hasten verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 551, Z. 44
hast haben, eilen, in mehrfacher fügung.
1)
intransitiv: accelerare hasten, haesten Dief. 7ᵃ; celerare haesten, haisten 110ᵇ; festinare haesten, hasten 232ᵃ; manicare haesten 347ᵃ, aus niederrheinischen und sächsischen quellen; hasten properanter aut raptim agere Schottel 1334; früher fast immer auf das nördliche Deutschland beschränkt (als seltener beleg für Süddeutschland folgt unten eine stelle Fischarts), und erst in der modernen sprache weiter vorgedrungen: da wir hast und hastig in der schriftsprache haben, warum vernachlässigen wir das alte hasten, welches ungestüme eile ausdrückt? spute dich, aber haste nicht ist lebendiger gesagt, als eile mit weile. J. H. Voss 4, 321; die arbeiter hasteten die garben abzuladen. Freytag handschr. 1, 129;
he hastede nacht unde dach,
bet he quam wedder in dat lant
dâr he sînen vâder vant.
v. d. holte des hill. cruzes 277 Schröder;
sus hastede he sêr to hovewert.
Reinecke fuchs 3098;
eines wulves lever van seven jaren ...
de schole gi eten, efte gi sint dôt,
wente juwe water toget al blôt;
dar hastet mede vor alle dink.
5327;
darumb wann sie sich schon vergessen
und euch zu grob villeicht auch messen,
machts, dasz sie in der notheil hasten,
dann not kan nicht auf roht vil rasten.
Fischart flöhhatz bei Scheible 10, 887;
du mädchen nicht gehastet
mit deiner wassertracht!
J. H. Voss 4, 241;
o zeit ... in der ich nicht nach falscher gunst
mit eilgen schritten hastete.
Platen 83.
2)
reflexiv sich hasten: nd. sek hasten sich beeilen Schambach 75ᵇ; was gehts mich an, wie er in die welt kam, sagt ich, wenn er sich nur nicht so hastete, mich hinauszuhohlen. Bode Tristr. Sh. 7, 6;
ich haste mich auf freies feld zu fliegen.
Kl. Schmidt poet. br. 55.
Stieler erwähnt nur diese fügung: sich mit der arbeit hasten, alias spuden, maturare, accelerare opus 780; haste dich so viel du kanst, quantum poteris, festina, omnis jam tibi cunctatio abjicienda est. das.; sich auf der reise hasten, ventis remisque in itinere properare. das.; während die lexicographen bis auf Adelung das wort überhaupt nicht als schriftdeutsches verzeichnen.
3)
unpersönlich: es hastet nicht, hat keine eile; es wil nicht hasten (vorwärts gehen). Schottel 1138ᵃ. dasz die redensart hast du nicht, siehst du nicht u. ähnl. mit anklang an dieses hasten gebildet sei, ward unter haben sp. 69 vermutet.
Zitationshilfe
„hasten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hasten>, abgerufen am 14.11.2019.

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