Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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he, interj.

he, interj.
den ausbruch verschiedenartiger gefühle andeutend, in der alten sprache noch selten erscheinend und hier meist durch interjectionen mit gleichem anlaute aber vollerem vocal ersetzt (vergl. hei, ho, ahî, und ha sp. 5). der vocal in he ist gewöhnlich gedehnt, daher auch die schreibung heh, die in mehreren der unten folgenden beispiele erscheint. die interjection für aus dem französischen ins deutsche eingedrungen zu halten, wie gramm. 3, 291 angedeutet ist, dazu liegt kein grund vor. he ist gegen ha der gröbere ruf, und steht
1)
als unwillkürlicher ausdruck einer kraftanstrengung, so bei den bergleuten: he! he! schreiet oder hauchet der bergmann bei jedem schlag, wenn er arbeitet. min. lex. 291ᵇ; es klinget artig in die ohren eines zuschauers, wenn die häuer in ihrer arbeit mit denen instrumenten ein klippern und klappern verursachen, auch fast zu jedem schlage he! schreien. Behrens Hercynia curiosa 175.
2)
als ausdruck des behagens, der freude:
he he! warumb solt ich trûren?
nu rüeret mich der mei;
schlag schlag schlag ûf mit freuden!
mîn trûren ist enzwei.
Uhland volksl. 106 (15. jahrh.);
es wolt ein frau zu weine gan,
he ro ri ma to ri,
sie wolt den man nit mit ir lan.
Gödeke u. Tittmann liederb. 153, no. 124;
he ho he,
fitz und fetz,   guter netz,
rumpel spiel   und des nit viel,
einen frischen freien mut ich haben wil.
Ambr. liederb. 236, 7;
he, he,
die weinlein, die wir gieszen,
die soll man trinken,
die brönnlein die da flieszen,
die sollen schwinken.
Garg. 92ᵃ;
des triumphes, der schadenfreude: alle deine feinde sperren ir maul auf wider dich, pfeifen dich an, blecken die zeene, und sprechen, heh, wir haben sie vertilget, das ist der tag, des wir haben begert, wir habens erlangt, wir habens erlebt. klagel. Jer. 2, 16; he he! bad nur wol aus! Eulensp. 3; he he suchen nu! 4; schreit dasz es jederman hört, he du böszwicht, he du lecker, he he, hab ich dich uberkommen, du jungfrawdieb. b. d. liebe 228ᵇ. auch abgeblaszter, eine liebkosung begleitend: er kriegte mich beim kinne, und sagte, wie er immer ganz spashaft ist: he! kleine hure, willst du dir den informator .. Rabener sat. 3 (1757) 28. Verstärkt wird der ausdruck des behagens durch den vorgesetzten jauchzer juch: juchhe, juch juch, nun hab ich mein bräutchen, nun hab ich die prinzessin gewonnen! E. T. A. Hoffmann 6, 387;
ich hab mein sach auf nichts gestellt. juchhe!
drum ists so wohl mir in der welt. juchhe!
Göthe 1, 145;
dreht sich mir alles herum — juchhe!
rund ist die welt.
R. Reinick lieder 274;
jetzt weisz ich, warum es mir nirgend gefallt,
als einzig allein in dem grünen wald!
juchheisza juchhe, in dem grünen wald.
60;
s. weiter unter juchhe.
3)
redupliciertes he malt blödes oder rohes lachen: ei warum ruhen die auch nit, hehehe! Fr. Müller 1, 302; hehehe! liebster, bester herr Stark! wie sie doch immer so gerne spaszen! Engel 12, 244. ältere quellen haben ha ha he als interjection des lachens (vgl.ha): ha ha he! iez manest mich, dasz ich aber muͦsz lachen. Schade sat. u. pasqu. 2, 67.
4)
he, anrufend, zum aufmerken und zur folge auffordernd: he! frau zigeunerin, unterbrach sie Pedrillo, nicht so vorwitzig! Wieland 11, 228; so halt doch eure mäuler dort, kann kein gescheit wort vor euch reden. Guntel, he! Fr. Müller 1, 301; wo steckst du dann, hehe! 309; Spiegelberg! he, Spiegelberg! die bestie hört nicht. Schiller räuber 1, 2;
was besinnen! — Heinrich, he!
sattle noch den rappen!
Göckingk lieder d. liebenden (1779) 29;
he, mutter, seid so gut, schreit Scherasmin sie an,
und weiset uns den weg zu einem han.
Wieland 22, 165 (Oberon 4, 36);
ihr himmlischen! he! Gottschalk! hilf!
H. v. Kleist Käthchen 2, 8;
Sh. he, sag ich, Jessica! Lanz. he, Jessica!
Sh. wer heiszt dich schrein? ich habs dir nicht geheiszen.
Shakesp. kaufmann v. Venedig 2, 5;
why, Jessica, J say! why, Jessica!;
he! holla! macht doch auf geschwind!
Kotzebue dram. sp. 1, 291;
mhd. als eingang einer anrede:
hê reine vrouwe, nû lâ
allen zwîvel wesen.
zuo rehter zît genesen
solt du eines kindes.
Diutiska 2, 37.
der ausruf wird durch zeigendes da zu he da! verstärkt (vergl. unten das zusammengerückte heda):
he da! rief ich, holt geschwind
einen boten.
Göckingk 1, 134;
he! he da! wollt ihr auseinander!
Kotzebue dram. sp. 1, 27;
he! he da, gespenst!
Platen 265.
auch als antwort auf einen ruf wird he gebraucht: indem sie so saszen, pfiff vater Stilling. Mariechen und Heinrich antworteten mit einem he! he! Stilling jugend (1779) 134.
5)
he, fragend und die erwartung einer antwort ausdrückend: aber, freund, woran fehlte mir es, dasz ich bei gelegenheit nicht eben so viel für dich würde gethan haben? he! Lessing 1, 556; so seht ihr gewisz auch, dasz die prinzessin, die er liebt, ein sommervogel ist, he? Wieland 11, 229; diese narbe! he, wiszt ihr noch? Schiller räuber 4, 3; der betrunkene spielmann rief dem oberamtmann gleich entgegen: könnt ihr mir ein protokoll machen, he? Immermann Münchh. 4, 49. zugleich unwillen ausdrückend: he, rief er erboszt, was thu ich mit der feile? E. T. A. Hoffmann 3, 116;
was? es wäre
nicht geckerei, an solchen geckereien
die gute seite dennoch auszuspüren,
um antheil, dieser guten seite wegen
an dieser geckerei zu nehmen? heh?
das nicht?
Lessing 2, 212;
he! was ist das?
Kotzebue dram. sp. 2, 304;
wenn er dich liebte, he, gäbst du ihm wohl gehör?
Göthe 7, 48.
verstärkt ist die interjection hehn, aus heh nu zusammengeflossen:
hehn, Georg? hast dein meister gfunnen?
ich dacht, wie du es könnst so wol.
Ayrer fastn. sp. 25ᵇ (2461, 18 Keller).
6)
he, eine zustimmung, eine ausführung einleitend, wie nun, wol: aber, sagte Hans Joggi, und dann ds ander jahr im hustage, wo wir so viel zu zahlen haben ..? he, antwortete Anne Marei, so haben wir doch dann nicht in allen ecken stümpleten nachzuzahlen. J. Gotthelf schuldenb. 73; hast was mit dem freund da, so red .. he, sagte Hans Joggi, dem das ding doch etwas in athem ging, meinetwegen kann ich es wohl sagen. 171; he nun, sagte der andere, du hast gedient, hast alte meister, brave bauern, können die dir nicht helfen? hast mit denen nicht geredet? he, ja, sagte Hans Joggi, von kindsbeinen, fast von mutterleib hab ich gedient und bei rechten bauern, aber ... 235.
7)
ein anderes he, zur angabe der richtung ausgerufen, ist wol nicht reine interjection, sondern fuszt auf einer nebenform des adverbiums hie, hier, das sich seinerseits an einen demonstrativstamm anlehnt (s. weiteres unter hie): weil es mir gar nicht an raume fehlte, so spielte ich ihm (dem fische) durch tritt und schritt, durch hopp und he, gar manchen possen. Münchhausens wunderb. reisen 72 (aus dem zweiten seeabenteuer, wo sich Münchhausen in dem magen eines fisches befindet). ein durch zusammenrückung dieses he mit der interj. hopp gebildetes subst. hopphe, hopphei geht geradezu in den sinn des lärmens über (Fromm. 5, 148. 6, 212). s. weiteres unter hopphe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 713, Z. 54.

he

he,
die über ganz Niederdeutschland, Schlesien, Obersachsen, Düringen, Hessen und Rheinfranken für das südlicher heimische und in die schriftsprache aufgenommene er verbreitete form des persönlichen geschlechtigen pronomens dritter person und männlichen geschlechts. das wort, von dem eine weibliche movierte form hähe die sie bereits sp. 157 aufgeführt wurde, dient in Nieder- und Mitteldeutschland in substantiver verwendung zur bezeichnung des männchens bei thieren: in Oldenburg 't iss en hê, es ist ein männchen. Fromm. 3, 501; im Schmalkaldischen der hê das männchen der vögel. Vilmar 155; Luther gewährt hierfür mehrfache belege, er wendet es auch auf menschen, wie in Hessen he und sä für mann und frau gilt (vergl. 3, 691): aus dem spruch sind wir gewis, das gott die menschen in die zwei teil geteilet hat, das es man und weib, oder ein he und sie sein soll. 2, 163ᵃ; parden habe ich nicht gesehen, die landfarer aber schreiben, es sei ein thier, das viel flecken auf dem fell habe, und die sie sind grewlicher denn die hee. 3, 234ᵃ; in derselben gemeine (die christliche kirche ist der arche Noae verglichen) sind allerlei thier, sie und hee. 4, 49ᵃ; zu dem hat gott den menschen zur geselschaft, nicht zur einsamkeit, geschaffen, welchs ausweiset, das er beiderlei geschlecht der vernünftigen und unvernunftigen thierer, ein menlein und frewlein, oder ein he oder sie geschaffen hat. 6, 276ᵇ. bei ihm wechselt übrigens diese form, die ihm mundartlich heimisch war, mit dem streng hochdeutschen eine sie, ein er (4, 19ᵇ. 20ᵇ), das in solchen quellen häufig genug erscheint, vergl. 3, 690 f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 715, Z. 41.

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Zitationshilfe
„he“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/he>, abgerufen am 29.11.2020.

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