herzog m
Fundstelle: Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1256, Z. 68
führer eines heeres, dux. ahd. herizoho, herizogo, mhd. herzoge; alts. heritogo; ags. heretoga; fries. hertoga und hertiga; altn. hertogi; niederl. hertogh (Kilian); dän. hertug; schwed. hertig.
1)
die ursprünglich freiere bedeutung des wortes hat sich bereits seit gegen anfang des 10. jahrhunderts im gebiete des alten deutschen reiches zu der engern einer politischen würde umgestaltet, indem die befugnis, die streitbare mannschaft eines stammes im kriege anzuführen, fest einer familie zufiel, in der auch die politische oberleitung des stammes erblich haftete. die ausbildung dieser stammherzogschaft zu reichs- und suveränen fürsten in Deutschland gehört der geschichte an. in der form des wortes zeigt sich Niederdeutschland von der oberdeutschen, der reichscanzleisprache eigenen form des wortes mehr oder weniger beeinfluszt: wenn die Rüstringer friesischen rechtsquellen statt des ihnen allein gemäszen hiritoga bereits hertoga brauchen, so ist nur der zweite theil des wortes in niederdeutschem gewande geblieben, später dringt die ganze hochdeutsche form vor: dit bôk hôrt hertzoghen Alberte. Pfeiffers Wigalois x (von 1372);
de von Bronswick und Goslar up einen dag
de endseden hertzog Hinrich aff.
Hildebrand volksl. 198, 2,
wo das wort überall als titel steht; sonst auch hertoghe, herteghe, hartoghe dux Dief. 193ᶜ. die declination ist bis ins 17. jh. immer die schwache, wenn auch die gekürzte nominativform herzog bereits im 15. jahrh. durchgedrungen ist: herzog dux voc. inc. theut. i 4ᵇ; die gemeinen räht desz herzogen. Galmy 322; an den regierenden herzogen zu Wirtenberg. Weckherlin 353; Wigmanno, einem sächsischen herzogen von Lünenburg. Micrälius 1, 179; des herzogen. Schuppius 389. die dichter der zweiten schlesischen schule scheinen zuerst die starke form durchzuführen, die seitdem dem worte ausschlieszlich geblieben ist: wiewol ihr kriegsheer aus des herzogs gefällen verpflegt werden muste. Lohenstein Arm. 1, 1065ᵇ; an seinen vater, den herzog Segimer zu schreiben. 1212ᵃ;
noch jüngst gewann mein heer, dasz endlich Benevent
den herzog fortgeschickt.
Hoffmannswaldau Rosimunda s. 59.
für den alten plural herzogen wird herzoge gebräuchlich: herzog, plur. herzoge Steinbach 1, 746; weil damals noch keine herzoge geboren wurden. Möser osn. gesch. 1, 312; jetzt durch herzöge ersetzt. es heiszt herzog zu Sachsen, in Sachsen, in Baiern:
Gisulf soll in Friaul hinfüro herzog sein.
Hoffmannswaldau Rosimunda 63;
herzog von .. in rücksicht auf das beherschte land: herzog Hans Friderichen von Sachsen. abschied des reichstags zu Regenspurg v. 1567, § 39. — Flexionslosigkeit des wortes vor eigennamen, wenn diese selbst flectiert sind (vergl.herr I, 9, f, sp. 1134: wider herzog Hans Friderichen usz Saxen. Ryff chron. 164, 14; von herzog Jörgen in Sachsen. Zinkgref apophth. 1, 243.
2)
die etymologie des wortes ist trotz der früh erlangten engern bedcutung nicht vergessen:
er (Christus) was ein keiser, dô er truoc
die marterkrone, dô man in mit dornen sluoc;
er was ouch herzoge in der selben ahte,
dô er dem her gezogete vür.
minnes. 3, 60ᵇ Hagen;
und so wird öfter herzog noch in dem weitern sinne heerführer verwendet: Conon war ein mechtiger herzog, und ein sighafter heerfürer der Athener. Agr. spr. 108ᵇ; da Moses sterben soll, sorget er für sein volk, wie er es mit einem gottseligen herzog möchte versehen. Otho 33;
als nun das heer ausritt zur schlacht,
da trägt der herzog sondre tracht.
Uhland ged. 352.
3)
von dieser verwendung aus herzog in der bibel- und dichtersprache, anführer, furst, erster: das du ein herzog seiest uber Israel. 1 Sam. 25, 30; aus dir (Bethlehem) sol mir komen der herzog, der uber mein volk Israel ein herr sei. Matth. 2, 6; denn es zimet dem, umb des willen alle ding sind .. das er den herzogen (ἀρχηγόν) irer seligkeit durch leiden volkommen machte. Hebr. 2, 10; ja unser herzog Jesus Christus spricht. Luther 3, 117ᵇ; gleichwie ir herzog Christus nicht das schwert füret, sondern am creuze hanget. 119ᵃ; seine (Christi) apostel unsere herzogen. 5, 4ᵃ; sie werden recht in ihrem kronleuchter gewesen sein, wie der herzog ihres herzens bei ihnen war. Albertine Grün bei Merck 2, 246; und du, feiner hauptmann! herzog der beutelschneider! gaunerkönig! Schiller räuber 2, 3;
du herzog meiner lust.
Fleming 458, 9, 5 Lappenb. (auf Opitz' tod);
zeuch jenen helden zu, du jenen gleicher held,
der itzt nichts gleiches hat, du herzog deutscher saiten.
458, 10, 6 (auf dens.);
war ich herzog groszer geister,
strahlend in dem kranz von licht,
den die hand der Fama flicht?
Bürger 73ᵃ.
4)
herzog, die grosze ohreule, strix babo. vergl. oben unter frank, th. 4, 1, 57; niederl. hertogh bubo, vulgo dux, quasi princeps avium. Kilian.
5)
herzog, chaetodon dux, ein klippfisch. Nemnich 2, 987.
Zitationshilfe
„herzog“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/herzog>, abgerufen am 17.07.2019.

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