Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hohl, adj.

hohl, adj.
cavus. ein goth. hul-s wird nur nach bezeugten engen verwandten, huljan hüllen, huleins hüllung, hulundi höhle vorausgesetzt; altengl. hole, neuengl. hollow; fries. hol, altn. hol-r, dän. huul; ahd. mhd. hol; mitteldeutsch auch die nebenform hal:
item rat was ist das: es ist hal
und hecht gen tal (die haselnusz).
fastn. sp. 1458.
hohl, wie hüllen (s. d.) haben engsten bezug zum verbum hehlen, mhd. heln (sp. 786) und den dort aufgeführten wortbildungen. hohl bedeutet
1)
im innern leer oder unausgefüllt, in bezug auf dinge die man sich sonst aus éinem stück bestehend, massiv oder auch angefüllt denken kann: (die säule) war vier finger dicke, und inwendig hol. Jer. 52, 21; die tauben so da nisten in den holen löchern. 48, 28; solt in (den altar) also von brettern machen, das er inwendig hol sei. 2 Mos. 27, 8; eine hohle kugel; unterwegs erzehlete ich ihrer etlichen, dasz ich vermeint hätte, das centrum der erden wäre inwendig hol, in welchem holen theil die pigmei wie in einem kranrad herum liefen und also die ganze erdkugel herum trilleten. Simpl. 2, 76 Kurz; hohler würfel, hohle bäume;
liebhaber sucht er oft in jedem hohlen baum.
Kotzebue dram. sp. 2, 175;
hohle zähne; hohle hippen, hohle hipplein, ein dünnes, hohles gebäck, vgl. sp. 1552. 1554; ein hohler berg, berghöhle: etleicheu (see) habent irn ursprinch in dem grôʒen holn geperg, daʒ kalt und velsik ist, wann da entsleuʒt sich der wäʒʒrig dunst in waʒʒers tropfen. Megenberg 102, 27; daʒ .. allermaist in holem gepirge vil erdischer dünst gesament werdent. 107, 27; wo etwa ... der widerhall aus den holen bergen schallet. weish. Sal. 17, 19;
er macht sich zu ihr zu, und hiesz sie mit ihm kommen,
hinauf, da er den fels und holen berg vernommen.
D. v. d. Werder Ariost 2, 72, 6;
hohle fässer; in allen landen sind hohle fässer und kübel. Simrock sprichw. 258; hohle fässer klingen am weitesten; das publicum, besonders das weibliche, liebt solche hohle gefäsze (von nichtssagenden gedichten ist die rede), um sein biszchen herz und geist darein spenden zu können. Göthe an Schiller 476; eine hohle nusz, die keinen kern hat; öfter als bild des nichtigen: es ist schade, dasz sie mit hohlen nüssen um hohle nüsse spielen. Göthe 18, 283; aber die tragödie musz über die natur gehen, oder ich gebe nicht eine hohle nuss darum. Wieland 19, 282. — So berührt sich hohl mit dem begriff leer, des inhalts beraubt:
trinket und schlinget, der krug wird nicht holl!
wie mag das zugehn! schaut, bleibt er doch voll.
A. Gryphius 1698 1, 635;
ich sollte aufstehn mit dem schöpfungswort
und in die hohlen läger menschen sammeln.
Schiller Wallensteins tod 3, 13.
im gemeinen leben redet man von einem hohlen magen, der magen ist ihm hohl, bei groszem hunger.
2)
hohl, leer, nichtig, in oder zu dem nichts ist, in mancherlei wendungen: ein hohler kopf, in dem keine gedanken sind (vgl.hohlkopf); zwei mitarbeitern des vorigen literarischen anzeigers, welche ich als hohle köpfe ... zu kennen glaubte. J. Paul leben Fibels 4;
mir wars gebunden vor der stirn
und hohl im innersten gehirn.
Göthe 3, 31.
verschieden ist der hohle schädel eines gerippes und zu der bedeutung 1 fallend, doch in anspielungen mit dieser (2) zusammengebracht:
gesteht nur, euer schädel, eure glatze
ist nicht mehr werth als jene hohlen dort?
41, 101.
ein hohles herz, das kein mitgefühl hat:
allein das herz, an das er schlägt, ist hohl,
schach Lolo ist nicht zu bewegen.
Wieland 10, 349.
ein hohler geist, ein phantom: do greif sü uf ein holen geist (als sie ihren mann zu greifen wähnte). v. d. Hagen heldenb. 1, cxx;
gleich gespenstern, stumm und hohl und hager,
zieht in schwarzem todtenpompe dort
ein gewimmel nach dem leichenlager.
Schiller 1 (leichenphantasie);
(der bekenner der vernichtung) sehe dann zu, ob er den anblick geliebter edler oder weiser menschen, als zweckloser stundenlanger lufterscheinungen, als hohler dünner schatten, die dem lichte nachflattern und im lichte sogleich zerflieszen und die ohne spur und weg und ziel nach einem kurzen schwanken hinaus in die alte nacht verrinnen, ob er diesen anblick ertragen könnte. J. Paul Kamp. 67. hohl in bezug auf gesinnungen, anschauungen und deren ausdruck: wiedergeburt aus dumpfer dummheit, hohler narrheit, schalem glauben. Arnim schaub. 2, 211; dasz wir eine falsche hohle meinung los sind. Göthe 59, 135; eine leere, hohle natur wird sich wenigstens einen äuszern schein zu geben wissen. 22, 45; so war ich in traurigster einsamkeit befangen. meine tagebücher melden nichts von jener zeit; die weiszen blätter deuten auf den hohlen zustand. 31, 195;
eitles mühn,
sich zu vergegenwärtgen ferngeschiedenes,
unwiederherstellbares! hohle leidge qual!
40, 411;
da sprach er .. vom einzigen glück des hohlen lebens, von der liebe. J. Paul Tit. 2, 243; (dieser roman) ist ein neuer beweis, wie weit diese dilettanterei wenigstens in dem mechanischen und in der hohlen form kommen kann. Schiller an Göthe 778; Hagemannische und Hagemeistersche stücke, obgleich hohl, doch für den augenblick theilnahme erregend. Göthe 31, 20; wie hohl übrigens das ganze stück sei, würde sich bei der ersten vorstellung deutlich zeigen. 33, 217; in substantiver stellung: das hohle, das falsche einer theorie. 51, 13; hohle worte, schon im 15. jahrh.: nach solichen holen, gifttragenden worten. d. städtechr. 3, 133, 9; beides sind hohle worte, die dem denkenden gar nichts sagen. Göthe 50, 197; und diese (die wache) treibt ein hohles wort des herrschers, nicht ihr gemüth. 8, 298; mit schlechtem dank und hohlen redensarten der schule. 31, 17; zu hohlen und nichtigen prosaischen und poetischen phrasen. 50, 187; so ist denn auch .. Venedig mir kein bloszes wort mehr, kein hohler name. 27, 97; es waren .. bekannte sprüche, reime, ausdrücke und wendungen, die ich hundertmal gehört und als an hohlen klängen mich geärgert hatte. 23, 186;
nun (spricht der vogel) seh ich wohl,
das alte sprichwort ist nicht hohl.
Wieland 18, 373.
die hohle nacht, die das gefühl der leere gibt: nur hinter dem hause schlich sich, aber ungesehen, die grosze hohle nacht aus osten heran. J. Paul flegelj. 1, 116;
bis sie zuletzt des orcus hohle nacht umfängt.
Göthe 41, 190.
die ältere sprache hatte zu hohl in diesem sinne einen abhängigen genitiv gefügt:
manec mensch ist süeʒer worte vol,
des herze doch inne ist triuwen hol.
Renner 8670.
das begegnet noch im 16. jahrh., später nicht mehr:
sunst bistu aller künsten hol.
Schade sat. u. pasqu. 3, 119, 3.
3)
hohl, von tönen, die wie aus einem hohlen raume klingen: eine hohle stimm, vox quasi e caverna sonans; sonus obscurior quasi ex infimo specu redditus Frisch 1, 461ᶜ; darnach die stimmen dester diefer und höler lauten. Micyll. Tac. 438ᵇ; die meisten (kranken) überfiel ein holer schlucken. Heilman Thucyd. 236; die dicken eulen schrien ihr hohles klaggeheul von baum zu baum. Bronner fischerged. (1787) 27; wie hohl der schlag vom gewölbten münster herunter tönt! Fr. Müller 2, 151; auch unser hohles wimmern in éins geschmolzen. Schiller kabale u. liebe 4, 4; in hohles beben hinabgefallen (beben mit hohler stimme). Fiesko 5, 13; ich kann hohl reden wie aus dem grabe. Kotzebue dram. sp. 3, 141; leere fässer klingen hohl. Simrock sprichw. s. 119;
eʒ wænet manger singen wol,
des stimme hert ist unde hol,
und brieschet als der esel tuot.
Boner edelst. 82, 52;
der glocken ängstlich hohler schlag (grabgeläute).
D. Stoppe Parnass 131;
mutter! mutter! spricht sie hohle worte:
so miszgönnt ihr mir die schöne nacht!
Göthe 1, 248;
wie der stimmen hohles brausen
aus der tiefe tönt empor!
Körner 1, 125.
so gilt hohl auch von den dumpfen tönen des rauschenden wassers:
rollt eure krausen silberwellen
mit hohlem murmeln durch das bunte veilchenthal,
ihr wiesenbäche und ihr quellen.
Melinde ist nicht mehr!
Hölty 48 Halm (elegie eines schäfers);
und stille wirds über dem wasserschlund,
in der tiefe nur brauset es hohl.
Schiller taucher.
die hohle see wird theils hierher, theils auf die folgende bedeutung von hohl (no. 4) bezogen:
wohin noch wirft uns dieser tolle sturm?
das wogt und brandet wie die hohle see.
Uhland Ludwig 81;
den ganzen tag ging der wind ziemlich stark und gut; aber gegen abend legte er sich, und die see ward hohl. Seume spaziergang 1, 140. hohle wälder können vom geschrei der jagenden widerhallende, oder auch solche sein, deren baumkronen sich wölben, so dasz man hinein wie in eine höhlung blickt (vgl. unten unter höhle 1):
der sonnen schwester (Diana) hetzt durch alle hohle wälder
und jagt pusch ausz pusch ein.
Fleming 65.
4)
hohl vertritt auch die bedeutung concavus, einwärts gebogen, muldenförmig vertieft; so in einer anzahl technischer ausdrücke: hohl geschliffene gläser, hohl geschliffene klingen; hohl gegossene arbeit, beim gelbgieszer der gusz nach einem modell, das vorher auf der linken seite hohl getrieben ist. Jacobsson 2, 273; hohles blatt, concavum folium, das in der mitte eingetieft ist; auch sonst: vela concava, hohle seegel. Kirsch cornuc.; der bruder redner sasz unten zwischen alten schattigen bäumen, und vor ihm hatten sie an einem hügel in hohler rundung sitze mit rasen nach einander in der höhe rückwärts angelegt, und so saszen sie übereinander, und hörten zu. Heinse Ardingh. 1, 57; hiesz ihn den hohlen weg einher reiten. Götz v. Berl. 64; wo die räuber euren herrn, in einem hohlen wege, angefallen hatten. Lessing 1, 306, vgl. hohlweg;
durch diese hohle gasse musz er kommen.
Schiller Tell 4, 3.
von körpertheilen: der hohle fusz, gegensatz des plattfuszes;
nu tanze eht hin, mîn süeʒel!
sô hol, sô smal sô wurden nie kein vüeʒel.
minnes. 2, 93ᵃ Hagen;
die hohle (einwärts gekrümmte) hand; wasser aus der hohlen hand trinken; die holen hend, als wenn man etwas darein wil nemmen, palmae cavae Maaler 230ᶜ;
ach! die wachtel ist todt, Naidens wachtel,
die so gern in Naidens hohler hand sasz.
Ramler 1, 18.
als zeichen der begehrlichkeit: ach, da (beim kammergericht) macht alles hohle pfötchen. Göthe 8, 77; — hohle augen, bei kummer und not:
manch Seladonchen wurde durch ihrer augen macht
aus einem zweiten Narciss in dreimal tag und nacht
so leicht wie ein seufzer, und hohler von augen und grüner
als eine dirne, der Hymen das warten zu lange gemacht.
Wieland 4, 127 (n. Amadis 6, 11);
blickt drauf den ehrvergesznen mann,
den schauer überschleicht,
dreimal mit hohlen augen an,
und wimmert, und entweicht.
Hölty 17 Halm;
daher der hohle blick:
sie (die Erinnyen) horchen auf, es schaut ihr hohler blick
mit der begier des adlers um sich her.
Göthe 9, 48;
hohle wangen:
das haar schneeweisz,
die wangen so hohl,
bald, bald lebwohl.
Lenau neue ged. 174;
hohl von tiefgehenden wunden: von holen schäden, die holl seindt einer spannen oder noch tiefer. Würz wundarzn. 40; hohl von pferdehufen: die huefe sollen hoch und nicht hohl sein, auch nicht schmahl wie an den eseln, sondern fein breit und rund, weilen in den holen schmahlen hüfen gern der kern und das leben schwindet, und seind den hornklüften geneigt. Böckler kriegsschule 969; von den flanken: dasz das pferd hohle flanken habe, wenn der raum zwischen der letzten ribbe und dem hüftbeine hohl ist. Jacobsson 5, 559ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1712, Z. 17.

hohl, n.

hohl, n.
höhle, loch, vertiefung, ahd. mhd. ags. hol: man siht auch oft, als ob in den himel ein tiefeʒ grôʒeʒ hol gê. Megenberg 74, 26; zeuht er (der hirsch) mit seinen naslöchern slangen auʒ den hölrn und iʒʒet die. 129, 20; etleich sprechent, daʒ der fuhs im selber nümmer kain hol grab, aber der dahs grebt alliu hölr, dâ die fühs inne wonent. 163, 19; (ein drache) den verpannt sant Silvester der bapst in sein hol, das er nimmer her fur kom. d. städtechr. 4, 291, 3; da kund man sant Ulrichs grab lang nie vinden. am letsten vand man zwai hol ob ainander. 303, 25; das grosze drusen und holer werden. Mathes. Sar. 157ᵇ; (ein elennthier, das sich) in die höler und schrofen versteckt. Forer thierb. 40ᵃ; hiatus aut discessio terrae, ein ingefallen holl der erden. Chytraeus (1594) cap. 8, sp. 37; derselbe herr hat die jungfraw verkundschaft in einem hole, darein sie sich von furcht wegen vor ihm hatte verborgen. buch d. liebe 285ᶜ;
hätt ich mein flaisch also getödt,
so wölt ich frei und ungenöt
yetz ziehen bei euch inn ain hol.
J. v. Schwarzenberg 151;
hohler, leerer raum im allgemeinen:
Thraso meint: zu Amors possen
sei er viel zu viel verdrussen,
lade lieb in ein pistol,
schiesze sie ins weite hol;
wann er dieses fürgenummen,
sei sie selten wieder kummen.
Logau 3, 62, 26.
höhlung an körpertheilen: vola das hol in der hand oder under dem fuͦsz. Alb. Cc 4ᵃ; stelle den spiesz unter das hol des rechten fusz. v. Wallhausen der soldat zu fusz ABC s. 22; leck mir das hol! Andreas Tharaeus weiberspiegel (eine comödie 1628).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1714, Z. 80.

hohlern, höhlern, verb.

hohlern, höhlern, verb.
frequentativbildung zu höhlen, hohl machen: cavare holern Dief. 107ᶜ; höler die kern auʒ in und leg lauter honig in diu grübel. Megenberg 320, 5; steter tropf hohlert den stein. Schottel 1122ᵃ; schneidet citronen nach der länge entzwei, höhlert das mark, wie auch das weisze, alles genau heraus. Hohberg 3, 3, 99ᵇ. dafür die form holdern mit eingeschobenem d: da sie kain ander potschaft in die stat haben mochten, holderten sie drei buchsenstein, darein schuben sie die brief. Wilw. v. Schaumb. 23; daʒ man die laib und ander prot innen auszholdert. d. städtechron. 2, 335, 15. vgl. die formen hölen, holern, hölern, hülern neben hölschen, hulgen und höldern, alle éiner bedeutung, bei Schm. 1, 1083 Fromm., und aushöhlern theil 1, 888.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1718, Z. 8.

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Zitationshilfe
„hohlern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hohlern>.

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