Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

heu, interj.

heu, interj.,
einen plötzlichen gedanken oder eine schnell hervorbrechende empfindung zeichnend und einführend:
ain frid liesz er anstellen
bisz auf den dritten tag,
das tet der könig mit listen,
hew! warumb tet er das?
Uhland volksl. 460;
so lang das wärt, bisz er würt arm,
so spricht er, heu das gott erbarm!
wie hat ich vor nochlauf so vil;
kein fründ ist der mich trösten wil.
Brant narrensch. 67, 16.
substantivisch gebraucht, zum ausdruck der schnelle: da kriegt man on alle vernunft und gotsforcht, mit lauter vollen leüten, die inn einem hew mit dem kopf hindurch wöllen, wie das tholl vich. S. Frank trunkenheit (1531) G ijᵇ. vergl. die mhd. interj. hoi hoy (Ben.-Müller 1, 702ᵇ) und unten hui.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1275, Z. 25.

heu, n.

heu, n.
foenum. goth. havi; alts. houwi; ags. hig, heg, engl. hay; fries. hâ, hê, hai; niederl. hauw, houw, hooi; altn. hey, schwed. dän. hö; ahd. howi, hewi, mhd. höuwe, houwe, höu, heu, hou. die gemeine annahme, dasz heu gleicher wurzel mit dem verbum hauen sei (Fick 717), scheint die zweifellos richtige, als die grundbedeutung des alten, allen germanischen stämmen gemeinsamen und auf eine schon früh erlangte höhere stufe der landwirtschaft hindeutenden wortes musz, die natur des suffixes berücksichtigend, das zu hauende, zu mähende, nämlich gras, hingestellt werden. so wird es noch in einem liede des 16. jahrh. verstanden:
wo wachst höw auf der matten,
dem frag ich gar nicht nach.
Uhland volksl. 604.
Der umlaut in der stammsilbe ist wie im mhd., auch im ältern nhd. manchmal noch nicht durchgedrungen, so dasz die formen hau, hauw dauern (vgl. sp. 562), die in dem heutigen wetterauischenheu nachklingen; hauw foenum Frischlin nomencl. 267;
ja sie sind wie verdorret hau,
das noch am morgen stund zur schau.
Fischart geistl. lieder 66.
für die umgelautete form begegnet bis ins 16. jahrh. auch noch oberdeutsch die schreibung höw, höuw: höuw foenum, gramen aridum sive arefactum Maaler 228ᵈ;
im holz und auf den felden
wo man mit höw auszfart.
Uhland volksl. 606.
Es gibt feines, grobes, süszes, saures heu; dieweil aber die wiesen von verschiedener art, so dasz unter denenselben einige das jahr auch nur einmahl gehauen werden, so wird dieses auf dergleichen wiesen gemachte heu zum unterschied dessen, da man nach der ersten erndte die wiesen noch einmal hauet und grummet machet, alt heu genennet. öcon. lex. 1010; es wird gewendet, gehauen, gemäht, oder gemacht, in haufen, feimen, schochen, schwaden gesetzt, in fudern eingefahren; (es wird) das heu machen insgemein um Johannis im junio oder zu anfang des julii .. angestellet. öcon. lex. 1012; sonst wens noch in der blüt ist (das gras ohne wasser), ehe es abgehawen wird verdorret es, ehe man denn hew macht. Hiob 8, 11; gerstengras wird dem viehe zum futter abgemehet anstatt des heuwes. Tabernaem. 622; ein burde höuw machen, foenum in manipulos colligare. Maaler 228ᵈ;
wer nit im summer machet hew,
der lauft im winter mit geschrei
und hat zuͦ samen gbunden seil
rüfend, das man im hew geb feil.
Brant narrensch. 70, 23;
Hermann eilte zum stalle sogleich, wo die muthigen hengste
ruhig standen und rasch den reinen hafer verzehrten
und das trockene heu, auf der besten wiese gehauen.
Göthe 40, 283;
das heu soll herein,
das bedeutet der rechen.
1, 205;
das heu mit gabelstangen
zur bodenluke langen.
Voss 2, 305.
der bauer fährt ins heu, gen heu: wer wolt gern inn krieg sich wagen, wann er daheim ein Clytemnestram solt haben? so fahr der teufel ins hew. Garg. 29ᵃ, mit anklang an das volkslied:
es het ain biderman ain weib,
ir dück wolt sie nit lan,
das schaffet nun ir stolzer leib,
ir man solt faren gen hew:
mein man, far hin gen hew,
ins hew, in das hew,
nach gramat in das gew!
Uhland volksl. 729.
ein heu ausgeben, die heuernte eröffnen: auch erkent man unser herrschaft von Lindau alle jahr in der ernd ein tag ein vorschnitt, item in dem herbst ein vorles ein tag, und wan man ein haw uszgiebt, ein fürhaw ein tag. weisth. 4, 570. in der bibelsprache wird das heu als bild für rasch vergängliches genommen: alles fleisch ist hew. Jes. 40, 6; wer bistu denn, das du dich fur menschen fürchtest, die doch sterben? und für menschen kinder, die als hew verzeret werden? 51, 12;
alle menschen müssen sterben,
alles fleisch vergeht wie heu.
zahlreiche sprichwörtliche redensarten: o männlin, männlin, du hast uns recht das häu zwischen das horn gelegt, du hast uns trocken auszgeriben (betrogen). Garg. 135ᵃ; zeit machet heu. Neander sprichw. 33; im bauren gehöret heu und haberstroh. Schottel 1120ᵇ; ich lude ihn dannoch freundlich zu mir in mein losament und gab vor, dasz ich einen trefflichen lust hätte, von ihm hebräisch schreiben und lesen zu lernen: und gleich wie er besser als lang heu zu laden (d. h. umgänglich) war, als war er auch ganz willig und unverdrossen, einem jeden nach vermögen zu dienen. Simpl. 4, 99 Kurz; in die scheune gehöret heu, crassis crassa conveniunt. wo genug ist, da streuet man mit heu, abundantia parit luxum. Stieler 788; böses heu machen, abalienare animum alicuius. Serz 69ᵃ; das heu ist schon wieder gut gemacht, iam reconciliati sunt. das.; man musz heu machen, weil die sonne scheint. was man nicht am heu hat, hat man am stroh. man darf seinem heu stroh sagen. unter einem fuder heu erstickt keine maus. Simrock sprichw. 248; wenn einem ein rechtes glück angestanden ist, dann wirft der teufel immer heu runter. Meyr erzählungen aus dem Ries 2 (1868) s. 399; geld haben wie heu: Franziska. so? hat der major geld? Werner. wie heu! er weisz nicht, wie viel er hat. Lessing 1, 551;
bietet ihnen gold, wie heu.
Gotter 1, 49 (31).
verbindung von heu und stroh, heu und spreu:
ir ubt euch albeg fast also,
ein zeit im heu, ein weil im stro.
fastn. sp. 386, 6;
welchs (gut) oftmals unversehn wie heu und spreu zersteubet.
Neumark lustwäldchen 34.
heu in einem scherzhaften bilde für kopfhaar: haben dir die leidige franzosen das heu auf der oberbühne hinweg verfütert .. oder hastu sonst keinen guten haarboden, so setze eine barukque auf und sage, so sei es die mode. Simpl. 2, 311 Kurz; obgleich herr corporal Springinsfeld .. eine herbe hauptkrankheit überstunde, also dasz ihm auch kein härlein heu auf der obern bühne übrig verbliebe. 3, 241. Zeitbestimmung nach dem einernten des heus: dirre hof het trü gedinge alle jar, eins zu mittel hornung, und eins zu mittel meigen, und zu after halme und howe. weisth. 1, 673 (v. 1320); after houwe und halm. 718. vergl. heumonat. heu in pflanzennamen: griechisches heu, trigonella foenum graecum, schwedisches heu, heiliges heu, medicago falcata. Nemnich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1275, Z. 41.

heu, m.

heu, m.
fahrzeug mit einem mittelmäszigen hochbord, das in England, Holland und Frankreich sehr gebräuchlich ist. Jacobsson 2, 256ᵇ. der name ist aus dem holländischen übernommen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1276, Z. 78.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
herumfochteln heuisch
Zitationshilfe
„heu“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/heu>, abgerufen am 24.11.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)