Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hold, adj.

hold, adj.
benevolus; gratus. goth. hulþs; alts. ags. fries. hold; niederl. houd; altnord. hollr, dän. schwed. huld; ahd. mhd. holt; neben der gewöhnlichen nhd. form hold geht, wesentlich bei mitteldeutschen schriftstellern des 16. 17. jahrh., und in prädicativer stellung, nicht unhäufig die form huld her, die ganz dem subst. huld gratia, clementia angeschlossen scheint, wie sich wiederum umgekehrt für diese substantivform auch hold findet, s. unten: gott hat mich also gesetzt, das ich meiner mutter liedli singen mus, mir und dir ist niemand huld, das ist unser beider schuld. Luther 6, 315ᵃ; die zahl vieler groszen männer, die mir huld sein. Opitz poeterei vorrede 1ᵇ;
dasz Pallas nicht allein
sich rühme nechst der schlacht den büchern huld zu sein.
gedichte 1, 88;
(das weib) ehrt ihn (ihren mann), ie mehr er herrscht, und hält gewisz darfür,
ie schärfer er sie hält, ie hulder sei er ihr.
Fleming 72;
verleihe nur geduld,
du mein gerechter gott, und sei mir wieder huld.
Neumark lustwäldchen 194.
comparativ hulder:
het warhait ich geschwigen,
mir wären hulder vil.
Uhland volksl. 918 (Hutten);
selbst bei neueren: einer schrieb so satirisch über die weiber, der in solchem alter .. sich nichts schöners, besseres, hulderes hätte denken sollen, als ein weib? J. Paul grönl. proz. 1, xii. Für hold wird die sinnliche bedeutung geneigt, abwärts sich neigend angenommen und es zu den auf sp. 221 ff. behandelten worten halde abhängende stelle, halden sich neigen, hälden etwas neigen, gestellt werden müssen. die alte sprache braucht darum zunächst und zu häufigst das wort in bezug auf die zuneigung des herrn zu seinem untergebenen, in zweiter linie auf die neigung dieses zu jenem, und die modernere freiere bedeutung, die uns die alte sehr zurückgedrängt hat, ist dort nur wenig entwickelt. hold bedeutet
1)
zugeneigt, von treuer und freundlicher gesinnung; und zwar
a)
bezüglich des herrn zum diener, gnädig, gewogen: goth. guþ, hulþs sijais (griech. ἱλάσθητί μοι, vulg. propitius esto) mis fravaúrhtamma. Luc. 18, 13; alts.
thô sprak imu eft is hêrro angegin,
mâri mahtig Krist, was imu an is môde hold.
Heliand 3100;
ags. ac him (ist) his dryhten tô þäs hold.
seefahrer 41;
mhd. sô wil ich boten senden   nâch mînen mâgen
ich enbiute in holden willen.
Gudrun 34.
nhd. nur noch selten, meist von der gesinnung gottes, des obersten herrn, gegen die menschen, seine unterthanen: je höher du bist, je mehr dich demütige, so wird dir der herr hold sein. Sir. 3, 20;
ihr seid der väter haar, ihr häuft noch ihre schuld:
ihr teufelisches volk, solt euch denn gott sein huld?
Fleming 13;
vertilge meine schuld.
verbirge dich vor ihr, und sei mir wieder huld.
21;
ach bleib mir hold und gutes muths,
bis mich die ströme deines bluts
ganz rein gewaschen haben.
P. Gerhard 17, 4.
b)
bezüglich des unterthanen zum herrn, treu ergeben (vergl. hierzu das verbum huldigen): alts.
ne bist thu, quâđun sia, thes kêsures friund,
thînon hêrron hold,   ef thu ina hinan lâtis
sîđôn gisundan.
Heliand 5361;
ags. âhte ic holdra þŷ läs
deórre duguđe,   þe þâ deáđ fornam (worte des königs).
Beóvulf 487;
mhd. nu schowe, künic hêre,   Volkêr ist dir holt:
er dient willeclîchen   dîn silber und dîn golt.
Nib. 1943, 1;
nhd. si mochten ome mogelichen (nach vermögen) sin gar holde
(die Schweizer, dem herzog von Burgund, ironisch).
Liliencron volksl. 2, 87, 36.
gewöhnlich in festen formeln: diesem könig .. treu, hold und gehorsamb sein. Schuppius 385; die clienten dagegen waren verbunden dem schuzherrn mit redlichem herzen hold und gewärtig zu sein. Niebuhr 1, 361; der senat forderte, dasz sie die majestät des römischen volks anerkennen und ihr hold und gewärtig zu sein geloben sollten. 3, 236;
für sie ist ihm sein volk getrew,
hold ist es ihm für sie.
Weckherlin 426;
auch in freierem sinne:
sei stets der wahrheit hold.
Hagedorn 2, 73.
2)
frühe heiszt hold auch freundlich, geneigt, liebend, ohne bezug auf ein herren- oder dienerverhältnis: mnd. holt carus Dief. 104ᵃ; ags.
is his eafora nu
heard her cumen, sôhte holdne vine.
Beóvulf 376;
mhd. holt wird ich in nimmer,   die eʒ dâ hânt getân.
Nib. 1052, 3;
und zwar ist das adjectiv gewendet auf personen wie auf ihr denken und thun: mhd.
daʒ truoc mîn holder friedel,   dô ich in jungist sach.
Nib. 2309, 3;
dir enbiutet holden dienest   der liebe herre mîn.
1380, 2;
auch nhd.:
trifft mancher grobian nicht kegel, und fällt nicht gleich ein
holdes ja (von der umworbenen schönen).
Günther 429;
dein vergnügen
blüht jetzo durch ein holdes ja.
so musz die keusche liebe siegen.
150;
es geht die sonne mir der schönsten gunst
auf einmal unter; seinen holden blick
entziehet mir der fürst.
Göthe 9, 194.
in prädicativer stellung: ich bin hold, die liebe hat mich gefangen, cepit me amor. Maaler 230ᵇ;
ach! da warst du so hold und schütztest ein trauriges leben,
das die verwegene flucht endlich dem knaben entrisz.
Göthe 1, 316.
häufig ist die formel einem oder etwas hold sein: einem hold und günstig sein, bene velle alicui ex animo. Maaler 230ᵇ; der seinem vatterland hold ist, amans patriae. das.; (dasz) beide gott und menschen im (Mose) hold waren. Sir. 45, 1; man musz ihm hold sein! das ist wahr. er ist immer so freundlich, frei und offen. Göthe 8, 193;
ich fröu mich doch der mære,   daʒ ir mir sît sô holt.
Nib. 156, 3;
und kumt her, mein liebe kint,
als lieb und holt ir ainander sint,
und pietet an ainander di hent.
fastn. sp. 578, 1;
kein welscher ist den teütschen hold.
Gengenbach 21, 334;
wie du, war sie bequemen tagen,
der freundschaft und der freude hold.
Gotter 1, 122;
und dieses ufer ward dir hold und freundlich,
das jedem fremden sonst voll grausens war.
Göthe 9, 7;
eine dirn des schlosses ist mir hold.
Schiller Tell 2, 2;
ihr habt heut viel tapferkeit bewiesen,
und hold war euch das glück.
Shakesp. Lear 5, 3;
you have shown to-day your valiant strain,
and fortune led you well.
früher auch einen hold haben (vgl. unter haben sp. 64):
ich haisz Hans Narrolt
und hab des wirts mait holt.
fastn. sp. 653, 12;
ich glaub sie hab mich herzlich holdt.
H. Sachs 3, 2, 113ᵈ;
der könig, sprach sie, hat dich hold,
für könig, keiser, fürsten und gold.
Ambras. liederb. no. 225, 134;
die königin aus Frankreiche,
die hett die Teutschen sonder hold.
das., v. 202;
das macht, dasz wir euch haben hold,
ihr thut uns unser herz erfreuen.
J. Ayrer 210ᵈ (1048, 28 Keller).
man macht sich hold, lieb, beliebt:
wol berathen, gut gerathen, macht den rath geehrt und hold.
Logau 2, 5, 10;
Aristea, du bist schön; allen leuten macht dich hold
zier am leibe, zucht im sinn, und im beutel eignes gold.
241, 191;
etwas thut hold, erweckt freundliche empfindung:
feuer glänzet mehr als gold,
doch verbrennt es sehr:
ob die wollust uns thut hold,
doch verletzt sie mehr.
3, 183, 60.
3)
die heute vorwiegende bedeutung von hold, freundlich, lieblich, anmutig in erscheinung oder empfindung, läszt sich wol vor dem 17. jahrh. nicht nachweisen, obwol sie schon früher am compositum holdselig (s. d.) ausgebildet ist:
sie (die verstorbene) war an schönheit reich,
an vielen gaben hold.
Fleming 133;
mein (der wilden rose) herz ist holdes gold.
Harsdörfer Nathan u. Jotham (1659) 1, Bb 2ᵇ;
diesz ahndt vielleicht dem holden kinde.
Günther 184;
du holde braut! wirst hier gemeinet.
218;
täuschen mich die holden blicke (der schönen).
240;
(ich) wähle mir die holden strahlen,
womit die vollen rosen prahlen.
329;
der blumen buntes heer,
der holden farben schmuck und prangen.
Brockes 2, 118;
seit dem vorigen jahrh. ungemein häufig: Venus ist dem bildhauer nichts als die liebe; er musz ihr also alle die sittsame verschämte schönheit, alle die holden reize geben, die uns an geliebten gegenständen entzücken. Lessing 6, 433; eine frohe herzliche betrachtung holder und erhabener naturscenen. Göthe 23, 176; ihr holder busen bewegt sich auf eine gewaltsame weise. 25, 279; gärten, terrassen .. überall freien ausgang nach der holden umgegend erlaubend. 48, 42; (ich) hoffe gut zu schlafen zu holdem erwachen. an Auguste Stolberg 130. ironisch: ebensowenig wie ein mann seines weibes los wird, wenn er einmal das glück gehabt hat, sich die holde bescherung aufzuladen. H. Heine 3, 82;
der schönen nach der welt,
die unser lob erhält,
und, voller dankbarkeit,
uns holde mäulchen leiht.
Hagedorn 2, 83;
dir, mutter holder triebe,
o freundschaft, dir zur ehre.
3, 80;
dem vater holder kleinigkeiten (dem dichter Hagedorn).
Uz (1768) 2, 312;
sie bückte sich noch einmal hin, und sah ..
den holden schläfer an.
Wieland 10, 156;
die holde schöne, denkt einmal,
that aber arge thaten.
Hölty 20 Halm;
nimmer wich der seraph unschuld, nimmer
von der holden schläferin zurück.
60;
ihr holder name wird aus jener felsenkluft ..
noch oft ertönen.
49;
holde, unschuldsvolle scham.
Gökingk 1, 121;
in einer laube holden nacht.
Gotter 1, 228;
daheim, im holden Lacedämon.
Bürger 153ᵇ;
holder friede,
süsze eintracht!
Schiller glocke v. 322;
ich weisz nicht, was mir hier gefällt,
in dieser engen, kleinen welt
mit holdem zauberband mich hält?
Göthe 1, 113;
von holder lebenskraft erfüllt.
das.;
auf, in der holden stunde
stoszt an.
130;
ach, wer bringt nur eine stunde
jener holden zeit zurück!
63;
und der göttliche schlaf eilet gefällig voraus,
dieser holde geselle des reisenden.
314;
wie aus dem keim der bekanntschaft
nach und nach in uns holde gewohnheit entsprosz.
329;
wider meinen willen
zwingt mich dein holder mund.
9, 47;
doch dasz das leben, das dich treibt,
immer bei holden kräften bleibt,
hab ich deinem innern wesen
nahrung und balsam auserlesen.
13, 130;
wenn ich nun im holden haine
unter meinen freunden wandle.
47, 266;
reiche nennens (Amerika) land des goldes;
doch der arme nennts sein holdes
nährendes kartoffelland!
Voss 5, 29;
uns armen menschenkindern
ein holder ammenlaut.
210;
würzt unsern trank
mit holder red und chorgesang.
257.
in prädicativer stellung:
wär ich doch so hold wie jener
freund der liebesköniginn.
Bürger 5ᵇ;
denkt euch ein mädchen, das jezt hold,
jezt finster sich gestaltet.
Gotter 1, 89.
adverbial: sie hatte mein concept der poetischen epistel vor sich hin gezogen und las es halb laut, gar hold und anmuthig. Göthe 24, 271;
küsste mich so hold, so süsz.
1, 22;
aber was leuchtet mir dort vom felsen glänzend herüber,
und erhellet den duft schäumender ströme so hold?
314;
nun vereinzelt schwellen sogleich unzählige keime,
hold in den mutterschoos schwellender früchte gehüllt.
328;
der Suada mit hold einladenden lippen.
Ramler 1, 6.
4)
substantive verwendung des adjectivs in der zuletzt angegebenen bedeutung:
komm herab, du schöne holde,
und verlasz dein stolzes schlosz!
Schiller parasit 4, 4;
o was in tausend liebespracht
die holde, die ich meine, lacht!
Bürger 37ᵇ (die holde die ich meine überschrieben).
vgl. unten holdchen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1733, Z. 26.

hold, f.

hold, f.
bei den schlesischen dichtern des 17. jahrhunderts für huld, s. d.:
o werthes edles pfand, o bürgin ihrer hold,
an dir ist umb und umb geringers nichts als gold (ein armband
ist gemeint).
Opitz 2, 241;
ein könig bin ich so, mein haus ein königreich,
da weder hold noch gram mich roth macht oder bleich.
Logau 1, 97;
dein (eines geistlichen) warnen, das so gut
setzt manchen aus gefahr in gottes hold und gut.
1, 232, 66;
dasz nun der fürst disz gold
schätzt werther als es werth, rühm ich als höchste hold.
Lohenstein Agrippina 22, 38;
seht der prinzessin hold
wird ungefärbt bei den gefangnen stehn.
Hallmann Theodorich s. 24;
bei Logau auch im reime auf schuld:
gottes güt ist immer new, immer alt ist unsre schuld,
neue rew verleih uns, herr, und beweis uns alte hold.
2, 35, 27,
wo auch der plural holde = gunstbezeigungen gebraucht wird:
der morgen, treuer freund, entdecket unsre schulden,
dadurch wir deine sind, für so viel reiche holden,
die uns dein abend gab.
1, 60, 42 (an einen freund, über gestrige bewirthung).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1736, Z. 29.

holdern, adj.

holdern, adj.
von holder: holderin sambuceus Maaler 230ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1737, Z. 74.

holdern, verb.

holdern, verb.
s. hohlern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1737, Z. 75.

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Zitationshilfe
„hold“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hold>.

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