Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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hesse, m.

hesse m
Hessus, mhd. Hesse. die frage, ob hier ein aus a umgelautetes oder ein aus i getrübtes e vorliegt, beantwortet sich zu gunsten des ersteren dadurch, dasz in den lateinischen quellen des althochdeutschen zeitraumes die formen Hassi und Hassii mit Hessi und Hessii gleich häufig wechseln und der name des Hessengaues öfter und früher Hassagô als Hessigowe geschrieben wird (Förstemann namenb. 2, 696 f.); auch der eigenname Hasso, der sich ganz zu ähnlichen, wie Sahso, Durinc stellt, zeugt für altes a. dem gegenüber musz die tiefe aussprache des e in dem worte, die Vilmar 166 bezeugt (das wort wird bekanntlich mit tiefem e, fast wie Hässe gesprochen) eine jüngere erscheinung sein; mhd. gedichte, in denen Hesse im reime auf ein wort mit ë erscheint:
Tûsunc von Normandîe,
und sîner bruoder drîe,
Marchunc von Hessen,
die ouch ze strîte wol wessen.
Dietrichs flucht 8643;
Sturmgêr von Hessen
ouch mit schalle zuo reit
mit schoenen scharen sehsen.
rabenschlacht 494,
entscheiden nicht, da es gerade solche sind, in denen ungenaue reime (e : ë) öfter vorkommen. Es ist versucht worden (Grimm gesch. d. deutschen spr. 567; vergl.katze th. 5, 281 und Möser verm. schr. 1, 297) den namen der Hessen mythologisch (in bezug auf eine stammsage) zu deuten, wol auch einen zusammenhang mit dem worte katze anzunehmen. lautlich unmöglich, da schon der anlaut widerstrebt, indem k und h nicht in demselben worte wechseln, und wenn die katze auch hîze, hise, hesse heiszt, so gehen diese letzteren namen von den lockrufen aus, und haben, wie die ähnlichen mîse, mîze, bûse, wînze keine etymologische verwandtschaft zu dem eigentlichen katzennamen. ebensowenig kann der hessische wappenlöwe in dieser beziehung beweisend sein, nicht nur weil dieses thier als wappenthier, gerade wie adler, bär, ungemein oft verwendet ist, sondern auch, weil die ausbildung des wappenwesens für Deutschland in eine verhältnismäszig späte zeit, das 12. jahrhundert, fällt, und bei der wahl dieses wappens wol weniger erinnerungen an stammsagen, als vielmehr der wunsch stärke und tapferkeit sinnbildlich auszudrücken, maszgebend war. endlich entscheidet auch für mythologischen hintergrund und zusammenhang mit katze die bekannte spöttische bezeichnung der blinden Hessen keineswegs. Grimm und ihm folgend Vilmar 43 fassen dieselbe als letzten nachklang einer sonst unbezeugten stammessage auf, wonach der stammesahnherr für ein welf, das blindgeborene junge eines hundes oder einer katze sei ausgegeben worden, daher man wol auch die Hessen blinde hunde oder blinde Hundehessen genannt habe, wie man (im 16. jahrh.) den hessischen wappenlöwen eine katze schalt. der vorwurf der blindheitman weisz nicht, ob und wie viel er über das 16. jahrh. hinaus gehttrifft auszer den Hessen bekanntlich auch noch die Schwaben, ja bei den Düringern diese letztern vorzugsweise, denn sie nennen die Hessen seltener blind als taub, und die Littauer bezeichnen überhaupt den Deutschen als blind, aklas Wuͦkětis, vergl. th. 2, 121. Hiernach bezieht man das epitheton am natürlichsten auf die geistige blindheit oder verblendung (blind in diesem sinne ist schon alt, vergl. das ags. hygeblind von verblendetem gemüte), reiht die angeführte verbindung unter viele ähnliche ein, die sich nachbarliche misgunst erlaubt und erinnert sich, dasz die Hessen wie die Schwaben unter allen deutschen stämmen vorzugsweise im rufe einer zähen störrigkeit stehen. man mochte dann später, unter verstärkung des verächtlichen sinnes, das blind auf die neugeborenen hunde ausdeuten. Wurzelhafter zusammenhang des alten volksnamens Chatti, Chattae, weiter gebildet Chattuarii, ahd. Hazzoarii, ags. Hetvare, mit dem späteren Hassi, Hessi ist in jedem falle mit Pfister (über den chattisch. u. hess. namen, 1868 s. 2 ff.) anzunehmen, wenn auch die eigentliche bedeutung des namens weder mit der katze etwas zu thun hat, noch auch die auffassung der Chatten als pileati (altn. hattr und höttr hut) getheilt werden kann. in dem Chattennamen scheint die wurzel hat (goth. hatan und hatjan verfolgen, hassen) deutlich zu tage zu treten und das wort (abgesehen vom bildungssuffixe) aufs engste verwandt dem altnord. hetja held, ags. hetend, hettend krieger. Hesse geht aus von weiterbildungen derselben wurzel, goth. hatis verfolgung, hasz, hatizôn zürnen, und zwar dergestalt, dasz der zischlaut des wortes auf den vorhergehenden dental assimilierend wirkte; wie es auch der fall war in dem seltenen und der jägersprache angehörigen hessen hetzen, mit hetzhunden jagen (Lexer mhd. wb. 1, 1278), hessehunt, hessezohe hetzhund, ahd. hessehunt, hessezoha (Graff 4, 977. 5, 600). Chytraeus gewährt cap. 49 einen hasen hissen, venari, wogegen sein vorbild Golius hetzen setzt.die bedeutung des Chatten- wie Hessennamens wäre demnach wesentlich dieselbe. Der ruf der Hessen im sprichworte ist im allgemeinen ein ungünstiger: du bist ein blinder Hesse! wolt einen groben tölpel und fantasten damit anzeigen. Frank sprichw. 2, 49ᵇ; wo eine Hesse in ein fremd haus kommt, so zittern die nägel an den wänden. Simrock sprichw. 248; ihr land ist ein armes (vergl. hessenbatze):
im lande Hessen
giebts grosze berge und nichts zu essen,
grosze krüg und sauren wein,
wer möchte wohl in Hessen sein?
wenn schlehn und holzäpfel nicht gerathen,
so haben sie weder zu sieden noch zu braten.
das.;
und der hessische wein ist gefürchtet: ist er so sauer, als wann er in Bayrn oder in Hessen gewachsen wäre. Simpl. 3, 187 Kurz. Dem gegenüber lobt ein Hesse seine landsleute: die Hessen sind freudig und unverzagt, und überausz vernünftig, und eins trefflichen hohen verstandts. also schreibt Cornelius Tacitus von in, und ist war, dann auch zu der zeit, da die poeten seltzam waren, da gab das Hessenland zwen trefflicher poeten, Helium Eobanum Hessum, und Euritium Cordum, ich geschweig ander gelert männer, die noch heutig tags leben. E. Alberus dict. s. v. Hess.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1267, Z. 63.

hesse, f.

hesse f
populus tremula, die espe. Nemnich 4, 1046.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1269, Z. 14.

hesse, f.

hesse f
kniebug, bein; vergl. die nachweise unter hechse sp. 738. in seltenen fällen hat das wort seine bedeutung geändert: clunis, ersbelle .i. hesse. Breslauer voc. ms. aus d. 15. jahrh.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1267, Z. 60.

hesse, m.?, f.?

hesse m.? f.
eine waffenart, nach Schm. 2, 249 ein stoszdegen: halbhawer, krommort, poniart, weidner, hessen, mortpfrimen, jacobsstecken, palster, dollen, schwertpfrimen. Garg. 118ᵃ. Grimm gesch. d. d. spr. 781 stellt die vermutung auf, dasz die waffe nach dem lande genannt sei.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1269, Z. 9.

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