Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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huldig, adj.

huldig, adj.
huld habend; ahd. huldig placabilis (Graff 1, 916), mhd. huldic geneigt, freundlich (Lexer 1, 1380); nhd. in mehrfachem sinne:
1)
nach hulde 1, treu wie ein unterthan gegen seinen herrn; ein huldiger herr, ein herr dem man treue gelobt hat: de nemen (nahmen) ön vor ein huldigh heren. Haltaus 969 (aus script. Brunsvic. 3, 399); sich huldig machen, den treueid leisten: zum beispiel will ich setzen, dasz ein höriges kind sich auszerhalb landes oder nur auszer hofrecht (extra curtem) besetze, und einem andern herrn huldig mache ... fällt dann diesem kinde hiernächst ein erbe zu, so musz es zurückkommen und sich auch huldig machen. dann ist es ein höriger und huldiger erbe, wie es die hofrechte nennen. Möser patr. phant. 3, 187.
2)
nach hulde 2 und 3, gütig, freundlich: der .. knabenhuldigen nachtsonn, fraw Mona (mit anspielung auf Endymion). Fischart groszm. 93;
gestern war der freund mir huldig.
Rückert 128;
abhuldig, misgünstig, unfreundlich: es ist durch meine unverursachte abhuldige und widerwertige, auch derselben anhenger und helfer, ain erdichter und unwarhafter leumut uff uns auszgangen. gedruckt ausschreiben von Heinrich dem ältern burggr. zu Meiszen u. herr von Plauen vom 17. juni 1532.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1891, Z. 32.

huldigen, verb.

huldigen, verb.
huldig machen, huld, abhängigkeit darthun; in verschiedenem gebrauche.
1)
alt ist die reflexive fügung, sich huldigen, sich unterwerfen, sich in unterthänigkeit geben: daʒ wir îlen unsih ime (gott) gehuldigen. Graff 4, 917; Tschytscheil .. und ander nebenflecken sich von stund an huldigen und an e. mt. ergeben. urk. Max. 240; wir haben Weiden, das sich gestern auch gehuldiget und in e. mt. hennde zu ergebn gepracht. ebenda; Civitat .. werde sich huldign und ergeben. ebenda.
2)
häufiger einem huldigen: omagium prestare, huldighen, den herren horsam loven Dief. nov. gloss. 205ᵇ; dar wart dem bischop gehuldiget van dem rade und der meinheit na wise und wonheit, als de huldinge plecht to to gan. d. städtechr. 7, 415, 33 (Magdeburger schöppenchronik); wann die unterthanen einem fürsten huldigen sollen. Löhneys regierkunst (1679) 90ᵃ; ich hoffe, ein christe bleiben zu dörfen, da ich euch huldigte (Daniel zu Franz Moor). Schiller räuber 4, 2; so huldigten sie ihm nach alter sitte auf fränkischer erde als Karls des groszen nachfolger und könig der Franken. Giesebrecht gesch. der deutschen kaiserzeit (1860) 1, 243;
erneuert ist der glanz der alten krone,
und Frankreich huldigt seinem königssohne.
Schiller jungfr. von Orleans 4, 1.
3)
das part. gehuldigt von einem der gehuldigt hat: gehuldigte bauern, die grenzbauern in Ungarn, die dem Türken und dem könig in Ungarn gehuldigt haben, einem jeden anzudeuten, wann ihn der andere mit volk überziehen will. Frisch 1, 474ᵃ; — oder dem gehuldigt worden ist: die gesicherten und gehüldigten (denen sicherheit und huldigung geleistet ist). fuszknecht-bestallung von Speier 1570, tit. 17 (s. die stelle vollständig unter huldigung 1); neben dem gehuldigten lehenherren stand sein justizdepartement, .. nämlich h. Kolb, der gerichthalter. J. Paul uns. loge 1, 176.
4)
die neuere sprache braucht huldigen, in anschlusz an die bedeutung 2, freier, in poetischer sprache:
an jenes felsens andrer seite liegt
am grünen hang, ein artig haus versteckt,
dich zu bewirthen keineswegs gebaut;
allein bereit, dich (könig) huldgend zu empfangen.
Göthe 9, 250;
einer frau huldigen:
sie (Thekla) fanden sich in ihres vaters armen,
in einer neuen welt, die ihnen huldigt.
Schiller Piccol. 3, 4;
der schönheit, liebe, macht huldigen:
wie der regen des mais über die blüthen träuft,
naht die liehe; des jünglings
seele zittert, und huldigt ihr!
Hölty 96 Halm;
und zwischen trug und wahrheit schwebet
noch zweifelnd jede brust und bebet,
und huldiget der furchtbarn macht,
die richtend im verborgnen wacht.
Schiller kraniche des Ibykus;
sieh uns hier, das glas erhoben,
huldigen der schönheit macht.
R. Reinick lieder 323;
einem geschmack, einer richtung, neigung, lehre huldigen; man musz nicht unbedingt dem zeitgeiste huldigen; sobald sie (frau von Stael) aber fremden einflüsterungen gehorcht, sobald sie einer schule huldigt, deren wesen ihr ganz fremd und unbegreifbar ist. H. Heine 6, 17; selbst der noth huldigen:
und huldige der noth.
Gotter 2, 28.
5)
einem etwas huldigen, huldigend bringen oder leisten: aber sieh, wie langmüthig ich bin — ich biete dir eine belohnung für das, was du mir huldigtest (als unterthan geleistet hast). Schiller räuber 4, 2; in gehobener sprache:
sie (Cäcilia) huldigte in milder zarter schöne
als meisterin in jeder kunst der töne
dem glauben ihr begeistert lied.
Körner 1, 227.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1891, Z. 55.

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Zitationshilfe
„huldigen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/huldigen>.

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