Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

holzstall, m.

holzstall, m.
stall zur aufbewahrung von holz: holzstall lignale Steinbach 2, 657; statt Tassos gefängnis (in Ferrara) zeigen sie einen holzstall, oder kohlengewölbe, wo er gewisz nicht aufbewahrt worden ist. Göthe 27, 158.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1781, Z. 75.

stall, m.

stall, m.

eingebettete Stichwörter in diesem Artikel

geschlossener raum zum aufenthalt für vieh. gemeingerm. wort, urg. *stallaz; got. unbelegt; altn. stallr unterlage, postament; stall; mastblock (daneben stalli altar). Cleasby-Vigfusson 587ᵇ, schwed. norw. stall, dän. stald; ags. steall stand, platz, stelle, stall. Bosworth-Toller 913ᵇ (davon zu scheiden stæl, n. platz, stelle, lage. 907ᵇ), neuengl. stall, vgl. Skeat 590ᵃ; altfries. stal stehen, stand, stelle, stall, bestand. Richthofen 1044ᵃ. Siebs in Pauls grundr.² 1, 1178, jetzt wang. stãl, satl. stal. 1379. 1384. germ. *stalla- ist durch assimilation aus *stađla- entstanden, und stellt sich nahe zu stadel aus *staþla- und weiterhin zu der basis *staþ- in standan, vgl.stehn. es läszt sich mit dem gleichbedeutenden lat. stabulum aus *stadhlo- identifizieren. s. Sievers indog. forschungen 4, 337 f. (danach Walde lat. etym. wb. 346. 592. anders erklärt bei Weigand 2, 792 f. Kluge⁶ 375ᵃ. Fick³ 3, 341. ⁴1, 147. 568. J. Grimm gramm. 2, 41. 57 f. 71. Wachter 1580. Prellwitz etym. wb. der gr. spr.² 432.) aus dem deutschen stall stammt die roman. sippe stallo, estalo, altfranz. prov. estal stelle, aufenthalt, neufranz. étal kram (s. das zweite stahl, sp. 553f.), étau fleischbude, und fem. it. stalla, span. estala, altport. stala, stall, wovon weiter it. stallone, franz. étalon zuchthengst. Diez⁴ 306. — stall ist im germ. masc. a-stamm, daher im plur. altn. stallar, ags. steallas, -es, ahd. stallâ. auch im mhd. ist stalle die gewöhnliche form:
(der bürger) lieʒ machen stalle,
daʒ sîn vie mit alle
dâ schold belîben naht und tac.
von d. siben slafœren 316.
s. auch hochz. 511 unter 2, d. doch daneben:
die stelle miettens umbe ir guot.
Otte Eraclius 1255.
(unsicher Walther v. d. Vogelweide 25, 36.) seit dem 15. jahrh. steht die umgelautete form ställe, stelle fest; vgl.: staͤl (die) vychstaͤll, stabula. Maaler 383ᵈ. ungewöhnliche schreibung: eben also ist auch verboten ohne lattern mit einem liecht in die steill zu gehen. steir. taid. 163, 14. in bair.-tirol. quellen kommt daneben seit dem 16. jahrh. sporadisch ein plur. auf -er vor: ohne scheuern und steller. Zimm. chron.² 2, 444, 39; in städlen, reverender stöllern. tirol. weisth. 3, 286, 37 (17. jahrh.), s. unten 3, c, β; das re. galtvich firtershin von ihrigen zeinen ... abzukehren und hinweck zu treiben, und zwar soliches anfangs auf die obern drei stöller aufzuschlagen. 2, 121, 7 (vom j. 1716); das nämlich niemande mit dem liecht in die ställer oder auf die heudillen, ohne selbes in luternen wohlverwahrt zu haben, begeben solle. 4, 531, 13 (v. 1782). — sonst begegnen abweichungen der form kaum. eine aussprache mit gedehntem vocal (wie sie heute in verschiedenen hd. mundarten bezeugt ist) setzt für das ältere schles. folgender reim voraus:
er wird dahin gelegt in einen schlechten stall,
damit uns werden kan des himmels schöner saal.
Opitz 3, 195 (lobges. auff d. geb. Christi 83),
vgl. dazu Weinhold dialektf. s. 26, 3 und 22, anm. in einem westfäl. vor 1640 geschriebenen schauspiel (Slennerhinke) kommt schwache flexion vor: wen hey veyrig (feurig) wort, bruyt (geht) hey van stunnen an mitt em luyten (mädchen) nahm kaustallen. nd. bauernkomöd. s. 41 Jellinghaus. beides ganz isoliert.die formen der heutigen hd. mundarten sind: schweiz. štā͏́l (plur. štĕl) Hunziker 249, stall (ställ) Tobler 406ᵃ, in Basel stal Seiler 276ᵇ; els. 'stàl (plur. 'stal, seltner 'stæl) Martin-Lienhart 2, 588ᵇ; bair. stàl (plur. stáll) Schm.² 2, 745, tirol. stàll (stèller, stèllder) Schöpf 697, stôl (stalle) Hintner 230, stall Zingerle 52ᵇ, kärnt. stàll Lexer 238, cimbr. stal cimbr. wb. 235ᵇ; in Handschuhsheim štal Lenz 67, unterfränk. stohl Ruckert 176. neund. durchweg stall brem. wb. 4, 989. Schütze 4, 185. Dähnert 457ᵃ. Stürenburg 261ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 297ᵇ (plur. stallen). Woeste 253ᵃ. Bauer-Collitz 98ᵃ. (überall masc.) die bedeutung von stall war ursprünglich die eines allgemeinen verbalsubstantivs zu stehen; doch finden sich die meisten dieser mannigfachen gebrauchsweisen nur in einzelnen germ. mundarten, und nur vereinzelte spuren davon kommen im nhd. vor; dagegen ist die heutige spezielle bedeutung in allen germ. sprachen üblich.
1)
abstract, das stehen, stillstehen. so ags. steall 'a standing position', in stalle stonde stehend, s. Bosworth-Toller 913ᵃ (1, zweimal); altfries. einmal an stille stalle in stillstehen. Richthofen 1044ᵃ. im deutschen nur in einigen verbalen verbindungen, z. th. mit abgeleiteter bedeutung.
a)
stall halten, halt machen, vom reiter oder fuhrmann (mit bezug auf 3?), nur im 16. jahrh. belegt: als er stall zu halten vom gaul abgessen (abgsessen?) war. Hedio Platina (1546) bei Gombert erg. zu Weigand 3, 1; uf dem weg aber zwischen Füesen und Larmos do verhündert sich der postillion und hielt stall. Zimm. chron.² 3, 518, 39. luxemb. stall halen, stall stoën, stand halten, stehen bleiben, (s')arrêter, beruht wol auf holl. stal houden. Gangler 429.
b)
ahd. stal geban mit inf. (mit zi oder im gen.), etwas einstellen, womit aufhören, begegnet häufig in glossen und zweimal bei Otfrid: stal kepan, cessare; stal kipit, cessavit; stal gabi, desiisset; stal gip, absiste u. a., s. Graff 6, 675;
ni gab si thoh ubar al   io thes ruaffennes stal.
Otfrid 3, 11, 20;
sâr gab stal, thaʒ ist uuâr,   mêr zi rinnanne thâr
brunno thes bluates.
14, 27.
c)
hierher gehören vielleicht auch einige redensarten in nd. mundarten: ditm. de ko hat enen langen stall, hat lange vor dem kalben die milch verloren. brem. wb. 6, 334. unklar ist das westf. ne hochtîd oppen stall slaͦn, dauen, nicht besuchen. Woeste 253ᵃ.
2)
in der regel bezeichnet stall den ort, wo jemand oder etwas steht; in der ältern sprache mit mannigfachen, theilweise nur vereinzelt vorkommenden bedeutungen.
a)
allgemein, locus, platz. diese bedeutung ist besonders beim ags. steall verbreitet, vereinzelt auch bei fries. stal. vgl. auch Wachter 1580. im deutschen sehr selten, so von der standart der schachfiguren bei Heinr. v. Beringen (um 1300):
der steine stal und ire var.
260;
der vierde vende ûf dem spil ...
hât vor dem künige sînen stal.
6260.
im nhd. ist dafür stelle eingetreten, s. das.
b)
daran schlieszt sich eine freiere verwendung entsprechend dem heutigen stelle, statt, locus, vices, die sowol im ags. wie im ahd. und frühmhd. üblich ist, vgl. Grimm gramm. 3, 268 und Adelung (2, 1): in Herodes(es) stalle, stal, pro Herode; in mînan stal, vicem; in sînan stal, pro se; in dero stal, pro ea, s. Graff 6, 675; besonders bei Notker: daʒ sprichet der propheta in persona martyrum (in dero marterero stal). ps. 9, 14; diên sprichet er nu zuô ex persona fidelium (in den stal dero gelobigon). 10, 1; daʒ chît unser hôubet in unseren stal. 17, 22; dîn hant .. fersuánta andere diête unde in iro stal flanzotost dû siê. 43, 3, s. ferner 17, 40. 78, 1. 89, 7. 108, 1;
do er eʒ alleʒ ersach,   unsir herre im zuͦ sprach
'ditzzes solt dû phlegen ubir al   mennisch in mînem stal'.
genes. 8, 12 Diemer (= fundgr. 2, 15, 42).
wenn zu der stelle: und rait der Püttrich auf ain mal gen München in hertzog Hansen stat, des diener er auch was. d. städtechron. 5, 48, 10 eine handschr. die lesart stall bietet, so ist kaum an ein fortleben dieser alten bedeutung zu denken.
c)
mit beziehung auf die räumliche ausdehnung, platz, raum für jemand:
es liegt ein hoohes land in Amphitritens armen, ...
das land heist, wie es liegt ('Hohelandt'), ...
kalt, felsicht, drukken, leer, wild, doch ohn alles wild.
kaum dreyer fischer stall.
Fleming 82.
d)
im mhd. bezeichnet stal zuweilen einen menschlichen wohnraum, so: (Elisabeth konnte zu Eisenach keine herberge finden,)
des muste si nu gahen
wider in ir engen stal.
Elis. 5003 (= kamere 4965. 4973);
die hetten sich versloffen
in die stelle ab den wegen.
Ottokar reimchron. 62470 (nach dem glossar —?);
dann auch freier:
dâ mite mugen die rîchen alle
chomen in die êwigen [sta]lle.
hochz. 511 (Karajan sprachdenkm. 30, 14);
der enge stal für das grab:
von Schweiz ain grosze zal
die hat der Franzos triben
in ainen engen stal.
Uhland volksl.² s. 367 (178, 15 vom j. 1515 = Liliencron hist. volksl. 3, s. 173).
ähnliche wendungen gebraucht Luther für die welt: denn wenn die welt from were, so duͤrfften wir keines keisers. .. dieweil sie aber ein stall voller böser buben ist, so mus man gesetze und oberkeit haben. 3, 434ᵇ; das ist aber eine grosse und schoͤne ehre, die got der welt zueygnet, nemlich das sie ein stall vol ehebrecher und ehebrecherinnen ist. 16, 510, 28 Weim. ausg.; denn die welt ist nichts anders denn ein stall vol böser buben. 20, 553, 12. doch ist hier vielleicht eher übertragung von der gewöhnlichen bedeutung (3) aus anzunehmen, s. unten 5, e. auch folgende glossen (15. jahrh.) lassen sich nicht mit voller sicherheit hierherstellen: pandochium ... gasthus sim. stalle. Dief. gloss. 408ᶜ; stal oder geschoz pandochium. Dief.-Wülcker 862. deutlich dagegen ahd. heristal, -stelli castra Graff 6, 675 (häufig als ortsname, s. Förstemann namenb.² 2, 743); liutstal, heriuuahta, stationes. 676.
e)
nl. stal locus in quo res venales disponuntur. Kilian 2, 628ᵃ. diese bedeutung musz alt sein, denn sie ist früh ins lat.-rom. übergegangen: mlat. estallum, mercatorum sedes in foris et nundinis. Du Cange 3, 317ᵃ, stallum 7, 577ᵇf., stalla 576ᶜ (vgl. Adelung 2, 1), (alt)franz. estal, étal, woraus wiederum das deutsche stahl entlehnt ist, s. das., sp. 553f. (auch das neuengl. stall bedeutet krämerstand, laden, bude).
f)
stal, vetus. sedes, sedile: cathedra. Kilian a. a. o. mlat. stallum als bezeichnung der chorstühle in kirchen kommt seit ende des 11. jahrh. vor. Otte kirchl. kunstarchäologie⁵ 1, 283f. Herzog realencykl.³ 10, 37. stallum, aut stallus, ... pro sede uniuscuiusque monachi aut canonici in choro ecclesiae. Du Cange 7, 578ᵃ (Utrechter statuten v. 1088); construxit stalla nova in choro. quelle bei Adelung (2, 1). so auch mhd.: dornoch do her (der könig) in das chor qwam und stund in seinem stalle, do stunden die herren von Behmen vor em. Palacky urk. beitr. z. gesch. Böhmens (Wien 1860) s. 582 (3. mai 1469). (dazu die bei Schiller-Lübben 4, 353ᵃ angeführte stelle? auch engl. stall in diesem sinne.)
g)
stall bezeichnet ferner das, worauf oder worin etwas steht, so altn. stallr unterlage, postament, block; mnl. stal gestell. gewöhnlich findet sich indessen diese bedeutung nur in zusammensetzungen, und so im deutschen ausschlieszlich. vgl. Grimm gramm. 2, 526 f. 1011. so besonders kerz(en)stall, s. theil 5, 618, ahd. chercistal, kerzistal, n. candelabrum Graff 6, 676, mhd. kerz(e)stal, n. Lexer handwb. 1, 1560 (bis ende des 15. jahrh. bezeugt), gleichbedeutend ahd. liuht-, liehtstal Graff a. a. o. ferner mhd. bettestal bettpfosten (Kudr. 1283, 1); bîstal, n. thürpfosten Lexer handwb. 1, 285 (vgl.: bey-stall, heist im alten vocabul. 1482. ein aus-gehäuse von steinen, menianum, ex ligno est prosectum, soll vielleicht projectum heissen. Frisch 2, 316ᵃ); garnstall, s. theil 4, 1, 1372. es ist zu beachten, dasz alle diese zusammensetzungen, soweit das geschlecht erkennbar ist, neutra sind.eine art gestell bezeichnet auch nothstall, m., s. theil 7, 952f. (zur übertragenen bedeutung vgl. noch: noht-stall, travaglio di maniscalco, met. sedia, seggetta da donna di parto. Kramer dict. 2, 904ᵃ;
und solt ich nicht die welt den sünden-kercker lassen,
den noth-stall, welcher stets hat meinen leib gekränckt?
Mühlpforth leichenged. 199;
ich brenne vor begier aus dieser welt zu scheiden,
dem noth-stall aller angst.
geistl. ged. 22.)
weiter ab liegen andre zusammensetzungen. von körpertheilen: nierstall, m. n., s. theil 7, 835, vgl. Höfler krankheitsnamenb. 671ᵃ; mhd. hirnstal stirn, schädel Lexer handwb. 1, 1304. (über das unerklärte augstal, m. n. albugo, eine augenkrankheit der pferde, s. theil 1, 815f. Höfler krankheitsnamenb. 671ᵃ. 919ᵇ.) in ortsausdrücken bezeichnet stall abstracter den ort, die stelle, so besonders burcstal, n. stelle einer burg, die burg selbst. Lexer mhd. handwb. 1, 393, was allein von diesen zusammensetzungen noch im nhd. fortlebt, s. theil 2, 544. Sanders 3, 1167ᶜ. dazu mundartlich bachstall, bachbett (schweiz.), und rebstall, oberer weingarten (schwäb.), s. ebenda.
h)
eine auffällige abstracte verwendung in dem sinne 'gestalt' zeigt die mhd. wendung in kriuzestal (vallen, beten u. ä.) in kreuzesgestalt, mit ausgestreckten armen, s. Lexer handwb. 1, 1743. J. Grimm kl. schr. 6, 209. so schon:
si bedditin ci gote in crûcestal.
Annolied 838.
creuzstall adverbial noch im 17. jahrh., s. theil 5, 2198. — (andre ganz abliegende, abstracte bedeutungen zeigen ahd. und mhd. zusammensetzungen wie untarstal, intervallum. Graff 6, 676, mhd. bogestal, troufstal, widerstal.)
3)
die gewöhnliche bedeutung im deutschen ist jedoch die speziellere eines geschlossenen und gedeckten raumes zum aufenthalt für vieh. und zwar ist diese einengung der bedeutung gemeingerm., doch begegnet sie im altn. vergleichsweise selten (dafür auch stallhús), ebenso altengl. (stal, stabulum; đǽra tamra nýtena steall. Bosworth-Toller 913ᵇ); auch im altfries. ist sie nicht die häufigste. dagegen überwiegt sie im deutschen (und nl.) von anfang an und ist im laufe der entwicklung alleinherrschend geworden. vgl. zur geschichte des worts und der sache im allgemeinen Heyne hausaltert. 1, 40 f. 95. 178f. 222. 353. 2, 201f. Schrader reallex. der idg. altertumsk. 796—8. Schenkel bibel-lex. 5, 379 f. (diese einschränkung der bedeutung will Singer, kaum mit recht, auf einflusz des lat. stabulum zurückführen, zeitschr. f. d. wortf. 3, 234ᵇ.)
a)
ahd. stal stabulum, caula; plur. stallâ stabula, praesepia. Graff 6, 674, schon im voc. S. Galli: stabulus stal, s. ahd. glossen 3, 1, 25; stabulum stal. vocab. opt. 8, 15 (s. 20ᵇ Wackernagel); stabulum stal, hd. stalle, stall, vel stalen. Dief. gloss. 550ᵃ; nov. gloss. 347ᵃ; vgl. stal, stabulum, septum, praesepe, mandra, mansis armenti aut gregis, vulgo stalla. Kilian 2, 628ᵃ. nhd. stall, stabulum, septum, praesepe. Dasypodius; stall, m. estable. Hulsius 305ᵇ; stall vor allerley viehe, stalla, di ogni sorte bestiame. (1618) 237ᵃ; stabulum, ... ein stall oder viehstall. Corvinus fons lat. 634ᵇ, s. ferner Schottel 1420. Stieler 2117f. Kramer dict. 2, 904ᵃ. Steinbach 2, 657; stall heist ein vermachter ort für allerley vieh, stabulum. Frisch 2, 316ᵃ; stall, stabulum, etable und vor die pferde ecurie. ingemein ein gebäu, in welchem allerley vieh eingesperret, und im winter aufgestellet wird. Jablonski 745ᵇ; stall, ist ein gebäude, worein vieh gestellet wird, sowohl darinnen das ordentliche futter, als die benöthigte ruhe zu geniessen. Zincke öcon. lex.² 2799, danach Jacobsson 4, 250ᵇ. daher: man macht doch heut wol ställ ausz den kirchen, unnd kirchen ausz den ställen. Garg. s. 205 neudr.
b)
über die einrichtung der ställe: solche ställ sollen zum wenigsten zehen schuch preit sein, aber über fünffzehen schuch nicht inn die länge haben. Sebiz feldb. 32; die ställ sollen am aller wärmsten ort desz gantzen bawrenhofs geordenet werden. ebenda; s. ferner besonders Jablonski 745ᵇf. Krünitz 169, 158—167. ein warmer stall, da die kälte nicht eindringen kan, stabulum quod frigore non infestatur. ein heller stall, stabulum quod non eget luminis. Frisch 2, 316ᵃ; der stall ist nicht finster. Steinbach 2, 657; die kälte dringt nicht in den stall. ebenda; einen stall diehlen, stabulum roboreis axibus constrare. ebenda; ein gepflasterter stall, stabulum lapide stratum. ebenda.
c)
stall mit andern substantiven verbunden.
α)
haus und stall als aufenthalt für menschen und thiere: der fürkauf (von vieh, käse u. s. w.) bei den ställen und heisern (soll) bei vermeidung schwerer straff genzlichen verpoten und abgestölt sein. tirol. weisth. 1, 27, 27; wann ainer ... wär, der ainen wolt in seinen heuszlen ... angreifen, ... wolt ime in seine ställ oder heusser eintringen. 176, 26; es soll auch niemant ... mit ainer kienfaggl geen im haus oder in ställen. 2, 154, 9; (neben noch andern gebäuden:) wann ain unvleisz (unvorsichtigkeit mit feuer) in den heisern, stuben, kuchen, ställen ... befonden wurde. 249, 5; über die zahlreichen häuser und ställe des hofes ragte hoch das dach des saals. Freytag 8, 10 (ahnen 1, 1); zwischen den wohnhäusern und den ställen eilten geschäftig die männer. 10, 5 (3, 1). vgl.: nuo het Taldas sich mit husz fur den perg gesetzt, und hiesz im vil stell fur den perg machen. handschr. v. 1458 bei Wackernagel leseb. 1², 978, 31. in demselben sinne werden zusammengestellt: sie sind die hofbesitzer, in deren saal und stall hofbrauch gelernt wird. Freytag 18, 6;
schon acht monate legt sich der schwarm
uns in die betten und in die ställe.
Schiller 12, 14 (Wallenst. lager 1).
β)
ställe und vorratsräume: in dem hofraum davor standen ... die ställe und vorrathsräume. Freytag 8, 169 (Ingo c. 10); wer über die zugbrücke durch das thorgewölbe trat, der sah vor sich einen weiten hof von niedrigen wohngebäuden, ställen und vorrathsräumen eingefaszt. 10, 3 (ahnen 3, 1). so besonders: stall und stadel, vgl. sp. 416ff. und: stall, stalla è per gli animali; mà stadel, dinota magazzeno, fondaco, ripostorio di fieni, robbe, mercantie etc. Kramer dict. 2, 904ᵃ; (es soll nicht gestattet werden,) das man mit angezinten spännen in die ställ, städl oder dergleichen ort, wo hei, stro oder andere leichtlich brinnende sachen sein, gehe. tirol. weisth. 1, 30, 32; zu deme wird auch ... verbotten, in ställen und städlen tabak zu trünken. 2, 2, 27; es ist strenge verbothen, ... mit offnem lichte oder brennenden tobackspfeifen im stalle oder stadl herumzugehen. 239, 30; (dasz) auch niemants kain liecht ... weder in städlen, reverender stöllern, noch in dorf ... tragen ... sollen. 3, 286, 37. so wol auch: so solle man auch ... mit kainem küenlicht in die fueterheuser oder ställ geen. 4, 589, 36; ähnlich ferner: drittens, werden iedermäniglich die spänn und springleichter, auch das tobackrauchen in den häusern .., auf den thennen, ställen und dillen ... eingebotten. 2, 361, 11; das innerhalb dreissig jaren ob den vierzig heusere ohne scheurn und steller alda erbawen worden. Zimm. chron.² 2, 444, 39;
wir wöllen euch ten topff erlausen
unt euar stall unt scheur ermausen.
Garg. s. 51 neudr.
doch werden solche räume auch unter einem dach vereinigt. so enthält das erzbischöfliche kornhaus in Erfurt in seinem untergeschosz ställe, s. Heyne hausaltert. 1, 296, anm. 272: in dem grossen kornhause seint die ackerstubbe ... und der ackerknecht und encken kammern, uff den ziegeln in dem stal darin gemacht gewest, welchs fast sorglich und vherlich wass. ... darumb ich ... das kornhaus mit newen maweren ... underfangen, und eynen kornboddem und eynen schönen pferdestal darin gemacht habe. Michelsen Mainzer hof s. 14. vgl. auch Martin-Lienhart 2, 588ᵇ. auch folgende stelle zeigt einen gedeckten stal, über dem sich andre räume befinden:
her Hans von Tenemark
ward auff ain loch gedrungen
ab durch ain pün in ainen stal,
das im die oren klungen.
Oswald v. Wolkenstein 116, 51 Schatz.
umgekehrt: das kind närret uns, dann allweil die welt gestanden, hat man die ställ nie zu oberst ins hausz gebauet. wie so? antwort der hofmeister, ich weisz doch wol ort, als zu Lyon, zu Bamette und Schenon, auch in Ungarn und Sibenbürgen, da nicht allein die ställ am höchsten des hauses sind, sondern auch die keller. Garg. s. 205 neudr. (15. cap.). stall und keller:
schöne, wirtschaftliche dame,
haus und hof ist wohlbestellt,
wohlversorgt ist stall und keller.
Heine 2, 13 Elster.
γ)
die ställe bilden neben dem ackerland eine seite der landwirtschaft:
ich gebe jeder (tochter) dreiszig acker landes
und stall und hof und eine heerde.
Schiller 13, 173 (jungfrau v. Orl. prol. 1).
so auch: die pfarrkinder steuerten reichlich, was feld und stall abwarf. Keller 1, 15.
d)
ställe werden nach den gattungen der in ihnen untergebrachten thiere unterschieden und gern durch zusammensetzung näher bezeichnet.
α)
allgemein: stelle fur allerley vieh. 2 chron. 32, 28; dann (in den zwölfnächten) betrat die göttin unsichtbar die häuser, ... sie berührte den schlehenstrauch und wilden apfelbaum im garten. Freytag 17 (bilder 1), 91;
jüngferchen, geb' ihr gott ein gedeihn, ...
glattes vieh' in die ställ'.
Voss 1, 170 (Luise 3, 459).
vgl. viehstall mandra Dasypodius; stalla da bestiame Kramer dict. 2, 904ᵇ. krankenstall für krankes vieh, besonders rindvieh, bei ansteckenden seuchen. Krünitz 169, 170; schlachtstall, confectorium. Steinbach 2, 657. pfändstall, s. Martin-Lienhart 2, 589ᵃ.
β)
der vornehmste stall ist der für die pferde: der walthawer hat auf der Peunt ein stall, dorein er seine pfert, wenn er hinnan ist, stellt. Tucher baumeisterb. 73, 13; das jm nit zeit warde, in die stell zuͦ luͦgen, wie jr brauch ist, wasz für pferde darinen stuͤnden. rollwagenb. 52, 4 Kurz; letzlich fügten sie sich zu dem jungen Gargantomänlin, fragten jn heimlich, wa die ställ für die grosse pferd weren. Garg. s. 204 neudr.; so konnte jedes bäuerlein, das im stall die pferde sah, zum verräther werden. Freytag 18, 312 (bilder 2, 1, 8);
sô stêt in dem stalle mîn
den orsn ein ors gelîch gevar,
diu dâ hœrnt ans grâles schar.
Parz. 474, 2;
er machte im druʒ einen stal
und lieʒ da wesen sine pfert.
pass. 99, 4 Köpke;
so wüschet das guldin rössel herfür
und springet kecklich herusz für den stal.
Konr. Dangkrotzheim namenb. 532;
im stall da sten drei rosse,
sie seind des edlen Lindenschmid.
Uhland volksl. nr. 139, A, 6;
noch weiter ich gesehen hab
im stalle drinnen ohn geferd
nach der rey hrumb die schönsten pferd.
Ferber schieszen zu Dreszden (1610) H 4ᵃ;
gleich einem jungen rosse, das zuletzt
doch heimkehrt zu dem stall, der es ernährt.
Kleist 1, 46 E. Schmidt (Schroffenst. 2, 1);
du kannst ihm pferd' aus meinen ställen schicken.
2, 407 (Hermannsschl. 4, 9).
auch ohne nähere angabe ist bei stall sehr oft an einen pferdestall zu denken: das iglichs in syme huse eynen stall mache .., unser frunde und unser geste zu enthalten, ... und sollent ine geben hauw und strowe und bette dem pherde die naht. weisth. 2, 3 (Saarbrücken 1321, vgl. Heyne hausaltert. 1, 222, anm. 57); wiszt ihr noch, was ihr mir drunten sagtet im stall, wie ich euch auf des alten herrn seinen schweisfuchsen sezte. Schiller 2, 144 (räuber 4, 3 schausp.); da muszten die Vandalen mit garben bepackt zu ihrem stalle ziehen. Freytag 8, 86 (Ingo 5); und Elke eilte in den stall und machte dem groszknecht die bestellung, der eben damit beschäftigt war, das über tag gebrauchte pferdegeschirr wieder an seinen platz zu hängen. Storm 7, 172. vgl. auch:
der marschalc sîne brûdere bat,
sie solden kêren in den stal.
daʒ lantvolk quam dar uber al.
alsô was ein hof genant
und ist zû Rîge wol bekant,
daʒ er der brûdere marstal hieʒ.
livländ. reimchron. 10231.
die zusammensetzung marstal findet sich bereits ahd. und hat sich für herrschaftliche ställe auch im nhd. gehalten, s. theil 6, 1676: fürsten- sive herrenstall, etiam marstall, equile principis, vel aulicum. Stieler 2118; mar- i. e. mähren-stall, herren-stall, stalle [in plur.] di qualche prencipe. königlicher, fürstlicher, gräflicher etc. stall ò marstall. Kramer dict. 2, 904ᵃ; stabulum equorum publicum. Steinbach 2, 657; vgl.: 'figürlich ist der stall an höfen ein collectivum, die sämmtlichen zum marstalle gehörigen gebäude mit den darin befindlichen pferden und den zu ihrer wartung und aufsicht gehörigen personen'. Adelung (unter 2, 2). in mundartlicher form: darumb findet man selten dar innen (auf Malta) schöne kostliche tempel, aber vil mehr wolgebutzte marckställ. Stumpf Schweytzer chron. 424ᵃ. sonst ist jetzt das gewöhnliche wort pferd(e)stall, s. theil 7, 1690f., equile Dasypodius. Stieler 2118, vgl. Zincke öcon. lex.² 2198ff. seltner rossstall, s. theil 8, 1275: pferd- ò rosz-stall, stalla à cavalli. gall. ecurie. Kramer dict. 2, 904ᵇ. weiter unterschieden: stutenstall, s. das., und fohlenstall: stuten- ò folen-stall, stalla à poledri poltri. Kramer a. a. o. nach dem gebrauch der pferde: reitstall, s. theil 8, 790, übertragen auf die darin stehenden pferde: der hafer war müchzend; und da er doch ... verfüttert wurde, erkrankte davon unser ganzer reitstall. Musäus physiogn. reisen (1788) 1, 42; poststall, s. theil 7, 2035. — von andern reit- und zugthieren: so gelang es dem kapuziner, sein eselchen, das er in einem benachbarten stalle untergebracht hatte, unbemerkt zu besteigen. Meyer Jenatsch 81;
mein esel sicherlich
musz klüger seyn, als ich ...
er fand sich selbst in stall hinein.
Lessing 1, 60;
geh nach meinen ställen und erwähle
dort hundert maultiere und funfzig kamele.
Heine 1, 368 Elster (Firdusi 3).
esel(s)stall, theil 3, 1155: esel-stall, stabulum asinorum, asinarium. Stieler 2118, stalla da asini ò muli. Kramer dict. 2, 904ᵃ. Krünitz 169, 170; maulthierstall 171; und (ich der herr) wil rabbath zum cameelstal machen. Hesek. 25, 5.
γ)
für rindvieh: und werden keine rinder in den stellen sein. Habacuc 4, 17; die rinder hatten nur im winter bedeckte ställe innerhalb des hofes. Voss Virgils ländl. ged. 3—4, s. 579; die kälber wurden ... den müttern des morgens ... untergelegt; des nachts lagen sie ... in besonderen ställen. 566; daneben bezeichneten stäbe im boden die stellen, wo ... der stall für rosse und rinder und die vorrathsräume erbaut werden sollten. Freytag 8, 161 (Ingo 9); im stall stand Hauke Haien und steckte den kühen ... mit der furke heu in ihre raufen. Storm 7, 177;
it selde (der hirsch gesellte) sik an ene schar
ossen an enem stalle dar.
Gerhard v. Minden 32, 4 Leitzmann;
man zog ihr wackres thier,
worauf sie hergeritten, ...
gleich in den stall von hier.
Bürger 23ᵃ (Europa).
vgl. unten 4, c. dazu rinder-, seltner rindstall, s. theil 8, 972, schon ahd. (h)rind, rindro, rinderstal. Graff 6, 674, rinderstall bovile. Dasypodius. Steinbach 2, 657; ochsenstall, theil 7, 1138, bubile Stieler 2118, stalla da buvi, bovile. Kramer dict. 2, 904ᵇ. Zincke öcon. lex.² 2081; kuhstall, theil 5, 2583, mhd. kuostal Lexer handwb. 1, 1787, im ältern nhd. meist mit umlaut kühstall: die kühhirten ruffen das vieh aus den kühställen. Comenius sprachenth. 413; kühe-stall, stalla da vacche; vaccile. Kramer dict. 2, 904ᵃ; kühstall, bubile, bovile. Steinbach 2, 657, kühe-stall Zincke öcon. lex.² 1552ff., und noch: wenn man ... durch des nachbars kühstall in seinen weinkeller geht. Fr. Müller 1, 168 (Bacchidon). als kuhstall bei Frisch 2, 316ᵃ.
δ)
für schweine: besondern haben die burgere in einen eickern mit iren schwein macht bey nacht mit stellen im walde zu ligen. weisth. 3, 532 (?, Lohr am Main 1425); item es soll ain ieder, der ferklen hat, so zehenwochig seint, fur ain hirten schlagen oder in dem stall behalten. tirol. weisth. 2, 163, 22; es soll auch niemand keine schwein daheim sümmern, noch haben, anders dann im stall. 194, 15; desgleichen sollen die rev. schwein ... im rev. stall gehalten werden. 196, 23; (John Mandeville) gerieth in nicht geringen eifer, als er irgendwo ein ungeheuer von faulheit antraf, das seine tage verstreichen liesz, 'ohne einziges ritterliches ebentheuer und so immerfort faullenzte als ein schwein, das auf dem stalle gefüttert wird, um gemästet zu werden'. Forster reise um die welt 1, 225. dazu schweinstall, theil 9, 2453, hara Dasypodius, suile Steinbach 2, 658, schweine-stall Frisch 2, 316ᵃ, s. auch Zincke öcon. lex.³ 2677: item dry schweinstelle zu den mastschweinen undermawren und plastern lassen. Michelsen Mainzer hof s. 14. früher häufiger saustall, theil 8, 1936 f., mit umlaut: säustall, suile. in einem säustall krichen. Steinbach 2, 657; säu- ò schweinstall, stalla da porci; porcile, met. luogo sporco, stanza sozza, sporca e puzzolente. Kramer dict. 2, 904ᵃ. in diesem freieren sinne oft, vgl.: saustall praeterea pro quolibet loco coenoso sumitur. Stieler 2118; in einem säustall wohnen. einen säustall aus einem ort machen. frau Venus saustall, porcile di Venere cioè pottaccia sporca e sozza d'una meretrice publica. Kramer dict. 2, 904ᵇ; wir wöllen aus Christus kirche nicht ein sewstall machen, und einen jedern unverhört zum sacrament, wie die sew zum troge, lauffen lassen. Luther 6, 109ᵃ. vgl. noch:
mich wirst du wohl beleibt, mit glattem fell
und runden backen finden, wenn dir einfällt, über
ein wohlgepflegtes schwein aus Epikurs
verschrienem stalle lustig dich zu machen.
Wieland Horazens br. 1, 87 (cum ridere voles Epicuri de grege porcum. ep. 1, 4, 16).
ahd. auch verhirstal, ara. Graff 6, 674. (sonst hat die ältere sprache für schwein- und schafställe einen besondern ausdruck, ahd. stîga Graff 6, 624 f., mhd. stîge Lexer 2, 1193 f.)
ε)
ställe für kleinvieh werden nicht so oft genannt, weil schafe gern in hürden gehalten werden: ich wil nicht von deinem hause farren nehmen, noch böcke aus deinen stellen. ps. 50, 9; im stalle selbst können ... die ziegen ... der streu entbehren. Voss Vergils ländl. ged. 3—4, s. 597;
erst verordnet mein lied, dass in weichen ställen die schafe
rupfen das kraut.
484 (landb. 3, 295).
dazu schafstall, theil 8, 2047 f. (schon ahd.), stalla da pecore, pecorile. Kramer dict. 2, 904ᵃ; ziegenstall caprile, hoedile. Stieler 2118. Zincke öcon. lex.² 3355; dafür auch (besonders oberd.) geiszstall, theil 4, 1, 2807: geyszstall, caprile, caula. Dasypodius; geisz- ò ziegen-stall, stalla da capre. Kramer dict. 2, 904ᵃ; caprile Steinbach 2, 657; lämmerstall, theil 6, 85, agnile Steinbach 2, 657. Frisch 2, 316ᵃ.
ζ)
für hunde, besonders jagdhunde: inde wynde inde fogelhunde solent eynen stal hain myt shonen strowe bestreuwet. weisth. 2, 643 (Waldorf in der Eifel 1408); vom jagd-hunde-zwinger und ställen. Döbel 1, 118ᵇ (vgl. unten e); ebenso ... mit den hunden. in meinen ställen ... befinden sich zwei auserlesene koppeln. Kleist 4, 224, 5 E. Schmidt. s. auch hundestall, theil 4, 2, 1930:
in dem kreuzgang, welcher leitet
nach des königs hundeställen.
Heine 1, 401 Elster (span. Atriden).
früher gewöhnlich hundsstall, theil 4, 2, 1940, stabulum canarium, seu caninum. Stieler 1940, stalla da cani. Kramer dict. 2, 904ᵃ, s. auch Zincke öcon. lex. 1262 f.
η)
für kaninchen: darin hatte er seiner zeit einen bretterstall gezimmert und drei jahre lang kaninchen darin gehabt. Hesse unterm rad 20; dafür später: der (schulfreund) hatte ihm geholfen ... den hasenstall zu flicken. 21 (vgl. unten stallhase).
θ)
für vögel:
dein geperletes hühnchen hat schon im stalle gekakelt.
Voss 1, 108 (Luise 2, 281).
vgl.hühnerstall, theil 4, 2, 1882: hüner stall, ornithotrophaeum. Dasypodius, cors, gallinarium Stieler 2118, gallinaio, gallinaro (pollaio) Kramer dict. 2, 904ᵃ:
niemand ist
uns feindlich, als der marder höchstens, der
in unsre hühnerställe bricht.
Kleist 1, 48 E. Schmidt (Schroffenst. 2, 1).
für gänse; bildlich: mir kommt alles erschrecklich vor, wie ein treibhaus, oder vielmehr wie ein stall voll menschlicher gänse. Herder briefe an Hamann s. 119, 11 (24. aug. 1776). gänsestall, theil 4, 1, 1278, chenobosceum, chenotrophia Stieler 2118, cella anserum Steinbach 2, 657, vgl. Zincke öcon. lex.² 852 f., dazu maststall (kann auch zu δ gehören), theil 6, 1720: möst stall, saginarium. Dasypodius; gänsestall, ... alias: maststall der gänse. Stieler 2118, stalla da ingrassare, stalla da strozzare; ingrassatoio, saginatoio. Kramer dict. 2, 904ᵃ; entenstall, theil 3, 511, nesotrophaeum Dasypodius, nessotrophium Stieler 2118, anatum stabulum Steinbach 2, 657, vgl. Krünitz 169, 168 f.
ι)
stall für einen bienenstock (?): wer ein beisteckh (in waidstall verhiebe oder verfälte, der verfiel funff pfund. weisth. 3, 898, 17 (rechte der zeidler v. 1398).
e)
verbale ausdrucksweisen: einen stall dielen, pflastern, s. b zu ende. — den stall bauen, zu machen, s. 4, c. — die ställe machen sie rein (misten sie aus) mit der schauffel. Comenius sprachenth. 414; vgl. stallausmisten, n. und unten 4, d; wenn er (der knecht) sihet wasz seynem hernn nucz ist, den stall misten, die pferdt wischen, futternn ... Luther 32, 69, 30 Weim. ausg.; da soll die meyerin fleissig darob und daran sein, das die mägd offt zu dem stall sehen, dann nichts bekompt dem vieh also wol, ... als wann man die ställ sauber haltet und auszmistet. Sebiz feldb. 96; daher räumt und reinigt man oft die ställe. Voss Virgils ländl. ged. 3—4, s. 637; so sollen sie (die kobolde) auch für die knechte und mägde ... alle hausarbeit thun: die pferde striegeln, füttern, den stall ausmisten. Heine 4, 178 Elster;
mein ställ sind fein auszgbutzet.
Garg. s. 133 neudr.
die pferde stehen im stalle, equi in stabulo stant. Steinbach 2, 657; die juden sind im stande, zu sagen, das pferd habe im stricke gehangen ..; da nun das pferd desfalls lange im stalle habe stehen müssen, so wären ihm die füsze angelaufen. Rosenzweig 83; vgl. dazu unten 4, e. ein pferd im stall haben, halten, havere, tenere un cavallo in istalla, cioe à sua posta. Kramer dict. 2, 904ᵃ: (es wird verboten,) ainiches vich anhaimbs in velt ibernachts nit auf der waid zu lassen, sondern selbes iederzeit einzuthun und vleissig im stall zu behalten. tirol. weisth. 2, 170, 12; sondern ain ieder (soll) schuldig sein, sein vich in die reverender ställ zu verspern. 203, 25; solches sein vieh soll keiner mit besondern hirten hüten .., sondern soll es zu den gemeinen hirten treiben oder im stalle behalten. 3, 192, 30. — die pferde aus dem stalle führen. Kramer dict. 2, 904ᵃ; als der gaul zurückkam, wollte ich nimmer aufsitzen, und liesz ihn ganz gemach in den stall ziehn. Musäus physiogn. reisen 2, 77. — formelhaft sind andre verbindungen, die des artikels entbehren (in der frühern sprache): die pferde in stall führen, stellen, menare, mettere i cavalli in istalla. v. einstellen. Kramer a. a. o.; das pferd in stall ziehen, stabulare equum. Stieler 2118; denn da stund es umb das volck Israel, wie es umb eine herd schaffe stehet, wenn der wolff ynn des hirten abwesen unter sie komen ist: da wird das mehrer teil erwurgt, was aber aus kompt und entleufft, das wird so yrre und schewe, das mans gar schwerlich widder bedeuten und zu stal bringen kan. Luther 23, 502, 25 Weim. ausg.; bey dem füttern werden sie ... gewöhnet, dasz, so die suppe in die tröge gebracht ist, und die hunde im zwinger sind, man die hunde erstlich zu stalle bringet und rufft. Döbel 1, 119ᵃ; ist es im winter, bringt man sie (die hunde) zu stalle, im sommer aber ist es besser, dasz sie im zwinger frey bleiben. ebenda. so auch:
meines viehes weysz ich keyn zal;
eyns theyls zuͦ berg, eyns theyls zuͦ thal
thut gehn, darzu moͤgen sie all
inn meinen berg hingehn zuͦ stall.
Wickram 8, 190 Bolte (Ovid 13, 1102).
selten fehlt der artikel in andern verbindungen, s. unten.
f)
zur besorgung des stalles und wartung des viehes sind knechte und mägde erforderlich, deren leben sich zum groszen theile im stalle abspielt: die einfeltigen pawren und die meidlein ym stal wissen von dem glawben zu reden. Luther 10, 3, 365, 3 Weim. ausg.; die liegt jetzt, einer magd gleich, in seinen ställen, und sinkt, wenn die nacht kömmt, ermüdet auf die streu nieder, die seinen stolzen rossen untergeworfen wird. Kleist 2, 188 E. Schmidt (Käthchen 1, 1); das mädchen sei unten, und begehre, in meinen ställen zu übernachten. 189; (das amt) des marschalks, des roszknechts, der über die ställe gesetzt ist. Freytag 18 (bilder 2, 1), 7; ich dachte, ... der bengel hätte euch unheil im stall gemacht. Storm 7, 169. sie gelten als niedrig und ungebildet:
vom niedern dienst im stalle stieg ich auf,
durch kriegsgeschick, zu dieser würd' und höhe.
Schiller 12, 162 (Piccol. 4, 4);
ich denk', ihr seid doch nicht im stall geboren?
ihr wiszt, was höflichkeit und sitte ist?
Wildenbruch Harold s. 28.
vgl. els.: der parre gehért uf de kanzel un de buhr in de stall. Martin - Lienhart 2, 588ᵇ. — ain spruch von ainem der bult umb ain pauren maid und daz gschach in ainem stall. fastn. sp. 1278; hernach kumpt er (der knecht), sez sich in stal. Paumgartner briefw. s. 82; er (ein junge) ist beslich uber das lernen zu pringen, der stal thut im vil zu leid. 108;
ach, dann hörte mich mein Fiekchen
abends an des amtmanns stall!
Hölty 206 Halm.
4)
besondere, typische und übertragene gebrauchsweisen.
a)
Jesus ward in einem armen stall geboren ... in una povera stalla (capanna). Kramer dict. 2, 904ᵃ. besonders kirchenlieder nehmen oft darauf bezug:
in einem snoͤden stalle
din bette waz ein krippe.
Heinr. v. Neustadt gottes zuk. 2086 Singer;
da was ain esel und ain rind
in ainem stal,
dz was des fürsten hofgesind
für Adams val.
Wackernagel kirchenl. 2, s. 699ᵇ (902, 9);
schönstes kindlein in dem stalle.
P. Gerhardt nr 113, 29 Goedeke;
zeuch in mein herz hinein
vom stall und von der krippen.
hannov. gesangb. 26, 4.
vgl. die unterfränk. redensart: dar war ah schont in stohl vo Bethlehem (als 'ochse', von einem dummen menschen). Ruckert 176.
b)
sonst begegnet stall in geistlichem sprachgebrauche besonders in wendungen, die die fürsorge gottes oder Christi unter dem bilde eines hirten darstellen: ich wil ... die ubrigen in Israel zu hauff bringen, ich wil sie, wie ein herd, mit einander in einen festen stall thun. Micha 2, 12; und ich habe noch andere schafe, die sind nicht aus diesem stalle. Joh. 10, 16;
damit sol er sî alle
bringen zǒ dem stalle.
der stal bezeichent die christenheit.
spec. eccles. 148, 178.
ähnlich auch schafstall (vgl. theil 8, 2048): dannenher füren sie (die bischöfe) den hirtenstab, dasz ist, das befolhen wort gottes: dardurch sie die befohlnen schäfflein ... weisen zu dem pfärch oder stal Christi, darumb sie auch pfarer oder pfärcher von dem befohlnen pferch oder schaffstal Christi ... genent werden. Stumpf Schweytzer chron. 351ᵇ;
er wollt' in gottes schafstall ziehen (volebat in ovile ecclesiae intrare).
Günther bei Steinbach 2, 657.
c)
grosz ist die zahl sprichwörtlicher redeweisen. besonders häufig begegnet die wendung: wan die kuhe gestolen ist (die ochsen gestolen seynd) macht man den stall zu. Kramer dict. 2, 904ᵃ; januam claudere accepto damno, den stall zuthun, wann die kuh hinausz ist. Dentzler 1, 345ᵃ. 2, 271ᵇ; stall zu thun, wann die kuh schon hinaus, lat. consilium salubre sero exequi, Curt. Nil iuuat amisso claudere septa grege. Apin. gloss. 509; den stall verschlissen, wenn die kuh hinaus ist. er macht den stall zu, wenn die kuh gestohlen ist. Steinbach 2, 657. Frisch 2, 316ᵃ. in sprichwörtersammlungen: sera in fundo parsimonia, den stal zuͦthun, so die kuͦw hinausz ist. S. Franck 1, 75ᵃ, ebenso 2, 47ᵃ mit dem zusatz: das heyszt nach der schlacht streiten, zuͦ spat kommen pulver und blei so die stat gewunnen oder verloren ist; mit ausführlicher erläuterung bei Eyering 1, 414 ff.; es ist vergebens, dass man den stall zu thut, wenn die kuh gestohlen ist. Lehmann bei Wander 4, 768, 4, s. auch Eiselein 401. in der litteratur: ir wölt erst den stall zuͦ thuͦn, so die kuͤw hinausz sein. Schade sat. u. pasqu. 3, 144, 22; zuͦletst giengen den münchen die augen auff, fielen jrer übergab unnd verkauffung in ein rew, wolten den stal zuͦthuͦn wie vor die von Ulm, als die kuͦe schon herausz war. S. Franck chron. der Teutschen (1539) 314ᵇ;
nu wil den stal ich machen zu,
so mir ist hin kalb und die ku.
H. Sachs 23, 7, 14 Götze.
els. wënn s küej(e)l furt is(t), wurd d(e)r stall zü gemacht 'wenn das vermögen verpraszt ist, hört das lustige leben auf'. Martin - Lienhart 2, 588ᵇ. an stelle der kuh wird das pferd genannt: wâr umme slüst du den stal, als de page is enwege? (quid stabulum claudis, sonipes dum perditus ipse?) Tunnicius 1328; man thut den stall zu, wenn das pferd fortgelaufen ist. Simrock 9807, vgl. Wander 4, 769, 33; vergebens ist es, den stall erst zu beschliessen, wenn die rosse schon heraus sind. Arnim 7, 27; so schon:
mich dunkt, er hab ein tumben muot,
der nâch der rossen diupstâl
alrêrst beslieʒen wil den stal.
Boner 22, 32;
wer erst beslust den stal,
so er die pferd verlurt,
der ist nit wol gesturt.
Altswert 179, 6.
andre thiere: nun der wolff die gens gefressen hat, habens den stal zu gemacht. Luther 11, 127, 4 Weim. ausg.; es hilfft nicht, dass man den stall schleust, wenns vieh herauss ist. Lehmann bei Wander 4, 767, 1. unbestimmter und unbildlicher: man sol den stall verwahren, ehe der schad geschihet. Petri Oo 4ᵃ. Henisch 1531, 53. für den stall schlieszen begegnen zuweilen andre ausdrücke: ei, het wirs also gemacht, wollen den stall pauen, quando anseres ablati. Luther 20, 120, 6 Weim. ausg.; den stall wöllen bawen, wenn der wolff die schafe gefressen hat. tischr. 427ᵃ bei Wander 4, 769, 32; wenn man den stall bawet, wann die schaf gefressen sind, ist kosten und arbeit verloren. Lehmann s. ebenda 768, 22 (vgl. ferner 8. 15. 18. 29); hierbey aber nahm mir vor, durch diesen schaden klug zu werden, und ins künftige mein geld und kostbarkeiten besser zu verwahren, auch niemals wieder einen gantz fremden menschen in meine dienste zu nehmen. also gieng mirs, wie es der gemeine lauff mit sich bringet, und man im sprich wort zu sagen pfleget: alsdenn bessert man den stall, wenn die pferde heraus sind. Plesse 1, 175.
d)
weitere sprichwörter u. ähnl. zunächst in bezug auf den wirklichen stall: man gehet niemals in den stall, man find einen groschen darin. Petri Nn 2ᵇ. Henisch 1727, 20. Simrock 9809. (der sinn ist, dasz der stall gedeiht und ertrag bringt, wenn der herr oft nach dem rechten sieht.) wann er recht in stall sihet, werden die kälber blindt. Egenolff 106ᵃ. — man musz gemach vom stall auszreiten. Petri Oo 2ᵃ; sachte von dem stall, föhrt den ganzen dag wall. Wander 4, 768, 19 (Münsterl.). — in andern wendungen hat der stall mehr typische oder bildliche bedeutung: miste vorher deinen stall! Eiselein 576 (volksm.). Simrock 9808 (deinen gesperrt). Wander 4, 769, 36. jetzt oft mit bezug auf die antike sage von Herakles: den stall des Augias misten. 31. vgl. dazu: unmöglich konnte der taubenrost von so geraumer zeit ... so schnell ausgefegt ... werden. ... der stall des Augias schien dagegen ein kinderspiel. Hippel 8 (kreuz- u. querz. 1), 91;
ehmals wollt' ich in hast ausmisten den stall des Augeias.
Platen 138ᵇ.
s. auch marmorstall und misten 2, theil 6, 1668. 2269. — men sal neine worste soken in des hundes stal. (sunt quaerenda canum in stabulo farcimina nunquam.) Tunnicius 519. — es ist vieh und stal. Luther sprichw. 76 (vgl. s. 94—96); similis causa, similis effectus, gleiche schwär, gleichs gewicht, gurr als gaul, viehe als stall. Nas 17 predig (1572) s. 294ᵃ; es ist vihe als stall, dignum patello cooperculum. Egenolff 104ᵃ; wie die frauw, also die magd. ... es ist eben vieh als stall, gurr als gaul, mann als rosz, deckel wie der haf (topf), maul wie salat, da der esel die distel frasz. wann gleich mit gleichem leycht, und under einer deck ligt. 105ᵃ; so stall, so viehe. Petri Ss 8ᵇ; wie stall, so vieh. Simrock 9806; nd. sô stall sô vaih. Woeste 253ᵃ; so stall, so vaih; so lüe, so kaü. Wander 4, 768, 20 (grafsch. Mark). ausgeführter: es ist stall wie vieh, sagt jener, fand ein floh im hindern. 3; so mügen sie jren Heintzen weiter lassen von der sachen schreiben, weil sie keinen bessern wissen, ... sind auch zwar nicht werd, das sie einen bessern haben solten, es ist viehe und stal, sprach der teufel, und treib seiner mutter eine fliegen in den hindern. Luther wider Hans Worst H 3ᵇ (s. 38 neudr.). — es gehen viel geduldiger schafe in einen stall. Kramer dict. 2, 904ᵇ; es gehn vil gut schaf in einen engen stall. Garg. s. 146 neudr. (8. cap.); et staan veele frame peerde in enem stall, wo eintracht ist, können viele raum haben. Dähnert 457ᵃ. dazu auch: de kann nig im engen stall staan, er musz alles kostbar und vollauf haben. ebenda, vgl. brem. wb. 4, 989.
e)
an die letzteren wendungen schlieszt sich eine sehr verbreitete redeweise: nymer ynn einem stall stehen. Luther sprichw. 450; nicht in einem stall stehen. nit in gleichem joch ziehen. Egenolff sprichw. 313ᵇ (danach Schottel 1124ᵇ); schön unnd fromb seyn, steht selten inn einem stall, dann man läszt das schön, spricht man, nit fromb seyn. 341ᵇ; sie ziehen nicht in gleichem joch. sie stehen nicht in einem stall. so mancher kopff, so mancher sinn. Eyerirg 3, 309; oft in der litteratur in dem sinne 'nicht zu einander passen, sich nicht vertragen, uneinig, feindlich sein': denn die zwei kommen sonst nicht mit einander überein, stehen nicht bei einander in einem stall, gottes gnade oder geschenke geben, und abverdienen. Luther 15, 384 Erlanger ausg.; denn gottes ehre und unser ehre können nicht beisammen in einem bette liegen. also auch können gottes name und unser name nicht in éinem stall stehen mit einander. 38, 230; inn diesem evangelion helt Christus gegen einander die gottliche weisheit und der menschen weisheit, das sie sich nicht mugen mit einander vertragen, stehn auch nicht ynn einem stall mit einander. 32, 105, 21 Weim. ausg.; dann der gross graf von Tengen und diser herr Hanns Jacob stuenden nit in einem stal und wolt sie graf Christof von Werdenberg nit zusamen lasen. Zimm. chron.² 3, 137, 31; die creutzherrn zogen sich an käyser Ludewigen, der damals mit dem bapst nicht in einem stalle stund. Schütz beschr. der lande Preussen 68ᵃ; wir zwei stehen nicht in einem stall. Jul. Wolff der raubgraf (1886) 37;
myn muͦtter, herr, die muͦsz ich schlagen ...
sy fluͦcht uns offt schentlichen all;
wir stondt nit glych mit ir im stall.
Murner narrenbeschw. 95, 131.
den positiven ausdruck sie stehen in einem stall belegt Wander 4, 769, 38 aus S. Franck (zeytb. 143ᵇ, nicht zu finden). darauf beruht wol auch die wendung: damit dass durch die hilf des almaͤchtigen gots und unser zuͦtuͦn unser eidgnoschaft gmeinlich und einhellig in einen stal und wesen komme, und in kuͤnftigen ziten groͤsserer unfal und uneinikeit vermiden werden. Anshelm 3, 473, 25. vgl. ferner stallen 3.
f)
andre wendungen begegnen gelegentlich in ähnlich typischem sinne: unde de gylde geven dem hertoghen Hinricke ore seggele unde breve. ... o de dummen ossen, do schetten se alto vel messes in den stal! d. städtechron. 16, 305, 6 (Braunschw. schichtb.); ich will euch das noch in kürze berichten. ... die gäule laufen rascher, wenn es dem stalle zugeht. C. F. Meyer d. heilige 223. — übertragen, im ausgeführteren bilde: den schönen lauf, den ihr sohn gerade zum geheimenrath und gesandten ansetzte, so auf einmal halte zu sehen, und rückwärts mit dem thierchen in den stall! Göthe 16, 108; armer tropf! aus dieser lage reissen? ... und auf mehr raffinirt dein fingerhut voll gehirn nicht? und damit trabt deine mähre zu stalle? Schiller 2, 39. 230 (räuber 1, 2 bezw. 1, 6);
hett ich schon hundert tusent brieff
und dem rechten stetz noch lieff,
so ist es mit eym dreck versigelt
und ist der aff im stall verrigelt.
Murner schelmenz. 2, 32 (s. 9 neudr.);
die (frau) ist herr im haus, gat zuͦ kirchen und strasz her brangen, ... wer si nit kent, der hats für erber, so si schon darvor vil ställ durchloffen hat. Schade sat. u. pasqu. 2, 139, 27; dasz die englische süsze aurikel mich aber gern unter euch sieht, dem wäre schwerer zu widerstehn, wenn man nicht im stalle angehalftert stünde und, da mein minister nicht hier ist, ich geradezu davon laufen müszte. Zelter an Goethe 5, 277;
so denkt nicht heut' an eure plage,
zieht eure sorgen in den stall!
Novalis 1, 222 Meiszner.
5)
der gewöhnliche begriff von stall wird in verschiedener weise erweitert.
a)
im altn. bedeutet stallr auch krippe, s. Fritzner² 3, 519ᵇ (4); und so heute im engl. diese bedeutung ist vielleicht an 2, g 'gestell' anzuschlieszen. auch in nhd. glossen dient stal oft zur wiedergabe von praesepe, ja noch bei Dasypodius und Kilian wird es damit erklärt, s. 3, a; doch ist fraglich, ob praesepe hier nicht einfach im sinne von stabulum genommen ist.
b)
stall zuweilen auf die darin befindlichen lebenden wesen angewendet. die thiere, im bilde (vgl. unten):
(böse kinder) vergifften sich und ander kindt:
thet man sy nit en weg geschwindt,
sy solten wol den gantzen stal
rydig machen überal.
Murner schelmenz. 41, 15 (s. 58 neudr.).
das dienstpersonal: der stall war in bestürzung. das liebste reitpferd des fürsten war ein weiszer Ivenacker. als der reitknecht am morgen zu dem pferde trat, fand er ihm auf der brust ein groszes schwarzes herz gemalt. Freytag 7, 226 (handschr. 4, 4); der stall hat befehl, ihnen zu jeder stunde einen wagen bereit zu halten, wenn sie ... eine reise in die umgegend wünschen. 234. vgl. auch marstall unter 3, d, β.
c)
schafe werden anstatt in gedeckten ställen des sommers während der nacht oft in offnen hürden untergebracht. diese werden im allgemeinen von den ställen unterschieden und neben ihnen genannt; selten wird stall in diesem sinne gesagt oder damit gleichgesetzt, so: stall (der) pferrich, caseale, casealis, clausum, praesepe, stabulum, praesepium. Maaler 383ᵈ; die hürten sind versetzliche ställe (pferche) in welche die schäfflein getrieben werden, dafern der schaffstall weit abgelegen ist. Comenius sprachenth. 412. — ähnlich upstall 'an einigen orten eine weide mit einer leichten mehr offenen einzäunung, worauf gewöhnlich pferde getrieben werden, und daselbst auch des nachts unter der aufsicht eines wächters oder hüters bleiben'. Krünitz 169, 171.
d)
die ställe werden im allgemeinen von vorratsräumen, wie speichern, schuppen, böden u. s. w. unterschieden, s. besonders 3, c, β. dasz stall auch für diese gesagt werde, läszt sich nicht mit sicherheit belegen; doch nähert es sich vereinzelt einer solchen bedeutung, z. b.: sie (die kapelle) ward als ein schuppen, ja fast wie ein stall behandelt. brennholz, stangen, geräthschaften, tonnen und leitern, und was man nur wollte, war übereinander geschoben. Göthe 21, 20 (wanderj. 1, 2). (doch els. stall für heuboden, s. Martin - Lienhart 2, 588ᵇ.) deutlich liegt diese bedeutung dagegen vor in einer reihe von zusammensetzungen; so:
holzstall
s. theil 4, 2, 1781, locus ad condenda ligna in domo. Frisch 2, 316ᵃ; in den holzstall herab! Kleist 4, 140, 15 E. Schmidt;
heustall
theil 4, 2, 1294, vgl. Krünitz 169, 170;
miststall
theil 6, 2274 (?);
kutschenstall
theil 5, 2889, vgl. Krünitz 57, 417.
e)
wenn stall auf menschliche wohnräume angewandt wird, so kann darin die alte weitere bedeutung vorliegen, s. oben 2, d. doch wird im nhd. eher übertragung von 3 aus anzunehmen sein, wobei dann die verächtliche färbung sich von selbst versteht. deutlich liegt 3 zu grunde in folgender bildlichen wendung:
der sünder ist des thiers und aller teuffel stall.
Silesius cherub. wandersm. 6, 27.
so wird stall in der umgangssprache allgemein als ausdruck der verachtung gesagt (doch noch gewöhnlicher zusammensetzungen wie saustall); besonders aber findet sich stall in einigen spezielleren bedeutungen.
α)
dahin gehört vielleicht die anwendung auf die welt bei Luther, s. 2, d; deutlicher die ebenfalls im 16. jahrh. begegnende auf die hölle: und wenn du gleich in himmel steigen köndtest, wolte ich dich doch wider in die helle hinunter stürtzen, denn du bist mein, unnd gehörest auch in diesen stall. volksb. v. Faust s. 34 neudr. vgl. dazu noch: (Ioannes Florentius) lag einmahl an seinem fenster, unnd sahe wie der sewhirt die schwein in stall wolt treiben, weil aber die nicht in denselben wolten gehen, sagt der hirt, geht in den stall, wie die juristen und procuratores in die helle gehen. Zincgref apophthegm. 4, 98 (s. auch Wander 4, 786, 6).
β)
in der Stralsunder chronik up'n stall setten, ins gefängnis, s. Dähnert 457ᵃ. so schon im mnd. des 14. jahrh., s. Schiller-Lübben 4, 353ᵇ: hebben ghelovet ene rechte vengnisse in to komende to dem Sunde up der heren stal unde nicht qwiit to wesen, es en sin in stocken unde in yseren. hans. urk. 2, s. 646 (vom j. 1368). später dafür die zusammensetzung brummstall, s. theil 2, 430, besonders 'ehemals beim militair das gefängnisz der soldaten bei den hauptwachen'. Krünitz 169, 167 f.
γ)
jetzt in der soldatensprache für den verschlag des unteroffiziers. Horn s. 100.
δ)
in der Berliner volkssprache für die schule. Hans Meyer der richt. Berliner⁶ 118ᵃ: schtall unterrichtsanstalt. Brendicke Berliner wortsch. 177ᵇ; nach dem stalle gehen. Wander 4, 769, 37.
ε)
vgl. auch die zusammensetzungen schäferstall (th. 8, 2011 —?) und weiberstall, harem: zwar hätte er, als ein musulman, sich wenigstens zwey bis drey weiber .. zulegen mögen, ohne dass weder der imam von Mekka, noch der grosse lama in Tibet ... sich sehr daran geärgert hätten. denn jeder dieser würdigen herren hatte ihrer noch viel mehr in seinem weiberstalle. Wieland 8, 23 (Danischm. 2).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 594, Z. 46.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
hofhalt honigthau
Zitationshilfe
„holzstall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/holzstall>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)