Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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huld, f.

huld, f.
gratia, favor. ahd. huldî, mhd. hulde lebt auch im ältern nhd. in der form hulde fort (s. d.); daneben ergibt sich, seit dem 15. jahrh., eine gekürzte form huld, in oberdeutschen, namentlich fränkischen quellen, die (als gleiche bildung wie schuld, geduld aufgefaszt), nach und nach die stelle der ältern berechtigten form ganz und gar einnimmt. Sie begegnet in den bedeutungen
1)
abhängigkeit des dienstmanns gegen den lehnsherrn, treue, ergebenheit, und die bekräftigung derselben: homagium huld Dief. 279ᵇ; in bezug auf ein liebesverhältnis:
sei nicht erzürnt, Asterie mein leben,
weil ich anietzt so sehr weit von dir bin,
dasz ich mich hab in andre huld ergeben.
Opitz 2, 172;
oder auch anders in freierm sinne:
Herodes in (Johannes den täufer) enthaypt on schuld.
sölchs kam im ausz der tugendt huld (weil Johannes der tugend ergeben war).
Schwarzenberg 156ᵈ.
2)
zuneigung des höhern gegen einen niedern, gnädige, geneigte gesinnung, eine bedeutung die jetzt ausschlieszlich geblieben ist:
da mit ir unser aller huld habt gewunnen.
fastn. sp. 707, 32;
dann stet der arm arbeiter zitrend bei der tür mit geschlosznen henden, stilschweigend, auf dasz er des kaufherren huld nit verlier. H. Sachs dial. 47, 19; seit dem 17. jahrh. auch bei nieder- und mitteldeutschen schriftstellern: huld, gratia, favor Schottel 1339; huld (neben hulde) gratia, favor, clementia, propensio Stieler 852, als vorwiegend poetisches wort:
auch dürft ihr nicht erschrecken
vor eurer sündenschuld,
nein! Jesus will sie decken
mit seiner lieb und huld!
P. Gerhard 3, 8;
davor begehr ich nur mit redlicher gedult
den ewigen besitz von deiner güt und huld.
Günther 377;
die erd ist voll der huld des herrn.
Gellert 2, 96;
geiszle mich des hartsinns tadel!
wölke sich ob meiner schuld
selbst die stirne milder huld!
Bürger 73ᵇ;
bei allen meinen herrscherthaten
begleitet mich des himmels huld.
Schiller ring des Polykrates;
was sind wir,
wenn kaiserliche huld sich von uns wendet!
Piccol. 2, 2.
äuszerung einer solchen gesinnung:
jetzt stand der mensch und wies den sternen
das königliche angesicht ....
und scherz mit huld in anmuthsvollem bunde
entquollen dem beseelten munde.
die künstler v. 195.
3)
huld die geneigte gesinnung der geliebten gegen den geliebten, s. unten hulde 2 a. e. und huldpfetz, huldtrank:
ein einzig lächeln voller huld (des harten mädchens)
würd allen kummer lindern.
Bürger 7ᵃ;
es wird mir manche schöne hand
ein pfand der huld verleihen,
bald wird sie mir ein busenband,
bald eine locke weihen.
11ᵃ;
auch umgekehrt:
brünstig wird das neue bild (der geliebten) geküszt;
alle huld wird froh ihm zugetheilet.
68ᵇ.
4)
auch das freundliche des äuszern, anmut der erscheinung (nach hold 3, sp. 1735); vgl. unten huldgöttin, huldin 2.
5)
huld, nur beliebtheit, ansehen: der herrschaft selbstregiment hat bessere huld als derer statthalter, dieweil sie sich ins gemein ihres ampts misbrauchen. ped. schulf. 146.
6)
über den plural s. unter hulde; die nebenform hold sp. 1736.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1886, Z. 76.

huld, adj.

huld, adj.
für hold, s. sp. 1733.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1887, Z. 60.

hulden, verb.

hulden, verb.,
wie ahd. huldan, mhd. hulden, nach verschiedenen bedeutungen des oben aufgeführten hulde.
1)
treue, dienstbarkeit geloben, vom diener oder unterthanen gegen einen herrn. Es heiszt
a)
einem hulden: nun het der marggrave daʒ lant alles, er und sein helfer, inne und da verbrant allenthalben. waʒ aber nicht verbrant was, daʒ het im gehuldet. d. städtechron. 2, 132, 2; die burger entpfiengen in als iren herrn mit frolichem herzen und huldten im. Aimon bog. F 1; gebot Reinhart allen seinen underthanen .. das sie seinem suͦn Aymonet hulden solten. T 1; wenn untersassen irem herrn huldeten. Luther 4, 326ᵇ; wenn ein fürst einen eid foddert, das man im hulde. 5, 385ᵃ; wenn man zu Leipzig gefraget würde, ob man herzog Georgen daselbst hulden, und im unterthan sein solt. 6, 14ᵇ; huldet dem sone, das er nicht zürne. 3, 385ᵇ (nach ps. 2, 12, wo aber Luther in den text küsset den son gesetzt hat, vergl. Bindseils bibel 3 s. 63 zu dieser stelle); der Rhein auf bisz ghen Basel huldet im (dem könige), Basel wolt im aber nit hulden. Frank Germaniae chronicon (1538) 194ᵇ; da huldeten im alle freiherrn, öbersten der stadt. chronica 204ᵃ; so nuhn ihn die fürsten zu einem keiser haben wolten, .. so wolte er gern weichen, und der erst sein, der ihm huldete. Zinkgref apophth. 1, 20;
damit der sohn auf euch nit zornig sei,
so huldet ihm und gebt ihm ehrenküsse.
Opitz psalmen s. 14.
in der formel hulden und schwören: da nötet der marggraf und die sein und der bischoff von Bamberg und ander sein helfer alle die pawern, die den von Nürmberg zustunden, daʒ sie in hulden und swern musten, furbasz in die gült zu raichen und für herrn ze haben. d. städtechr. 2, 167, 12; wiewol nun ich dem landvogt im namen ewer k. mt. gehuldet und gesworn. urkunde Max. 288; (dasz der kaiser) noch viel weniger dem bapst hulde, und treue unterthenigkeit schwere. Luther 1, 300ᵃ; wir haben in der tauf nicht dem bapst, sondern Christo geschworen und gehuldet. 376ᵃ; wenn einer von seinem herrn, dem er geschworen und gehuldet hat, abfelt, und den geschwornen eid nicht helt. 4, 64ᵇ; dasz ihr meine tochter empfahen, und ihr euwer leben bekennen, und ihr huldet und schweret, als euwer frawen. buch d. liebe 268ᵃ;
so musz nu hinfurt eur herr sein
mein junger bruder, der Reinmundt,
und ihr solt ihm zu dieser stundt
als eurm erbherrn hulten und schwern.
J. Ayrer 344ᵇ (1725, 7 Keller).
einem hulden auch als herrn haben, ergeben sein: die Burgunder hulden dem s. Andres für ein patronen. Fischart bienk. 183ᵃ;
wiltu der Faulheit (personificiert) hulden,
so mustu armutt dulden.
meisterges. ms. germ. Berl. fo. 23, no. 88.
b)
zu einem oder etwas hulden: von ihren fendlin, darzu sie gehuldet und geschworen, entlaufen. Reutter v. Speir kriegsordn. s. 73;
fünfzehen könig bei treü und ehr
haben zu mir gehult und geschworn.
J. Ayrer 316ᶜ (1581, 10 Keller).
auf etwas hulden: hat nit gewolt, dasz man schwüre und huldet auf sein satzungen. Micyll. Tac. 30ᵇ.
c)
das particip gehuldet von einem der den treueid geschworen hat: er verheiszet sich getreu zu sein mit allen seinen untersassen, e. ko. wirden und dem reiche zu Polen, gleich als es sich geziemet und angehöret einem gehuldeten und belehneten fürsten seinem erblichen herrn. Waissel chron. (1559) 278ᵃ; auf das du uns und unsern nachkommen und dem reiche zu Polen getreu bist und ein gehuldeter. 279ᵃ; einem gehuldeten und belehnetem friedsamen fürsten. ebenda.
2)
hulden, vom höhern gegen den niedern, mit huld behandeln, gnädig sein; mit dem accusativ: aber keiserlich mayestat dorft sy nit hulden oder zuͦ gnaden annemen. S. Frank chronica 247ᵇ; befridet und huldet er das landt. 178ᵃ;
Chaim ist gehaiszen mein nam.
meinem bruͦder Abel ward ich gram,
dasz in got huldet basz dann mich.
Schade sat. u. pasqu. 2, 178, 98;
auch mhd.:
waʒ ist, daʒ den besten rât
got ze trôste der kristenheit gegeben hât,
der uns mit im gehuldet hât   unt sînen strengen zorn hat hin geleit?
minnes. 1, 339ᵇ Hagen.
3)
sich mit einem hulden, amicitia jungi: mit der stadt s. Gallen huldet sich dieser abt träffenlich. Stumpf bei Frisch 1, 474ᵃ. vgl. huldschaft.
4)
in etwas hulden, willigen:
der rath ist guot, ich hulden drin.
trag. Joh. H viij.
5)
jetzt und bereits seit dem 17. jahrh. ist hulden ganz von huldigen verdrängt, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1889, Z. 71.

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Zitationshilfe
„hulden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hulden>.

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