huld f
Fundstelle: Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1886, Z. 76
gratia, favor. ahd. huldî, mhd. hulde lebt auch im ältern nhd. in der form hulde fort (s. d.); daneben ergibt sich, seit dem 15. jahrh., eine gekürzte form huld, in oberdeutschen, namentlich fränkischen quellen, die (als gleiche bildung wie schuld, geduld aufgefaszt), nach und nach die stelle der ältern berechtigten form ganz und gar einnimmt. Sie begegnet in den bedeutungen
1)
abhängigkeit des dienstmanns gegen den lehnsherrn, treue, ergebenheit, und die bekräftigung derselben: homagium huld Dief. 279ᵇ; in bezug auf ein liebesverhältnis:
sei nicht erzürnt, Asterie mein leben,
weil ich anietzt so sehr weit von dir bin,
dasz ich mich hab in andre huld ergeben.
Opitz 2, 172;
oder auch anders in freierm sinne:
Herodes in (Johannes den täufer) enthaypt on schuld.
sölchs kam im ausz der tugendt huld (weil Johannes der tugend ergeben war).
Schwarzenberg 156ᵈ.
2)
zuneigung des höhern gegen einen niedern, gnädige, geneigte gesinnung, eine bedeutung die jetzt ausschlieszlich geblieben ist:
da mit ir unser aller huld habt gewunnen.
fastn. sp. 707, 32;
dann stet der arm arbeiter zitrend bei der tür mit geschlosznen henden, stilschweigend, auf dasz er des kaufherren huld nit verlier. H. Sachs dial. 47, 19; seit dem 17. jahrh. auch bei nieder- und mitteldeutschen schriftstellern: huld, gratia, favor Schottel 1339; huld (neben hulde) gratia, favor, clementia, propensio Stieler 852, als vorwiegend poetisches wort:
auch dürft ihr nicht erschrecken
vor eurer sündenschuld,
nein! Jesus will sie decken
mit seiner lieb und huld!
P. Gerhard 3, 8;
davor begehr ich nur mit redlicher gedult
den ewigen besitz von deiner güt und huld.
Günther 377;
die erd ist voll der huld des herrn.
Gellert 2, 96;
geiszle mich des hartsinns tadel!
wölke sich ob meiner schuld
selbst die stirne milder huld!
Bürger 73ᵇ;
bei allen meinen herrscherthaten
begleitet mich des himmels huld.
Schiller ring des Polykrates;
was sind wir,
wenn kaiserliche huld sich von uns wendet!
Piccol. 2, 2.
äuszerung einer solchen gesinnung:
jetzt stand der mensch und wies den sternen
das königliche angesicht ....
und scherz mit huld in anmuthsvollem bunde
entquollen dem beseelten munde.
die künstler v. 195.
3)
huld die geneigte gesinnung der geliebten gegen den geliebten, s. unten hulde 2 a. e. und huldpfetz, huldtrank:
ein einzig lächeln voller huld (des harten mädchens)
würd allen kummer lindern.
Bürger 7ᵃ;
es wird mir manche schöne hand
ein pfand der huld verleihen,
bald wird sie mir ein busenband,
bald eine locke weihen.
11ᵃ;
auch umgekehrt:
brünstig wird das neue bild (der geliebten) geküszt;
alle huld wird froh ihm zugetheilet.
68ᵇ.
4)
auch das freundliche des äuszern, anmut der erscheinung (nach hold 3, sp. 1735); vgl. unten huldgöttin, huldin 2.
5)
huld, nur beliebtheit, ansehen: der herrschaft selbstregiment hat bessere huld als derer statthalter, dieweil sie sich ins gemein ihres ampts misbrauchen. ped. schulf. 146.
6)
über den plural s. unterhulde; die nebenform hold sp. 1736.
huld adj
Fundstelle: Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1887, Z. 60
für hold, s. sp. 1733.
Zitationshilfe
„huld“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/huld>, abgerufen am 17.11.2019.

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