Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

huldigung, f.

huldigung, f.
das huldigen, seit dem 16. jahrh. für huldung (s. d.).
1)
gelöbnis der treue von seiten der unterthanen an die herschaft: habt ir von uns gefoddert huldigunge, dazu wir uns willig ergeben. Waissel chron. (1559) 175ᵇ; sie (die fuszknechte bei der einnahme eines schlosses oder einer stadt) sollen auch die gesicherten und gehüldigten bei der sicherung und huldigung bleiben lassen, und nicht weiters gegen ihnen fürnemmen und handlen. fuszknecht-bestallung v. Speyer 1570, tit. 17; wer landesherr ist, dem gebühret auch die erb- und landes-huldigung. Pistorius thes. par. 4, 91; mit den erzstiftischen ständen und der stadt Magdeburg über der bevorstehenden huldigung unterredung zu pflegen. Dreyhaupt Saalcreys 1, 458; der lange Kunz sagte uns, dasz heute keine schule sei, wegen der huldigung (nach einem stattgehabten regierungswechsel). H. Heine 1, 233. Es heiszt huldigung thun oder leisten, homagium praestare. Frisch 1, 474ᵃ; huldigung ablegen: welcher gestalt die erzstiftischen herren stände sich nach dem friedensschlusz i. churfürstl. durchl. die eventual-huldigung zu leisten erklähret. Dreyhaupt Saalcr. 1, 466; dasz sie nurt mit dem handschlage die huldigung thun .. möchten. 476; unserm gnädigsten herrn die eventual-huldigung abzulegen. 474. — die huldigung aufsagen, das abgelegte treugelübde fernerhin für unverbindlich erklären: so sagen wir ritterschaft und städte des bundes euer ehrwürdigkeit auf huldigunge und alle pflicht von der huldigung. Waissel chron. 175ᵇ.
2)
in der neuern sprache gern in freierem gebrauche (vgl. oben huldigen 4): Schillers huldigung der künste;
herzog. erneute huldigung gestatte mir.
Eugenie. zu ewigen vasallen nimm uns an.
Göthe 9, 266;
Johannas schönster schmuck,
kenn ich sie recht, ist ihr bescheidnes herz.
der huldigung des gröszten ist sie werth.
Schiller jungfrau 3, 4;
an mann und weib, alt oder jung,
ziehts (das blümchen Wunderhold), wie ein talisman,
der schönsten seelen huldigung
unwiderstehlich an.
Bürger 84ᵇ;
es hat sich dir ein zaubergeist verbündet,
der jedes herz zur huldigung gezwungen.
Körner 2, 127 (an Corona, als sie gesungen hatte);
der grusz der liebe von dem treuen,
der ohne gegenliebe schwur
dir ewig huldigung zu weihen,
wie der allwaltenden natur.
A. W. Schlegel 1, 25.
der plur. huldigungen von widerholten oder allgemeineren bezeugungen der ergebenheit:
Anna wird im land besungen
als die allerschönste frau,
sie empfängt die huldigungen
wie die rose ihren thau.
Lenau neue ged. 292.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1892, Z. 43.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
honigteig hunger
Zitationshilfe
„huldigung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/huldigung>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)