Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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humpe, humpen, f. und m.

humpe, humpen, f. und m.
groszes trinkgefäsz. auffallend ist, dasz dieses wort bis jetzt vor dem 17. jahrh., wo es im östlichen Mitteldeutschland vorkommt und von da aus sich verbreitet, nicht nachgewiesen werden kann, da es doch als ein uraltes sich durch die vergleichung verwandter sprachen kennzeichnet: es entspricht genau dem griech. κύμβος gefäsz, becher, κύμβη gefäsz, becher, kahn, ohne nasal κύβας urne, aschenkrug, sanskr. kumbha-s topf, krug, urne, aschenkrug (Fick 45), und gehört zu jener wurzel, die auch in haube, haufe und haupt liegt und sp. 565. 583. 596 besprochen wurde. wenn aber Kilian ein niederländisches hompe, pars abscissa, extrema pars abscissa, hompe broods, cuneus panis, pars panis instar cunei abscissa, frustum praecidaneum, mit dem verbum hompen abscindere partes extremas anführt, das in der bedeutung an das sanskr., zu den vorhin genannten wörtern in engster verwandtschaft stehende kumba kopf, dickes ende eines holzes, reicht, so legt dieses gleichformige niederl. wort, mit berücksichtigung des griech. κύμβη kahn, die vermutung nahe, dasz humpe einst einmal nichts bedeutet hat, als ein ausgehöhlter klotz, ein durch schnitzen hergestelltes holzgefäsz, und erst viel später zu seiner jetzigen bedeutung gelangt ist, was durch das aus dem Schwäbischen von Schmid 291 beigebrachte masc. hump, 'groszes weites trinkgefäsz, unten ohne fusz, folglich abgestumpft', gestützt wird. eine gleiche begriffswandelung hat auch bei kumpf (vergl. theil 5, sp. 2615 oben) stattgefunden, dessen etymologische verwandtschaft zu unserm humpen indes höchst zweifelhaft ist. Das geschlecht von humpe ist beim frühesten vorkommen des wortes feminin, erst seit dem 18. jahrh. männlich: die humpe, patera, amphora, vitrum amplum et capax ... grosze humpe, cyathus, crater magnus, et cratera, congius Stieler 866; humpe, culullus, einem mit groszen humpen zusetzen, multis aliquem urgere culullis et torquere mero Hederich 1339 und danach Steinbach 1, 792; culullus, ein runder becher, weinkrusel, irdener opferbecher, humpe, irdenes geschirr Kirsch cornucop.; das wort ist vielleicht zufrühest nur ein aus einer mundart aufgegriffener studentenausdruck gewesen, und dann weiter vorgedrungen, wie so mancher andere, denn seine lebendige anwendung ist zufrühest von dorther bezeugt: wir nahmen das buch der vier könige und lieszen die groszen humpen wacker dabei herumbgehen. jugend eines reuigen studenten (1664) A 6ᵇ; also dasz herr Storax dem Florindo eine humpe zutrank. Chr. Weise erzn. 148; er verstund sich endlich auf die humpe (d. h. mit ihr bescheid zu thun). 149; alle dinge .. lieber allein thun, als so hinter einer humpe gepflanzt sein, ohne prosit und proficiat. Fr. Müller 2, 181; ein humpen, aus dem die kurfürsten gezecht, ist schön. Bettine briefe 1, 50;
hastu die grosze hump jetzt redlich ausgemacht?
so wirf sie auf den tisch, das alles klingt und kracht.
W. Scherffer grobian. (1640) s. 146 bei Fromm. 4, 172;
doch mit gebein und glied und kopf
blieb er (der mensch) ein halber klumpen,
bis endlich Noah für den tropf
das wahre fand, den humpen.
Göthe 5, 14;
der stadtrath musz sein lager auch verzapfen,
man greift zu humpen, greift zu napfen.
41, 14;
gib, o schenke, die gläser mäszigen lumpen,
und mir reiche den unermeszlichen humpen.
Rückert 369.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1907, Z. 46.

humpen, m.

humpen, m.
s. humpe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1909, Z. 15.

humpen, verb.

humpen, verb.
stammwort zu humpeln, nur mundartlich, aber weit verbreitet: humpen 'heiszt im gemeinen reden in Niedersachsen an einigen orten eine art des hinkens' Frisch 1, 474ᶜ; bair. humpen hinken Schm. 1, 1113 Fromm.; humpen, hinhumpen, pigere, desidere, oscitari Stieler 865 mit der nebenform himpen (vielleicht = hümpen, vgl. unten himpler für hümpler); er entnahm das wort wol der düringischen volkssprache, wo es heute noch sehr gewöhnlich den langsamen wackelnden gang eines menschen bezeichnet;baslerisch verhumpen, liederlicher weise verscherzen Stalder 2, 62.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1909, Z. 16.

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Zitationshilfe
„humpen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/humpen>.

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