Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hundshaar, n.

hundshaar, n.
haar vom hunde. es wird zur verfälschung des wollenzeuges verwendet (vergl. unter haar sp. 22), daher die redensart hundshaar eintragen, einhacken, betrügen, verfälschen: und trifft (Paulus in einem ausspruch) auch damit seine rotten, die im hundshar eintrugen in diesen artikel, mit mancherlei geschwetz, und etliche sagten, die auferstehung were lengest geschehen, und nicht als erst künftig zu warten. Luther 6, 235ᵃ; jetzt giebt man sich nun auf die practik, verwirret die sachen, schiebet und zeuhets auf, hackt allerlei hundshaar mit ein. tischr. 406ᵃ;
wer aber hundeshar eintregt,
mit lügen gute leut bewegt.
Ringwald l. w. 134.
Nach dem alten heilaberglauben dasz von einem schädiger auch wieder die heilende kraft ausgehe, heilen aufgelegte hundshaare den bisz eines hundes: ich fand, dasz mich der hund blutig gebissen hatte. zum glück fand sich unter den gästen ein balsamhändler, welcher mir seine hülfe anbot, mir die wunde auswusch, und, nachdem er hundshaare mit balsam darauf gelegt hatte, verband. d. d. Gilblas 163. wenn nun der rausch unter dem bilde eines hundebisses gefaszt ward (oben sp. 1917), so nannte man die beseitigung der folgen dieses rausches durch neues trinken hundshaare auflegen: ich musz hierzu hundshaar brauchen; liesz ihm darauf voll einschenken. Abele künstl. unordn. 4, 487; katzenjammer, ein name, mit welchem die vollen brüder die nachwehen der trunkenheit bezeichnen; von neuem trinken, um den katzenjammer zu überteufeln, heiszt in derselben sprache hundshaare auflegen. Brentano schriften 6, 441;
ein gläsernes pistol
tanzt manchen ümm den mund, dasz er hinsinken sol.
das ist ein schöner todt, der bald nach sieben stunden
uns wieder leben läszt. wir schlagen frische wunden,
und heilen uns durch sie. kein pflaster ist so gut,
als wenn man hundeshaar auf diese schäden thut.
P. Fleming 166.
als die heilung hinderndes mittel aber werden hundshaare in folgendem angesehen: heute (nach der krankheit) schon so schwärmen, dasz hiesze hundshaare auf eine kaum geschlossene wunde legen. Arnim kronenw. 1, 178.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1936, Z. 28.

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honigteig hunger
Zitationshilfe
„hundshaar“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hundshaar>, abgerufen am 22.01.2022.

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