Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geholdt

geholdt,
s. gehuld.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1880), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2493, Z. 58.

holen, verb.

holen, verb.
afferre, adducere, advocare. ahd. alts. halôn, holôn, altfries. halia, mhd. haln, holn, niederl. haalen; engl. hale, dän. hale, schwed. isl. hala ist nur in der unten folgenden bedeutung 10 gebräuchlich. die urverwandtschaft des wortes mit griech. καλεῖν, lat. calare ist längst erkannt, ihr gemäsz bezeichnet es in der ältern sprache noch öfters rufen, herzurufen: ahd. var inti halô thînan gomman (vade, voca virum tuum). Tatian 87, 5; alts.
ef imu than thes wirđig ne sî,
that he thi gehôrie,   halô thi thâr óđran tô
gôdorô gumonô,   endi lah imu is grimmun werk.
Heliand 3229;
eine bedeutung, die bis auf heute durchklingt, wenn das wort mit belebtem objecte steht, siehe hernach 1. holen heiszt allgemein zu sich kommen machen, an sich nehmen oder ziehen, im gegensatze von bringen, das zwar manchmal an holen rührt, dessen grundbedeutung aber nur bewegen und überliefern von einem orte zum andern schlechthin bezeichnet, während bei holen der eigene wille des subjects und eine vorgängige bewegung an den ort wo das object sich befindet, verstanden wird. holen steht
1)
mit persönlichem object, jemanden kommen machen, zu sich ziehen oder führen: mhd.
er hieʒ sîne bruodere varn,   haln ir vater joch ire barn.
genesis in den fundgruben 2, 70, 33;
er begunde ruofen   vaste über die fluot.
nu hol mich hie, verge,   sprach der degen guot.
Nib. 1490, 2;
nhd. sendet einen unter euch hin, der ewrn bruder hole. 1 Mos. 42, 16; da holeten sie Simson aus dem gefengnis. richt. 16, 25; wer wil hin ab in die tiefe faren? das ist nicht anders, denn Christum von den todten holen. Röm. 10, 7; ecce! conveni, kommst du nicht, so hol ich dich. Pistorius thes. par. 5, 43; in der verbindung holen lassen: da sandte er hin und lies in (David) holen. 1 Sam. 16, 12; David sandte boten hin und lies sie (Bathseba) holen. 2 Sam. 11, 4; sand er hin und lies holen seine freunde. Esth. 5, 10. — Man sagt sich eine frau holen, heimführen, wie schon ahd.: thie thâr thie furlâʒanûn halôt (qui dimissam duxerit). Tatian 29, 2; die braut heim holen.
2)
im fluche: der teufel, der henker, die pest hole dich!: der teufel soll dich lecken, der hol dich, der nem dich, der zerreisz dir das fidle, der hol dich in der senfte, so zerstoszst kein knie. Garg. 94ᵃ; skal my de tüfel halen, ik schiete dik! Simpl. 1, 24 Kurz;
wer mich lobt in praesentia,
und schilt mich in absentia,
den hole die pestilentia.
Pistorius thes. par. 7, 22.
auch auszerhalb des fluches: wer sich in herrn-diensten zu tod arbeitet, den hohlet der teufel. 2, 34. in mildernden umschreibungen: ja, ja! sagte Springinsfeld, hole mich dieser und jener, wann du ein fähnlein bekomst. Simpl. 1, 302 Kurz; hohl mich dieser und jener! ich nehme keinen advokaten an. Lessing 1, 286; ich gesteh ihnen kein wort ein, wenn es weiter käme; nein, hohl mich gott! nicht auf der folter! Wieland 11, 221.
3)
reflexives sich holen, wie jetzt sich erholen, ist mhd. (Lexer wb. 1, 1227), abeṙ auch noch nhd.: das verpflanzte kraut stirbet manchmal an den äuszerlichen blättern, dasz nur das herz-kölblein grün bleibet, doch holt sichs endlich, und wächset mit lust daher. Scriver seelensch. 1, 406.
4)
holen, mit sächlichem object, in manigfachen fügungen, in der bedeutung gehen und etwas herbeibringen: er aber lief zu den rindern, und holet ein zart gut kalb. 1 Mos. 18, 7; da sie heimlich wasser holeten. Judith 7, 7; wer auf dem dach ist, der steige nicht ernider etwas aus seinem hause zu holen, und wer auf dem felde ist, der kere nicht umb, seine kleider zu holen. Matth. 24, 17. 18; da sie das kestlin im schilf sahe, sand sie ire magd hin, und lies es holen. 2 Mos. 2, 5; lies von dannen holen die lade des bunds des herrn Zebaoth. 1 Sam. 4, 4; solchs (erklärende worte) hab ich müssen so weit holen, den text Luce gewis zu machen. Luther 3, 494ᵇ; (da) wir uns in unser keiserlich gemüt gesetzt und fürgenommen haben .. unser keiserlich kron, wie sich gebürt, zu holen und zu erlangen. reichstagsabsch. 1521; (ein postbote) der immer bei der generalität ordre holen könne. Schuppius 107; um mir raths zu holen beschlosz ich eine reise nach Wien zu machen. unterhaltungen am häusl. herd (1854) 2, 644;
hol wein,   schenk ein,
wir wöllen frölich sein.
Garg. 86ᵃ;
und murmelte: mein Kätchen,
hol eine kanne bier.
Hölty 9 Halm.
auch kommen und davon führen: (dächer) welche, dasz der wind sie nicht hohle, mit steinen belastet sind. Stolberg 6, 306; fluchend (s. oben 2): der henker hol es überhaupt, dasz sie (die eltern) .. gerade dann verdoppelte foderungen machen, wenn die kinder unmäszige befriedigt haben. J. Paul Tit. 1, 107;
und wenn mein stündlein kommen nun,
der henker soll es holen!
Schiller räuber 4, 5.
5)
athem, luft holen: ich mus reden, das ich odem hole. Hiob 32, 20; und ist uns bange das wir kaum odem holen. Jes. 26, 18; dasz alle in der gröszten demuth vor so einem erleuchteten kenner und erlauchten beschützer standen, und kaum athem zu holen sich getrauten. Göthe 18, 239; das sie allerlei götzen der heiden fur götter halten, welcher augen nicht sehen, noch ire nasen luft holen. weish. 15, 15;
kein athem schier mehr holen kundt.
mückenkr. 1, 130;
früher auch seufzer holen:
dô holte der arme Heinrich
tiefen sûft von herzen
mit bitterlichen smerzen.
a. Heinrich 378;
als dise antiquitet ward auszgelesen, holet Gurgelstrotza et liche tiefe seufzen darüber ... darauf sagt bruder Onkapaunt: ihr holts mächtig tief. Garg. 286ᵃ; als der käiser hiervon redete holte er einen tiefen seufzer. Schuppius 88.
6)
eine krankheit, den tod, wunden u. s. w. holen: schlechter kriegspöfel, der nur den haufen mehret, und schlege holet. Luther 4, 294ᵃ; zu holen ist hier nichts als beulen. Göthe 8, 123; die wunden zu heilen, die sich ihr muth holen könnte. ebenda; die unglückliche entdeckung von Lessings geheimer spinozistischer sinnesart durch Friedrich Jacobi, worüber Mendelssohn in buchstäblichem sinne sich den tod holte. 60, 292; (wie er sich) vielleicht den tod hole vom trunke auf den zorn. J. Paul Tit. 1, 100; seine rothen augen, die er gewisz .. von keinen gröszern stacheln holte, als von insektenstacheln. biogr. belust. 1, 182;
dasz wir, bis man sich müd an uns gesehn,
in einem solchen aufzug stehn
und uns den schnupfen hohlen sollen?
Wieland 10, 181 (170);
das war also eine lehre, sagte Ilse, die ich mir geholt. in zukunft wollen wir vorsichtiger sein. Freytag handschr. 1, 313.
7)
worte, aussprüche u. s. w. holen, herbeibringen: ist alles zuvor geredt, er holet es aber noch einmal wider, auf das er etwas hinzu setze, und weiter beschreibe. Luther 4, 41ᵇ; darauf gehet nu, das hie Sacharja die vorige predigt widerumb holet, wie Serubabel sol das gebew volfüren, und thut hinzu das stück, wer ist der diese geringe tage verachtet? 263ᵇ (vgl. widerholen); wie aber ein wort so das andre holte: so kamen wir endlich auf die jetzt allgemein herrschende verfeinerung der begriffe. Möser patr. phant. 3, 244.
8)
das object ist unterdrückt: sprach, hole mir ein wenig wasser ... da sie aber hin gieng zu holen, rief er ir. 1 kön. 17, 11; schenk ein, wirtsknecht, gib, reich, hol, lang. Garg. 83ᵇ; der krieg bringt nichts, er holt. Hebel schatzkästl. 53;
steht irgendwo verpicht im keller
ein ehrenwein, ein herzensschweller,
hinab, und hol!
Voss 4, 246;
zum holen sind zwar oft die guten freunde da,
doch einen der was bringt, den hab ich noch zu sehen.
Göthe 7, 49.
mit dem theilungsgenitiv ist holen verbunden: wer wil mir zu trinken holen des wassers aus dem brun zu Bethlehem unter dem thor? 2 Sam. 23, 15.
9)
die allgemeinere bedeutung erlangen, erwerben, gewinnen, die schon in no. 6 oben anstreifte, und die sonst auch schärfer hervortritt, wie in dem landläufigen: dabei ist nichts zu holen; weil ich aus ihrem eigenen munde weisz, dasz sie meine geringe person lieber haben, als mein groszes vermögen, bei welcher ich sie denn lasse, so wenig auch an ihr zu holen ist. J. Paul flegelj. 1, 6; wiewol es das höchste werk ist, gottes wort predigen, und kein gröszer gottesdienst mag geschehen, denn die seelen holen, und selig machen. Luther 3, 267ᵃ; aber künftig wird man seine kinder selbst säugen, .. oder mit dem zwanzigsten jahre aufhören müssen, kinder zu holen, wo die welt den menschenkindern nicht zu enge werden soll. Möser patr. phant. 4, 65;
die lanzknechte begunden to pralen
he kan uns nicht einen manth betalen,
dar is kein gelt vor handen,
syne breve wyllen dar nicht vele halen,
wy wyllen blyven to lande.
Hildebrand volksl. 117, 10 (niederdeutsch v. 1525);
hat ihre rechte ausbildung in der kaufmännischen sprache erfahren: 3350 barrel (weizen) holten 43 bis 41 fr. Weserzeitung 1853 no. 3054; buchweizen ab ostküste Schleswigs holte 56 thlr. banco. Hamburger börsenhalle 1859.
10)
holen, niederd. halen, haalen, in der schiff fahrt, der länge nach ziehen, wobei die botsleute alle zugleich dem tau oder seil einen druck geben. Jacobsson 2, 195ᵇ; (ein schiff) ist hier auf der rhede leck geworden und in den hafen geholt. Weserzeitung 1859 no. 4884. auch neutral, und hier wol nur vom innehalten eines courses: man fahre längs der nordseite von Gozo .. bis das feuer von st. Elmo in sicht kommt, welches man zuerst s. s. o. 3⁄4 o. peilen wird, alsdann hole man nach und nach südwärts. Weserzeitung 1853 no. 3057.
11)
holen, bei den zuckersiedern, den zum erstarren in die formen gebrachten zucker das erstemal umrühren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1874), Bd. IV,II (1877), Sp. 1741, Z. 5.

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Zitationshilfe
„holen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/holen>.

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