Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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hudel, m.

hudel, m.
1)
lumpen, lappen, zerfetztes stück zeug: zufrühest als huder belegt (s. unten), in einem niederländischen glossar des 14. jahrh. als hude exuviae Dief. 221ᶜ auftretend, später öfter und aus verschiedenen namentlich oberdeutschen landschaften bezeugt: panniculus, ein hudel, lumpe, fetzen Dasyp.; die hudlen, bösz alt plätz von thuͦch, assumenta Maaler 231ᵃ; ῥάκος, lacer pannus vel lacera vestis. Alberus; hüddel rhacus. das.; hudel, panniculamentum, peniculus Stieler 804; bei Schottel als fem.: hudel, lump, lap, verlegen ding, panniculamentum, haillon 1338; er sie (die kleinode) in alte zerriszne hudlen bande. Bocc. (1580) 1; 58ᵃ; lasz dich benügen, wenn du so vil hudlen hast, das du dich bedecken und erwärmen magst. Keisersberg siben hauptsünd 1510 ee 3ᵃ; denn wie der augenschein weiset, .. so ist die peruquenhaube von alten huteln und lappen zusammengeflickt. Salinde 244; sprichwörtlich sich aus den hudlen schütten (aus der armut). Petr. 6ᵃ;
gan in böszen hudlen und fätzen.
N. Manuel 357 Grüneisen.
als verächtlicher ausdruck für kleidung: ob er (der pilger) überladen würt mit cleidung, ob im vatter und muͦtter oder die geswyster zuͦ vil hudlen an den hals hiengen. Keisersberg bilg. 111ᵇ. bildlich für den hinsiechenden leib: du sprichst, ich bin nit alt, ich bin aber krank und vol weetagen, ich bin an allen enden zuͦ hudlen zerfallen, die arzt haben teglich an mir zuͦ bletzen (flicken). 73ᵃ. aber auch als kleines stück zeug: schenken derselbigen (majestät) hiemit zehen guldin gold zu ainer vererung in disem hudelin verknupft. Zimmer. chron. 3, 431, 9; zum kopfputz, wenn auch vielleicht mit verächtlichem nebensinne: redimiculum, vitta hudeln Dief. 488ᶜ;
wicklen vil hudlen in die zöpf,
grosz hörner machen uff die köpf.
Brant narrensch. vorr. 119;
als zeug zur ausfüllung der spitzen an den schuhen:
den füllet man die spitzen syn,
vil hudeln muͦsz man dar in stoszen.
95, 10.
Jetzt bezeichnet schweiz. hudel kindswindel, lappen, lumpen von leinwand. Stald. 2, 59; die jungen kinder läszt sie barfusz laufen und in armen hüdelen halb erfrieren. J. Gotthelf erzähl. 4, 282, schwäb. hudel, lumpen, tuchpletz, hader. Schmid 289; bair. hudel Schm. 1, 1055 Fromm., im Unter-Innthale (masc. u. fem.) lumpen, lappen, zerfetztes kleidungsstück. Fromm. 3, 197; im Fuldaischen ein kleineres stück tuch zu bestimmtem gebrauche, tröckelhuidel, handtuch, waschhuidel, waschtuch, abputztuch, knephuidel, knüpftuch, von frauenspersonen um den kopf gewunden; in Oberhessen handerhodel handtuch; in Schmalkalden hudel nur zerrissenes kleidungsstück, lumpen; im Hersfeldischen und Schwarzenfelsischen hoddel, hull der mit lumpen umwickelte backofenfeger. Vilmar 177; im östlichen Mitteldeutschland scheint das wort wenig oder nicht bekannt (doch vgl. die bildliche bedeutung unten 4, die von einem Obersachsen und einem Schlesier gewährt wird), eben so wie in den niederdeutschen gegenden. vgl. auch huder.
2)
hudel, die puppe, die von stücken zeug verfertigt wird: oder als wann ein gaukler sein hand in einer puppen oder hudeln hat, damit thuͦt, was und wie er will, so bald er aber die hand darausz zeucht, so ligt es da, on leben, wesen. S. Frank guldin arch (1538) bl. 39ᵇ.
3)
hudel, schimpfwort für einen nichtswerten menschen (wie lump, schweizerisch lappi u. ähnl.), noch jetzt schweizerisch viel gebraucht, als hottel lump, mensch von üblem äuszern auch kärntnisch (Lexer 144), früher weiter verbreitet: der hüdel hat noch nicht gnuͦg geschneiket (herumgeschnüffelt). Keisersberg spinnerin (1510) b 6ᵃ; in der Zimmerschen chronik spottname einer schlechten dirne: der ist etliche jar darvor hinder ein durnen (dirne) im dorf kommen, wie manichem gueten gesellen mer beschücht, genant der hudel. 4, 150, 35; vgl.alle tabern waren voll hudeln und buben. d. städtechr. 3, 146, 9, wo eine handschrift huren und buben liest;
sprich, du hast noch nicht bscheidt gethon.
ehe ich dir diesen trunk nach liesz,
ich wolt eh das ich hudel hiesz.
grobianus D 7ᵇ (b. 1, cap. 7);
hudle dauren mich nicht. J. Gotthelf schuldenb. 15; nun ist es aber merkwürdig, wie die hudelkrankheit eine ansteckende ist, die hudeln am marktorte machen hudeln auf dem lande, und ein hudel steckt andere an. 96; wenn Uli ein hudel sei. Uli d. knecht 19; wenn sie einem solchen verfluchten hudel und lump ihre tochter geben würden. 242.
4)
hudel, bildlich, nugae Hederich 1333 und danach Steinbach der hudel, res abjecta, nugae 1, 789. vgl. hudelung.
5)
die zugehörigkeit des wortes zu hader und seiner sippe ist sp. 112 erwähnt. der begriff des zwistes, wie er bei hader neben der bedeutung lumpen, fetzen hervortritt, ist bei hudel nicht sehr ausgebildet, fehlt aber doch nicht ganz, so namentlich nicht, wenn ein zänkisches weib eine hudel genannt wird:
Tullia aber, die bösz hudl,
kan vil hochfart, gschwetz und gschnudl.
J. Ayrer 54ᵈ (287, 30 Keller);
vergl. auch unten hudelei.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1860, Z. 49.

hudel, m.

hudel, m.
baum oder unterlage auf einem wagen, wenn man ohne leitern fährt. obersächsisch. Adelung. Jacobsson 2, 290ᵃ. wol kaum éin wort mit dem vorhergehenden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1861, Z. 57.

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Zitationshilfe
„hudel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hudel>.

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