Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gehudelt

gehudelt,
lumpig, zerlumpt, schweiz. Stalder 2, 59; sonst ist das thal anmuthig .. aber die meisten leute, die ich sah, dünkten mich gehudelt. arm. mann im Tockenb. 273.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1881), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2554, Z. 38.

hudel, m.

hudel, m.
1)
lumpen, lappen, zerfetztes stück zeug: zufrühest als huder belegt (s. unten), in einem niederländischen glossar des 14. jahrh. als hude exuviae Dief. 221ᶜ auftretend, später öfter und aus verschiedenen namentlich oberdeutschen landschaften bezeugt: panniculus, ein hudel, lumpe, fetzen Dasyp.; die hudlen, bösz alt plätz von thuͦch, assumenta Maaler 231ᵃ; ῥάκος, lacer pannus vel lacera vestis. Alberus; hüddel rhacus. das.; hudel, panniculamentum, peniculus Stieler 804; bei Schottel als fem.: hudel, lump, lap, verlegen ding, panniculamentum, haillon 1338; er sie (die kleinode) in alte zerriszne hudlen bande. Bocc. (1580) 1; 58ᵃ; lasz dich benügen, wenn du so vil hudlen hast, das du dich bedecken und erwärmen magst. Keisersberg siben hauptsünd 1510 ee 3ᵃ; denn wie der augenschein weiset, .. so ist die peruquenhaube von alten huteln und lappen zusammengeflickt. Salinde 244; sprichwörtlich sich aus den hudlen schütten (aus der armut). Petr. 6ᵃ;
gan in böszen hudlen und fätzen.
N. Manuel 357 Grüneisen.
als verächtlicher ausdruck für kleidung: ob er (der pilger) überladen würt mit cleidung, ob im vatter und muͦtter oder die geswyster zuͦ vil hudlen an den hals hiengen. Keisersberg bilg. 111ᵇ. bildlich für den hinsiechenden leib: du sprichst, ich bin nit alt, ich bin aber krank und vol weetagen, ich bin an allen enden zuͦ hudlen zerfallen, die arzt haben teglich an mir zuͦ bletzen (flicken). 73ᵃ. aber auch als kleines stück zeug: schenken derselbigen (majestät) hiemit zehen guldin gold zu ainer vererung in disem hudelin verknupft. Zimmer. chron. 3, 431, 9; zum kopfputz, wenn auch vielleicht mit verächtlichem nebensinne: redimiculum, vitta hudeln Dief. 488ᶜ;
wicklen vil hudlen in die zöpf,
grosz hörner machen uff die köpf.
Brant narrensch. vorr. 119;
als zeug zur ausfüllung der spitzen an den schuhen:
den füllet man die spitzen syn,
vil hudeln muͦsz man dar in stoszen.
95, 10.
Jetzt bezeichnet schweiz. hudel kindswindel, lappen, lumpen von leinwand. Stald. 2, 59; die jungen kinder läszt sie barfusz laufen und in armen hüdelen halb erfrieren. J. Gotthelf erzähl. 4, 282, schwäb. hudel, lumpen, tuchpletz, hader. Schmid 289; bair. hudel Schm. 1, 1055 Fromm., im Unter-Innthale (masc. u. fem.) lumpen, lappen, zerfetztes kleidungsstück. Fromm. 3, 197; im Fuldaischen ein kleineres stück tuch zu bestimmtem gebrauche, tröckelhuidel, handtuch, waschhuidel, waschtuch, abputztuch, knephuidel, knüpftuch, von frauenspersonen um den kopf gewunden; in Oberhessen handerhodel handtuch; in Schmalkalden hudel nur zerrissenes kleidungsstück, lumpen; im Hersfeldischen und Schwarzenfelsischen hoddel, hull der mit lumpen umwickelte backofenfeger. Vilmar 177; im östlichen Mitteldeutschland scheint das wort wenig oder nicht bekannt (doch vgl. die bildliche bedeutung unten 4, die von einem Obersachsen und einem Schlesier gewährt wird), eben so wie in den niederdeutschen gegenden. vgl. auch huder.
2)
hudel, die puppe, die von stücken zeug verfertigt wird: oder als wann ein gaukler sein hand in einer puppen oder hudeln hat, damit thuͦt, was und wie er will, so bald er aber die hand darausz zeucht, so ligt es da, on leben, wesen. S. Frank guldin arch (1538) bl. 39ᵇ.
3)
hudel, schimpfwort für einen nichtswerten menschen (wie lump, schweizerisch lappi u. ähnl.), noch jetzt schweizerisch viel gebraucht, als hottel lump, mensch von üblem äuszern auch kärntnisch (Lexer 144), früher weiter verbreitet: der hüdel hat noch nicht gnuͦg geschneiket (herumgeschnüffelt). Keisersberg spinnerin (1510) b 6ᵃ; in der Zimmerschen chronik spottname einer schlechten dirne: der ist etliche jar darvor hinder ein durnen (dirne) im dorf kommen, wie manichem gueten gesellen mer beschücht, genant der hudel. 4, 150, 35; vgl.alle tabern waren voll hudeln und buben. d. städtechr. 3, 146, 9, wo eine handschrift huren und buben liest;
sprich, du hast noch nicht bscheidt gethon.
ehe ich dir diesen trunk nach liesz,
ich wolt eh das ich hudel hiesz.
grobianus D 7ᵇ (b. 1, cap. 7);
hudle dauren mich nicht. J. Gotthelf schuldenb. 15; nun ist es aber merkwürdig, wie die hudelkrankheit eine ansteckende ist, die hudeln am marktorte machen hudeln auf dem lande, und ein hudel steckt andere an. 96; wenn Uli ein hudel sei. Uli d. knecht 19; wenn sie einem solchen verfluchten hudel und lump ihre tochter geben würden. 242.
4)
hudel, bildlich, nugae Hederich 1333 und danach Steinbach der hudel, res abjecta, nugae 1, 789. vgl. hudelung.
5)
die zugehörigkeit des wortes zu hader und seiner sippe ist sp. 112 erwähnt. der begriff des zwistes, wie er bei hader neben der bedeutung lumpen, fetzen hervortritt, ist bei hudel nicht sehr ausgebildet, fehlt aber doch nicht ganz, so namentlich nicht, wenn ein zänkisches weib eine hudel genannt wird:
Tullia aber, die bösz hudl,
kan vil hochfart, gschwetz und gschnudl.
J. Ayrer 54ᵈ (287, 30 Keller);
vergl. auch unten hudelei.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1860, Z. 49.

hudel, m.

hudel, m.
baum oder unterlage auf einem wagen, wenn man ohne leitern fährt. obersächsisch. Adelung. Jacobsson 2, 290ᵃ. wol kaum éin wort mit dem vorhergehenden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1861, Z. 57.

hudeln, verb.

hudeln, verb.
in zwei hauptbedeutungen, ähnlich denen, die das verwandte subst. hader und das verbum hadern (sp. 109 ff. 117 ff.) entfaltet haben, nur so dasz bei hudeln beide manigfach sich berühren, namentlich wenn die zweite (des zankens, streitens) durch die mittelvorsetllung des schlecht, verächtlich behandelns (unten no. 2, b) an die erste anknüpft. hudeln sagt aus
1)
aussehen und art eines fetzens oder lumpens haben.
a)
intransitiv, im eigentlichen sinne: schweizerisch hudeln, schlottern, bammeln, reiszen; es hudelt alles an ihm, was man an ihm sieht, ist lumpig. Stalder 2, 59; wann einen der schlag gerührt, ist alles weich und lodlecht, die hut lumlet und lapet: so hudlet alles um einen den die sünde lumlecht gemacht hat, es ist keine dapferkeit da. Keisersberg post. bei Frisch 1, 471ᵇ; auch persönlich, einher hudeln, in lumpen gekleidet gehen: in den groszen langen lumpenhosen wie die monstra einher huedlen. Zimmer. chron. 2, 520, 31. — bildlich, vom schlechten wetter, es hudlet, schneit und windet durch einander. Stalder a. a. o.
b)
nach der moralischen bedeutung von hudel (oben no. 3), wie ein nichtswerter mensch verfahren; schweizerisch er hudelt nur, führt nur eine schlechte lebensweise. Stalder 2, 59; in der umgebung des Egerlandes, reflexiv er hudelt sich, erweist sich schmutzig, indiscret beim spiele. Fromm. 6, 172. so umherschweifen, bummeln: (wenn) diejenigen von knechten oder trossz, so diesem regiment zuständig, vorhin hudeln oder auszer der ordnung laufen wöllen. Kirchhof milit. disc. 110; gestattet (der hurenweibel) von denselben keinem ... hinvor under oder neben die knecht zu hudeln, bisz so lang der hauff kommen ist auf halben weg. 115; nun giebt es aber an allen orten leute, die nichts glücklicher macht als eine gelegenheit zum faulenzen und hudeln. J. Gotthelf schuldenbauer 94; — kärntnisch hudeln, übereilt und schlecht handeln, arbeiten Lexer 145; ebenso bairisch. Schm. 1, 1055 Fromm.; der reiche wie der arme handwerker wird hudeln. Hamann 1, 31; die arbeit geschwind weghudeln, als handwerkerausdruck. Frisch 1, 471ᵇ;
weil sie ir meszstrudeln
selbst nicht verstehn, was sie da hudeln.
Fischart dicht. 3, 61, 160 Kurz.
selbst von eiligem getreibe: nun in dem hin und widerlaufen und hudlen warden sie ainandern so unbekannt, das kaine mehr grundtlichen wissen mocht, welches die herzogin oder wer aine oder die ander wer. Zimmer. chron. 1, 510, 17.
c)
transitiv, etwas von einander hudeln, zerreiszen, zerfetzen: ich sagte darauf zu ihr, es wäre gleichwohl schad, dasz sie diese schriften (ein manuscript) so von einander hudelte; wann sie noch bei einander wären, so wolte ich ihr gern etwas darvor verehren. Simpl. 4, 209 Kurz; niederdeutsch:
wiltu mi de wundel hudeln in stücken?
Lauremberg 2, 168 Lappenb.
2)
hudeln, zanken, plagen, scheren.
a)
von einem ernstlichen herumschlagen: der waltbruder Maltgisz .. hat sich sein lebenlang nie so dapper wie ein wapner mit allem seim pilgerstab wider die Zarrazenen gehalten, als hie unser bruder Jan wider die Pieroscholler mit seiner kreuzstangen: hei der solt abt zu Fulda werden, der könt mit den bischoflichen von Hildesheim auf dem tag umb die session herum hudlen. Garg. 207ᵃ. vergl. auch aushudeln theil 1, 889; kompt sein weib auch darzu, hudelt ihn ubel ausz, reiszt es ihm ausz den händen. a. weiszh. lustg. 407.
b)
einen hudeln, plagen, quälen, scheren, schlecht behandeln, ist im gegensatz zu den bisher angeführten bedeutungen, in der schriftsprache sehr verbreitet, auch bei schriftstellern norddeutscher heimat, aber erst aus der neuern sprache zu belegen: hudelen, contemnere, contemptim instare, daidagner, mespriser Schottel 1338; hudeln, vexare, illudere, contemnere, contemtim instare, vellicare Stieler 804; hudeln, nugari Hederich 1333; hudeln, vexare, exagitare Frisch 1, 471ᵇ; bairisch einen hudeln, oder in der reimenden verbindung hudeln und pudeln, achtlos und zugleich hart behandeln, quälen. Schm. 1, 1055 Fromm.; der (richter) hudelt sie nach seinem gefallen. Chr. Weise kl. leute 202; sich durch ceremonien ... geduldig hudeln lassen. Kant 10, 146; fiel gar einer, so ward er mit losem muthwillen gehudelt. Stolberg 8, 353; hudeln den armen schelm, den sie nicht fürchten. Schiller räuber 1, 2; die bauern wie das vieh hudeln. Auerbach dorfgesch. 1, 131;
vier scenen haben mich fünf wochen schon gehudelt.
Günther 1097;
doch dasz stets eingedenk er sei,
die freiheit sei ein goldner schatz,
so hudelt man ihn erst, herr spatz.
Bürger 20ᵇ;
alles andre thäten sie (tyrannen und kaiser) hudeln und schänden,
den soldaten trugen sie auf den händen.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;
und wenn so einen denn die liebe weidlich hudelt.
Göthe 7, 44;
wie sonst von einem übel: der schwären hudelt mich über die maszen, ulcus vehementissime me urit et cruciat. Stieler 804. oft in der fügung einen ungehudelt lassen, ungehudelt bleiben: ich nebst einigen andern blieb ungehudelt. Felsenburg 1, 89; anderer leute angefangene arbeit aber ungehudelt lassen. 3, vorrede; wenn wir nur mit einem schiffe ungehudelt von Amsterdam hinweg kämen. 3, 5; laszt mich mit euren possen ungehudelt. J. E. Schlegel 2, 59; meinen freund Ogul soll er ungehudelt lassen. Wieland 6, 62 (59); dasz .. sie mich mit solchen schulpossen ferner ungehudelt lassen sollen. Lessing 10, 225.
c)
sich hudeln mit etwas, sich mit etwas plagen, quälen, scheren: ich mag mich mit keinem kleinen buche hudeln, sondern ich wil gleich aus diesem groszen buche lesen lernen. Felsenb. 2, 404; das subject hat sich von den ersten academischen jahren an mit hofmeistern hudeln müssen. Hamann 3, 162;
wer sich mit groben filzen hudelt,
zum lohn wird mit undank besudelt.
Lehmann 1, 22;
sich um etwas hudeln, scheren, bekümmern: was hudelst du dich drüm, quid tu haec moraris? non laborandum est tibi ea de re. Stieler 804; ach die grafen hudeln sich nicht viel um drittehalb groschenstücke. Chr. Weise comöd. 299; so werden wir uns viel drum hudeln ob wir solche hungerleider kriegen oder nicht. 310; wolten uns wenig darum hudeln und stets antworten. J. Prätorius Saturnalia (1663) 130; was hudelt ihr euch um das stück. Felsenb. 2, 435.
d)
sich hudeln auch sich scheren im sinne von fortgehen (vgl. forthudeln 2, theil 4¹, 20): hudel dich fort apagesis Hederich 1333; hudelt euch von einander. Chr. Weise comöd. 47.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1862, Z. 55.

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„hudeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hudeln>.

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