herz adj
Fundstelle: Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1223, Z. 54
in der bedeutung traut, lieb, wert, fehlt noch im mhd. (ein dort erscheinendes herze in barm-herze, geherze darf nicht verglichen werden); es scheint sich erst seit dem 16. jahrh., entweder nach compositen wie herzgeliebter, herzgeselle u. ähnl. oder aus kürzung von herzt, herzet (s. d. unten) gebildet zu haben, und ist vorzugsweise im 17. jahrhundert gern angewendet: je herze frau gevatterin. frau Schlampampe leben 74; ihr herze schwestern. 82;
aus herzer trew und lieb.
C. Barth teutscher Phönix (1626) 30;
so soll dein herzer nam an allen wänden stehn.
Fleming 43, 43 Lappenberg;
geht, geht, ihr herze herzen.
66, 309;
so ofte herze mich
mein herzes herz und geb hinfort mir neue kräfte.
68, 388;
drum, herzes herze, bitt ich dich,
du wollest diesz mein herz und mich
warm, weich und sauber machen.
P. Gerhard 21, 3;
wenn nun du herzes kind, wilst gerne mit mir reden.
Schelmuffsky 1, 82;
so ein traum, so ein traum, mein herzer herr,
so träum'n ist nimmer gut.
Herder z. litt. 8, 17 (schottisches mährchen).
herz n
Fundstelle: Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1207, Z. 1
cor.
A.
Die form. goth. haírtô; alts. herta; ags. heorte, hiorte, engl. heart; niederl. herte, hert, hart; altfries. hirte; altnordisch hiarta, schwed. hjerta, dän. hjerte; althochd. herza, mhd. herze. urverwandt entspricht litt. szirdìs, lat. cor cordis, griech. καρδία herz; wahrscheinlich hängt die grundbedeutung des wortes mit sanskr. kûrd springen, griech. κραδάω, κραδαίνω, schwingen, wanken, zittern zusammen. Hervorzuheben ist die neigung des wortes, neben den gewöhnlichen schwachen casusformen auch starke zu entwickeln, eine neigung, die bereits für die althochdeutsche zeit in dem acc. plur. herza und herzi neben herzun, herzen, sowie in dem gen. plur. herzô neben herzonô (Graff 4, 1045) hervorscheint, und für die innerhalb des bairischen sprachgebietes Weinhold (bair. gramm. s. 360) eine anzahl ältere und jüngere beispiele beibringt. ihr verdankt der nom. acc. sing. die kürzung von herze zu herz, bereits bei Luther die gewöhnliche form, wenn auch die form herze daneben bis auf unsere zeiten geht; von dem Joab mit dreien spieszen durchs herze durchrennet und durchstochen worden. Schuppius 159; gab mirs nicht einen stich ans herze! Gellert 3, 243;
du frecher stolzer mann, wann deine gute sachen
nach wundsch und willen gehn, und dir ein herze machen.
Opitz 1, 220;
wems herze schlägt in treuer brust.
Göthe 1, 190;
und wenn mir fast das herze bricht.
192.
auch der dat. sg. findet sich nicht unhäufig in starker form: ein stein fiel mir .. vom herze. Schottel 1112ᵇ; zum bittern andenken dieses ihres zu herz gestiegenen leidwesens. polit. stockf. 319; und von was vor einem herze sind sie (die briefe Gellerts) die beweise! Lessing 3, 159; sie hatten sich den feindlichen dolch nur von dem herze entwehret. 6, 321; dem herze einer mutter ahnet immer das schlimmste. 7, 182; er fühlte sich von unzähligen polypenarmen ergriffen und zugleich mit ihnen verschlungen und doch fortrinnend im unendlichen herz. J. Paul Titan 2, 220;
dank ihm (gott) für die frühlingsfreuden,
die er diesem herze wieder gibt.
Denis lieder Sineds 248;
selten ist ein plur. herzer (wie bänder, lämmer): derhalben sagten inen ire aigen herzer, das es nit wol umb iren brueder steen wurde. Zimm. chron. 1, 401, 11; durch unnutze, aigensinnige und untrewe herzer. 2, 532, 5. mischung starker und schwacher declinationsform zeigt der gen. sg. herzens, im 15. jahrh. erscheinend: liesz alle sach beschehen, kleins herzens. deutsche städtechron. 3, 169, 17; im 16. jahrh. durchgedrungen, doch so, dasz die ältere echte form herzen nicht ganz ausstirbt: nun weiszt du mich des herzen gegen dir, dasz mich dein glück nit wenig frewet. Galmy 157; nach dem glauben des herzen. Luther 4, 141; in meines herzen schrein. Schuppius 194; welche reines herzen sind. 426; betrübtes herzen und bekümmerten gemühtes. Rist Parn., vorbericht b 4ᵇ;
o du meines herzen tag.
Weckherlin 158;
des herzen triebe reichen
wie blumen auf zu dir.
Rückert ges. ged. 1, 306;
hell vom bunten scheine
flimmt des herzen nacht.
310;
in des herzen mitte.
das. (noch öfter, z. b. s. 356. 418. 420. 473);
vergl. auch bei den unten folgenden genitivischen compositen den wechsel von herzen- und herzens-. daneben ist der starke gen. herzes wenigstens nicht ganz ungebräuchlich:
und darum schäz ich mir für trefflichen gewin,
dasz ich auch teütscher art und teütsches herzes bin.
Rompler 5.
B.
Bedeutung.
I.
herz, in eigentlichem sinne, an menschen und thieren.
1)
rein körperlich genommen. von den vielen fällen, in denen das wort in solchem sinne erscheint, verdienen folgende besonders namhaft gemacht zu werden.
a)
die verwundung ins herz ist eine tödtliche: Jehu fasset den bogen und schos Joram zwisschen den armen, das der pfeil durch sein herz ausfur. 2 kön. 9, 24; Pilatus hat sich an dem herrn Christo vergriffen, darüber er endlich mit leib und seel zum teufel gefahren, indem er ihm selbst mit einem kalten eisen zum herzen geräumet. Creidius 2, 362;
wankt an die frische gruft, den dolch
dem herzen zugekehrt.
Hölty 18 Halm;
verzweiflung zückte diesen dolch, er hat
das herz gefunden, das er spalten soll.
Schiller Turandot 5, 2;
es haben die neun wol angelegt;
acht kugeln haben vorbeigefegt.
sie zitterten alle vor jammer und schmerz —
ich aber, ich traf ihn mitten ins herz.
Chamisso ged. 149.
b)
kinder werden von der mutter unter dem herzen getragen: du mein liebes kind, das ich neun monden unter meinem herzen getragen. 2 Macc. 7, 28; mütter, die solche leibesfrüchte durch gottes segen unter irem herzen getragen und zur welt geboren haben. F. Roth hausmütter abc J 7ᵃ; zwei knaben von entgegengesetztem sinne balgen sich schon unter dem herzen der mutter. Göthe 24, 217; ich habe sie im schoosz unter dem eigenen herzen getragen, das ihrer ankunft entgegen schlug. Stifter studien 5, 42;
wir tragen die kinder
unter dem herzen, und so tragen die treue wir auch.
Göthe 1, 268;
daher auch von einer schwangeren:
und wolt ihr meine noht mit wenig worten wissen,
so schreib ich nichts als dies, zwei herzen seind in mir.
polit. stockf. 357.
neugeborene winden sich vom herzen der mutter:
selig preis ich Rosalinden,
die sich ihrer mutter
leicht vom herzen wand,
als der may regierte.
Ramler 2, 6.
sprichwörtlich: nun befinde ich, dasz es wahr sei, wie man spricht: kinder kommen von herzen und gehen wieder zu herzen. H. Jul. v. Braunschw. 124; meine selige frau sagte: kinder kommen von herzen und gehen widrum zu herzen. interim 175;
die armen kind! solls mich nicht schmerzen?
sie kommen von und gehn zu herzen.
Rost epist. d. teufels, bei Ebeling gesch. d. kom. litt. 1, 161.
c)
gemütsbewegungen wirken auf den schlag und den blutlauf des herzens, und dem ruhigen schlägt auch das herz ruhig:
wir saszen ganz verschwiegen
mit innigem vergnügen,
das herz kaum merklich schlug.
Uhland ged. 26.
in der freude hüpft, lacht das herz im leibe:
mîn herze hüpfet mangen sprunc, mir ist vil ungedröuwet.
minnes. 2, 370ᵃ Hagen;
che ich den pfeil auffing, lachte mirs herz in meinem leib an solcher blutvergieszung. Simpl. 2, 104 Kurz; dann es gieng so lustig her, dasz mir das herz im leib lachte. 3, 17; die trompeten, von welchem schall mir das herz im leib aufhupfte. 15; das herz hupfte mir gleichsam vor freuden. 150; ein reizender gegenstand! rief Serlo, das herz hüpft mir, wenn ich sie ansehe. Göthe 19, 169;
lobt man mich weil ich was dummes gemacht,
dann mir das herz im leibe lacht.
3, 175.
es wird weit, erweitert sich:
vom ersten glase war mein blut zu geist geläutert,
die stirn entwölkt, das herz erweitert.
Wieland 17, 190 (Idris 3, 108);
es wird warm, brennt, zittert: es lief mir so warm übers herz, wie ein glas branntwein. Göthe 8, 138;
im leib der groszmutter herz brint,
wenn man nur nent irs kindes kint.
Mathesii oeconomia;
sie sprach: der singet, das ist eine herrliche. lust:
es zittert der thurm und es zittert mein herz in der brust.
Uhland ged. 350.
in der erregung und erwartung schlägt das herz heftig, es puppert, will zerspringen: thatsüchtig schlugen unsere herzen. H. Heine 12, 142; das herz schlug mir bis an den hals. Göthe 8, 194; o, dörfte ich fühlen, welcher das herz puppert. interim 20; ihr hättet lieber etwas gesehen, darvon euch das herz gepoppert. 460; das gäbe eine mariage von küchenkräutern, worüber jeder köchin das herz im leibe poppern würde. Immermann Münchh. 1, 31; vergl. auch klopfen theil 5, 1228 und unten herzklopfen;
nachtigall, ich hör dich singen,
das herz im leib möcht mir zerspringen.
wetterauisches volkslied;
doch sah ich manches auge flammen
und klopfen hört ich manches herz.
Uhland ged. 93;
auch das böse gewissen macht das herz schlagen: und das herz schlug David, nachdem das volk gezelet war, und David sprach zum herrn, ich habe schwerlich gesündigt. 2 Sam. 24, 10. der antheil des herzens bei der empfindung des kummers, ärgers, schreckens, der angst wird in der sprache verschieden geschildert: das herz wird mir bewegt; mein herz zittert, grawen hat mich erschreckt. Jes. 21, 4; zu der zeit, spricht der herr, wird dem könige und den fürsten das herz entfallen, die priester werden verstörzt, und die propheten erschrocken sein. Jer. 4, 9; es wolte mir aber fast auf einmal das herz wieder entfallen, da ich meinen beutel gar dünne gespicket fand. Simpl. 2, 269 Kurz; o sapperment! wie fiel dem Hansz Barthe das herze in die hosen, da er mich nur von ferne kommen sah. Schelmuffsky 2, 78 (vergl. auch unter kniekehle theil 5, 1429); und dennoch fiel mir auch das herz bei jedem schritt etwas tiefer gegen die schuhe hinab. Riehl culturgesch. nov. 371;
nicht hoffnung war, zu siegen, noch zu fliehn;
da sank dem tapfersten das herz.
Schiller jungfr. 1, 9;
mein herz wallet mir in meinem leibe, denn ich bin hoch betrübt. klagel. 1, 20; da sie aber das höreten, giengs inen durchs herze. apostelgesch. 2, 37; welches denen, die mir nichts guts vergönnten, durchs herze drang. Schweinichen 3, 8; da er solches sagte, ging mirs durchs herz. Simpl. 1, 451 Kurz; es ward der alten angst, und gieng ihr ein stich durch das herz. b. d. liebe 211ᵈ; nur dasz mir mit jedem schnittchen, das sie einer unbescheidenen nachbarin ehrenhalber zutheilte, ein stich durchs herz ging. Göthe 16, 33; jedes wort, das sie sprach, ging mir wie ein schwert durchs herz. 107; diese rede schnitt den Memphitern durchs herz. b. d. liebe 207ᵈ; o meine kinder! wie sie nach meinem herzen zielen! Schiller räuber 1, 1; sein herz im leib möchte ihme zerspringen, wann er eine solche betrübte gestalt sehe. Simpl. 1, 160; darüber mir das herz hätte brechen mögen, doch verbarg ich meine affecten. 2, 26; wollt mir vor wehmuth fast das herz brechen. Göthe 8, 77; pfui Tönchen, sagte der könig, dems herz bis in die kehle trat, mach mir das herz nicht schwer und hör auf zu weinen, sonst musz ich auch weinen. ammenmärchen (Weimar 1791) 1, 125; meine liebste, die mir mit ihrer krankheit, von welcher sie niemand noch zur zeit befreien können, das herze im leibe abnagt. medic. maulaffe 742 (vgl. auch abnagen th. 1, 79); derowegen blieb es dabei sie muste Solanden vergessen und nunmehr sich alleine mit solchen gedanken das herze abfressen, wie sie Solandens verhungerten leichnam ohne verdacht aus dem kasten in ein grab bringen wolte. polit. stockf. 166; sie weinte und schluchzte so sehr, als drückte es ihr das herz ab, weil sie ihn verlieren müsse. Stifter studien 5, 64; ach wie warm wird mir um das herz (als folge des ärgers)! wenn ich nur nicht eine blutstürzung kriege! Gellert 3, 255; so oft ich noch jetzt an diesen auftritt denke, wird mir es weich ums herz und ich musz weinen. d. d. Gilblas 62; ach der schrecken schlägt mir zum herzen (er sinkt in ohnmacht). das bärtigte frauenz. 108; das herz zittert mir im leibe. Göthe 8, 23; sein anblick wird mir im herzen weh thun. das.; es thät mir im herzen weh, euch hätt ichs gegönnt. Gotthelf schuldenb. 10; ein blutstropf felt ihm vom herzen, wenn er was gibt. Schottel 1113ᵃ; das herz blutete mir, wie er mich von sich schickte. Göthe 8, 146; jedes (geschick) einzeln wäre schon hinreichend gewesen, das herz zu schwellen und die brust zu beklemmen. 26, 158 (vgl. auch klemmen theil 5, 1141 und beklemmen theil 1, 1423); mein herz würde reiszen. 10, 84; mein herz wirft sich mir im leib herum bei dem gedanken. 85;
ach gott, wie we tut scheiden!
hat mir mein herz verwundt.
Uhland volksl. 128;
vom herzen entfiel mir ein kübl vol bluts.
H. Sachs 3, 3, 5ᶜ;
das herz wil mir versinken.
3, 2, 159ᵃ;
fühlet mein herz in meinem leib,
ob es nicht schier zum mund ausztreibt,
die wort besterben mir im mund.
amantes amentes E 7ᵇ;
es schlägt das herz und hupft verzweiflet.
Rompler 22;
o weh mein herz erkracht
und springt fast aus der brust.
Kongehl Phönizia 16;
meine gefühle verstecken, die mir das herz zerreiszen.
Göthe 40, 270;
mir brennt das herz im busen.
10, 248;
das will mir schier das herz verbrennen.
12, 29;
o nichts mehr! eure worte spalten mir
das herz!
Schiller Turandot 1, 1;
wohl schlägt auch hier ein wundes herz.
Uhland ged. 17.
den höchsten grad von leid und schrecken drückt aber die alte formel das herz erkaltet aus, auf unmittelbar bevorstehenden tod hinweisend:
sîn herze in ime und al sîn lîp
erkalte vor leide
und ouch vor liebe beide.
Trist. 439, 35;
sîn herz gond im erkalden.
Liliencron volksl. 2, 80, 12;
mir ist mein herz so gar erkalt,
das ich iren dot nit mag an gesehen.
Rosenplut bei Keller, fastn. sp. 1142;
da ich die botschaft sach so bald,
ist mir mein herz darob erkalt.
H. Sachs 3, 2, 100ᵈ;
mein herz tut mir erkalten,
so oft den mörder ich an sich,
so get mir durch mein herz ein stich.
67ᶜ;
kommt das unglück zu handen,
mein herz im leib erkalt.
Hoffmann gesellschaftslieder 13;
oh schönes lieb kehr wieder bald,
eh denn mein junges herz erkalt.
66.
ähnlich kann kummer und leid das herz brechen, vgl. die ausführungen theil 2 sp. 343 und die beispiele oben sp. 1209: seine mutter starb am gebrochenen herzen;
was hat sie (die nonne gewordne geliebte) in den händen?
von gold ein becherlein;
er hat kaum auszgetrunken,
springt im sein herz entzwei.
Uhland volksl. 218;
krankheiten aber wie das leid, stoszen, drücken das herz ab (s. unten herzensstosz), aus derselben anschauung heraus gesagt, man glaubte dasz das herz sich aus den bändern (vergl.herzbendel) gewaltsam löse, an denen es hänge: thut denn das herz den letzten knacker, ach so seufze: liebster Jesu, bleib bei mir. Otho 1280; die krankheit würde ihm das herz abgestoszen haben. Frey garteng. 52ᵇ; der soff wird dir endlich das herz abstoszen. interim 74;
wann nun die lezte stund her rucket,
darinn der tod das herz abtrucket.
Rompler 21.
d)
es hängt eng mit den eben aufgezählten redensarten zusammen, wenn kummer, leid, besorgnis, angst aufs herz fällt, tritt, auf dem herzen liegt, ein schweres herz macht: so sehr waren ihnen ihre letzthin erlittenen unglücksfälle aufs herz gefallen. Heilman Thuc. 674; T. haben sie sie (die brieftasche) auch nicht aus der hand gegeben? L. nein — doch ja — jetzt fällt mirs aufs herz — ich habe sie dem ... gezeigt. Gotter 3, 329; mir fiels unterm singen so aufs herz, und ich wollte schwören, ich hörte was. Göthe 11, 105; fällt es mir wieder schwer aufs herz. E. T. A. Hoffmann 8, 31; es trit mir aufs herz. Schottel 1116ᵃ; weswegen uns grosze melancholie und traurigkeit zu herzen gestoszen. Hamlet bei Cohn Shakesp. in Germany 257;
vergessen, wie die ältste sage
war der unschuldge kinderscherz;
doch grade diese letzten tage
fiel er mit einmal mir aufs herz.
Göthe 2, 223,
ich musz dir sagen, was mir auf dem herzen liegt. pers. baumg. 6, 8; euerem unfall .., der euch noch neu auf dem herzen lag. Göthe 8, 73; was ihm aber noch schwerer auf dem herzen lag, war das schicksal des harfenspielers. 19, 226; mit schwerem herzen ging sie hin. 18, 307; dasz Jung nicht heiter war, und dasz ihm etwas auf dem herzen lag. 48, 26;
dasz ich ein wort ihr sage, wie mir auf dem herzen es lieget.
Odyss. 22, 392.
Der gegensatz dazu ist das leichte herz, und diese erleichterung wird auch anschaulich so ausgedrückt, dasz eine last, ein stein vom herzen fällt: ging zur beichte und communicirte nach empfangener absolution, worauf mir dann so leicht und wol ums herz ward, dasz ichs nicht aussprechen kan. Simpl. 2, 12 Kurz; herr pater, ich habe noch eins vergessen, das musz ich auch beichten, und von meinem herzen thun. Schuppius 292; ich werde ihm folgen —, ich fühl es, und es wird mir so leicht ums herz. Göthe 20, 279; um ihr herz zu erleichtern, nahm sie die feder. 22, 73; sie wälzen mir einen stein vom herzen. 21, 196. zur erleichterung wird das herz ausgeschüttet (vergl. th. 1, sp. 963): diese müssen gegeneinander wenigstens alle vierzehn tage ihr herz ausschütten, wenn es nicht springen soll. Göthe 21, 145; es ergieszt sich: zu seinem vater war er nur gewohnt unisono zu sprechen, und sein volles herz ergosz sich daher in monologen, sobald er allein war. 134. vergl. das volle herz unten 4, c.
e)
neid, eifersucht nagen, fressen, jucken am herzen: weil immer im herzen der Engländer eine geheime eifersucht wie ein böses geschwür jückt und eitert. H. Heine 9, 151;
mir nagt die eifersucht so gut das herz, wie dir.
Göthe 7, 36.
f)
betheuernd: A. geh, verrath mich. Franz. eher wollt ich mir das herz aus dem leibe reiszen! Göthe 8, 131.
g)
sprichwörtlich: bin ich bereit, mit dir das herz im leib zu theilen. Simpl. 1, 418 Kurz; die linke hand gehet von herzen. Pistorius thes. par. 5, 26.
2)
unter herz wird auch die äuszere herzgegend, die brust verstanden: herz oder brust, pectus, pectusculum. Dasyp.; eine mundartliche redensart hebt den doppelten sinn hervor: ma sied em wol ofs herz, aber nüd is herz. Tobler 265ᵇ; geben sie uns familiengemählde, und wir werden uns desto eher darin erkennen, und wenn wir uns getroffen fühlen, desto gerührter an unser herz schlagen. Göthe 15, 176; bei betheuerungen: die hand aufs herz! Klinger 1, 378;
fall an sein herz, o königinn! mit zähren
der freude.
Ramler 1, 65;
als bis ich sie voll inbrunst an mein herz gedrückt.
2, 23;
als wie sich wechselsweis der schäfer und die schöne,
das treue herz an herz, umschlossen hält.
Wieland 17, 77 (Idris 2, 12);
ach du klar blauer himmel
und wie schön bist du heut!
möcht ans herz gleich dich drücken
vor jubel und freud.
R. Reinick lieder s. 115.
mundartlich, in Baiern (Schm. 2, 243), aber auch in der Schweiz, versteht man unter herz auch den weiblichen busen.
3)
man nahm das herz als den mittelpunkt des menschlichen leibes und als sitz aller lebenskraft: wan diu nâtûr hât daʒ herz gesetzt ze mitelst in den leip, dar umb, daʒ eʒ ain prunn und ain ursprinch ist der kreften aller andern glider, und ist ain schatzlädlein des lebens. Megenberg 25, 32. darum heiszt es das herz laben, stärken, sich erfrischen: und ich wil euch ein bissen brots bringen, das ir ewr herz labet. 1 Mos. 18, 5; labe dein herz vor mit eim bissen brots. richt. 19, 5; am meisten aber sollen dise rabenducaten (in einen becher gelegt, wein oder bier darüber gegossen) das herze stärken. unw. doct. 147; nachdem nun Mahal sein herz gestärkt (gegessen und getrunken) hatte. Klinger 6, 115; ähnliche fügungen: hätt ich doch einen trunk wein, damit ich mein erschrocknes angebranntes herz begieszen könnte. Hamlet bei Cohn Shakesp. in Germany 245; endlich als er etliche becher wein auf das herze genommen hatte. Chr. Weise erzn. 36; aber er that sich auch recht was zu gute (mit essen) und richtete sein herz einmal ordentlich auf. volksmärchen bei Strackerjan abergl. u. sagen aus d. herzogth. Oldenburg 2, 316;
innr baumrind eierkuchen backtn
die einem hin ins herz nein schmacktn.
Rollenhagen vom reichen manne C 3ᵇ;
aber auch: wann die vier stück beinander sein,
so werden bald erquickt
mag, lebern, herz und augenschein.
Hoffmann gesellschaftslieder 179.
das so gestärkte herz ist fröhlich: las dein herz guter ding sein. richt. 19, 6; und das der wein erfrewe des menschen herz .. und das brot des menschen herze sterke. ps. 104, 15; ist der bauch satt, so ist das herz fro. Schottel 1121ᵇ. der mensch stirbt erst, wenn ihm der tod ans herz tritt:
sieh, wie er bleich wird — jetzt, jetzt tritt der tod
ihm an das herz — die augen sind gebrochen.
Schiller Wilhelm Tell 4, 3.
4)
wenn gemütsbewegungen in hohem grade auf die thätigkeit des herzens wirken (oben 1, c und d), so wird nun dasselbe als sitz des gefühls, der leidenschaft, der liebe, des hasses, der zu- und abneigung betrachtet:
so hat in der brust mir
doch sich gebildet ein herz, das unrecht hasset und unbill.
Göthe 40, 270;
seht! ich hab
ein herz, der jammer dieses deutschen volks erbarmt mich.
Schiller Wallenst. tod 3, 15.
diese anschauung spricht sich namentlich in einer reihe von mehr oder weniger festen formeln aus, von denen wir die hauptsächlichsten aufzählen.
a)
gutes, reines, edles, böses, falsches, verkehrtes, verdorbnes, hartes, weiches herz. Kant erklärt: die aus dem natürlichen hange entspringende fähigkeit oder unfähigkeit der willkühr, das moralische gesetz in seine maxime auf zu nehmen wird das gute oder böse herz genannt. 6, 189; man nennt ein gemüth, in welchem die empfindungen des mitleides und der gefälligkeit regieren, ein gutes herz, .. dagegen man dem tugendhaften aus grundsätzen ein edles herz beilegt. 7, 391; vergl. gutherzig, bösherzig theil 2, 260. darumb, das du nicht in rechter furcht gott gedienet hast, und dein herz falsch gewesen ist. Sir. 1, 38;
dein verdorbnes herz.
Wieland 17, 58 (Idris 1, 86);
und blieb sein herz zum mindsten ohne flecken.
s. 105 (2, 63).
mit ähnlichen epitheten: ein kaltes, selbstisches herz. Göthe 25, 285;
ja, sprecht ihr, sagte sie nicht selbst ihr herz sei kalt,
zur freundschaft nur gemacht, und ungeschickt zum lieben?
Wieland 17, 56 (Idris 1, 84);
drauf wurde, wie die männer sind,
sein herz von stund an lauer.
Hölty 32 Halm;
die noch warmes herzens, ohne falschheit sind.
Ramler 1, 96.
für hartes, kaltes herz treten andere metaphern ein: steinin herz, ferrea corda. Maaler 219ᵈ (vergl.felsenherz, kieselherz); güldene kirchen, hölzerne herzen. Pistorius thes. par. 10, 5;
ein herze daʒ von flinse
im donre gewachsen wære,
daʒ müeten disiu mære.
Wolfram Willeh. 12, 16;
mir ward ein herz von eis beschieden,
ein felsensinn.
Hölty 133 Halm.
der gefühlvolle ist lauter herz: ich liebte sie so unermeszlich, so unaussprechlich, dasz die liebe zu ihr nicht blosz der ganze und alleinige inhalt meines herzens, sondern gleichsam mein herz selbst zu sein schien. Bürger an Boie, bei Althof 60;
denn laszt die Seladons so viel sie wollen sagen,
wer liebt sei lauter herz; man hat auch einen magen!
Wieland 17, 190 (Idris 3, 107);
und von dem gefühltosen wird gesagt, er habe kein herz:
empfindungen mit dem, der ohne herz ist, theilen,
heiszt schlösser auf die wellen baun.
Wieland 17, 59 (Idris 1, 88);
wahrlich, dem ist kein herz im ehernen busen, der jetzo
nicht die noth der menschen, der umgetriebnen, empfindet.
Göthe 40, 267.
b)
wer seine gefühle birgt, verschlieszt sein herz: ich dächte doch, ich behielte lieber vor ihm nichts auf dem herzen. Lessing 2, 138;
du verbirgst dein herz und hast ganz andre gedanken.
Göthe 40, 269;
wer drang nach mittheilung derselben empfindet oder bei dem gefühl hervorbricht, dem geht das herz auf, der offenbart sein herz: alsdann thue sich sein herz auf, und denke, der bringt geld. Schuppius 113; wenn du in die kirche kommest, so bitte gott, dasz er dir das herz eröffne. 194; so thut gott der heilige geist solchen leuten das herze nicht auf. 599; eröffnen sie mir ihr herz! Göthe 10, 164;
das ich ausz in erforsch vil dick,
das sie mir offenbarn ir herz.
fastn. sp. 789, 19;
in Hadeln ging meinem vater das herz auf. Niebuhr kl. schr. 1, 60; gute menschen, .. denen das herz aufging, wenn sie viel ihres gleichen bei sich zu tisch sahen. Göthe 8, 111; da mir das herz immer ein biszchen aufgeht, wenn ich sie sehe. 16, 104; man kann unmöglich etwas zierlicheres sehen als diese geschöpfe hier (pferde); es ist das erstemal in meinem leben, dasz mir das herz gegen sie aufgeht. 28, 24; das herz muszte einem aufgehen bei diesen ächten, ursprünglichen klängen. Riehl culturgesch. nov. 257; gedenk ich jetzt solcher schnurren und wandergeschichten, dann geht mir das herz auf. 353;
o sir, mein herz geht auf!
ich musz des langen unmuths mich entladen.
Schiller Marta Stuart 2, 8;
o sieh mich an, wie mir
nach einer langen zeit das herz sich öffnet,
der seligkeit, dem liebsten, was die welt
noch für mich tragen kann, das haupt zu küssen.
Göthe 9, 54.
In der ältern sprache brauchte man das herz wird grosz, wenn das gefühl des kummers ausbrach: ihr war das herz grosz und schüttete die seufzer herausz. schaub. engl. u. franz. com. 1, 433;
sin herz wart ime also grosz,
das er von weinende sich begosz.
Kunz Kistener v. 355;
do ward ir scheiden wider new;
der herr erzeiget im sein trew,
wan im ward sein härz gar grosz,
das er sein wangen mit weinen begosz.
P. Gengenbach s. 239, 296 Gödeke.
sonst ist das grosze herz das von hohen und edeln gefühlen erfüllte: Damon hat ein groszes herz, dasz er es seiner schwester anvertraut. schaub. engl. u. franz. com. 2, 129;
allein ihr herz blieb grosz, wie es zuvor gewesen.
Rost verm. ged. 43;
du hast mit höherm sinn und gröszerm herzen
den zarten schlanken lorbeer dir gewählt.
Göthe 9, 102.
c)
von der intensität des gefühls zeugt das volle herz, von der tiefe desselben das tiefste, innerste herz, des herzens grund: gott ist mein zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von herzen grund in Jhesu Christo. Phil. 1, 8; verzeiht mir, gnädige frau. mein herz ist zu voll, meine sinne haltens nicht aus. Göthe 8, 131; wenn ich sonst bei dir sasz .. und mit vollem herzen der liebe und des zutrauens zu dir sagte: lieber, lieber, guter mann. 20, 103; mademoiselle, sie sind bis in das innerste herz beleidigt, gekränkt. 10, 58;
dasz muosz noch werden gepreist
eur lob in meinem munde
tief aus meines herzen grunde
an end die weil ich mag geleben.
fastn. sp. 425, 27;
die ihr mir das bild der helden,
die ich von eltern her verehren lernte,
entgegen bringet und das innre herz
mit neuer schöner hoffnung schmeichelnd labet!
Göthe 9, 44;
mir ist im tiefsten herzen beschlossen ...
40, 269;
deines vollen herzens triebe,
gieb sie keck im sange frei.
Uhland ged. 40.
ähnlich die formel aus ganzem herzen, von ganzem herzen: du solt lieben gott deinen herrn von ganzem herzen, von ganzer seelen, von ganzem gemüte. Matth. 22, 37; wenn ich aus ganzem herzen rede. Göthe 16, 67; wie ich sie jetzt von ganzem herzen hasse! 19, 240; der mensch machte von ganzem herzen einen albernen bückling. 18, 240; und selbst die verbindung von herzen steht in gleichem prägnanten sinne (vergl. auch unten f am ende): was nicht von herzen komt, das komt nicht darin. Schottel 1145ᵇ; ihr würdet immer wähnen, ich thät nicht von herzen. Göthe 8, 140;
nu ist mir von herzen lait.
fastn. sp. 622, 3;
dein antwort hat mich von herzen verdrossen.
Logau 2, 125, 34;
wir lieben lange so, bis wir zuletzt erfahren,
dasz wir, statt treu zu sein, von herzen närrisch waren.
Göthe 7, 17;
E. komm, gib mir doch den kusz von deiner Chloris wieder.
L. von herzen gerne.
19;
erlaube mir, dasz wir von herzen sprechen.
99.
dafür ähnliche verbindungen: ich bitte dich mit herzen. Melanchthon im corp. doctr. christ. (1560) 395. 458; und ist mir aus ganz meinem herzen leid, was ich je guts von im gesaget habe. Luther 1, 421ᵃ; denen er doch umb ihres fridsamen lerens willen ins herz feind ihe und ihe gewesen ist. Alberus widder Witzeln G 7ᵃ.
d)
um das gefühl rege zu machen, wird ins herz geredet, ans herz gegriffen: mit diesem text wil Christus denen politicis und statisten an das herz greifen. Schuppius 641; viel böse leute, die mir gleichsam in mein herz gegriffen haben, und nunmehr öffentlich verlästern. 688; alle zeilen dieses briefes grieffen Solanden ins herz. polit. stockf. 129; das einzige, womit man ihnen wärend dieses krieges noch nicht ans herz gegriffen. Heilmans Thucyd. 882; immer habe ich gewünscht, den reisenden, die vor meinem gasthofe halten, noch ehe ich sie bewillkommne, an das herz zu reden. Thümmel 4, 334; oft seh ich das bild stunden lang an und grüble mich fast todt darüber, wie es zugehen konnte, dasz mirs nicht gleich beim ersten anblick ebenso lieblich ans herz griff. Bürger an M. Ehrmann 57; endlich einmal aufzutreten und den menschen in das herz hinein zu reden, was sie sich so lange zu hören sehnen. Göthe 18, 99; wenn ich die elendesten gesehen habe sich einbilden, sie könnten uns ein groszes treffliches wort ans herz reden. 100;
die kunst zu rühren und ans herz zu reden.
J. M. Miller ged. 457.
eine sache, wofür das gefühl sprechen soll, wird ans herz gelegt.
e)
am herzen liegt etwas, für das man warm fühlt (unterschieden von auf dem herzen liegen oben 1, d sp. 1210): ich fühlte die frommen morgengedanken mir so nahe und so warm am herzen liegen. Thümmel 3, 8; wenn es eine angelegenheit betrifft, die ihnen zunächst am herzen liegt, und am herzen liegen soll. Göthe 20, 127; das erstemal seit langer zeit hast du wieder gesprochen, wie einer dem etwas wahrhaft am herzen liegt. 23, 38; ich habe dort unter paradoxie und fabel gar manches versteckt oder problematisch vorgetragen, dessen frühere oder spätere ausführung mir längst am stillen herzen lag. Göthe 44, 60;
denn billigkeit lag ihm am herzen.
Odyss. 14, 433.
wen oder was man liebt, steht eines herzen nahe:
so bleibt durch alle zeiten
herz herzen zugekehrt.
Göthe 1, 131;
oder ist ans herz gewachsen: bei unserm frauenzimmer, deren mancher sonst ein zwirnsfaden an das herze gewachsen war, wolte die freigebigkeit auch einmal zum vorschein kommen. Felsenb. 4, 325; etliche elen band waren Andradio aber nicht ans herz gewachsen. polit. hofmädgen 144; sie (Lilli) war mir so ins herz gewachsen, dasz ich mich gar nicht von ihr zu entfernen glaubte. Göthe 48, 94; ist dir der hahn so ans herz gewachsen? Kotzebue dram. sp. 1, 308. Ähnliche fügungen: (habe ich nicht anders erfunden) dann dasz e. f. g. ihm aufs beste in seinem herzen .. ist. Luther br. 1, 77; ich trug sie (eine ballade) um so gemüthlicher vor, als meine gedichte mir noch ans herz geknüpft waren, und nur selten über meine lippen kamen. Göthe 26, 289; wann er nicht je zu zeiten so etwas dergleichen zu ohren trüge, so wärs unmüglich, dasz er dem gn. herrn in einer solchen bälde so hart ans herze bachen können! Simpl. 3, 381 Kurz;
so würden sicherlich mir anderthalb forellen
so wenig als ein quark ans herz gebunden sein.
Günther 1059.
gegensatz dazu ist das losschneiden vom herzen: (der vater spricht) das mädchen hat sich selbst von meinem herzen losgeschnitten. Kotzebue dram. sp. 3, 315; so thue ich es lieber, als aus deinem herzen zu fallen. Stolberg 12, 377.
f)
etwas womit sich die empfindung beschäftigt, nimmt, faszt man zu herzen, geht zu herzen: es gadt mir zu herzen, es ist mir angenäm, cordi est mihi. Maaler 220ᵃ; aber gewöhnlich in anderm sinne: zuͦ herzen gon, im lassen befolhen und angelägen sein, cordi esse. 220ᵇ; und wenigen den ers klagt gienge es zu herzen. Kirchhof wendunm. 439ᵃ; liesz sich nicht merken, dasz der schade ihm zu herzen gieng. pers. rosenth. 5, 17; darumb gehet mir die mattigkeit der jungen kinder zu herzen, weil ich meines vaters in der kindheit beraubet worden bin. pers. baumg. 2, 1; ich sah mit thränenvollen augen um mich her, als ob ich ein wesen in der schöpfung suchen wollte, dem mein zustand zu herzen ginge. Wieland 2, 79 (69); dasz irgend eine mitleidige gottheit sich den zustand des einsamen Koxkox (habe) zu herzen gehen lassen. 14, 20 (19); das unglück unsrer schwester geht uns nah genug zu herzen. Göthe 11, 43; nimms zu herzen! 10, 186; endlich faszten die herren meine sichtbare beschämung zu herzen, hoben ihre sitzung auf, und trösteten mich noch oben darein auf das herablassendste. Thümmel 4, 506;
wenig sint, den gat yetz zuͦ herz
usz eebruch solch leid, sorg und smerz.
narrensch. 33, 19;
herr, das laszt euch zu herzen gan.
fastn. sp. 636, 7;
die red gieng mir zuͦ herzen.
betrübt ward mir mein muͦt.
Uhland volksl. 622;
wilt dir das nit zuͦ härz lon gon.
Gengenbach gouchmat 454;
er führet Amors list zu herzen.
Weckherlin 346;
princess, nimm unsern tod so heftig nicht zu herzen.
A. Gryphius 1698 1, 285;
hier sasz das grosze paar, Victoria gelassen,
als könnte sie den schimpf sich nicht zu herzen fassen.
Rost verm. ged. 1769 s. 25;
nur töne die vom herzen kommen,
nur töne die zu herzen gehn.
Haller (1777) 201;
den guten göttern muszte dies
nun wohl zu herzen gehen.
Hölty 30 Halm;
ein scherz vielleicht,
den jemand mit uns treibt. nimms nicht
zu herzen, edle frau! veracht es lieber.
Schiller Iphig. 4, 2;
was ist dir Faust, du wirst so blasz,
ging dir zu herzen gar der spasz?
Lenau Faust 32;
du kennst das meer noch nicht, das ernste ding
schon manchem wandrer sehr zu herzen ging.
146.
von hier aus wird vom wege zu eines herzen geredet: nachdem sie sich den weg zu meinem herzen durch liebkosungen und schmeicheleien eröffnet zu haben glaubte. Wieland 12, 89. Verlangen, bedenken, begehren, wünsche hat man auf dem herzen, ein bild, das sich mit 1, d oben sp. 1210 nahe berührt: so sag mir, was du auf dem herzen hast. Soph. lasz ihn. die männer machen oft gesichter, ohne just was auf dem herzen zu haben. Göthe 10, 111; so musz ich dir gestehen, dasz ich schon einige zeit etwas auf dem herzen habe, was ich dir vertrauen musz und möchte. 17, 5; lasz mich nur; was ich auf dem herzen habe, soll bei dieser gelegenheit davon. 8, 188. von herzen schlägt man, an das man nicht mehr denken will:
er schlug von herzen alles trawren.
B. Waldis Esop 3, 93, 181.
ähnlich: dasz er .. die noth vom herzen klagt und abwelzet. Scriver seelensch. 2, 93; aber von herzen geht, was aus tiefer empfindung kommt: dasz nicht alles vom freien herzen gehe, sondern dasz viel wortkram, bilder, gleichnisse, herkömmliche redensarten und wiederholt anklingende zeilen sich immerfort wie um eine gemeinsame achse herumdrehten. Göthe 23, 176;
doch werdet ihr nie herz zu herzen schaffen,
wenn es euch nicht von herzen geht.
12, 37;
alles was ich gelernt und was ich von jung auf gewohnt bin,
was von herzen mir geht — ich will es dem alten erzeigen.
40, 318;
ähnlich: danke von herzen .. unserer spanischen majestät gesundheit trinkt nicht leicht ein Niederländer von herzen. 8, 171;
niemals sind wir allein, und reden nie von herzen.
7, 55.
vergl. oben c sp. 1213.
g)
was dem gefühl widerstreitet, kann man nicht über das herz bringen: hat gott seinen einigen son für uns alle dahin gegeben, wie kündte ers denn uber das herz bringen, uns in geringerm anliegen zu verlassen? Luther 5, 7ᵃ; und da wir bei dem pfarrhof vorüber wolten, konte ichs nicht übers herz bringen, ohne speck weiters zu passirn. Simpl. 1, 236 Kurz; dasz ich ihn als meinen allerliebsten freund in seinem elend zuverlassen, nicht übers herz bringen können. 2, 15; er sagte: er könn es nicht über sein herz bringen, das brod zu essen, dessen seine kinder so nöthig hätten. Bode Thomas Jones 5, 116; der ich es .. nicht über mein herz bringen kann, einen wurm unter meinen füszen zu zertreten. Wieland 12, 57; wie man es nur über das herz bringen kann, die garstigen affen so sorgfältig abzubilden. Göthe 17, 291; da konnt es der küchenjunge nicht länger übers herz bringen, gieng zu dem könig und entdeckte ihm alles. Grimm kinder- u. hausm. 2, 241.
h)
wer seine empfindung ausspricht, sagt, wie es ihm ums herz ist: dem es nie umbs herz und ernst gewesen, das es umb die christliche religion recht und wol zustunde. Alberus widder Witzeln F 8ᵃ; derowegen gedachte ich .. zu reden, was jedem aufs beste gefiel und am annehmlichsten war, auch jedem mit ehrerbietung zu begegnen, obschon es mir nicht ums herz wäre. Simpl. 1, 304 Kurz; wann der herr nicht selbsten wüste, wie einem buler ums herz ist. 326; jedoch stellete ich mich viel anders, als mirs um herz war. 327; wann ich dir aus brüderlicher liebe teutsch heraus sage, wie mirs ums herz ist. 2, 9; andere geben uns die glattesten worte, da es ihnen doch nicht üm das herze, ja alles falsch ist, was sie reden. Butschky Patm. 251; wenn ich reden soll, wie mirs ums herz ist. Wieland 11, 111; erdringen will ichs (das vertrauen) nicht, aber gönnen sie mirs wie es ihnen ums herz ist. Göthe 23, 169;
ich macht ihn ziemlich aus, doch war mirs nicht ums herze.
Gellert 3, 469.
i)
die beziehung zwischen empfindung und dem organ ihres ausdrucks betonen die formeln herz und mund, herz und zunge: wes das herz vol ist, des gehet der mund uber. Matth. 12, 34; dem herzen hilfts, wan der mund die noht klagt. Schottel 1132ᵇ; weise leute haben ihren mund im herzen. 1145ᵇ; dieses redet zwar mein mund, aber das herz weisz nichts davon. Schuppius 584; herz und mund stimmt nicht bei ihm überein, alia cogitat, alia loquitur. Frisch 1, 446ᶜ; mein herz hörte nicht, was meine zunge prahlte. Schiller räuber 1, 2; zuletzt, da ihr jede gewalt über sich selbst entrissen ist, da ihr herz auf der zunge schwebt, wird diese zunge ihre verrätherin. Göthe 19, 93;
heisz im mund und kalt im herzen.
fastn. sp. 742, 18.
es heiszt auch: vil wort wenig herz. Frank sprichw. 2, 173ᵃ. — Leute die ihre empfindungen leicht äuszern, tragen ihr herz auf der zunge, oder auch in der hand: unter guten, zufriedenen, ehrlichen menschen, die ihr herz in der hand tragen. P. Heyse nov. 5 (1864) 156; während sonst die hand bekräftigt, was das herz empfindet (vergl.hand sp. 340):
so sei mein antheil an dem ewgen heil,
als herz und handschlag bei mir einig sind.
Schiller jungfrau 3, 2,
wie man bei eingehung des ehebundes herz und hand anbietet: dasz er jenem trefflichen frauenzimmer sein herz und seine hand angeboten habe. Göthe 20, 181.
k)
die empfindung der liebe für eine person wird in verschiedenen bildern ausgedrückt: kinder sind einem durch daʒ herze gezogen. Ködiz 54, 6, wol angelehnt an einen durch gewebe oder stickerei durchgehenden faden; quinta doctrina: lug, dasz du dem pfaffen in das herz kommest; kommest du im in das herz, du kommest im auch in den seckel. de fide concub. 125; so wiltu ihn so höflich tractiren und ihm dadurch das herz dermaszen abstehlen, dasz es dir künftig dein lebtag wol bekommen soll. Simpl. 1, 255 Kurz; ihr habt mir mein herz gestohlen. Happel acad. rom. 42; soll dich denn nun hinfüro dein mann verächtlich halten, und sein herz von andern aufgehalten werden? schaub. engl. und franz. com. 1, 234; sie .. konte aber kein herze zu demselben (kinde) haben, weil es aus so schlechtem geblüt herstammte. ehe eines mannes 337; nach eines herzen sein, ad voluntatem alicujus esse. Frisch 1, 446ᶜ;
mein vater hat ein andere (frau) erworben,
die mir (der tochter) nit zuͦ herzen geet.
bergreien 122, 3;
zu deiner priesterschaft, die dich im herzen trägt.
Scriver goldpred. 624;
näher stand dem könig keiner,
doch dem volke schlug sein herz.
Schenkendorf auf Scharnhorsts tod.
an eine geliebte person verschenkt, hängt man sein herz: da wurde ich eines holdseeligen cammerkätzgens gewahr, deren schenkte ich gleich mein herz. Simpl. 3, 150 Kurz; wie leicht wird es einem groszen, die gemüther zu gewinnen! wie leicht eignet er sich die herzen zu! Göthe 19, 18;
doch unsre herzen macht euch pflicht und neigung eigen.
Wieland 17, 89 (Idris 2, 33);
dir ist mein ganzes herz geweiht,
so lang ich odem habe.
Hölty 32 Halm;
mein herz ist nicht mehr mein, Adelma.
Schiller Turandot 4, 10;
dein herz, dein liebenswürdig selbst verlier ich.
bald wirst du in den jugendlichen armen
des feurigen gemahls dich glücklich fühlen,
und ungetheilt wird er dein herz besitzen.
M. Stuart 2, 9;
hat man sein herz verschenkt,
so denkt man nichts, wenn man nicht an den liebsten denkt.
Göthe 7, 17.
man läszt sein herz bei jemandem, was auch in bezug auf dinge gesagt wird: ich aber liesz mein herz bei den knackwürsten. Simpl. 1, 236 Kurz. man schlieszt einen ins herz; auch hier freier: tagtäglich sehen wir, dasz ein theaterstück, ein roman, ohne die mindeste rücksicht auf recensionen, von lesern und leserinnen, nach individuell eigenster weise aufgenommen, gelobt, gescholten, ans herz geschlossen, oder vom herzen ausgeschlossen werde, je nachdem das kunstwerk mit irgend einer persönlichkeit zufällig zusammentreffen mag. Göthe 38, 288. — Wen man nicht mehr lieben soll oder will, den reiszt man aus dem herzen: und ihr musz ich diesen Karl aus dem herzen reiszen, wenn auch ihr halbes leben dran hängen bleiben sollte. Schiller räuber 1, 1.
l)
der geliebte ist freund, geselle des herzens, die geliebte königin, gebieterin des herzens:
er ist meins herzen gselle
und sei er wo er wölle,
wie gern ich bei im wolt sein.
bergreien 128, 3;
ja, Amor flüstert mir dasz ich dich finden werde,
du meines herzens königin!
Wieland 17, 147 (Idris 3, 27).
m)
so steht herz nicht nur als sitz des gefühls, sondern für gefühl, empfindung selbst: denn wo ewer schatz ist, da ist auch ewer herz. Matth. 6, 21; wer weisz, ob nicht auch zuweilen das, was man in der sprache der neuern französischen feinen welt das herz einer dame nennt, sich einmischen mochte (bei einem liebesverhältnisse). Wieland 20, 52; sie hing heute mit zärtlicher schwärmerei an Rabette, .. weil sie selber nichts war, als herz. J. Paul Titan 2, 229;
ihr seid verwundert, sir, dasz ich so schnell
das herz geändert gegen die Maria.
Schiller Maria Stuart 2, 8;
durch eine treue hand gelingt es mir,
ihr mein verändert herz zu offenbaren.
das.;
aus ihnen wählt euch eine würdige
gemahlin aus! ich — will mein herz besiegen.
Turandot 4, 10.
es bezeichnet in einigen beispielen die ganze einem menschen eigene art zu fühlen und zu empfinden: die gestalt siehet man im spiegel, das herz siehet man im wein. Schottel 1124ᵃ; man traute mir aus meinen schriften kenntnis des menschlichen herzens, wie man es damals nannte, zu. Göthe 48, 37; welch eine himmlische empfindung ist es, seinem herzen zu folgen! 20, 99;
er ist gereist, kommt aus Paris und Rheims,
und bringt sein treu altenglisch herz zurück.
Schiller M. Stuart 1, 3.
hierher sein herz finden, die individuelle art zu fühlen (nach einer zeit der verirrung) wieder erlangen:
tröstet euch!
er (Rudenz) hat sein herz gefunden, er ist unser.
Tell 4, 2.
in andern beispielen meint herz interesse, theilnahme, liebe für etwas:
führten den krieg, als wärs nur scherz,
hatten für die sache nur ein halbes herz.
Schiller Wallenst. lager, 6. auftr.;
sein eignes ich vergessen
in aller lust und schmerz:
das nennt man, wohlermessen,
für unser volk ein herz.
Uhland ged. 96;
in andern zutrauen, vertrauen: einen bösen wolf, der zuerst in deine stricke fällt, schlage todt, wo nicht, so habe ja kein herz zu deinen schafen .. von einem bösen menschen kompt nimmermehr was gutes. pers. baumg. 2, 25;
kein herz ich zu seim leben hab.
J. Ayrer 349ᵇ (1750, 15 Keller);
man hat mich
vor ein gericht von männern vorgefordert,
die ich als meines gleichen nicht erkennen,
zu denen ich kein herz mir fassen kann.
Maria Stuart 1, 2;
in noch andern aber das gefühl der freude: ob ers (der teufel) möcht zu wegen bringen, das wir an gott verzweivelten, .. das were sein herz und lust. Luther 3, 394ᵇ; in andern endlich in prägnantem sinne edles, gutes gefühl:
o gott! aus diesen zügen spricht kein herz!
Schiller M. Stuart 3, 4.
n)
verbindung von herz und muth, herz und sinn, herz und auge: ich bin so müd dasz mir muͦt und herz empfallen ist, dasz ich gar nützid mer mag, longo sudore corda fatiscunt. Maaler 220ᵃ; was die augen nicht sehen, bekümmert das herz nicht. Schottel 1131ᵇ; was das aug siehet, glaubet das herz. Pistorius thes. par. 2, 40; auf die (jungfer) richtete mein untergebener Andreolus sein herz, sinn und gedanken. Simpl. 2, 304 Kurz;
Jesu gib uns auch bstendigkeit,
muth, herz und sinn, das wir mit frewd,
dein wort bekennen bis in tod.
Selneccer psalmen (1587) 423;
ich will mich nur mit dem vermählen,
den herz und auge wählen.
Kotzebue dram. sp. 2, 305.
o)
eine formel sich in das herz hinein schämen, will die tiefe des zunächst nur äuszerlich, auf den wangen, sich kundgebenden schamgefühls zeichnen: das ein schwermer sich ja solt in sein herz schemen, einen buchstaben des Luthers zu seinem irrthum zu füren oder zu brauchen. Luther 6, 108ᵃ; schämst du dich nicht ins blutig herz hinein? Felder sonderlinge 1, 116.
5)
in diesem sinne (no. 4) wird herz dem kopf, geist, verstand gegenüber gestellt: da bei ihr das herz dem verstande die vorschrift gibt. Kant 3, 110; dahin treiben ihn vernunft, herz und gewissen. 6, 323; die geheimen gebrechen des kopfes wie des herzens. 10, 7; ich schrieb ohne alle anderen bücher, aus eigenem kopfe und herzen. Bürger 318ᵇ; kein kühner sprung, so wenig der bilder, als empfindungen! nirgends etwas aufrührendes, so wenig für den kopf, als fürs herz! 321ᵇ; es ist doch eine freude zu sehen, dasz es noch menschen gibt, denen kopf und herz auf der rechten stelle sitzen. bei Althof 92, vgl. weiteres unter kopf th. 5, 1765; fand bei diesen würdigen personen eine angenehme unterhaltung für geist und herz. Göthe 19, 292;
da müssen herz und kopf sich lange zanken,
ob menschenhasz, ob schwermuth siegen soll.
oft siegt auch keines; und die phantasie,
die in den streit sich mengt, macht schwärmer,
bei welchen bald der kopf das herz, und bald
das herz den kopf musz spielen. schlimmer tausch!
Lessing 2, 196;
dein urtheil kann sich irren, nicht mein herz.
Schiller Piccolomini 5, 1.
6)
aber das herz ist auch sitz des mutes, der entschlossenheit, der thatkraft:
was für phantome
sind das, die deines herzens edeln muth
so ganz entnerven!
Schiller Macbeth 2, 4;
und der tapfere hat das herz auf dem rechten flecke, was man sonst auch von dem warm empfindenden sagt (oben 5 und theil 3, 1742), wie der feige ein mattes herz zeigt:
denn sein herz war zu kriegen matt.
mückenkr. 1, 222.
der ausdruck steht daher für mut, entschlossenheit, zuversicht selbst.
dasz nichts kan deiner dapfern hand
und stärkerm herzen widerstreben.
Weckherlin 364.
gewöhnlich in festen formeln:
a)
ein herz haben; kein herz haben; das herz nicht haben (Happel acad. rom. 30. 78): kan so vil herzens nicht haben zuͦ volbringen ein sollich übel. Frank weltb. 190ᵃ; er hatte nur nicht das herz. Lenz 1, 219; er hatte kaum das herz mich anzusehen. Göthe 8, 70; er that feindlich böse, wie einer der kein herz hat und 's nit will merken lassen. das.; und wenn er mit dieser art noch nicht bekannt genug sei, oder noch nicht herz genug dazu habe, so solle er ihm die arbeit überlassen, und er wolle bald fertig sein. 19, 158; da ich mich einmal meiner frömmigkeit nicht schämte, so hatte ich herz, meine liebe zu künsten und wissenschaften nicht zu verbergen. 303; Wilhelm hatte diese nacht das herz nicht, die brieftasche zu öffnen. 20, 102;
die feinde schon kein herz mehr han.
Hoffmann gesellschaftslieder 144;
denkt euren streichen nach, dann habt das herz und klagt.
Göthe 7, 38.
b)
ein gutes herz haben, wie sonst guten mut, gute zuversicht haben: habt ein gut herz, antwort der junker, denn es soll euch widerfaren was ir begert. Amadis 59; habt nur ein gut herz. 389; aber in die harr mocht weder desz auszländischen ritters sterke noch gut herz ihm viel nutzen. 407; bruder! wann dir damit geholfen wird, so habe ein gut herz, dann ich will dir hundert ducaten geben. Simpl. 1, 200 Kurz; habt ein gut herze, mein freund. Schoch stud. leben 13;
glaub du mir, und hab ein gut herz:
du solt auch disz jahr, mir zu ehren,
ein gute feiste gansz verzehren.
ganszkönig H 7ᵇ.
c)
ein herz fangen, fassen, nehmen (vergl. th. 3, 1314. 1346): gnedige frauw, es ist von nöten, dasz e. g. jetzunder das herz, so die dann jemal gehabt, als sie diese handlung begangen, widerumb fassen, und sich trösten. Amadis 411; bei gott, ritter, zu unglückseliger stund habt ir je soviel herz gefasset. 429; da Friderich die red vernam, wieder ein herz empfieng. Galmy 302; mit vermahnung zu dem bruder dasz er ein herz fasset. Kirchhof wendunm. 403ᵇ; noch habe er sich ein herz gefast. polit. stockf. 183; ehe er aber seinen tanz antrat, faste er sich das herz und gieng mit verlaubnis der jungfer hin. 245; hiermit konte man nun schon ein herz fassen. Felsenb. 1, 66; die wirthin faszte sich ein herz. Riehl culturgesch. nov. 349;
erst fing man herz   zu sölchem scherz
do man thet hilf erkennen.
Soltau volksl. 183 (von 1503);
die schlembten, waren guter ding,
darvon der reutr ein herz empfing.
H. Sachs 4, 3, 85ᶜ;
davon (von dem ton der trompete) das kriegsvolk solch ein herz
empfing, dasz im gleich war ein scherz
seiner feind wüten auszzustehen,
und in den bittern tod zu gehen.
mückenkr. 1, 983;
schau an die lieben knaben,
die durch dich neue stärk und trost geschöpfet haben,
itzt fassen sie ein herz.
A. Gryphius 1698 1, 517;
als nun Reineke sah, wie schnell sich des königs gedanken
wendeten, faszt er sein herz und sagte ...
Göthe 40, 83;
wie viel muth, wie viel herz werde ich mir für ihn trinken! Lessing 12, 133.
d)
hierfür wird auch, mit einem eindringlichern bilde, gesagt das herz in beide hände nehmen: der man name einmal das herz in beide hände. Frey garteng. 75ᵇ; fasset widerumb das herz zuͦ beiden henden. Wickram rollw. 16, 14 Kurz. endlichen in einer so sehr verzweifelten sach muste er wol das herz in beide händ nemen, fieng derowegen an .. Hörl v. Wätterstorff Bacchusia 7; wir beschlossen also das herz in die hand zu nehmen. Pierot 2, 274; nahm er das herz in beide hände. 3, 418;
und nehm ichs herz in die hände
und geh hinauf ins haus.
Uhland ged. 32.
e)
einem ein herz machen, geben, einreden: ir redent mir ein herz ein. Aimon bog. l; wie der mönch seinen gefährten ein herz macht. Garg. 250ᵇ; mein meinung ist nit, das ich euch mit worten ein herz einstecken wöll, ich weisz wol das wort einen verzagten nit keck machen. Livius, Schöfferlin 112ᵇ; wie man den erschrocknen ein herz einjagen und machen möge. Fronsp. kriegsb. 3, 201ᵇ; und schöpfet ihnen damit ein solches herz. Tacius, das. 3, 240ᵃ; ich solte .. dich billich jetzunder trösten und ein herz zusprechen. H. J. v. Braunschweig Sus. 4, 4 (s. 126); machten i. f. gnaden ihr ein herz, sie wollten unterwegens geld auftreiben. Schweinichen 1, 149; wenn ich denn jung und blöde war, machte ich mir ein herz, brachte mein gewerbe vor. 160; redete er ihnen ein herz ein, und sprach: fürchtet euch nicht. pers. rosenth. 3, 27; aber der anblick eines bösewichts gab mir herz. Schiller 709; Martin. nicht wahr das ist ein mann! Albert. er kann einem recht herz machen. Göthe 15, 58;
nu hab ich mich dein am paszten getröst,
wann du bist wol der aller gröst
und solst auch disen allen stoszen ain herz ein:
so wiltu zum ersten der zaghaft sein?
fastn. sp. 637, 5;
bei Fleming auch:
wein will von nöten sein,
der gibt dem herzen herz und stärket mark und bein.
148, 16 Lappenb.
f)
einem das herz nehmen: das ir hauf dester gröszer und erschröcklicher erschein und sy dem feind das herz nemen. Frank weltb. 96ᵇ; die furcht in spanische hände zu fallen benahm uns das herz. Pierot 2, 235.
g)
das herz vergeht, entfällt: dardurch möcht ihm auch das herz entpfallen. Fronsp. kriegsb. 3, 180ᵃ; da vergieng Solanden das herze ordentliche ansuchung um sie zu thun. polit. stockf. 258.
7)
seltener wird herz als sitz des verstandes, der gedanken, der überlegung, meinung, gesinnung genommen, und doppelsinnig, mit bezug auf die rastlose bewegung des herzens, wie auf die stete gedankenarbeit des menschen heiszt es:
weist, ein alt sprichwort gicht,
des menschen herz das feiret nicht.
H. Sachs 1, 331ᵇ.
denn aus dem herzen kommen arge gedanken. Matth. 15, 19; da antwortet Hiob und sprach, ja ir seid die leute, mit euch wird die weisheit sterben. ich hab so wol ein herz als ir, und bin nicht geringer als ir, und wer ist, der solchs nicht wisse? Hiob 12, 3;
sîn herz in wîten umbe truoc,
wie eʒ sich nu enden wolde.
siben slâf. 697;
da taugt (däuchte) mich mein herz im leib sagt mirs, und dasz es mir gott in sinn gab. Götz v. B. 54; du redest aus meinem herzen heraus, tu animum meum gestas. Serz 68ᵇ;
het er (der eber) gehabt ein herz im leibe,
denn hett er gedacht: vorwar ich bleibe
ausz dem habern: kriegt mich der bawr,
er macht mir zwar den habern sawr.
B. Waldis Esop 2, 12, 33;
hätt so viel häut ums herze ring,
dasz er nicht spürt mit wem er ging.
Göthe 56, 29.
In formeln: darumb mussen wir nicht ansehen, wie ungerne wir sterben, sondern dagegen die frewd und lust ins herz bilden, so hernach folgen wird in jenem leben. Luther 6, 234ᵇ; wolte got dasz alle andere .. dieses zu herzen fassen (überlegen). Kirchhof wendunm. 393ᵃ; etwas ins herze nehmen, planen: du beschüldigest mich dessen, das ich nie gesehen, auch nie in mein herze genommen, viel weniger vollenbracht habe. H. J. v. Braunschw. 107; dieser ubelthat halber, so ich nie in mein herz genommen, viel weniger zu werke gerichtet. 122, vergl. 139. 147; wann der prediger auf der canzel etwas denkwürdiges sagt, so seufze und denke in deinem herzen, herr zukom dein reich. Schuppius 194; jeder, der wider mein unternehmen noch etwas auf herzen und gewissen haben möchte. Bürger 181ᵇ; etwas ins herz eindrücken, einprägen, schreiben, wo die hierher fallende bedeutung doch auch an oben 4, f (sp. 1214) rührt: (es braucht nicht ins protokoll genommen zu werden) wenn nur meine mitbürger es in ihre herzen schreiben. Kotzebue dram. sp. 2, 333;
wir, wir haben von seinem glanz und schimmer
nichts als die müh und als die schmerzen,
und wofür wir uns halten in unserm herzen.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.
herz als sitz des glaubens: ich aber, der ichs .. predige und bekenne, kans noch nicht so rein ins herz bringen als ich wol solt und gerne wolt. denn ob ichs wol gleube, so fallen doch imer mit zu die süszen gedanken, die mich kutzeln im herzen .. Luther 6, 68ᵇ.
8)
daher herz für besinnung, bewustsein, überlegung selbst: halt an dich, nit schlags kind bisz dir der zorn vergat, denn straf mit ainem haiteren herzen nach vernunft. Keisersberg siben schaiden h 6ᵈ, mit klarer besinnung;
ir (Mariae) herz von vröuden wider kam.
Mone schausp. d. m. 2, 243;
aber auch für meinung, ansicht: und kan doch ja nicht solch heimlich beschlafen aufs verlöbnis für eine hurerei gerechnet werden, denn es geschicht ja in dem namen und meinung der ehe, welchs herz und meinung oder namen die hurerei nicht hat. Luther 5, 247ᵇ; mein herz ist je, dasz man soll die zwei regiment, geistlich und weltlich .. nicht mengen. br. 5, 25; ich erinnere dich deszjenigen, so du unterhanden hast (mit deinem bruder einen zweikampf zu vollziehen), mit bedachtem mut zu thun, dann du hast nit einen feind, der gleich zu erwürgen ist, sonder einen bruder, ob er wol dein feindt ist. Thiamus sagt, du hast mir mein herz getroffen, ich hab mir fürgenommen, ich wölle ihn uberwinden, aber nicht tödten. b. d. liebe 208ᵇ;
bedenket euren stand? was sol der könig sagen?
was sol Castilien hierob für herze tragen?
Greflinger Cid A vᵇ;
Venerilla hasset scherz,
was sie meint, das ist ihr herz.
Logau 1, 23, 77.
9)
eine personification des herzens tritt ungemein häufig, in mehr oder minder scharfer weise auf. aus den so zahlreichen und manigfaltigen beispielen möchten etwa folgende besonders hervorzuheben sein.
a)
das herz wird durch ein adjectiv näher bestimmt, das eigentlich nur dem menschen, als dem besitzer des herzens, in bezug auf sein inneres leben zukommt. man redet von einem liebenden, hassenden, verabscheuenden, treuen, edeln, milden, hohen, wilden, fürchtenden u. ähnl. herzen: traurig herz, cor triste, zerknirschet und zerschlagen herz, cor contritum. Stieler 830; bittet nur gott für mich, das er mir ein standhaftiges herze verleihen wölle. H. J. v. Braunschweig 126;
ach wie selten kan erreichen
ein treu herze seines gleichen.
Fleming 430;
o liebe, liebe Adelheit,
so rief er sonder ende,
der ich mein treues herz geweiht.
Hölty 29 Halm;
so müsse tag und nacht der schmerz
dir freude sein, und lust und scherz
dein schönes herz bewohnen.
Lenz an Minna, in Voss musenalm. 1778 s. 46;
ich fühl mein zärtlich herz von wonne hoch entzückt.
Göthe 7, 23;
ihr verlaszt mich abermals,
und ohne mein geängstigt fürchtend herz
der qual der ungewiszheit zu entladen?
Schiller Maria Stuart 1, 2;
ein liebend herz ist all mein gut.
Uhland ged. 24;
doch drunter (unter dem panzer) schlägt ein mildes herz,
das lieb um liebe tauscht.
205.
b)
verba werden auf das herz bezogen, die das gefühlsleben und thun des menschen malen: mein herz tichtet ein feines lied. ps. 45, 2; mein herz engstet sich in meinem leibe. 55, 5; so uns unser herz verdampt. 1 Joh. 3, 20; das herz leugt nicht. Schottel 1114ᵃ; darin sie alles haben, was ihr herze begehret. Schuppius 649; die alte berief sich auf ihre mütterlichen rechte, die ich nicht läugnen konnte, so wenig auch mein herz sie bestätigte. Wieland 12, 88; in geduld abzuwarten, wozu sich mein eigensinniges herz mit zeit und weile entschlieszen wird. 91; ihr herz kochte rache. 20, 53; dein herz spricht mehr für ihn als du es glaubst. Göthe 10, 84; ich habe eine bekanntschaft gemacht, die mein herz näher angeht. 15, 24; der garten ist einfach, und man fühlt gleich bei dem eintritte, dasz nicht ein wissenschaftlicher gärtner, sondern ein fühlendes herz den plan gezeichnet, das seiner selbst hier genieszen wollte. 16, 7; die zeit, da mein herz so allein war, lebte wieder vor mir auf. 49; herz was verlangst du? das ist ein sprichwort; und wenn es sagt was es will, so gehts wie in einem schlechten wirthshaus, da haben sie alles, nur keine frische eier, die man grad haben will. Bettine briefe 1, 41;
mein herze seufzt und senet
verhaft mit liebesbrunst.
Uhland volksl. 118;
mein herz in groszem trauren stet.
135;
die schnacken saufen menschenblut,
darnach ir herz stets dürsten thut.
mückenkr. 1, 862;
bei aller seiner treu
gestand sein herz sich doch, wie liebenswerth sie sei.
Wieland 17, 120 (Idris 2, 91);
ihr grotten wiszts, in deren stillen schoosz
mein junges herz die ersten thränen gosz.
s. 48 (1, 68);
wenn unser herz erwacht (zur liebe).
139 (3, 11);
das allerbeste herz vergiszt bei munterm spiele ...
was ihm die klugheit räth, und ihm die pflicht gebeut.
Göthe 7, 21;
mein herz weint blut, da ich hier abschied nehme.
Tieck Octavian s. 118;
nun, armes herze, sei nicht bang!
nun musz sich alles, alles wenden.
Uhland ged. 35;
was zagst du, herz, in solchen tagen,
wo selbst die dorne rosen tragen?
37.
Wenn das herz sich freut, trauert, wünscht, spricht, so erscheinen nun auch entsprechende substantive fügungen: in der freude meines herzens den vorfall .. zu erzählen. Göthe 16, 50;
ring, traust du dir ihr herz in gunst mir zuzulenken,
ring, an dem sie die schrift der qual des herzens liest?
Fleming 503 Lappenb.;
so stahlen meines herzens sorgen
bei tag mir alle zeit, bei nacht mir alle ruh.
Wieland 17, 143 (Idris 3, 19);
sangen
ihres herzens regung.
Hölty 50 Halm;
wir hangen noch steif an der alten
kernmusik, und glauben, musik sei sprache des herzens.
Voss 1, 206 (Luise 3, 809);
um euch das süsze junge kind
nach herzens wunsch und will zu wenden.
Göthe 12, 141.
sprichwörtlich (schon an unten 10 rührend):
ein verzagt herz bult kein schön frawen.
H. Sachs 4, 3, 5ᶜ;
ein feiges herz freit keine schöne frau.
Wieland 10, 195, und ebenso 17, 224 (Idris 4, 25).
Passive wendungen: meine gunstbezeugungen gehen mit meinem herzen, und diesz ist nicht so leicht zu gewinnen, als sie denken. Wieland 12, 91;
nun will ich der erwarten,
die mir mein herz erfreut.
Uhland volksl. 118;
sogar der stolz, selbst unbesiegt
die herzen im triumf zu führen,
war ihrem gröszern stolz zu klein.
Wieland 10, 141;
arme schönen! wo sind nun die grübchen,
wo die scherze saszen
und die herzen raubten?
Hölty 53 Halm;
ausgeartetes kind einer unsterblichen
mutter! hast du doch mehr herzen erobert, als
die weit edleres gangs, edleres ansehns ist,
deine schwester Iberica!
Ramler 1, 67.
c)
das herz wird, wie ein menschlicher körper, mit gliedern, auch wieder mit einem herzen versehen gedacht: darumb beuge ich nu die knie meines herzen, und bitte dich herr umb gnade. gebet Manasse 11; im herzen seines herzens würde er ihn getragen haben, wie Hamlet seinen Horatio. Schiller 764;
endlich von ihr ablassen
bricht herz und bein
dem herzen mein.
Hoffmann gesellschaftslieder 84;
niemand ahnet, dasz von schmerzen
herz im herzen
grimmig mir zerrissen ist.
Göthe 1, 102;
am sternenhimmel suchten meine augen,
im weiten weltenraum den feind, den ich
im herzen meines herzens eingeschlossen.
Schiller Wallenst. tod 3, 18.
10)
menschen selbst werden herzen genannt, namentlich wenn die seite ihres gefühls hervorgehoben wird.
a)
in der schilderung: denn recht mus doch recht bleiben, und dem werden alle frome herzen zufallen. ps. 94, 15; dasz sich oftmals ein unschuldiges herz darüber zu todt grämet. J. B. Schuppius 203; dasz sie sich nicht allein für gott und allen frommen herzen, sondern auch für sich selbst schämen solten. 614; gewonheit der verliebten herzen. Happel acad. rom. 33; ein junges herz hängt ganz an einem mädchen, bringt alle stunden seines tages bei ihr zu. Göthe 16, 18;
herr Müller gieng im scherze
ein wetten mit mir ein,
sein trost und liebstes herze
brächt ihm ein töchterlein.
Opitz 2, 48;
und ich, ich soll dir glauben,
dasz du kein hartes herz, kein falsches mädchen bist?
7, 55;
nein, sie (Lenore) war
und bleibt ein listig herz; sie wendet sich
mit leisen klugen tritten nach der gunst.
9, 206.
freunde sind ein herz und eine seele: die menge aber der gleubigen war ein herz und eine seele (ἦν ἡ καρδία καὶ ἡ ψυχὴ μία). ap. gesch. 4, 32; zwo schwestern, durch sympathie mehr als durch die geburt verschwistert, ein herz und eine seele, wie man spricht. Musäus kinderkl. 69; dafür: sie lebten in ihrer ehe fröhlich und friedlich, also zwar, dasz in zwei leibern nur ein herz ware. Neiner tändlmarkt 158. der liebhaber namentlich nennt die geliebte sein herz:
dieses alles, alles das
tu ich hier ohn unterlasz
auf gesundheit meines herzen.
Fleming 497 Lappenb.
ebenso der freund den freund: er ist mein herz, intimus meus est, amicissimus mihi est. Stieler 830.
b)
in der anrede, vornehmlich, an das zu vorletzt gegebene beispiel anschlieszend, von seiten des liebhabers, freundes, an die geliebte, freundin: bestes herz, versetzte ich, lasz uns bleiben und sein, wie wir gewesen sind. Göthe 23, 85; auch gestern wieder, liebes herz, hat sich aus deinem füllhorn eine reich liche gabe zu uns ergossen. in Bettinens briefen 1, 214;
du engel! bestes herz!
werke 7, 54;
lasz, herze, lasz dein kläglich thun,
wir sehn einander wieder.
Fleming 376 Lappenb.
auch in der anrede an einen freund, ergebenen diener: du muszt mich recht velachen, gutes altes herz (sagt Berthold zu dem alten Fingerling). Arnim kronenw. 1, 181;
bewährter diener! redlich herz! tritt näher!
Schiller 490 (br. von Messina).
in der anrede an die gemeinde: andächtige und gottergebene herzen! Schuppius (1701) 206; selbst scheltend:
hat meine edelmüthig treue liebe
solches um dich verdient, tyrannisch herz!
Schiller Turandot 4, 10.
II.
herz, auf andere dinge übertragen.
1)
das innerste, der mittelpunkt von etwas: Tyrus, ligende im herzen des möres auf eim groszen felsen. Frank weltb. 165ᵃ; die Deutschen der nordgränze begannen den furchtbaren zug gegen die Römer. ihr heer wuchs in dem herzen Deutschlands. Klopstock 12, 236; auf der holdseligen insel im herzen des paradieses. Fr. Müller 1, 10; mit recht stellt in der jungfer Europa Deutschland das herz vor. J. Paul Titan (1800) 4, 307; im herzen von Schwaben. Göthe 8, 134; um zu erfahren, wie es in dem herzen des gartens beschaffen sei. 24, 85;
mit einem leichten wörtlein, ehe blut
geflossen ist, denkst du, die beste stadt
aus Frankreichs herzen weg zu geben?
Schiller jungfrau 1, 5;
ihr seid rein, wie das herz der wasser,
ihr seid rein, wie das mark der erde.
Göthe 2, 71.
2)
namentlich auch die besten, der kern eines volkes:
ist auch die zahl nicht voll, das herz ist hier
des ganzen volks, die besten sind zugegen.
Schiller Tell 2, 2.
3)
bei pflanzen das mark, die innerste blasige substanz in den stämmen und stengeln eines gewächses. Nemnich 3, 530; bei Megenberg der butzen am apfel des cedernbaums: daʒ dritt, daʒ inwendig ist sam des apfels herz, daʒ küelt. 318, 11; dann auch die innersten, zarten blätter einer pflanze, oder einer blüte: brich du einer pflanze das herz aus. Göthe 10, 95, vergl. herzblatt;
mein (der wilden rose) herz ist holdes gold, das erstlich ligt bedeckt,
bald in dem grünen kelch enthalten und versteckt.
Harsdörfer Nathan u. Jotham (1659) 1, Bb 2ᵇ.
in einem bilde: durch Gretchens entfernung war der knaben- und jünglingspflanze das herz ausgebrochen; sie brauchte zeit, um an den seiten wieder auszuschlagen. Göthe 25, 39;
sagen sie
ihm, dasz er für die träume seiner jugend
soll achtung tragen, wenn er mann sein wird,
nicht öffnen soll dem tödtenden insekte
gerühmter besserer vernunft das herz
der zarten götterblume.
Schiller don Carlos 4, 21.
an bäumen ist herz das innere feste holz, im gegensatz des äuszeren, weichen holzes, das man spind nennt. Weigand wörterb. der deutschen syn. 2, 80. vergl. unten herzig 4.
4)
herz, das innere der schnalle: bewahre sie (die schnalle); es ist ein geheimer angelhacken in der verbognen spitze des herzens. Arnim 2, 272;
was für ein herz thut keinen schlag?
und was für ein tag hat keine nacht?
das herz in der schnalle thut keinen schlag,
der allerjüngste tag hat keine nacht.
wunderhorn 2, 430.
5)
herz, im kartenspiel: herz in dem kartenspiel, folium cordis. Frischlin nom. 476;
ich hab vor das esz, sau und dausz
der schellen, klee, herz gworfen ausz.
Fischart dichtungen 1, 253 Kurz (Jesuiterhütl. 452);
eichel, schellen, grün und herz
bringen dir bald freud, bald schmerz.
Simpl. 4, 321 Kurz.
6)
herz für herzförmige gegenstände: herz von gold wird als schmuck getragen; der bäcker bäckt butter-, zuckerherzen. vgl. herzchen.
7)
herz, eine gattung herzförmiger muscheln; die gesellschaft der herzen heiszt conus nicobaricus, eine krontute. Nemnich 2, 1191.
8)
herz, mehrfach in der technischen sprache; beim uhrmacher das schlagwerk einer uhr; in der schifffahrt das mittlere eines dicken taues, das aus einer gewissen anzahl fäden besteht und über welches die übrigen leinen geschlagen werden; im mühlenbau an der welle der verlängerte und kegelförmig zugehende zapfen, der auszer der fläche des blauels ist; bei den bleiarbeitern gegossene apparate von herzform, um daran kirchenlampen oder auch vogelbauer aufzuhängen. Jacobsson 2, 255ᵇ. 6, 71ᵇ. herz heiszt auch der mittelpunkt auf den breitflächen eines mühlsteins, vergl. unten herzhoch, herzhohl.
9)
herz, in der heraldik, der mittlere theil des schildes.
10)
herz, in bildern, die sich eng an die bedeutung I lehnen. die canzelei ist des fürsten herz. Henisch 584; meine zu weiche seele, die schon unter drei frohen minuten einsinkt, die jeden menschen liebt und sich mit kinderarmen ans herz der ganzen schöpfung hängt. J. Paul Hesp. 2, 111; ha! wer mir itzt ein schwert in die hand gäb, dieser otterbrut eine brennende wunde zu versetzen! wer mir sagte, wo ich das herz ihres lebens erzielen, zermalmen, zernichten ... Schiller räuber 1, 2;
gleichwie wan der winter endet,
Apollons fruchtbares gesicht
der erden hartes herz zerbricht.
Weckherlin 350.
Zitationshilfe
„herz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/herz>, abgerufen am 19.05.2019.

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