Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hunderttausend

hunderttausend,
num. centum millia, mhd. hunderttûsend. in arithmetischem sinne heiszt es für centum millia ebenso oft blosz hunderttausend:
general Daun der ist geschlagen
mit hunderttausend mann.
Hildebrand volksl. 417;
als ausdrücklich einhunderttausend, oder mit einfügung von mal (s. d.) einmalhunderttausend; dieses mal findet sich bei den folgenden hunderttausenden in der modernen sprache öfter als dasz es fehlt (lieber zweimalhunderttausend als zweihunderttausend u. ähnl.). für zehnmalhunderttausend und folgende brauchen wir jetzt, doch erst seit dem 18. jahrh., die zahlenreihe der millionen und ihrer verwandten, früher wurden auch diesen angehörende zahlenreihen durch multiplication von hunderttausend ausgedrückt. die ältere sprache verwendet hierbei, wie bei den reihen unter zehn hunderttausend das multiplicationswort mal nur schwankend: hundertmal hunderttausend centies HS Maaler 233ᵈ; vierzehen hundertmal tausend münche und nonnen. Schottel 1128ᵇ; elfmal hundert und zwei und neunzig tausend menschen. Schuppius 781; fünfzehen mal hunderttausend soldaten. ebenda; C. Marius hat 2. hundert tausend Dennemärker und mitternachtischer völker zu boden geschlagen. ebenda; sechszehn mahl hunderttausend. Happel acad. rom. 11; sechs hunderttausend und sechse. Seriander rechtschreibung (1739) 272;
mehr dann drei hundert tausend
bracht er gerüst ins land.
Soltau volksl. 420 (v. 1566);
wol mit vierhundert tausendt.
471 (von 1622).
hunderttausend auch in unbestimmtem sinne, nur eine ungeheure menge bezeichnend:
in Böhmen seindt erschlagen
viel hundert tausendt man.
Soltau volksl. 469 (von 1622);
uns umspülen hunderttausend wogen.
Göthe 1, 84;
der strausz, den ich gepflücket,
grüsze dich viel tausendmal!
ich habe mich oft gebücket
ach wol ein tausendmal,
und ihn ans herz gedrücket
wie hunderttausendmal!
87;
nun, Deutschland, horch mit hunderttausend ohren,
nun schau mit hunderttausendfachem blicke.
Rückert 137;
wie schon mhd.:
treit ieman ganzen lîp mit hundert tûsent wunden.
minnes. 3, 451ᵃ Hagen;
in freierer verbindung:
mê danne tûsent hundert wunder,
die von disme lande sint.
W. v. d. Vogelweide v. Wackernagel, s. 81 anmerk.
die steigerung zehnhunderttausend mal für millionen mal noch in neuerer sprache:
ein reines, lichtes wesen, über mich
zehnhunderttausendmal erhaben.
Kl. Schmidt poet. briefe 84.
die alemannische form hunderttûsig (nach tûsig aus tûsendig, für tausend, Weinhold alem. gramm. s. 309) als kosewort in adjectivischer verwendung:
ei, min hunderdusige Gret,
denk an dasz guot, dasz ich dir det,
do ich dich nam zuo der ee.
fastn. sp. 825, 17.
vgl. zu diesem gebrauche herztausig sp. 1261.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1928, Z. 54.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
honigteig hunger
Zitationshilfe
„hunderttausend“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hunderttausend>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)