hexe f
Fundstelle: Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1299, Z. 13
saga, venefica, incantatrix. ahd. hagazussa (vgl. Lexer mhd. wb. 1, 1202) und verkürzt hâzus, hâzis, hâzes, hâzissa, ags. hägtesse, hägesse, engl. hag, mhd. hecse, hexse, hesse; das schweiz. fem. hagsch, hâgsch verschmitztes weib, hexe (Stalder 2, 10 neben häggele derselben bedeutung) mag dasselbe wort sein. Zur erklärung der eigentlichen bedeutung von hexe sind manigfache versuche gemacht, unter denen der Kants (10, 150), das wort von den anfangslauten der messformel bei einweihung der hostie, 'hoc est corpus' herzuleiten, als ganz veraltet gelten kann. Grimm (mythol. 992) zieht zur erklärung altn. hagr klug heran, so dasz hexe den sinn verschmitztes weib hätte; andere deuten sie mit bezug auf hag als waldweib. für die richtige beurtheilung des wortes scheint die volle ags. form von wichtigkeit; sie lehrt uns dasz wir es mit einem compositum zu thun haben. wäre in ags. hägtesse der zweite theil des wortes bloszes bildungssuffix, so würde bei der engen verbindung, die schlieszende consonanten der wurzel mit dem anlaute des suffixes einzugehen pflegen, die assimilierte form hähtesse nach dem bekannten gesetze zu erwarten gewesen sein. ags. -tesse, ahd. zussa in dem zu erklärenden worte dürfte zusammenhangen mit ags. tesu, teosu damnum, interitus, contentio, praejudicium, verderben, tesvian in nachtheil setzen, schädigen, verderben (Leo ags. glossar 142), der erste theil ist hag in der bedeutung landgut, feld und flur (vergl. oben sp. 138 und ags. haga gehegtes feld, garten, vorwerk). die hexe ist demnach die das landgut, feld und flur schädigende. zur stütze dieser etymologie darf daran erinnert werden, wie im uralten volksglauben die hexe stets nur als eine person erscheint, die durch übernatürliche mittel das besitzthum der nachbarn und einwohner eines bezirks schädigt, und namentlich ihre zerstörende thätigkeit auf korn und wein, auf das vieh, seine weide und seine mast, die eicheln (vergl. Grimm deutsche sagen no. 251) richtet. hexe steht
1)
in der eben angegebenen bedeutung: strix hegecisse (13. bis 14. jahrh.), niederl. haghetisse Dief. 556ᶜ; saga, ein zauberin, hägs, unhold Dasyp., im deutschen theile häx saga, malefica mulier, venefica; (der wein) schluckt sich besser als camelshaar und katzenhaar, disz musz von eim schwieren und gieren, wie der hechsen scherben und lumpen. Garg. 89ᵇ; die hex so die selbe wolfart ausz geheisz ires bulens des teufels angericht, hat man zu Bern verbrant. Schade sat. u. pasqu. 2, 259, 25; es blitzet mir im herzen nicht anders, als ob tausend hexen wetter darinnen gemacht hätten. A. Gryphius 1698 1, 794; wir läugneten aber beide wie die hexen, ob man uns gleich mit dem henker und der tortur dräuete. Simpl. 3, 127 Kurz; in Abtschwind und Geiselwind, viel huren und hexen sind. Pistorius thes. par. 2, 4; in der jugend eine hure, im alter eine hexe. 4, 62; hexen weinen nicht. 10, 48;
du hast eim guoten gsellen zfressen gän,
ja, katzenhirn, ich weisz nicht was,
das er sich din vermöchte basz;
des ist er leider worden toub (toll),
und bist ein hex, das ich gloub.
fastn. sp. 867, 13;
das selb by den hecksen war
die unser landtschaft alle gar
zuͦ verderben understuͦnden.
Murner geuchm. t iiij;
(zwei wunderthäter hatten) die hexen und den teufel,
der fürchterlich geblöckt,
durch ein allmächtig ave
zur hölle fortgestreckt.
Hölty 9 Halm;
seitdem das mädchen eine hexe ward
zu Rheims, der böse feind uns nicht mehr hilft,
geht alles rückwärts.
Schiller jungfr. 5, 1;
die hexen zu dem Brocken ziehn.
Göthe 12, 207;
die salbe gibt den hexen muth,
ein lumpen ist zum segel gut,
ein gutes schiff ist jeder trog;
der flieget nie, der heut (zur Walpurgisnacht) nicht flog.
210;
das hexen-einmal-eins. 130.
2)
als scheltwort für eine alte, widerliche frau, weil man sich die hexen verschrumpft und triefäugig denkt: do sprach die alte heckcz. Steinhöwel 101 (ausgabe von 1489; in der von 1487 steht: die alte vettel); zuletzt ... kam ein altes weib ganz tropfnasz daher, die sagte, eben als sie beim jäger vorbei passirte: ja, ich habe disz wetter schon wol 14 tage in meinem rucken stecken gehabt! als der jäger solches hörete .. schlug er sie .. übern buckel und sagte: du alte hex, hastus dann nicht eher heraus lassen können? Simpl. 1, 285 Kurz; in Ulm heiszt ein altes geiziges schmuziges weib hekkäs. Schmid 156;
Agathe fort! ich nehme mich in acht
mit solchen hexen öffentlich zu gehen.
Göthe 12, 51.
Auch mehr mit dem ausdruck des mitleids: doch verschmähe ich auch das vergnügen nicht, bisweilen einem dutzend armer hexen eine dankbare rührung abzujagen. Möser patr. phant. 2, 39; die arme hexe, die alle ihre künste von dem schneider oder der putzmacherin borgen musz, verräth eine mitleidenswürdige armuth. 74. — Ferner mit dem accent des ärgers, unwillens: meiner frau geht es mit ihrem kammermädchen ebenso. ist die hexe übler laune: so sitzt meiner frau das zeug ordentlich und steif, aber nicht ein bischen gefällig. 257; wie ich mürrisch fragte, was denn noch für intermezzos? fieng die hexe (die kammerjungfer) laut an zu lachen. 4, 69; willst du jetzt mit, welsche hexe, und gut thun? Hebel 2, 173;
nur fort, du braune hexe, fort!
Göthe 1, 214.
3)
auch als halbes kosewort, für ein junges, geschwindes weib: ich sage ihnen noch einmal, die kleine schwarze hexe gefällt mir ungemein. Bürger 500ᵇ; der Venediger lachte über die listige hexe. Riehl geschichten aus alter zeit (1864) s. 92;
den ganzen nachmittag bis sechse
hab gestern ich umsonst geharrt —
umsonst, du kamst nicht, kleine hexe.
H. Heine 18, 302.
4)
hexe, name für die nachtschwalbe, ziegenmelker, caprimulgus europaeus. Nemnich 2, 854. im Innthale ist hexe auch der name eines nachtschmetterlings. Fromm. 6, 150.
5)
hexe, eine schneckenart, trochus magus, auch hexenmeister.
6)
hexe, tipula, die schnake.
7)
hexe, figur einer besondern spielkartenart: das spiel karten (in der hexenkarte) bestehet aus 36 blättern; und die bilder desselben stellen mancherlei männer, zwei hanswürste und zwei hexen vor, und von den letzten haben sie auch den namen erhalten. Jacobsson 2, 257ᵃ.
hexe f
Fundstelle: Lfg. 6 (1873), Bd. IV,II (1877), Sp. 1299, Z. 11
kniebug, vgl.hechse 1 sp. 738. auch ein krummes messer der gärtner, vgl.hechse 3 sp. 739.
Zitationshilfe
„hexe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hexe>, abgerufen am 13.12.2018.

Weitere Informationen …