Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hecht, m.

hecht, m.
1)
esox lucius. ahd. hachit, hechit, heched; mhd. hechet, hecht; ags. hacod; niederl. heket lupus piscis Kilian; gewis seines stachelgebisses wegen so genannt (vgl.hechel sp. 735), wie auch der schwedische name gädda, dän. giedde auf gadd stachel, der englische pike auf pike spitze, stachel, dorn, auch der franz. brochet auf broche spiesz, brocher durchstechen, der niederwendische schcżipel auf schcžipasch stechen, beiszen zurückführt. lucius heget, hecht, höcht, nd. heket, heckte Dief. 338ᵃ; lupus hecht 340ᵃ; einen blamenser (gallert) von einem hechede. buch v. guter speise 2;
karpfen, forhen, hecht und ruppen
die isz ich lieber, denn ölsuppen.
fastn. sp. 726, 2;
hier (am strande nach einem fischfange) sah man aal und welsz und auszerlesne schmerlen,
und perszken, meine lust, und köstliche forellen,
auch karpfen, barben, hecht, und lachs, die zier der tisch.
A. Gryphius 2 (1698) 64;
öfter noch, wenn es dem liebchen gefällt und linde die luft weht,
stoszen den nachen wir ab hoch auf die wallende fluth,
werfen das netz nach dem barsch und stellen dem aale die reusen,
ködern die angel dem hecht, spieszen bei fackeln ihn auf.
Arndt ged. (1840) s. 262.
sprichwörtlich: von kleinen fischlein werden die hecht gros. Schottel 1125ᵃ; die hechte werden um deszwegen in die teiche gesetzt, damit die andern fische nicht faul werden. Pistorius thes. par. 5, no. 73; wie der hecht als herscher des teiches gilt:
ein hecht regiert ein lange zeit
in einem wasser grosz und weit;
all vische lieszen ihn da walten,
ward für ein herrn und könig ghalten.
B. Waldis Esop 3, 8;
ein unruhe und schrecken erregender mensch wird einem hecht im karpfenteiche verglichen; so trifft meine bemerkung hier ein, dasz ein guter filou immer der motivierende hecht wird, der den frommen karpfensatz der stillen im — teiche zum schwimmen bringt. J. Paul Titan 2, 27. — Rücksichtlich des hechtes als speise wird unterschieden frischer oder grüner, gesalzner, gesottner, gebratner hecht; durch das sieden werden die schuppen des fisches blau;
sie aszen unter andern fische,
mich deucht, es war ein grüner hecht.
mein engel, sprach der mann, mein engel, ist mir recht:
so ist der fisch nicht gar zu blau gesotten.
Gellert 1, 55.
der redensart faule fische machen, lügen, erdichtete nachrichten, erlogene entschuldigungen vorbringen, scheint sich zur seite zu stellen einen faulen hecht reiszen:
hast neulich hinter meinem wissen
mir einen faulen hecht gerissen.
B. Ringwald laut. warh. 368.
2)
hecht, übertragen auf einen menschen, zunächst einen raubsüchtigen, was schon in frühen werken angedeutet erscheint: pei dem hecht verstên ich all wüetreich, die arm läut freʒʒent und auch ir aigen mâg und freunt verderbent. Megenberg 254, 14; dis ist ein schimpflich gelichnus der vische .. ein hecht ein röuber. fischbüchlein aus dem anf. des 16. jahrh. im anz. des germ. mus. 1857, sp. 363; sind das nicht gestohlene sachen? schon gut, dasz wir euch hecht erwischt haben. d. d. Gilblas 176; dann abgeblaszter, in der bedeutung wie kerl, bursche: verbrennt diesen brief, damit es nicht dermaleinst offenbar werde, was für drollige hechte wir sind. Bürger an F. L. W. Meyer den 1. märz 1789; der medikus, der keinen narren in der welt zum narren haben konnte, .. steckte dem dünnen hecht (dem apotheker Zeusler) die raufe voll wahrheitfutter. J. Paul Hesp. 2, 40; der arme hecht im parterre wird zu sich selber sagen: solche witze kann ich auch machen. H. Heine 11, 135;
kurz, dame Vastola, von ihrem schönheitsthrone
herab gestürzt, der unwirthbaren see
in einer tonne preis gegeben ...
gesperrt zu einem solchen hechte!
und diesen feinen Seladon
(das ideal von einem besenbinder)
so öffentlich zum vater ihrer kinder
erklärt!
Wieland 18, 151;
wird auch so ein hecht wie andre sein,
die wenig sich kümmern um ihre frauen.
Kotzebue;
reiche hechte (unter den bauern), die das geld nicht sparen,
schmausen ihn (den getrockneten hering) zu schnaps und bier.
J. F. Kind gedichte;
in Baiern hecht mensch, loser vogel Schm. 2, 148.
3)
hecht, in der studentensprache, der beiszende rauch, namentlich des tabaks: die stube ist voll hecht; kerle, ihr habt einen furchtbaren hecht in die stube gemacht!
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 739, Z. 39.

hecht, adj.

hecht, adj.,
ein seemännisches wort, vom schiffe gebraucht, das kein wasser durchläszt: der kahn ist hecht;
und wellen hoch und wild, hurrah!
die barke hecht und schier —
die wasserwelt ist unser haus
und lustge kerls sind wir.
Freiligrath zwischen den garben (1849) s. 169.
es ist mundartlich niederdeutsche form des adj. haft sp. 132.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 740, Z. 41.

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Zitationshilfe
„hecht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hecht>, abgerufen am 24.11.2020.

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