Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hofstatt, f.

hofstatt, f.
1)
mhd. hovestat, ahd. hovastat, die stätte worauf ein bauern-, adlicher oder fürstlicher hof errichtet werden soll oder auch errichtet ist, sowie die darauf stehenden gebäude selbst: area hofstat Dief. 46ᶜ; curtis hofstat 164ᵇ; hoffstat, area, spacium terre quod adscribitur curie. voc. inc. theut. k 3ᵃ; bisz er .. im himmel irgends ein hoffstatt mag kaufen, darauf er ein pallast der verdinsten und guter werk kan zimmern und bauen. bienk. 167ᵃ. selbst der bauplatz für eine ganze stadt: Elia ist nicht auf der hofstatt da Jerusalem gestanden, gebawt. Reiszner Jerus. 2, 162ᵃ; und die wüste stätte, worauf ehemals ein gehöft stand, vgl. Schm. 1, 1060 Fromm.: das die leere wüste hofestat deste gröszer werde. Luther 3, 250ᵇ. ferner die scheunentenne: area hofstat ł sciurentenne Dief. nov. gloss. 33ᵃ; auch ein bestimmtes flächenmasz. Lexer mhd. handwörterb. 1, 1369.
2)
hofstatt ist umdeutung des halbfremden, bereits im 17. jh. belegten hofstaat (s. d.), und bedeutet die hofhaltung eines fürsten und die dazu gehörigen personen; der gang der umdeutung erscheint deutlich, wenn hofstatt zunächst den ort einer solchen hofhaltung bezeichnet: als sie nun in eine fürstliche hofstatt in Teutschlandt, die den ruf des vilen zutrinkens hatte, ankamen. Zinkgref apophthegm. 2, 53; glänzet alles an einer königlichen hofstat. Butschky Patm. 730; ich weisz aber dasz allerhand hochverständige cavallier, und andere gelahrte und curiose leut ausz allerlei plätzen, bei e. hochgr. excell. hoffstat pflegen sich zu samlen. Schuppius 2;
eilt er von seiner herrscherinn
den augenblick zur hofstatt hin.
Hagedorn 2, 87;
das wachs davon zu unserer hofstadt anhero zu liefern. verordnung von 1719 bei Möser patr. phant. 3, 164;
dort wird er jagen, baun, gestüte halten,
sich eine hofstatt gründen ...
und kurz, ein groszer könig sein.
Schiller Wallensteins tod 1, 7;
eure hofstatt ist
der sitz der minne, sagt man, und der markt,
wo alles schöne musz den stapel halten.
jungfrau 3, 3;
hofstatt halten, wie hof halten:
ich aber lobe mir das ländliche vergnügen,
das, fern von deiner groszen welt,
auf frischen blumen hofstatt hält.
Klamer Schmidt poet. briefe 55.
dann wesen, art, verlauf der hofhaltung: der (könig von Frankreich) sei vor einem vornehmen closter vorüber geritten, habe gedacht, das closter könne sehr dienlich sein zu der königlichen hofstatt. Schuppius 95; wann mancher fürst oder graf in Oberdeutschland das holz, welches ihm gestolen wird .. zu Hamburg hätte, er könte seine ganze hofstatt davon halten. s. 101. endlich tritt die persönliche bedeutung scharf hervor: ist er (der könig) mit seiner ganzen hofstatt, diese wunderleuthe zu schauen, vor den berg gekommen. pers. rosenth. 1, 6; (der churfürst) kömpt mit seiner churfürstlichen gemahlin und kindern, mit seiner ganzen hochansehnlichen hofstatt in die kirche. Schuppius 182; auf den platz vor dem schlosz in gegenwart der ganzen hofstatt. gefl. finken 227;
für deine hoffstat, herr, ist dein pallast von eisz.
Weckherlin 222 (ps. 104).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1700, Z. 44.

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Zitationshilfe
„hofstatt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hofstatt>.

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