Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hofmeister, m.

hofmeister, m.
1)
oberaufseher über einen hof, ein land- oder rittergut, mhd. hovemeister oberknecht (Lexer wb. 1, 1364): gleichwie die knechte eines ernsthaften, getreuen und verständigen meiers oder hofmeisters, der sie täglich zur arbeit anweise, und dabei im zaum halte, bedürfen. öcon. lex. (1731) 1049; verdorbene bauern geben gute hof- und schirrmeister ab. Pistorius thes. par. 5, 13.
2)
häufiger aufseher über den hofhalt eines fürsten: (Karl der kühne hatte am hofe) vier hofmaister, dem iedlichen des jars vier tausend gülden zu sold gebürten. Wilw. v. Schaumb. 17; dem Potiphar, des Pharao kemerer und hofemeister. 1 Mos. 37, 36; Ahisar war hoffmeister (bei Salomo), Adoniram der son Abda war rentmeister. 1 kön. 4, 6; an einem fürstlichen hoff wurden etliche kostbare aufzüg gehalten, ein bäurlin wolte auch hinein tringen zu sehen, der hoffmeister wolte ihn nicht ein lassen. Zinkgref apophth. 2, 96; biszhero bin ich eines fürsten fürgeber oder spenditor gewesen .. wann ich nicht einem jeden habe können den schlund einfüllen, verklagte er mich alsobald vor dem hofmeister. Schuppius 738; herrn Christoph Vitzthumb von Eckstätt, churfürstl. sächsischem hochansehnlichem rath und hofmeister. 785;
(könig Arthaus spricht) hofmaister, mein liber knecht,
lis uns die spangen und sag uns recht ..
fastn. sp. 667, 11;
frau Venus hat einen hofmeister, durch den sie die einladung zu ihr ergehen läszt. Gengenbach gouchmat 91. 100.
3)
in vornehmeren häusern ist hofmeister der erste unter der häuslichen dienerschaft, der namentlich dem gesamten wirtschaftswesen vorsteht; vgl. haushofmeister. — In Basel wird für jede gröszere hochzeit ein hofmeister aus den freunden des bräutigams ernannt, dem die besorgung dessen obliegt, was zur bewirtung gehört.
4)
hofmeister, aufseher und bewahrer des gesindes und der kinder des hauses: wer gewalt ubet im gericht, der ist eben als ein hofemeister, der eine jungfraw schendet, die er bewaren sol. Sir. 20, 4. dann auch erzieher der kinder: euer hochedl. excell. sind hiebevor zu Marpurg eine geraume zeit in meinem hausz ausz und eingangen, und haben neben ihrem hochgelahrten, in allen wissenschaften hochgeübten hofmeister, dem unvergleichlichen Reinhardt, täglich mit mir conversiret. Schuppius 788; diejenigen, welche sich, unter dem titel hofmeister und informatoren, der unterweisung der kinder in familien unterziehen. Rabener sat. 3, 13; sein hofmeister, zu thätig, ein gelehrter, zu unlenksam, ein weltmann zu sein. Göthe 42, 67. in weiterem sinne: niemand kann mehr für uns sorgen; wir müssen unsre eigenen freunde sein, unsre eigenen hofmeister. 17, 167; das schicksal .. ist ein vornehmer, aber theurer hofmeister. 18, 192.
5)
hofmeister, an einigen orten, wie am hofgerichte in Preuszen, der vorsitzende hofrichter. Adelung.
6)
auf kriegs- und groszen kauffahrteischiffen heiszt hofmeister der kajütenverwalter, welcher für das essen und die andern bedürfnisse der kajüte zu sorgen hat.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1693, Z. 65.

hofmeistern, verb.

hofmeistern, verb.
den hofmeister, erzieher bei einem spielen; in transitiver fügung, mit dem nebensinne tadeln, mangelhaftes an einem rügen: denn sonst gebührte mir i. f. g. nicht zu hofmeistern. Schweinichen 1, 125; ich wüszte wohl dasz ich i. f. gnaden nichts zu hofmeistern hätte. 309; sein werk ohne ursache zu hofmeistern. Felsenburg, 1. vorr.; seine filosofen waren keine leute, die (wie Plato) sich heraus genommen hätten, ihn hofmeistern und lehren zu wollen, wie er zuerst sich selbst, und dann seinen staat regieren müsse. Wieland 2, 379 (324); Biribinker war es zu sehr gewohnt, von den damen, denen er in die hände fiel, gehofmeistert zu werden, als dasz er sich durch einen verweis hätte kleinmüthig machen lassen sollen. 12, 227 (211); sie hat einen starrkopf, einen dünkel und eine zunge! das hofmeistert, das schmält, das hechelt durch, das verläumdet, von früh bis in die nacht! Gotter Jeannette 2, 13; ein würdiger mann, der, ohne mich eben zu hofmeistern, auf meine jugend groszen einflusz gehabt hat. Göthe 21, 214. — einen ungehofmeistert lassen: mit vermeldung ich sollte ihn (den herzog) ungehofmeistert lassen. Schweinichen 1, 124; ei vater, lasz du mich ungehofmeistert. Chr. Weise erzn. 227.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1694, Z. 46.

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Zitationshilfe
„hofmeistern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hofmeistern>.

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