hochzeit f.
Fundstelle: Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1640, Z. 48
mhd. hôchzît, hohe, festliche zeit, vgl. unter hoch sp. 1603.
1)
von geistlichen festen. man unterschied vier hochzeiten im jahr (weihnachten, ostern, pfingsten, allerheiligen. Schm. 1, 1044 Fromm.):
die vier hochzit.
Murner bei Scheible 8, 678;
oder drei: zwischen dreien hochzeiten im jahr, nämlich einmal zwischen weihenachten und fasznacht, das ander zwischen ostern und pfingsten, das dritt zwischen den zweien frauwentagen in dem sommer und in der ernt. weisth. 5, 696 (v. 1476); desgleichen gibt der vitztumb den jungfrawen (nonnen eines klosters) alle hochzyt ein wagen mit holz. weisth. 1, 538 (Rheingau, von 1521). auch heiligenfeste werden hochzeiten genannt. Schm. a. a. o.; die hochzeit sand Kathrein. urk. der Benedict.-abtei Altenburg bei Lexer mhd. handwörterb. 1, 1319. hochzeit halten, ein kirchenfest mit begehen: ob er schon ein gut gesell mit ist, ein zechbruder, oder gerne schöne frauen sihet: wan er nur darbei kein ketzer ist, das kan ihme nicht schaden: er bedarf schlechts des jahrs einmal beichten und hochzeit halten, darmit passiert er für ein guten getreuen zugethanen der h. rö. kirchen. Fischart bienk. 232ᵇ.
2)
auch von weltlichen festen:
dô hieʒ sîn vater Sigemunt   künden sînen man,
er wolde hôchgezîte   mit lieben friunden hân.
Nib. 28, 2;
der könig und die königin empfiengen die ritter gar ehrlich und mit groszen freuden, hielten inen grosz hochzeit und fest vier tag lang. b. d. liebe 286ᶜ; ein frauw sprach, dasz sie und viel andere frawen auf einem groszen fest zu s. Margreten weren gewesen, auf solche hochzeit kam ein jungfrauw. 289ᵈ; als wan er etwa zu einer hochzeit oder gastung gehen solte. Spee g. t. 123;
der künig der hat im für genumen,
der wil ain grosze hochzeit haben.
fastn. sp. 761, 13.
drohend, in einer redensart auf die hochzeit kommen, auch dabei sein wollen, vergl. in demselben sinne auf die kirchweih kommen theil 5, 832:
dardurch war dem sein gmüt bewegt,
dacht ich wil hie auf dhochzeit kommen.
grobian. (1568) J vjᵇ (b. 2, cap. 8).
3)
daher, von dem aufwand, der bei solchen festen geschieht, pracht, glanz, herrlichkeit: zudem soltu wissen, dasz die könige wegen der unterthanen sind, und nicht die unterthanen der könige halber. und was ists nun mehr mit solcher hochzeit? heute siehestu einen in vollem glück und groszer herrligkeit sitzen, ... es kan sich zutragen, dasz nach wenig tagen die erde das gehirn aus dem kopfe des, der wegen seines reichthumbs und herrligkeit viel wunderns gehabt, verzehret. pers. rosenthal 1, 31;
(wir sehn gerne) dasz Zion sei erbaut,
und dasz mann gott allda in seiner hochzeit schaut.
Fleming 23.
4)
das fest was bei einer vermählung ausgerichtet wird: im dritten und letzten teile (des buchs) will ich ein frölich hochzeit mit einem köstenlichen male und wirtschaft machen als dann gewonlich ist, so ein man ein weib genomen hat. A. v. Eybe 1ᵃ; anno dom. 1400 und in dem 32 jar da was der keltz winter .. und was so kalt, das man .. ein hohczeit auf der Pegnicz het, und man tanczet darauf, und die hohczeit was eines satlers. d. städtechron. 1, 384, 21;
die ich noch nit, wie sich gebürt,
mit hochzeit hab zu hausz gefürt.
H. Sachs 3, 1, 183ᵈ;
und die vermählungsfeier, sowie die vermählung selbst: hochzeit der brutschaft, nuptie, connubium. voc. inc. theut. k 2ᵇ; die hochzeit, brautlauf, nuptiae. Maaler 227ᶜ; wenn du von jemand geladen wirst zur hochzeit. Luc. 14, 8; am dritten tage ward eine hochzeit zu Cana. Joh. 2, 1; noch vor zwanzig jahren hatten wir kaum zwei oder drei poeten, von denen, auszer etwa an geburtstagen oder hochzeiten, kein mensch notiz nahm. Wieland 19, 269;
nicht in ein freudenhaus bist du getreten,
zu keiner hochzeit findest du die wände
geschmückt, der gäste haupt bekränzt.
Schiller Piccol. 3, 8;
vater, ihr hattet doch nicht einwendungen wider die hochzeit?
Voss 1, 199 (Luise 3, 747).
Es heiszt eine hochzeit machen, halten, bereiten, anrichten, ausrichten: das die kinder Jambri eine grosze hochzeit anrichten, und würden die braut holen von Nadabath mit groszer pracht. 1 Macc. 9, 37; das himmelreich ist gleich einem könige der seinem son hochzeit machte. Matth. 22, 2; ihr werdet eine stille kleine hochzeit machen. Göthe 10, 94; die hochzeit wurde auf des oheims schlosz ausgerichtet. 19, 333; beim hochzeithalten weisz man nie, ob einen nicht der teufel nimmt. J. Gotthelf Uli d. knecht s. 256;
Grittus solte hochzeit machen, und es kam was andres drein,
dasz er ihm gevattern muste unversehens laden ein.
Logau 3, 79, 22;
als einst der löwe hochzeit machte,
kroch zu der neuen königinn
auch eine kleine natter hin.
Hagedorn 2, 136;
die hochzeit soll auch bald geschehn,
noch vor der erndte zeit.
3, 76;
ist das die hochzeit, die du mir bereitet?
Schiller Iphig. 2, 4.
silberne, goldene, diamantene hochzeit, das jubelfest der vermählung nach 25, 50 oder 60 jahren.In sprichwörtern und bildern: hochzeit macht alle satt, ist ein sprichwort, es soll bei euch zutreffen. Immermann Münchh. 3, 10; eine hochzeit macht die andre. frühe hochzeit, lange liebe. öftre hochzeit hat nicht ehre. nach der hochzeit erkennt man des weibes bosheit. es ist nicht jedermann auf die hochzeit geladen. wer bittet den armen zur hochzeit?;
hochzeit haben
ist besser als todte begraben.
Simrock spr. 254.
eine schlacht wird einer hochzeit vergleichen:
gar nahe umb sant Martins tag
ward sich ain hochzeit machen.
und wer den heirat gmachet hat,
zuͦ Augspurg in der werden stat,
die wil ich euch hie nennen.
Uhland volksl. 471 (von 1512);
also fieng man die hochzeit an,
drei singerin (es sind kanonen gemeint) die solten gan
dem brewtigam hofieren.
Hildebrand volksl. 93 (von 1521).
5)
hochzeit, von der einsegnung einer geistlichen person, als himmlische vermählungsfeier: darnach in dem selben sumere, da wart das closter vollinbuwit, und da begunde man zuhant zu schickinde und zu bereitende alle dinc, waʒ man bedorfte zu der hochzit der ynseinunge (einsegnung der jungen markgräfin als nonne). chron. des Clarenklosters zu Weiszenfels, in den neuen mittheil. des sächs.-dür. alterthumsvereins bd. 11 s. 391; ain statut der gaistlichen hochzeit halb (wegen der ersten messe eines priesters). Nürnb. polizeiordn. 84.
6)
hochzeit, die bei einer vermählungsfeier betheiligten, hochzeitleute: wollte die wirthin ein gespräch anfangen und sagte, es sei heute auch schon eine hochzeit durchgefahren. .. Vreneli wurde hochroth und zornig und sagte, es seien nicht alles hochzeite, was heute auf der strasze sei. J. Gotthelf Uli d. knecht (1870) s. 254; heute würden sie doch in ein wirthshaus können, ohne für eine hochzeit gehalten zu werden. 266.
7)
hochzeit, aussteuer, heiratsgut: einiger erheiratheten hochzeit oder zubringenden brautschatzes wegen. Simpl. 3, 294 Kurz.
8)
hochzeit verhüllend für beischlaf, hochzeit haben, coire: aufs erste möcht jemands fragen, was hat Mosen gelüstet, das er uns daher schreibet, wie Adam bei seinem weibe gelegen sei? es ist darumb geschehen, das man das lesen mus in aller welt für jederman, wie die zwei hochzeit mit einander haben, das das gesetz wird angefangen. Luther 4, 32ᵃ. in stärkeren wendungen: man lasse denen edelleuten ihr wildpret, denen bauren ihre kirchweih, und denen hunden ihre hochzeit, so bleibt man ungerauft. Pistorius thes. par. 3, 58; fuszboden von marmor, in der mitte ein breites bett, worauf die flöhe hochzeit halten, überall groszartiger schmutz. H. Heine 2, 94.
9)
hochzeit, im kartenspiel:
der könig und der oberknecht
kein hochzeit machen die ist recht,
wann sie von zweien farben sind.
Birk doppelspiler 113.
10)
hochzeit, eine abgabe, welche gewöhnlich zu gewissen festzeiten an die lehensherren entrichtet werden muszte. Schm. 1, 1044 Fromm.
11)
eine hochzeit gemacht haben nennt der setzer, wenn er aus versehen ein wort, zeile oder stelle doppelt gesetzt hat. Jacobsson 6, 90ᵃ.
12)
verlauf der form. der vocal des ersten compositionstheiles wird noch im 17. jahrh. lang gegeben, wie die schreibung bei Fleming beweist: der musen hoochzeitwünsche. s. 89; jetzt, und sicher schon seit langer zeit, ist er kurz. die mundarten verwischen die beiden worttheile durch zusammenziehung: schweiz. hochsig Stalder 2, 48, hochzig, hostig Tobler 277ᵃ; schwäb. haochzig Fromm. 3, 107, 32; im fränkisch-hennebergischen hochzig, in Nürnberg hâuchzet 2, 275, 12; sonst fränkisch hachset 6, 468; düringisch hochzg, in Obersachsen hochst, mit dem plural hüchste. — Bemerkt musz werden, wie hochzeit zuweilen neutrales geschlecht bekommt (nach analogie von fest): es hat sich genäheret die österlich zyt, und dʒ fest der hochzyt der osteren, uff welches hochzyt er solt und wolt gon gen Hierusalem. wenn es was .. gebotten im gesatz den mannen, das sye drey mol im jor sich solten antworten und stellen gen Hierusalem. nammlich zuͦ osteren, zuͦ pfingsten, und zuͦ den loubertagen am herbst. und die zwey hochzyt der pfingsten und der loubertag liesz man etwenn noch, denen die ferr dar hetten, das sye doheimen bliben. aber dʒ hochzyt dʒ liesz man nyemants noch. Keisersberg post. 1, 79ᵇ; dem hochzeit dienlich, nuptialis Maaler 227ᶜ, der sonst vom femininen geschlecht nicht abweicht.
Zitationshilfe
„hochzeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hochzeit>, abgerufen am 21.09.2019.

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