Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hofmann, m.

hofmann, m.
1)
mann der einen hof bebaut, als eigen oder im unterthanenverhältnisse: colonus hofeman, accola fremt ackerman ł hoveman. Voc. Vrat. ms. 15. jahrh.; colonus hofman, hoffman Dief. 133ᵇ; hofhöriger mann: wer im gericht zuo Tablatt sitzt, und darinn verschint unansprechig mit dem rechten ain jar sechs wochen und dry tag, den sol man dannenthin halten für ainen hofmann und gotzhuszmann. weisth. 1, 224 (st. Gallen 1471); wenn ain hofman ain hofguot ainem der nit ain hofman ist, ze koufent gitt, denselben kouf mag ain hofman in syben nechten nach dem und er offen wirtt, versprechen. 1, 233 (Rorschach, von 1469).
2)
oberaufseher, verwalter eines groszen landgutes: villicus, ein schaffner auf einem meyerhoff, hoffmann. Golii onomast. (1582) 49; villicus, epistates, ein vogt, meyer oder hoffmann. dict. lat.-germ. (Frankf. 1610) 399.
3)
gewöhnlich diener an einem fürstlichen hofe, glied eines fürstlichen hofhaltes: hofmann, hofdiener, aulicus Maaler 229ᵈ; an dises grösten königes (gottes) hofe gros sein und etwas gelten, bestehet in gehorsam leisten und nach des herren willen leben .. so ein göttlicher hoffmann war könig David. Butschky Patm. 777;
sich blosz im felde wagen,
ist eben nicht genug. du kanst, wer wirft was ein?
so gut als feldherr stehn, und auch ein hofmann sein;
das ist: du zeigest dich so grosz im cabinette,
als auf der siegesbahn.
Günther 730.
dasz ein hofmann gleich sei einem rechenpfenning, der gilt bald viel bald wenig bald gar nichts. Opel u. Cohn 373, vgl. hierzu: das mertails aulici den rechenpfeningen zu vergleichen. Zimmer. chron. 4, 358, 2. Mit hervorhebung der gefälligen umgangsformen eines hofmanns: der herzog von Liegnitz ist ein hofmann (sagt der kaiser, sein betragen rühmend). Schweinichen 2, 56; jedermann drängte sich herbei, den vortrefflichen fürsten zu sehen, und jedermann bewunderte seine leutseligkeit und herablassung, jedermann erstaunte in dem helden und heerführer zugleich den gefälligsten hofmann zu erblicken. Göthe 18, 282; der gewandte hofmann steht vor uns. 21, 116. von einem 'ritterlichen mönch' heiszt es: was solt unser bruder Jan bei solchem fest thun, als nur sich herumb werfen, sich tummeln, da eym die recht, dem andern die link nemen, hie zwen zu gleich umbfangen, dort dreien danken: und seinen hoffman recht ausz zulassen und zu erzeigen. Garg. 240ᵃ. andere fügungen betonen andere eigenschaften eines solchen: der jungfrau mutter hatte ihr gewehret sie sollte ihr herz auf mich nicht setzen, denn ich wäre ein hofmann und werde sie betrügen. Schweinichen 1, 376; tentigo, der hofman in der fud. Schm. 1, 1060 Fromm.; dasz der teufel der beste hofmann seie. Opel u. Cohn 372. vgl. hofleute.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1692, Z. 54.

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Zitationshilfe
„hofmann“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hofmann>.

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