heil adj
Fundstelle: Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 815, Z. 49
sanus, sanatus, salvus. goth. hails; alts. mnd. hêl; altnfr. niederl. heil; ags. hâl; fries. hêl; altn. heill, dän. heel, schwed. hel; ahd. mhd. heil. es ist allgemein anerkannt, dasz die goth. form hails aus älterem halja-s entsprungen sei, und zu sanskr. kalya-s gesund, angenehm, griech. καλό-ς in verwandtschaft steht (Curtius s. 134). heil bedeutet:
1)
unverletzt, frei von krankheit oder wunden: ahd. ni habênt nôtthurftî thie heilon lâches, ouh thie ubil habênt (non necesse habent sani medicum, sed qui male habent). Tatian 56, 4; non est sanitas in carne mea. mîn lîchamo ne ist heil. Notker ps. 37 (2, 131ᵇ Hattemer); mhd.
dâ wart von sînem munde
der heile unt der wunde
minneclîch gegrüeʒet.
Wolfram Willeh. 227, 24;
nhd. ein jeder sein gebrechen hat.
niemandt ist allenthalben heil,
denn ich hab auch ein sondern feil (fehler).
B. Waldis Esop 4, 74, 23;
ist gleich mein ganzes fleisch nicht heil,
verschmachtet schon die seele mir.
Opitz psalmen s. 141;
heute, da wir alle bluten,
Mina, bliebst du unberührt.
ganz und heil ist uns der retter.
Uhland ged. 291;
ja bringst du ans licht die ersehnte, die frucht, gradbeinig, mit heilen gelenken.
Prutz polit. wochenstube (1847) 45,
auch freier:
und fing sie vollends an zu ihrer zitter zu singen,
dann war es sogar für einen stoiker hart,
sein herz ganz heil davon zu bringen.
Wieland 5, 135 (n. Amad. 17, 9).
diesem sinne von heil schlieszen sich die gangbaren formeln an mit heiler haut davon kommen, aus heiler haut sterben, s. beispiele unter haut sp. 702; mit heiler haut davon kam. Münchh. 31; auch aus heiler haut einen schaden bekommen; der lahme Paul meldete, Greif habe in heiler haut eine lahme pfote bekommen. Siegfr. v. Lindenb. 2, 176. In demselben sinne bildete heil ferner von den ältesten zeiten her eine wunsch- und gruszformel; vergl. über das goth. haiis beim zubringen eines bechers Grimm gesch. d. deutschen sprache 454; hails þiudan Judaie! Marc. 15, 18; ahd. heil wis thu, gebonô follu (have gratia plena)! Tatian 3, 2; weitere ags., altn., ahd. und mhd. beispiele s. gramm. 4, 298, mhd. wb. 1, 650ᵃ; später ausgestorben und jetzt durch das subst. heil ersetzt.
2)
heil bedeutet weiter geheilt, hergestellt von leibesschäden: fand then scalc, thie thâr sioh was, heilan (invenit servum, qui languerat, sanum). Tatian 47, 9;
mînes herzen tiefiu wunde
die muoʒ iemer offen stên, sin werde heil von Hiltegunde.
Walther 74, 18;
nhd. fast immer nur in praedicativer stellung und in festen formeln, heil sein, heil werden, heil machen: so ist der grind heil. 3 Mos. 13, 37; der herr wird dich schlahen mit drüsen Egypti, mit feigwarzen, mit grind und kretz, das du nicht kanst heil werden. 5 Mos. 28, 27; da das ganze volk beschnitten war, blieben sie an irem ort im lager, bis sie heil worden. Josua 5, 8; wir hoffeten, wir solten heil werden, aber sihe, so ist mehr schadens da. Jer. 14, 19; heile mich herr, so werde ich heil. 17, 14; es ist umb sonst, das du viel erzneiest, du wirst doch nicht heil. 46, 11; nemet auch salben zu iren wunden, ob sie vieleicht möcht heil werden. 51, 8; durch welches wunden ir seid heil worden. 1 Petr. 2, 24; seine tödtliche wunde ward heil. offenb. 13, 3; als nun Galmy der ritter von seiner empfangenen wunde ganz heil worden war. Galmy 176; mit solchem wasser wasche man den schaden, davon wird der schaden heil. Tabernaem. 828; er zeigt uns das ächte gut und macht die herzen heil. Wieland 31, 403;
blift dat oge denne wech, und werde gi hêl,
so isset ju doch ein grôt vordêl,
gi dorven men ein venster tosluten.
Rein. Fuchs 6437;
kein besser kraut für diesen feil,
denn das man mit gedult mach heil.
B. Waldis Esop 1, 6, 50;
wär mein herz heil und trügest du das wunde!
Freiligrath ges. dichtungen 6, 203.
nicht blosz rücksichtlich der leibesschäden, auch in bezug auf innere krankheiten wird heil gebraucht: eben wollt ich dir schreiben und dich wo möglich um gute nachricht bitten, ich habe keine frohe stunde, bis du wieder heil bist. Göthe an frau v. Stein 2, 73. — Früher noch freier, heil machen retten aus einer gefahr: und her sach einen grôʒin wint, her vorchte sich und dô her begunde zuͦ sinken, dô rûfte her und sprach: herre, mache mich heil! Behaims evang.-buch, Matth. 14, 30.
3)
heil übertragen, rücksichtlich des erlösens der seele von der sünde: oba iʒ arloubit sî in sambaʒtag wola tuon oda ubilo, sêla heila tuon oda furliosan (animam salvam facere an perdere)? Tatian 69, 4; her sal heil machen sîn volk von iren sünden. Behaims evang.-buch, Matth. 1, 21;
wilst du nun, dasz er hand anleg
auf dasz du ewig hail mögst werden.
Rompler v. Löwenhalt 40.
4)
steht in den bisher aufgeführten beispielen heil nur von personen und gliedern des leibes, so wird zumal im niederdeutschen sprachgebiete das adjectiv auch von gegenständen verwendet, im sinne von ganz, vollständig, unzerrissen; schon in alter zeit: alts.
that fêha lakan tebrast
an middion an twê, that êr managan dag
an themo wîhe innan wundron gistriunid
hêl hangôda.
Heliand 5669;
mnd. dat (holz) blêf nicht al hêl:
men hôw dâr af dat drudde dêl.
v. d. holte des hilligen cruzes 729 Schröder;
de des middages upsteit, de en slept nicht den helen dach, non stertit totam, media qui luce resurgit. Tunnicius 418 Hoffm.; eine nyneghe (keine einzige) heile mark geldes. d. städtechron. 6, 142, 20; volksmäszig in niederdeutschen gegenden ist er hat kein heiles hemd auf dem leibe; auch auf dem Westerwalde: de hâle tag, de ganze hâle tag Schmidt westerw. idiot. 71; dett gras steht noch hâl (ist noch nicht geschnitten). das.; rheinfränkisch:
frau Holla trickt op ihrer bahn,
klemmt op den wagen met bären bespannt
un fährt wick (weit) dur dat hêle lând.
W. v. Waldbrühl rhingscher klaaf (1869) s. 143.
hiernach nehmen schriftsteller nördlicher heimat heil in die schriftsprache auf:
wie schiffe sanken, weil ihr bord
zuflucht gewährte einem schlechten:
so weht das meine heil zum port,
dir zu gefallen, der gerechten!
Freiligrath glaubensbek. 225.
formelhaft verbindet sich half und hêl, so im sprichworte dat is nich half nich hêl, ganz und gar nichts; tautologisch steht hêl und all, hêl und ganz: heel un all, ganz und gar Schütze 2, 121;
se tugeden over Reinken hêl unde ganz
schuldich to wesen in der missedât.
Rein. fuchs 1814.
heil in adverbialer stellung heiszt ganz, völlig, und war in diesem sinne und in niederdeutscher form im 16. jahrh. am meisten aus einem trinkliede bekannt:
es flog ein vögelein über den Rhein,
hel ut, hel ut, hel ut!
ein gleslein mit külem wein,
es musz getrunken sein!
Gödeke u. Tittmann liederb. 133 8;
danach bei Fischart: nun ist bibendum, nun pede libero zu träppelen tellus, und zu läppelen häl us. Garg. 95ᵇ; vergl.
so fangen se an, ere dröge kele to salven
und supen herüm bi helen und bi halven.
Lauremberg 4, 308 Lappenb.
doch erstreckt sich der adverbiale gebrauch von heil auch noch auf mitteldeutsche gegenden, Düringen, Hessen, Franken, wo es vornehmlich zur verstärkung von adjectiven dient, vgl. unten heilfroh; in Hessen heillang: den ganzen heillangen tag hindurch. Vilmar 159; in Franken heilwohl zufrieden. Fromm. 2, 267;
heil gut, heil gut, laszt uns nun gehn,
dasz wir jetzt nicht die schanz versehn.
Wittel Zelotypia (1571) G 6ᵃ.
hierher fällt auch das alte mord- und rettungsgeschrei heil alle! mit starker ellipse = alle ganz und gar (mögen zu hilfe kommen), vergl. Grimm rechtsalt. 877.
heil n.
Fundstelle: Lfg. 4 (1871), Bd. IV,II (1877), Sp. 817, Z. 38
salus. ahd. mhd. heil, in verschiedenem sinne.
1)
nach dem adj. heil 1 u. 2, gesundheit, namentlich befreiung, genesung von krankheit:
heil erfolgte durch die wunde,
krankheit diente zum gesunde.
Logau 1, 73, 96;
den arzt der jede pflanze nennt,
die wurzeln bis ins tiefste kennt,
dem kranken heil, dem wunden lindrung schafft,
umarm ich hier in geist- und körperkraft.
Göthe 41, 128;
dem widerspenstigen kranken die mittel seines heils aufdringen. Gotter 3, 74.
2)
vielfach ist die vorige bedeutung zu dem allgemeinen begriffe wolfahrt, wolergehen, wolbefinden in bezug auf körperliche verhältnisse nicht nur, sondern auch in bezug auf vermögen, stand, sociale stellung u. ähnl. erweitert worden: heil, gsundheit, salus, nutz, wolstand. Maaler 215ᵈ; an seinem heil und wolstand verzagen, desperare salutem. das.; die ding wüssen ist der jünglingen nutz und heil, nosse omnia haec salus est adolescentulis. das.; seines heils kein rechnung nit haben, sein heil versaumen und übersähen oder übergäben, sein heil in die schanz schlahen, deserere salutem. das.; du hast solch gros heil gegeben, durch die hand deines knechts. richter 15, 18; es sol auf diesen tag niemand sterben, denn der herr hat heute heil gegeben in Israel. 1 Sam. 11, 13; gott ist mein hort, auf den ich trawe, mein schilt und horn meines heils. 2 Sam. 22, 3; durch in gab der herr heil in Syrien. 2 kön. 5, 1; der seinem könige gros heil beweiset und wolthut seinem gesalbten. ps. 18, 51; prediget einen tag am andern sein heil (das heil das von ihm, gott, ausgeht). 96, 2; die erde thue sich auf, und bringe heil. Jes. 45, 8; bis das ire gerechtigkeit aufgehe wie ein glanz, und ir heil entbrenne wie eine fackel. 62, 1; die furcht des herrn .. gibt reichen frieden und heil. Sir. 1, 23; welche die ehre gottes, und desz gemeinen nutzen heil befürderen werden. Schuppius 726; das heil des staates, worunter man nicht das wohl der staatsbürger und ihre glückseligkeit verstehen musz .., sondern den zustand der grösten übereinstimmung der verfassung mit rechtsprincipien. Kant 5, 151;
da war es hohe zeit sich an das land zu machen,
da saht für euer heil ihr recht den himmel wachen.
Fleming 169, 106 Lappenberg;
der fürs gemeine heil zu sorgen war gebohren.
Lohenstein hyacinthen s. 53;
sie (die liebe) wacht für unser heil, sie lindert unsern kummer.
Haller schweiz. ged. (1768) s. 134;
das wort, das unsern bund geschürzet,
das heil, das uns kein teufel raubt
und kein tyrannentrug uns kürzet,
das sei gehalten und geglaubt!
Arndt ged. (1840) 302;
alles heil soll dich umschweben.
A. W. Schlegel 1, 32;
die mutter starb dir frühe;
man sah an dem verlust,
dasz dir kein heil erblühe
von einer irdschen brust.
Uhland ged. 42;
in solchem angedenken
des landes heil erneun.
96.
sprichwörtlich: der wölfe tod ist der schaafe heil. Pistorius thes. par. 8, no. 30. heil in dieser allgemeinen bedeutung berührt sich begrifflich mit glück, und diese berührung wird sowol durch die tautologischen verbindungen glück und heil, heil und segen, als durch die weiter folgenden formeln hervorgehoben.
a)
verbindungen von glück und heil: zeit hat glück und heil. Schottel 1128ᵃ; ahd. hêl unde sâlda, bona fortuna Graff 4, 864;
lieʒ er sich volleclîche bî der mâʒe wern,
sô möht ime gelücke heil und sælde und êre ûf rîsen.
Walther 29, 31;
ich wünsch dem reich gelück und alles hail.
Uhland volksl. 426;
heil und segen:
drum rufen wir zum meister der welt,
er wolle von dem himmelszelt
nur heil und segen gieszen aus
hier über dieses offne haus.
Uhland ged. 62;
heil und wolfahrt:
der allerhöchste gott, der woll euch langes leben
in glück und unglück heil und alle wolfahrt geben!
Fleming 158, 18 Lappenberg.
b)
heil wünschen:
si wunschten im alle heiles nâch.
Wigalois 51, 20;
und got vüege iu heil und êre,
gesehe ich iuch nimmer mêre.
Iwein 1991;
wir jüden, ewre brüder, so zu Jerusalem .. sind, wündschen euch jüden, unsern brüdern, so in Egypten sind, glück und heil. 2 Macc. 1, 1;
gott geb euch heil und frieden.
Bürger 52ᵃ.
daher als zuruf, glückwunsch, heil! heil dir! heil sei dir!:
wie oft hat dich dein vatterland,
wan du von meinen groszen printzen
in vil ferr-ligende provintzen
lobwürdig warest auszgesant,
zumahl voll trawrigkeit und fraid
mit heil, glückwünschung, grusz geehret!
Weckherlin 382.
seit dem 18. jahrh. sehr gebräuchlich geworden:
heil sei dir! denn du hast mein leben,
die seele mir gerettet; du!
Gellert 2, 230;
heil dir, mein theurer freund!
Klopstock 1, 50;
heil dir, Macbeth!   heil dir, than von Glamis!
Schiller Macbeth 1, 5;
all hail, Macbeth! hail to thee, thane of Glamis!;
heil dir, o jungfrau,
liebliche herrscherin!
br. v. Messina (499ᵃ);
dreifaches heil dir!
das.;
heil ihnen über diese frage! rief der abbé. Göthe 20, 127;
heil fester stein vom festen steine!
heil stolzer freier deutscher mann!
Arndt ged. (1840) 287;
da rief der könig frohgemuth:
heil Milon von Anglante!
Uhland ged. 346.
aber auch schon im frühen mhd. bekannt:
heil dir, sprah er, sune mîn!
mih dunkit, dû salt kuninc sîn.
Lamprechts Alexander 398.
turnerischer grusz ist gut heil! wie gutes glück! guter erfolg!; mhd.
giuʒ ûf den stein, der da stê,
dâ mite (mit einem becken) des brunnen ein teil:
zwâre, sô hâstû guot heil,
gescheidestû mit êren dan.
Iwein 596;
nd. he rêp: gût heil, eddel vogel!
Reinecke fuchs 943.
c)
sein heil versuchen: an dem hof waren vill hüpscher frauen und junkfrauen, lust zu solichem ritterspill gebent, den sich Wilwold genau tet, sein hail versuecht, dasz die ab ime gefallen truegen und er lieb von in gehalten werden möcht. Wilw. v. Schaumburg 33; der erst und mannlichst held, so mir heut zu gesicht kommet, mit dem wil ich mein heil versuchen. Galmy 67; dasz wir beide unser heil gegen einander versuchen. 148; sein heil versuchen, vulg. versuchen was man ausrichten könne, tentare, quid valeant humeri, an velit procedere, omnem lapidem movere. Frisch 1, 435ᵇ;
wir, die wir unser heil noch ferner mit euch wagen,
was traf auch uns vor angst!
Fleming 168, 61 Lappenb.
d)
zum heile ausschlagen: diese that ist ihm nicht zum heile ausgeschlagen; mhd.
als in ir dinc ze heile sluoc,
so bejagten si vil kûme daʒ brôt.
Wigalois 137, 34.
e)
mit heil, mit glück, mit erfolg:
kain arzt purgiert so gar mit hail,
er nimpt desz guͦten auch ain thail.
Schwarzenberg 137ᵃ;
wann fällt ein mensch inn diefe höll,
den man mit stricken ziehen söll
er halt dann fast dasselbig sail,
sünst häbt der öber nit mit hail.
155ᶜ.
mit heil, mit ellipse eines verbums, etwa geschehen, wird wie franz. à la bonne heure gebraucht: wilt du mich zalen, mit heil! wo nit, will ich mich den nächsten zuͦ meins gnädigen fürsten und herren von München secretarien verfügen, der selbig wirt mir wol weg und steg anzeigen, da mit ich zalt werd. Uhland volksl. 621; wilt du gutwillig ausz meinem palast gehen, mit heil, wo nicht, so lug dasz du sicher handelest, dasz du nicht mit unwillen weichen müssest. buch d. liebe 215ᵃ. Die vorstellung des künftigen glücks und erfolgs, die heil in diesen formeln innewohnt, läszt im mhd. ûf ein heil geradezu die bedeutung aufs geratewol annehmen:
der besten Kûren bleib ein teil
mit den bruodern ûf ein heil.
livländ. chron. 2416.
3)
auch in anderer weise verallgemeinert sich der begriff 1, heil heiszt rettung aus irgend welcher gefahr oder not: denn im menschen ist kein heil, sagt der 146. psalm. aber mein sieg und heil ist der herr, der hilft und kan helfen. heil sol man hie verstehen, sieg oder hülfe, das uns gott leszt, in seinem namen und wort, endlich den sieg behalten, und hilft uns, das wir obligen. Luther 5, 58ᵃ, herr, ich warte auf dein heil. 1 Mos. 49, 18; sehet zu, was fur ein heil der herr heute an euch thun wird, denn diese Egypter, die ir heute sehet, werdet ir nimmermehr sehen ewiglich. 2 Mos. 14, 13; solt Jonathan sterben der ein solch heil in Israel gethan hat? 2 Sam. 14, 45;
zum bühle da rettet euch! harret derweil!
gleich kehr ich zurück, uns allen ist heil.
Göthe 2, 38;
G. entferne dich
aus meiner enge reingezognem kreis.
H. den eben such ich auf! da dring ich hin!
dort hoff ich heil! du wirst mich nicht verstoszen.
9, 331.
4)
heil, freisein oder erlösung der seele vom zustande der sünde (vgl. das adj. heil no. 3): mhd. daʒ êwige heil. Ködiz 56, 2; nhd. heute ist diesem hause heil widerfaren, sintemal er (Zacchäus) auch Abrahams son ist. denn des menschen son ist komen zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. Luc. 19, 10; jene frommen seelen, die das heil den völkern zu bringen sich durch alle welttheile zerstreuen. Göthe 23, 124;
valschen samen hat er gesät,
der selen hail ganz hin gewät.
Uhland volksl. 426;
die predig seines heils.
Weckherlin 97;
dein heil, o christ, nicht zu verscherzen,
sei wach und nüchtern zum gebet!
Gellert 2, 98;
bedenke, dasz diesz wort das heil der ganzen welt,
den rath der seligkeit, den geist aus gott enthält.
192;
er (gott) reinigt dich wie gold im feuer,
macht dir das heil der seele theuer.
217;
mich, spricht er, der mit solchem ernst und fleisze
sein (eigenes) heil geschafft.
Wieland 18, 78;
euch will ich meine letzte beichte thun,
und euer mund soll mir das heil verkünden.
Schiller M. Stuart 5, 7;
denn Jesus Christus ist geboren,
es scheint das lichte heil gewis.
Arndt ged. (1840) 585.
mit dem ungewöhnlichen plur. heile:
sehr bin ich begnadiget worden, habe der heile
gottes viel empfangen und danke weinend dem geber.
Klopstock 6, 194 (Mess. 19, 582).
5)
eine gewisse personification von heil tritt hervor, wenn der wolfahrt, rettung bringende so bezeichnet wird. nicht häufig im weltlichen sinne; als anrede an die geliebte:
zart höchstes hail, beweiszt euch milt!
Hätzlerin 190ᵃ, 154;
aber im geistlichen sinne, von gott und Christus, gewöhnlich: dar umme sprach her Symêôn: herre, lâʒ dînen kneht in vride, wanne mîne ougen haben gesehen dîn heil. daʒ bedûtit: herre, lâʒ mich sterben .. und lâʒ mich kunden .. daʒ ich in mînen armen hân gehabit der si erlôsen sal. d. myst. 1, 80, 18; er (gott) wird ja mein heil sein. Hiob 13, 16; thu nicht von mir die hand ab, gott mein heil. ps. 27, 9; erhöre uns nach der wünderlichen gerechtigkeit, gott unser heil. 65, 6; der du unser heil und siegman bist. Luther 6, 130ᵃ;
das er (Christus) sei das leben,
und heil in not und sterben.
8, 359ᵃ;
er sprach zu seinem lieben son,
die zeit ist hie zurbarmen,
far hin meins herzen werde kron,
und sei das heil dem armen.
366ᵇ;
herr Jesus Christ der heiland
ist unser heil und trost.
Uhland volksl. 840;
Jesus Christ,
der unser heil und fürsprech ist.
'wenn wir in höchsten nöten sein' v. 4;
mein herr und heil.
Weckherlin 78;
ich lege mich,
mein heil, auf dich,
und ruh in deinen wunden.
A. Gryphius 1698 2, 277;
da sandte gott von seinem thron
das heil der welt, dich seinen sohn.
Gellert 2, 154;
du, unser heil und höchstes gut,
vereinest dich mit fleisch und blut.
155;
heil und leben,
lehr mich schweben
durch das grauen zweifeln beben
deinem frommen vater zu.
Arndt ged. (1840) 557.
6)
pflanzennamen.
a)
heil aller schäden, gentiana cruciata, kreuzwurz; auch viscum album, mistel; ferner veronica officinalis, grundheil, und achillea millefolium, schafgarbe. vgl. heil allen schaden unter heilen.
b)
heil aller welt, veronica officinalis, grundheil; agrimonia, odermennig; anagallis arvensis, gauchheil; geum urbanum, nelkenkraut.
c)
heil aller wunden, sedum telephium, fette henne.
d)
heil über alles, senecio saracenicus, heidnisches wundkraut. Nemnich.
Zitationshilfe
„heil“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/heil>, abgerufen am 19.10.2019.

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