Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hofreite, f.

hofreite, f.
1)
hofraum, der für wirtschaftszwecke dienende freie raum eines herrenhofes oder landgutes: hofraithe wird auf einem wohl angebauten herrenhof der raum genennet, darauf alle diejenigen gebäude mit ihren zugehörigen theilen, welche zu einer vollständigen landwirthschaft vornemlich nöthig, .. zu finden. öcon. lex. (1731) 1051; die bauren nennen .. ihren mit einem zaun eingefaszten platz beim hause die hofreut. Frisch 2, 113ᵃ; hessisch hofreide (in und um Wolfhagen hofereise) Vilmar 173; bair. und fränk. hofrait, hoffreth Schm. 2, 172 Fromm.; hofreit, hofrait, hofriet, hofgereit, area ad usum praedii ac domus parata. Haltaus 940; was obendig der strasze leit von hewsern und hofreit. weisth. 3, 524 (Franken von 1380); daʒ Fritz Schaufel .. pawen solt ein hofreit und hause hie zwischen und sant Jacobstag, der schirst kümt. d. städtechr. 1, 212, 13 (urk. von 1352); man sol auch nymant pfenden, der sein holcz in sein hofrait gepracht hat. 30, 17. auch abgegrenzter bauplatz eines gutes: were es sach, das einer queme gen Ascha und wolt da bawen, so sol ime der schultheisz ein hofrid lihen für 4 heller; und wer es, das kein hofrid vorhanden were, so sol man grifen in die hofe oder in die hube und sol im ein hofrid lihen. weisth. 6, 41 (Franken von 1460, weiterhin auch hofstet genannt); platz um eine kirche: welcher in dem gotzhus ze Ittingen und in der hofraitin, als denn dasselb gotzhus begriffen, gefräfelt .. hat. 5, 110 (Thurgau von 1420).
2)
hofreite, das inventar eines solchen wirtschaftsplatzes: nach den gesetzen sollten die bauern, deren wehr gelegt ward, nebst ihrer ganzen familie wenigstens mit voller freiheit und mit ihrer ganzen lebendigen hofraid ausziehen, welche oft einen ganz beträchtlichen werth ausmachte, da es vollbauern gab, die wohl zwölf pferde, zehn bis zwölf kühe, einige ochsen und dazu schweine, schafe und geflügel auf ihrem hofe hegten. Arndt leben 92.
3)
hofreite endlich auch das gut, der hof selbst: curtis hoffreyt, closterhofe, hub Dief. 164ᵇ; ein behausung, hoffraith oder dergleichen bewohnlich gut. Frankf. ref. 2, 3, § 19; also zu zeiten auch grafen und freiherren, ritter und edelknecht .. hofrait do hetten (im Voigtland). d. städtechron. 3, 45, 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1697, Z. 3.

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Zitationshilfe
„hofreite“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hofreite>.

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