hasz adj
Fundstelle: Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 555, Z. 33
hassend, feind, mhd. haʒ wb. 1, 641ᵇ, mnd. hat:
mit mîner loggen schaffede ik dat,
dat en de konnink wart sêr hat.
Reinecke fuchs 3714;
einer der im selbst nichts gutes günt, und im selbst hasz ist. Paracelsus opp. 1 (1616) 19 C.
häsz n
Fundstelle: Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 555, Z. 39
ein oberdeutsches, namentlich alemannisches und schwäbisches wort, mit langem ä, kleidung; mhd. hæʒe (wb. 1, 642ᵇ), welches wort das collectivum vom masc. hâʒ kleid, ist.
1)
es bezeichnet nicht sowol ein einzelnes kleidungsstück, als vielmehr die kleidung sowol eines mannes als einer frau allgemein, auch die wäsche Stalder 2, 23; ebenso die betten Tobler 258 (anderswo werden bett und häsz getrennt genannt, s. nachher); schue ond häsz die ganze bekleidung des leibes das. Im niederl. entspricht hes kittel. ob ain hofjünger abgienge fraw oder mann, dem gottshausz werden das best hopt und sein häsz, als er zuo külchen und ze hangarthen (heimgarten) goth, hette er aber unberathen sün, die nit wayber hetten, die solten desz vatters häsz beheben von desz gottshausz gnaden wegen, es soll auch einem keller das best häsz werden, als er an aim sonnentag gäht. weisth. 1, 267 (Thurgau); ob aber ain fraw abging, .. so ist dem gottshausz gefallen das best bett, und ihr häsz, als sy ze külchen und hangarten gaht an dem sonnentag; hetti sye aber unberathen dochteren, die beheben das bett und das häsz von desz gottshausz gnaden. das.; trockenes häsz. Felder Nümmamüllers 7; das mädchen holte seine sonntagshäs. Auerbach dorfgesch. 1, 121;
ich pin ein paur und trag an paurs hesz.
fastn. sp. 345, 11;
legten die guten kleider ab,
ir alte häsz wider anlegten,
darinn sie zu arbeiten pflegten.
B. Waldis Esop 2, 54, 77;
weil du mit goldt gehst umb,
wolt ich gern wissen, wie das kum,
dasz du hast so zerrissen häsz;
bist gar zerhudelt umbs gesäsz.
4, 38, 37;
der mann liesz sich bereden des,
und legt bald an der frawen hesz.
4, 81, 76;
für alter wird das kleidt zerrissen,
es bringt auch maden in den käs,
es bringt auch schaden in das häsz.
Wolgemuth newer Esopus 2 (1623) s. 282;
die fraw die sprach mit züchten,
ich acht nicht seidener häsz.
Garg. 90ᵃ;
2)
häsz heiszt auch nur das hauptkleid, oberkleid des mannes: da buckt sich der ein nider und würft das häsz oder kleidt hinden über sich über den kopf. Frank weltb. 149ᵃ; und sol der spitz nit länger sin dann zwayer gleich lang, und das häsz, als ver ainer mit siner nider gelassnen hand geraichen mag. weisth. 1, 202 (st. Gallen, Burgau 1469);
wie glatt liegt ihm an hembt und hähs.
a. weiszh. lustg. 399.
hasz m
Fundstelle: Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 552, Z. 72
odium. die goth. form hats scheint einmal Eph. 2, 3 im gen. hatis vorzukommen, gewöhnlich ist eine erweiterte neutrale hatis, gen. hatizis; dagegen heiszt es ahd. mhd. nur männlich haʒ (bis auf éine bis jetzt bekannte ausnahme: ube dû daʒ haʒ dînes fîandes in minna pecheren wellest. Müllenhoff u. Scherer denkm. 206, 14), altn. hatr, schwed. hat, dän. had; altsächs. heti, angels. hete; im mnd. und mnl. sind wieder die unumgelauteten formen hat, haet aufgekommen. dasz die ursprüngliche bedeutung dieses wortes ungestüm gegen den feind, feindliche verfolgung ist, wurde oben unter hast (sp. 550) erörtert.
1)
diese bedeutung besteht noch mhd.:
ein teil sich dô ze lange   der künec und sîne man
versûmten, daʒ dô Herwîc   des haʒʒes hie began.
in einer morgenküele   er und sîne geste
vür Hetelen burc bekômen.   er tete sît daʒ aller beste.
Gudr. 638;
swaʒ kriuchet unde fliuget,
und bein zer erde biuget,
daʒ sach ich unde sage iu daʒ:
der keineʒ lebet âne haʒ.
daʒ wilt und daʒ gewürme
die strîtent starke stürme,
sam tuont die vogel under in.
Walther 8, 35;
ausläufer derselben ist die bedeutung zorn, sofern er sich in thaten äuszert:
iuch hât rehte gotes haʒ
dâ her gesendet beide,
zallem iwerme leide.
Iwein 6104;
andrerseits aber auch die bedeutung wetteifer, als verfolgung eines zieles:
dô sî nâch der beiʒe riten
unde friuntlîchen striten,
under in was ein bescheiden haʒ:
ieglîcher wolde daʒ dâ baʒ
sîn habech geflogen hæte.
Erec 2059.
selten zeigt sich im nhd. noch hasz im sinne von feindseliger that:
den ich zuwider bin gesyn,
die bringens mir mit haufen yn,
bezalen mir mit gleicher masz
den alten schaden und den hasz,
thun mir wie ich in hab gethan.
B. Waldis Esop 1, 12, 24;
das korn du auf den acker gführt (spricht der storch)
hab ich mein lebtag nie berührt,
und isz die frösch ausz grünem grasz.
drumb bitt ich, lasz mich ausz dem hasz (thue mir nichts zu leide).
1, 60, 20.
2)
das nhd. hat gewöhnlich von hasz nur die bedeutung feindliche gesinnung (gegensatz von liebe) gepflegt, die schon im ahd. ausschlieszlich bezeugt ist, und mhd. viel häufiger als jene erste erscheint: wan her wiste daʒ, daʒ si en ime durch einen haʒ (Luther: neid) hatten geantwortet. Behaims evang. buch, Matth. 27, 18; ir werdet zuͦ haʒʒe (Luther: müsset gehasset werden) allen lûten durch mînen namen. Matth. 10, 22; sie beweisen mir böses umb guts, und hasz um liebe. ps. 109, 5; hasz erreget hadder, aber liebe deckt zu alle ubertrettunge. sprüche 10, 12; voll hasses, mordes, hadders, lists. Röm. 1, 29; etliche zwar predigen Christum, auch umb hasz und hadders willen, etliche aber aus guter meinung. Phil. 1, 15;
regiern freundlich und mit willen
thuͦt vil hasz und hadders stillen.
Agr. spr. (1560) 120ᵃ;
im menschen ist der hasz der gröste trieb.
Lohenstein Sophonisbe s. 18;
Rom mag erbittert sein, mein zepter anstosz kriegen,
die gunst in hasz sich kehrn.
s. 26;
der hasz, der endlich noch des lästrers rächer wird.
Gellert 2, 41;
gedenke, schwester, wie mit hasz und fluch
beladen unser vater starb.
Stolberg 14, 10.
Der plural von hasz ist selten: um nicht sein höheres alter durch theologische hasse vergällen zu lassen. Wolf analekten 1, 47;
künftig sollen vereint
stehen alle die hasse
als gränzhut gegen den feind,
dasz er davor erblasse.
Rückert 147.
der gegenstand des hasses wird gewöhnlich durch praepositionen vermittelt, hasz gegen einen, auf einen haben, auch für einen:
bezähme deinen zorn und tritt das recht
nicht unter deine fers aus hasz für ihn.
Stolberg 14, 241;
seltener durch den genitiv:
der lobt an Lesbien die demuth und die treu,
und, vor dem spiegeltisch, den hasz der schmeichelei.
Hagedorn 1, 55;
und überall, wohin mein fusz mich trug,
fand ich den gleichen hasz der tyrannei.
Schiller Tell 2, 2;
ich stritt aus hasz der städte und nicht um euren dank.
Uhland ged. 369;
ähnlich mhd.:
dem ritter tâten sî dô wê
durch sînen haʒ (aus hasz gegen ihn) wirs dann ê.
Erec 5494.
die ältere sprache fügte zu hasz gern das adjectiv grôʒ, um die intensität der feindlichen gesinnung zu zeichnen, gegensatz ist swacher haʒ:
ich muoʒ verdienen swachen haʒ.
Walther 83, 27;
da nun der hasz und neid so grosz war. 2 Macc. 4, 3; einem ein groszen hasz machen oder auf den halsz richten, einen in groszen hasz bringen, concitare magnum odium in aliquem Maaler 213ᵃ; er hat ein groszen hasz zuͦ euch, ardens odio vestri. das.; wenn ich reden könnte, dein höchster hasz würde in mitleid und jammer zerschmelzen. Göthe 8, 156;
wie groszer hasz in meinem busen schlug,
mit dem ich die verfolgte, die sich nur
dem recht und seinem heiligthume weihten.
dritter brief an Riese (gedichte 3, 132 Strehlke);
schon frühe begegnen auch andere poetisch malende adjective, die in der modernen sprache sich mehren:
nû wil ich iuch bescheiden daʒ,
wie herzenminne und bitter haʒ
ein vil engeʒ vaʒ besaʒ.
Iwein 7042;
wir reden von einem bittern, grimmen, wilden, herben, heiszen, glühenden, unauslöschlichen, tödtlichen hasz; vergl.mordhasz, todthasz; ein bitterer hasz, odium Vatinianum, abominatio, execratio Stieler 786; tödtlicher hasz, odium capitale Maaler 213ᵃ;
was sich noch jüngst in blutgem hasz getrennet,
das theilt entzückt die allgemeine lust.
Schiller jungfrau 4, 1;
Don Caesar. die diener tragen alle schuld.
Don Manuel. die unser herz in bitterm hasz entfremdet.
braut von Messina;
auf flammt in meinem herzen des alten hasses gluth.
R. Reinick lieder 219.
der hasz friszt:
denn zu tief schon hat der hasz gefressen.
das.;
er ist unersättlich: unersettiger hasz, jejunum odium, inexplebile, insatiabile. Maaler 213ᵃ. Formelhaft wird hasz und neid verbunden:
nît unde haʒ die hânt sich ûf den wec geleit.
Walther 26, 20;
si mainen alzeit   ir hasz und neid
und der söll ainen fürgang han.
Uhland volksl. 396;
erst wil ich dich lieb haben,
dem klaffer zu neid und hasz.
Gödeke u. Tittmann liederb. s. 57, 16;
wenn ir halt fried und einigkeit,
so schad euch niemands hasz noch neidt.
B. Waldis Esop 1, 51, 20.
es heiszt hasz erregen, spinnen (vergl. haszgespinst), fassen, auf sich laden: sahe das das kriegsvolk einen hasz wieder den könig Demetrium gefasset hatte. 1 Macc. 11, 39;
doch ists oft dem der gröste schad,
der neid und hasz erreget hat.
B. Waldis Esop 1, 35, 40;
darumb so soll ein weiser mann
sollichs zu einer warnung han,
dasz er thu keinem menschen schaden,
ungunst und hasz auf sich zu laden.
1, 14, 50,
hasz gewinnen, bekommen, kriegen, legen: darüber gewann der neidische könig einen hasz. pers. baumg. 2, 14; darmit er nicht hasz und ungunst desz kriegsvolks bekomme. Fronsperg kriegsb. 1, 59ᵃ; deszhalb hat meniglich von stund an ein hasz auf ihn gelegt. 5, 137ᵇ; ich hab ehrfurcht für Wild kriegt, und noch mehr hasz für Buschy. Klinger theater 2, 356; soll ich ekel und hasz für mein kind kriegen? s. 368; — hasz haben, tragen: hat vorhin keinen hasz auf in gehabt. 5 Mos. 19, 4; denn du hast freilich nichts bereitet, da du hasz zu hettest. weish. Sal. 11, 25; die ubung neidet der feind, und trug inen beiden hasz. Luther 6, 502ᵃ; weil er keinen hasz vor hin zu im getragen hat. 5 Mos. 19, 6; wenn aber jemand hasz tregt wider seinen nehesten. 11; es ist besser frei strafen, denn heimlich hasz tragen. Sir. 20, 2;
daʒ ich mîn unversuochte jugent
ûf werdekeit unde ûf tugent
sô rehte selten geübet hân,
daʒ ist vil sêre missetân
und hân es an mich selben haʒ.
Tristan 112, 25;
wê war umbe tuot si daʒ,
der mîn herze treit vil kleinen haʒ?
Walther 112, 34;
sein schüler di im truͦgen hasz.
Schwarzenberg 113ᵃ;
ich hab ewr keinen nie geschlagen,
oder zu euch ie kein hasz getragen.
B. Waldis Esop 1, 55, 14;
ob gleich die rebe trägt dem eber hasz.
Logau 1, 142, 13;
hasz tragen steht aber auch passivisch, gehaszt werden:
Lucretie trug neid und hasz,
umb lob das man ir geben was.
Schwarzenberg 113ᵇ;
den hasz auslassen, kühlen, versöhnen, ersticken, auslöschen, begraben:
ist frieden stiften, hasz
versöhnen ein geschäft der hölle?
Schiller jungfr. 2, 10;
lasz
mein flieszend blut den alten hasz versöhnen.
1, 6.
das mhd. âne haʒ, ohne feindselige gesinnung, ohne falsch, aufrichtig, treu, ist auch mhd. noch bezeugt:
herr der richter, so sprich ich das (urtheil),
und thu das wol an allen hasz.
fastn. sp. 786, 29;
der löw sprach: wer theilt uns den raub?
der esel sprach: das wil ich thun
on allen hasz aufs gleichest nun.
B. Waldis Esop 1, 73, 12;
und trinkt in gottes namen
ein ziemliches glas
on neid und hasz.
Gödeke u. Tittmann liederb. s. 144, no. 137.
3)
hasz ist auch der gegenstand feindseliger gesinnung:
wan daʒ ich scheide
die guoten von den bœsen.   seht, daʒ ist ir haʒ.
Walther 58, 36;
ja! es ist Sophonisb, ein hasz der leichten götter,
ein ball des falschen glücks, ein ziel der unglückswetter.
Lohenstein Sophonisbe s. 23;
wir werden aller menschen hasz,
und thaten keinem was zu leide.
Kl. Schmidt poet. briefe s. 137.
Zitationshilfe
„hasz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hasz>, abgerufen am 21.10.2019.

Weitere Informationen …