Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

hunzen, verb.

hunzen, verb.,
zunächst in reflexiver fügung sich hunzen, sich schinden, plagen: vergessen wir nicht ganz unsere existenz und kraft, da wir länger uns mit solchen dampfseelen hunzen, die weder für himmel noch hölle geschaffen sind. Fr. Müller 2, 17, ist deutlich an hund in der bedeutung 7, sp. 1913 angelehnt, und wol nichts als eine frequentativbildung auf -zen, ahd. -azan (gramm. 2, 217 fg.), also mit der ursprünglichen form hundezen, hundzen, wie ein hund sich gebärden oder wie ein hund es haben, gerade wie ahd. rûnazan susurrare auf das subst. rûna, und das noch heutige bair. himlizen (Schm. 1, 1112 Fromm., vgl. oben sp. 1371) auf himmel zurückgeht. an fremde herkunft des wortes ist nicht zu denken, auch nicht dasz es ableitung von dem compos. hundaas (sp. 1919) sei. zu der angenommenen herleitung stimmt auch, wenn einen hunzen heiszt einen übel behandeln (Fromm. 5, 465 aus Iglau); vgl. dazu die redensart einem den hund lesen sp. 1913, und die composita herunterhunzen sp. 1189, aushunzen th. 1, 889. die bedeutungen von verhunzen, verderben, schimpfieren (schweizerisch heiszt es verhunden Stalder 2, 62), und zerhunzen verderben, vernichten, widerstreben ebenfalls der gegebenen deutung nicht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1953, Z. 20.

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Zitationshilfe
„hunzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/hunzen>, abgerufen am 27.11.2021.

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