Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

horde, f.

horde, f.
1)
flechtwerk von reisig oder stäben, und der mit einem solchen umschlossene raum. neben der mhd. form hurt, plur. hürte, aus der sich unser hürde, plur. hürden entwickelt hat (s. d.), erscheint, namentlich mitteldeutsch und niederdeutsch, auch hurt, hort, horte crates Dief. 155ᵇ, niederl. hoert cratis nov. gloss. 118ᵃ, dem sich ein untermoselsches hoerte anschlieszt, womit der rost zum verbrennen eines verbrechers gemeint ist: item weiset man in diesem reich (zu Cröve) an dem hohe gericht acht gericht, das ein ist der strank, das ander das ratt, das dritt die kule, das vierte der style, das funft die hoerte .. weisth. 2, 378. die mitteldeutsche form horde neben der oberdeutschen hürde hat sich zunächst nur in der technischen sprache erhalten, bei wollarbeitern, brauern, in tabaksmanufacturen, wo es ein viereckiges flechtwerk von reisern oder draht, ähnlich einem tischblatt, bezeichnet. Jacobsson 2, 285ᵇ. 6, 115ᵃ. bei den schäfern heiszt horde das reisiggeflecht, das den raum auf dem die schafe nachts bewahrt werden, einhegt: mit leimen getünchte horden von schilf. Heilmans Thucgd. 269; wenn ich dich nun in meine horden einnähme, sage mir doch, wer sollte alsdenn meine armen schafe gegen dich (den wolf) beschützen? Lessing 1, 161;
ein hirte liesz auf grüner heiden
ein tausend und acht schaafe weiden,
bisz .. grauer abend es war worden,
da führte er sie in zwölf horden.
Seriander rechtschreiberei (1739) s. 465;
die triften wurden leer. man sah die dichten haufen
mit blökendem geschrei nach ihren horden laufen.
Rost schäferged. 92;
die schafe liefen fort und blieben in den feldern
bei fremden horden stehn.
daselbst;
so vergnügt ist nicht das schäfchen,
wenn es aus den horden eilt.
Eschenburg Lukas u. Hannchen 34.
2)
horde, schaar, umherstreifender haufe, wird von Weigand 1, 703 als ein ganz anderes wort von asiatischem ursprunge (vgl. russ. orda, pers. ordu kriegsheer, lager) genommen, mit erstmaligem vorkommen um 1768. allein die belege reichen weiter hinauf, der hervorgang dieser bedeutung aus der vorigen läszt sich ebenso gut denken, als ein fremdländischer ursprung: horden, also heiszen die lagerstätte derer Tartarn .. item von weiden oder anderen stäben geflochtene quadrat länglichte lager, darauf das malz getreuget wird; ingleichen kleine wände von dinnen stäben, oder sonst gemacht, deren sich die schäfer bei dem pferchen bedienen. Nehring histor.-polit. lexicon (1736) 564, diese stelle kann den übergang zeigen;
lasz ihn (den Vulcan) sammt seinen horden
nur hämmern tapfer drauf.
Kongehl Innocent. (1683) 69;
(Friedrich ist) den phalangen
Europens nicht, auch nicht der wuth
der horden Asiens bezwinglich.
Ramler 1, 54 (v. 1762).
das wort erscheint aber erst seit dem ende des vorigen jahrh., in in der gewähltern sprache, häufiger: Hagar flieht, um bei andern horden einen bessern zustand zu finden. Göthe 24, 210; (greuel) so jene scheuszlichen horden dermaleinst in diesen fluren verübet. Holtei Lammfell 187. auch in allgemeinerem sinne, der an die nomaden anknüpft: losung und feldgeschrei, woran sich die glieder unserer kleinen academischen horde zu erkennen und zu erquicken pflegten. Göthe 26, 57; von einer schaar wölfe:
es kracht der schnee, schnell sind die grauen horden.
Lenau neue ged. 81.
horden, phalanges, die familien z. b. der papilionen, phalänen. Nemnich 4, 926.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1804, Z. 67.

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Zitationshilfe
„horde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/horde>.

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