hernach adv
Fundstelle: Lfg. 5 (1872), Bd. IV,II (1877), Sp. 1115, Z. 31
post. ahd. hera nâh, hara nâh, neben hernac post. Haupts zeitschr. 5, 208ᵃ; mhd. her nâch. ursprünglich bezeichnet das wort eine folge nach reihe oder zeit, die sich nach einem sprechenden her erstrecht, es ist im mhd. und im nhd. des 16. jh. gegensätzlich zu hinnach, s. d.; doch wird schon zu dieser zeit die bedeutung des ersten compositionstheiles sehr abgeblaszt und drückt kaum noch mehr als eine allgemeine beziehung zum sprechenden aus; hernach bezeichnet nicht mehr wie danach, mit dem es vertauscht werden kann. synonymiker wollen einen unterschied im sinne von hernach und nachher feststellen; beide worte unterscheiden sich thatsächlich sowenig wie heran und anher, heraus und ausher, herab und abher; gewisse zeiten bevorzugen die eine oder die andere form. so ist in bezug auf hernach und nachher erstere form von jeher und bis zum 18. jahrh. die in der edlern sprache gebräuchliche gewesen, Luther verwendet in der bibelübersetzung kein nachher, nur hernach, und noch Adelung (1798 3, 375) bemerht wie nachher für hernach in der vertraulichen sprechart stehe; seit anfang des 19. jahrh. hat sich dieses verhältnis geradezu umgekehrt; auszerdem ist die anwendung von nachher in so fern zurückgegangen, als es selten in der bedeutung von hernach 1 verwendet wird. hernach steht
1)
nach der localen bedeutung von nach, um eine folge, reihenfolge, ordnung zu bezeichnen, im sinne unseres danach, hinterdrein: unz hara ist diu chlaga des inwertigen leides, hara nâh folget diu chlaga des ûʒwertigen leides. Notker ps. 37 (Hattemer 2, 133ᵇ); freuuent ir iuch daʒ iʒ sus kevaren ist, so hara nâh stât. ps. 113 (2, 408ᵇ); sullen sye dan erwyllen (auswählen) ein ander faysz (fasz) under der herren wyne, .. usz deme sullen sye drinken, also ville sye moegen, mit condicion und penen ernageschriben. weisth. 2, 465 (Untermosel, von 1516); und stellet die megde mit iren kindern forne an, und Lea mit iren kindern hernach, und Rahel mit Joseph zu letzt. 1 Mos. 33, 2; Jacob .. sendet geschenk seinem herrn Esau, und zeucht hinder uns hernach. 32, 18; die forne vor giengen, und die hernach folgeten. Marc. 11, 9; wir wollen gerne leiden, das du schwach seiest und kündest nicht hernach, aber das du nicht hernach wilt, sollen wir nicht leiden. Luther 2, 462ᵃ; obwohl der alte Adam hie zu schwer ist und nicht hernach will. br. 4, 687; darauf stig Kammkeib von seim gaul, klettert auf den baum, faszt mit der einen hand den mönch bei dem halszkragen, hub ihn auf: und mit der andern arbeitet er ihm das visier ausz dem asthacken, und liesz ihn also hinab fallen, und ful er hernach, beide auf die füsz wie die katzen. Garg. 252ᵇ; mit befelch, so bald die thür auf gienge, solten sie hernach trucken und in gefenklich annemmen. Wickram rollw. 41, 18 Kurz; das andere gesindlein ist gemach hernach gezogen. Schweinichen 1, 84; wenn in verbündnussen der fürnembsten einer noth leidet, müssen die geringere hernach. Lehmann flor. 1, 128; was solte nun der gute junker thun? er muste halt hernach. Simpl. 3, 292 Kurz; ich gieng hernach mit herzlichem mitleiden. 356; ich aber folgte ihr allgemach schleichend hernach. 4, 38; sie sol geschwind zum könig gehen, und wann sie noch mit dem könig rede, wolle er hernach geschlichen kommen. Schuppius 12; desz andern tages kam sein vater hernach. 29; wann ein soldat und kriegsfürst in einem lande einen fusz hat stehen, so wil er gerne den andern hernach ziehen. 92; sammete küssen haben wir hier nicht. ihr werdet zwar an euer köstliches bett denken. allein euer kutscher und kammerdiener haben vielleicht vergessen, es euch hernach zu bringen. 322; man kompt zum loch, der fuchs fährt ein, die schlange hernach. 836;
mein sun, der auch do trit hernach.
fastn. sp. 67, 9;
neben und hernach kam gegangen
der hofediener grosze schaar.
froschmäuseler D 1ᵃ (b. 1, cap. 2);
als eine schnelle bach,
die alles, was sie rührt, zeucht hinter sich hernach.
Opitz 1, 11.
als aufforderung, ohne begleitendes verb:
wolauf, gut gesell, was hör ich do?
mich dünkt es sei ein hirsch gar noh,
wuff, wuff,
hernach, ir lieben hund!
Gödeke u. Tittmann liederb. 108, 12.
2)
nach der temporalen bedeutung von nach, um eine zeitfolge auszudrücken, im sinne von nachher, später, oder hierauf:
ê stuont die kristenheit mit zühten schône:
der ist ein gift nû gevallen,
ir honec ist worden zeiner gallen.
daʒ wirt der werlt her nâch vil leit.
Walther 25, 19;
er sante im in daʒ herze sîn
des heilegen geistes güete
sô gar, daʒ sîn gemüete
beleip in reiner stætekeit,
als iu wirt her nâch geseit.
Barl. 28, 20;
nu müeʒe got erbarmen   daʒ ich ie gewan den suon,
dem man itewîʒen   sol daʒ her nâch tuon
daʒ sîne mâge ieman   mortlîch hânt erslagen.
Nib. 936, 2;
waʒ ich tuͦ, des enweistu nuͦ niht: du salt iʒ aber her nâch wiʒʒen. Behaims evang.-buch, Joh. 13, 7; das sie verstünden, was inen hernach begegen wird. 5 Mos. 32, 29; lasset uns mit unserm herzen drauf achten, und merken, wie es hernach gehen sol. Jes. 41, 22; hernach ist Alexander gestorben, als er regiert hatte zwelf jar. 1 Macc. 1, 8; und wird hernach mit dem selbigen menschen erger, denn vorhin. Luc. 11, 26; etlicher menschen sünde sind offenbar, das man sie vorhin richten kan. etlicher aber werden hernach offenbar. 1 Tim. 5, 24; wie einer .. sein herz herauszer zöge, und hernach in das meer würfe. Amadis 23; es ist glaublich, dasz er sie geehlicht habe, weil hernach sein sohn Adonia sie nicht konte zum weib nehmen. Schuppius 12; hörete ihn folgendes lied singen, welches ich hernach auch gelernet. Simpl. 1, 28 Kurz; ist auch in solchem vorsatz bisz an das ende verharret, .. welcher gestalt aber, folget hernach (wird hierauf beschrieben). 1, 44; lasz mich allein reden bis ich fertig bin; hernach wollen wir sehen, was für schlüsse wir darüber zu machen haben. Wieland 11, 190;
man spricht das pest kum selten hernach.
fastn. sp. 535, 31 (sprichwörtlich auch bei Schottel 1114ᵃ);
so wol hab ihn geschmecket nicht,
was er sonsten sein lebenlang
zuvor und hernach asz und trank.
froschm. C 7ᵃ (b. 1, cap. 2);
ich sah hernach
die weisze pracht von einer schneeblum an.
Brockes 2, 19.
die zeitfolge wird durch ein adverb oder durch praepositionen und casus genauer bestimmt: uber etliche zeit hernach, stritten die kinder Ammon mit Israel. richter 11, 4; hernach zur zeit des königs Juda Joiakim. Jer. 1, 3; und weil sie lebete, und dazu lang hernach, thurste niemand Israel uberziehen. Judith 16, 30; die ander nacht hernach. 4 Esra 10, 60; nam des Apollonii schwert, das füret er hernach sein leben lang. 1 Macc. 3, 12; nicht lang hernach kam Tryphon widerumb. 11, 54; es begab sich aber den tag hernach. Luc. 9, 37; durchs gesetz, ... welches gegeben ist uber vierhundert und dreiszig jar hernach. Gal. 3, 17; desz andern tags hernach wolt sich der könig auf den weg begeben. Amadis 41; bald hernach erfuhr ich die herkunft der menschen in diese welt. Simpl. 1, 20 Kurz; (ein dieb welcher) gefangen und über etliche tage hernach samt seinen camerad aufgeknüpfet ward. 90; uber wenig viertelstunden hernach. 3, 351;
worauf ich bald hernach ...
ein nicht unangenehm gewäsche
geschwätziger und froher frösche
mit ungemeinen freuden hörte.
Brockes 2, 61;
so wird nicht lang hernach ein grünliches gewand
darüber (über das umgegrabne land) gleichsam hergeleget.
65.
hernach in substantiver verwendung: mit leisem gewicht und gegengewicht wägt sich die natur hin und her, und so entsteht ein hüben und drüben, ein oben und unten, ein zuvor und hernach. Göthe 52, xi.
3)
praepositionaler gebrauch von hernach, wie im mhd.
ir werdet wol versüenet   her nâch disen tagen.
Nib. 838, 1,
auch später noch:
in welcher stadt hernach drei jahr
auch ein gemeine mustrung war.
Opel u. Cohn 40, 10.
Zitationshilfe
„hernach“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hernach>, abgerufen am 21.11.2019.

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