Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hundsfott, hundsfutt, m.

hundsfott, hundsfutt, m.
schimpfwort für einen verächtlichen, vorzüglich feigen menschen. dasz dieses wort, dessen zu zweit gesetzte form die ältere, aber heute nicht mehr vorkommende ist, eigentlich vulva canina bedeute und nur übertragen in seiner heutigen bedeutung stehe, ist unter fut theilsp. 1060 ff. zu ausführlich abgehandelt worden, als dasz hier darauf zurückzukommen sein dürfte. auch Logau kennt den eigentlichen sinn wol:
den, der sich nicht wehren wil, heist man, wie man heist das theil,
das desz hundes weib so frei pflegt zu brauchen und so geil.
2, 93, 79.
als schimpfwort läszt es sich seit dem 16. jahrh. nachweisen: (Gargantuas herkunft lasse sich darthun) vil besser als der schönsten wüsten unflätigen parisischen pastetenbecken, weibische hundsfutt Paris von Troia. Garg. 31ᵃ; sind freche Parides, die in den toden Achillem stechen, sind hasen, die umb den toden lewen danzen und ihm den bart auszreiszen, daher sie heiszen vom bartreiszen, sind öpfelspiler zu ernst, wie ihr hundsfutt Parisz. 149ᵇ; auch als derbes scherzhaftes kosewort: dann ihr meine lieben hundsfütt wüszt, im krieg ist das gebratens das allerbest. 228ᵇ; hier steht wahrscheinlich das wort noch als femininum, wie noch manchmal im 17. jahrh. (theil 4¹, 1062 unten), aber der umstand, dasz mit ihm männer gescholten werden, läszt es seit dem 17. jahrh. allgemein als masc. verwendet werden. es bilden sich die zwei zu anfang genannten formen aus,
1)
hundsfutt mit dem plur. hundsfütter: so bald er unter die thüre kam, sagte sie zu ihm: ach schatz, was seit ihr worden? er aber lief die stiege hinauf (ärgerlich), und im vorbei gehen sagte er zu ihr: ein hundsfutt bin ich worden! Simpl. 2, 200 Kurz; (die studenten) fahen einen tumult an, schärfen in die steine, und schreien hundsfutt kom raus von der hure. Schoch stud. leben K vᵇ; es ist nicht zu sagen, wie greulich sie mich armen hundsfutt verfolget und angefeindet (der teufel sprichts). Schuppius 405; ich bin ein armer hundesfut, ich hab mein tage zu fusze gedient. Chr. Weise comöd. 19; du hunnsfut! Jucundiss. 121; so hieszen sie ihn einen hunnsfut über den andern. 123; wie ein lustiges wasser uns die hunnsfüter zu saufen gegeben. 183; ihr hundsfütter! schurken! Fr. Müller 3, 185; das ist ein schurkischer streich darüber du ohrfeigen verdient hättest von einem hundsfutt. Göthe 57, 198; niemand macht mir mehr freude als die hundsfutter, die ich nun so ganz vor mir gewähren und ihre rolle ausspielen lasse. an frau v. Stein 1, 135;
der Tüffenbach sagt zu der zeit,
dasz ihr schlimme hundsfüder seid.
Opel u. Cohn 28, 66 (von 1619),
hundsfütter, kerls, seid ihr!
Zachariä 1, 77.
2)
hundsfott mit dem plur. hundsfötter: gnädigster könig und herr, wir sind für unserm herren gott alle arme hundesfötter. Leyermatzs lust. correspondenzgeist (1668) s. 170; nun so hat er an mir wie ein anderer hundsvott gethan. causenmacher 99; die kerle hieszen einander hundsvötter. 107; du extract von allen hundsvöttern. 125; du hundsfott, sagte er. avantür. 1, 73; kann man euch hundsvötter so ins bockshorn jagen? Lessing 1, 416; ich wollte lieber mein ander bein dazu verlieren als so ein hundsfott sein (wie Weislingen). Göthe 8, 71; aha! ein rothröckiger schurke, der uns die frage vorlegen wird, ob wir hundsfötter sein wollen. 106; angefaulte hundsfötter. 42, 151; so gewinnt man auch bei einer solchen behandlung des Franz Moor (wie sie Iffland in spätern jahren machte) nur das, dasz endlich ein würdiger hundsfott fertig wird, den ein ehrlicher mann ohne schande spielen kann. 49, 177.
3)
die eigentliche, noch lange nachgefühlte bedeutung des wortes läszt manche verhüllungsversuche aufkommen, entweder indem man es in der schreibung unvollständig läszt: ich könte nicht ersinnen, welcher unter diesen beiden s. h. der gröste hundsf. sei. Simpl. 4, 247 Kurz; ich will meins nams imer und ewig ein hunds et cetera sein, wan ichs nit auf der stell zruckschick. Schwabe tintenf. A 5ᵇ; oder indem man es umdeutend verändert: einem eingebildeten ungeschrumpelten hundespfuten. Leyermatzs lust. correspondenzgeist (1668) s. 142; hundsvoigt, wehr dich! Chemnitzer rockenphil., 2. hundert, cap. 52;
wer eine hure nähm wissentlich,
der wär ein hundsvoigt öffentlich.
das. cap. 11 (als altes sprichwort).
wie denn auch, unter manchen andern etymologischen versuchen, die abstammung des hundsfutt aus hundsvoigt verfochten wird: hundsvoigt, canum praefectus, dieses ist der teutsche hundsfutt, und bedeutet mithin einen, der über die hunde gesetzet ist. Hederich 1342. vgl. auch hundertfutter sp. 1927, und unten hundskutt, sowie hundsnase.
4)
hundsfott, bei den seeleuten, ein kleiner stropp (kurzes tau), der am stropp eines blockes befestigt ist, um daran vermittelst eines maulstiches den läufer oder mantel eines takels festzumachen.
5)
das dim. hundsföttchen heiszt bei den buchbindern eine kleine umbeugung an beiden enden des rückens von pergamentbänden. Jacobsson 6, 124ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1934, Z. 31.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
honigteig hunger
Zitationshilfe
„hundsfott“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hundsfott>, abgerufen am 25.01.2022.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)