunden.
Opel u. Cohn 284, 23;
(ein adler klagt) neidlich hat das spansche gesind
gezogen hart mit list geschwind
an mein schönsten feder ein.
23, 32.
13)
hart, fest, dicht, eng, von umfassen, anliegen, verschlieszen, verbinden: hart und feste umbfahen. Harnisch 266; bezeug auch, dasz sie (die gedichte) oft gute sachen in sich haben; iedoch weil dise so verborgen und hartverschlossen darin stecken. Rompler s. 18 vorrede; das es (das schildlein) auf dem leibrock hart anlag. 2 Mos. 39, 21; die gliedmas seines fleischs hangen an einander, und halten hart an im. Hiob 41, 14; decke und stopfe ja harte zu. interim 536;
do kam die stolze frowe zart
und fand die türe hart besloszen.
sieben weise meister 1751;
in meim kasten beschlosz ichs hart.
B. Waldis Esop 3, 96, 16;
und reicht euch hundert gülden dar,
in einem seckel hart verstrickt.
4, 27, 49;
hät man yetzt also tugend acht,
vil menschen würden frum gemacht,
di sünsten haben wenig zucht,
und ligen hart in päser sucht.
Schwarzenberg 157ᶜ;
lasz zu küssen uns einander hart umfangen.
Weckherlin 774;
dasz unser mund, brust, herz, auf mund, brust, herz hart kleben.
775;
sein augen auch zugleich hin nach dem ufer kehret,
allda er eine dam hart angebunden fand.
D. v. d. Werder Ariost 11, 33, 7;
wie manche schmachtet, hart gefangen,
in eines kerkers dunklem grund!
Uhland ged. 224.
hart vom schlaf, der auch sonst als fessel gedacht wird: in der nacht, da er hart war entschlafen. Kirchhof wendunm. 397ᵇ; hart eingeschlafen. milit. disc. 187; tiefer harter schlaf. buch d. liebe 220ᵃ; sie riefen laut, aber er schlief zu hart, er hörte es nicht. Simrock 1, 109;
wie so gar schändlich sie ihr herr verlassen hatte,
in jener inseln ein, als sie geschlafen hart.
D. v. d. Werder Ariost 11, 58, 3;
von verbindlichkeiten, verpflichtungen, verpfändungen: aber sie will hierin ire prelaten nit so hart verbinden. Fischart bienk. 147ᵃ; so seind wir desto härter verbunden, ihre ehr in unserm hausz zu beobachten. Simpl. 4, 71 Kurz;
und was ander sehlenband
kont ihn wol so hart verbinden?
Weckherlin 351;
der ihr vor langer zeit durch eurer günste band
euch mich so hart verknüpft, das diese schwache hand
sich niemals lösen wird.
Fleming 41;
wenn er nicht die hütte meiden wollte,
die hart verpfandet war.
Gellert 1, 162.
14)
endlich hat hart, an die vorige bedeutung angeschlossen, und in verbindung mit den praepositionen an, bei, vor, hinter u. s. w., allgemeiner den sinn ganz nahe, dicht auszudrücken, sowol örtlich als zeitlich.
a)
örtlich: hart vur deme pallais. Harf 90, 29; es lauft ain armb des Reins ... hart an der statmaur hin. Wilw. v. Schaumb. 19; er gibt für, dis stück .. gehöre nicht zu dem, das hart vorher gehet. Luther 3, 70ᵃ; hie ist auch das kleine heuflin, das sich frewet, wie hart droben gesagt ist. 175ᵇ; wonunge in der wüsten heiszt er dörfer und höfe, was nicht in stedten oder hart dabei, sondern fern und einsam im feld ligt. 6, 135ᵃ; ein gros volk wird sich erregen hart an unserm lande. Jer. 6, 22; hart am teutschen born (zu Halle) ligt die Meteritz. Mathes. Sar. 125ᵇ; er eilet dem (wild gewordenen) ochsen nach, war hart hinden an im. b. d. liebe 227ᵃ; er reit im an der seiten so hart, dasz ein haut die ander rürte. das.; es ware ein garten hart dabei. Chr. Weise erzn. 129; ein marktflecken hart am walde. kl. leute 180; sie stand ganz hart an euer gnaden. Wieland 11, 309; er reicht ihm einen zettel und nistet sich hart an ihn. Schiller Fiesco 1, 9;
und sonderlich liegt hart dabei
die Bummerszheimer termenei.
E. Alberus 140ᵇ;
beid dörfer stoszen hart daran.
141;
gleich wie der leim und eisenklammer
zwei hölzer hart zwingt an einander.
Kirchhof wendunm. 46ᵃ;
wo (wer) desz freundes treuen raht, nach dem auszgang achten wil,
der musz selbsten, kan es sein, treten harte bisz ans ziel.
Logau 2, 242, no. 198;
zu dem nun pferd und wagen
mit starkem ungestüm hart auf einander jagen.
Fleming 53;
oftmals eh die trauerglocke sich zur ruh begeben kan,
stimmt man harte bei dem thurme zinken und posaunen an.
Chr. Weise cur. ged. v. versen 45;
dasz ich einst einen hund bei Haag gesehen habe,
hart an dem weg, wo man nach Frankreich fährt.
Gellert 1, 149;
und sein grünendes grab ragt hart am grabe des mädchens.
Hölty 43 Halm;
kams, hurre, hurre! nachgerannt,
hart hinters rappen hufen.
Bürger 15ᵃ;
da brach ihr die tasse so hart an dem mund.
Göthe 1, 221;
ich schlich mich hart am stuhl vorbei.
12, 134;
herr doctor nicht gewichen! frisch!
hart an mich an, wie ich euch führe.
195;
sie schaut aus ihrem gartenhaus,
es stehet hart am weg.
Uhland ged. 23;
wohl bedurfte der mann der festen und stalenen rüstung,
welche der knabe sich schon hart um den busen gewölbt.
Arndt ged. (1840) 187.
b)
zeitlich: ouch laiszen sy (die Griechen) ier kinder firmen hart nae der doufen. Harf 74, 32; das man das evangelium hart vor der predigt zu latinisch lieset. Luther 3, 58ᵇ; was ligt denn daran, ob sie die (worte) in dem sacrament nicht hören, wenn sie nur hart zuvor in der predigt gehöret und gefasset haben. 59ᵃ; da kam das weib hart vor morgens. richter 19, 26. zunächst dieser bedeutung steht hart = schnell, bald:
erbarm dich hart,   ich beit und wart.
Ambr. liederb. 74, 7.
c)
örtliche und zeitliche bedeutung ist gemischt: weil sie (die ehrenpforte) .. hart hinter meinem letzten bedienten einpurzelte. J. Paul uns. loge 1, 26;
der tod entrisz sie meiner hand
hart hinterm traualtar.
Bürger 85ᵃ.
Zitationshilfe
„hart“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hart>, abgerufen am 05.12.2019.

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