Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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horchen, verb.

horchen, verb.
auscultare; eine iterativbildung zu ahd. hôrjan, hôrran, goth. hausjan hören, die zuerst bei Williram sich nachweisen läszt: dîne frîunt hôrechent des. 77, 19; dîne frîunta hôrechent gerno dîner stimmo. 27; und im mhd. mit verkürztem stammvocal als horchen bezeugt ist (Lexer 1, 1338): auscultare horchen Dief. 62ᶜ; niederd. auscultare, obedire horen horken, underdenich sîn nov. gloss. 44ᵃ; eine form, die dem ags. hearcnian, engl. hearken horchen nahe steht, während sie mit dem gleichbedeutenden engl. hark sich deckt; niederl. herken, harken auscultare Kilian. Maaler führt wol gehorchen auf, nicht aber das einfache horchen, das im alemannischen durch losen ersetzt wird, wie denn auch Dasyp. horchen aures arrigere, auscultare, animadvertere noch durch losen glossiert, jedenfalls weil jenes, aus irgend einer schriftquelle herüber genommen, im Elsasz nicht ohne weiteres verständlich war; ebenso fehlt bei Schmeller horchen, während losen, lusen in dessen bedeutung steht (1, 1515 Fromm.). horchen drückt aus
1)
angestrengt oder aufmerksam das gehör worauf richten, lauschen; und wird gesetzt
a)
absolut: kucket zu irem (der weisheit) fenster hinein, und horcht an der thür. Sir. 14, 24; er schleget die augen nider, und horchet mit schalksohren. 19, 24; als aber Petrus an die thür klopfet des thores, trat erfur eine magd zu horchen. ap. gesch. 12, 13; alles war still, hörte, horchte. Göthe 15, 327; die mutter jedoch, mit heiterem gesicht, übergebogen horchend, liesz nicht die mindeste unruhe bemerken. 330;
oft
durchfliegt sein ruhm, vermischt mit harfenklang, den hain
und jeder wipfel horcht.
Hölty 45 Halm;
nur schweiget und horchet wie mäuslein.
Göthe 1, 227;
in verbindung mit personification des ohres:
doch werf ich einen blick auf dich. vernimmt
mein horchend ohr ein wort von deiner lippe,
so wird ein neuer tag um mich herum.
9, 133.
bei den bergleuten heiszt horchen aufmerken wenn die uhr schlägt, oder ob ein bergbeamter ankommt. Jacobsson 2, 285ᵇ.
b)
so steht gern der imperativ horch! in der alten sprache auch horcha!: horcha, welchen (wein), lieb, trinkst am liebsten? Garg. 88ᵇ; hört hört ihr herd säu, wie die hinder posaun so schön zu haufen aufplaset, zu jedem ock und tritt und trott ein fürzlein, horcha. 137ᵇ;
und auszen, horch! gings trap trap trap,
als wie von rosseshufen.
Bürger 14ᵃ;
horch — die glocken hallen dumpf zusammen.
Schiller kindesmörderin;
horch, der küster beiert.
Voss 4, 176.
c)
mit dativ der person oder der sache, gern in gehobener oder poetischer sprache: unser freund .. horchte gern den beleh renden worten seines wirthes. Göthe 23, 27;
es horchen
ihm die bemerkungen deiner freunde,
ihm horcht entzückt die feinere schäferin.
Klopstock 1, 15;
was horchest du unter dem weitverbreiteten flügel der nacht
dem fernen sterbenden wiederhalle des bardengesangs?
238;
ach, dann wall ich am grabe, dem ich so nah war, und weine
meinen jammer. mir horcht die schauernde todesstille.
3, 205;
ja, sohn, die ahnung, deren leiser stimme
du oft in deinem innern horchtest, trügt dich nicht.
Wieland 26, 183;
das rebengrün,
wo du horchtest der nachtigall.
Hölty 93 Halm;
da horch ich oft, im mondenglanz,
der grillen nachtgesange.
173;
es saszen die Griechen
nach der sitte schweigend umher, dem könige horchend.
Stolberg 12, 246;
so sprich! du siehst, ich horche deinen worten.
Göthe 9, 91;
mit wie leichtem herzensregen
horchet ihr der glocke nicht,
die mit zwölf bedächtgen schlägen
ruh und sicherheit verspricht!
19, 230;
ich horche vergebens
ihrer stimm in der fern, und ihrem kommenden fusztritt.
Voss 1, 151.
d)
horchen auf einen oder etwas: auf solche worte horchte Börne mit beiden ohren. Heine 12, 14;
(glücklich) dasz ich kein dienstbar ohr
um weg verkaufte pflicht darf recken hoch empor,
und horchen auf befehl.
Logau 1, 168, 19;
(das lamm) nahm aus unserm becher trank,
horcht auf locken und gesang.
Voss 5, 251;
die bedeutung des lauschens schlägt hierbei in die des wartens um:
von churfurst von Brandenburg,
auf sein hulf nicht umher horch,
thut dich verlaufenen pfaffen nicht lieben.
Soltau 444 (von 1583).
e)
horchen mit abhängigem satze: da gieng Bagoa hin ein, .. und horchet, ob er sich regen wolte. Judith 14, 13; ich dächte, wir gingen sachte diese dunkle allee hinauf und horchten immer im gehen, ob wir nicht irgend etwas kommen oder lispeln hören. .. ganz recht. geh nur voraus und horche, ob der weg sicher ist. Göthe 14, 225;
ich sinn und horche,
ob nicht zu irgend einer frohen flucht
die götter rath und wege zubereiten.
9, 28;
er horcht, was geredet wird, sermones attendit. Steinbach 1, 787.
f)
horchen mit accusativ, durch horchen vernehmen, aufnehmen, nur in freierer poetischer sprache: hier .. lauschte ich oft von des vaters lippen auf die thaten der edlen Griechen! horchte liebe zum vaterland in das junge herz! Klinger 2, 146;
so sangen die parcen;
es horcht der verbannte
in nächtlichen höhlen
der alte die lieder.
Göthe 9, 79;
bei Klopstock ein gerne gehorchter fusz, dessen tritte man gern vernimmt:
deckt, heilige stunden, decket mit eurer nacht
den stillen eingang, dasz ihn kein sterblicher
betrete, winkt selbst meiner freunde
gerne gehorchten, geliebten fusz weg.
1, 55.
2)
der begriff des aufmerksam zuhörens geht über in den des beobachtens, beaufsichtigens, acht habens:
ämter haben sorgen,
und hürten müssen hüten und horchen.
Simpl. 1 (1713) s. 8;
wann hie (in Nürnberg) gesessen warent vil freiherren graven und edel, die da kaiserlichem hoff verbunden warent, und horchten auf das lant. d. städtechron. 3, 68, 1.
3)
andrerseits aber auch in den des befolgens, horchen rührt an gehorchen, oder ist ihm in einigen stellen geradezu gleich: wan Hêrôdes vorchte Jôhannem .. und ime horchinde tet her vile. Behaims evang.-buch, Marc. 6, 20; doch seit ir all in irer (der ratsherrn zu Nürnberg) ungnad, werdt veracht, habt ganz keinen gewalt und müst auf sie horchen. d. städtechron. 3, 132, 18; in der poetischen sprache vorzüglich der neueren, mit dem dativ der person oder sache (vgl. oben 1, c):
da macht die angst und grosze forcht,
das jederman dem schiffherrn horcht.
B. Waldis Esop 4, 13, 32;
so weit des adlers augen sehen,
horcht die natur vom isop bis zur ceder
nur dir (dem zufalle).
Thümmel 3, 24;
viele jünglinge horchen deinen befehlen.
Stolberg 11, 99;
und wenn euch, ihr kinder, mit treuem gesicht
ein vater, ein lehrer, ein alderman spricht,
so horchet und folget ihm pünktlich!
Göthe 1, 228;
ruf ich, da will mir keiner horchen.
4, 312;
horcht den befehlen, folget sogleich.
10, 255.
4)
horchen, mit einem niedrigen nebensinne, unberechtigt lauschen (vgl. behorchen 1, 1342): es ist ein unvernunft, einem an den thür horchen, ein vernünftiger hielt es fur eine schmach. Sir. 21, 26; die thränen eines armen mädchens .. deren zutraulichkeit ihnen gelegenheit gab zu horchen. Göthe 14, 245; 'ich habe an der thüre gehorcht, sie hat sich ganz dem abbé entdeckt'. unverschämter! sagte Lothario, wer heiszt dich horchen. 20, 306;
ah! dasz ich meine schwester
nicht horchen lassen!
Lessing 2, 284;
ich will doch horchen, stehts gleich nicht fein.
Kotzebue.
5)
horchen, in dem mehr abgeblaszten sinne zu erfahren streben, aufmerkend erforschen (vgl.aushorchen): ich horchte an dem lohnbedienten, der sich mir, jedoch nur langsam und auf eine kluge weise, näherte. Göthe 16, 213; Wilhelm horchte oft ins publicum, und nur selten kam ihm eine stimme entgegen, wie er sie zu hören wünschte, ja öfters vernahm er, was ihn betrübte oder verdrosz. 19, 230.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1802, Z. 16.

horchen, verb.

horchen, verb.:
horchen der bälge, im hüttenwerk, wenn die luft aus ihnen nur stoszweise in den ofen geblasen wird. Jacobsson 6, 115ᵃ. kaum zu dem eben aufgeführten horchen gehörig, eher wol zu hörcheln sp. 1802, welches letztere als iterativbildung zu ihm gefaszt werden kann.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1804, Z. 13.

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Zitationshilfe
„horchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/horchen>.

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