Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

husch, interj., auch als subst. und adj. entwickelt.

husch, interj., auch als subst. und adj. entwickelt.
1)
als interjection in mehrfacher verwendung.
a)
um den schauer der kälte zu bezeichnen, schon im späten mhd., vgl. Lexer wb. 1, 1401: o himmel und erde, erbarmet euch doch über mich, husch, husch, husch; er schlug sich creuzweis mit beeden händen, aber husch, husch, husch! er war vor kälte fast ganz erstarret. Conlin narrenwelt 3, 287;
wie lang sol ich hie sitzen (im bad)!
husch, es ist kalt,   precht man mir palt
ein pelz ob ich möcht schwitzen.
meisterl. Berl. ms. fol. 23, no. 93;
o husch, wie kalt! hart thut mich frirn.
J. Ayrer fastn. sp. 3ᵇ (2349, 8 Keller);
noch heute in diesem sinne im bairischen sprachgebiete üblich, vgl. Schm. 1, 1185 Fromm. Lexer kärntn. wb. 146.
b)
husch, scheuchruf:
so hudelt man ihn erst, herr spatz,
und scheucht ihn hin und her husch! husch!
nun fenster auf! hinaus zum busch!
Bürger 20ᵇ.
bairisch ist husch, husch! ausruf beim hetzen eines hundes. Schm. a. a. o. vgl. dazu aber huss.
c)
husch, zur bezeichnung einer groszen geschwindigkeit: so bald er hört, dasz ich geld bei mir habe: husch! ist er Anselmo. Lessing 1, 500; husch ist ihm denn ein ringelchen an den finger prakticirt; er weisz selbst nicht, wie es dran kömmt. 552; es ist nacht, man liegt im bette .. es schleicht was herbei, die vorhänge rauschen, klipp! klapp! die pantoffeln fallen, und husch! man ist nicht mehr allein. Göthe 19, 170; sobald das rebhuhn mich erblickte, lief es in den weizen, lockte — husch da waren alle seine jungen bei ihm. Salzmann Conrad Kiefer (Stuttg. 1845) 41; husch aus dem wagen mit einem sprunge! Kotzebue dram. sp. 1, 22; husch! bin ich wieder hier. 3, 311;
und sprang, nachdem er gnug geguckt,
husch, in den bach hinunter.
Hölty 7 Halm;
husch! steht sie, wie Cornelia
mit des Pompejus urne,
so schwarz und majestätisch da,
als trügen sie Cothurne.
Gotter 1, 93;
husch! sie voran; husch! ich ihr nach,
wie leichter frühlingswest.
Bürger 103ᵃ;
und husch ist es (das gerippe) unter dem rasen.
Göthe 1, 230;
husch! den riegel vorgeschoben,
husch! den schlüssel umgedreht.
Kotzebue dram. sp. 2, 304;
mein liebchen kommt gesprungen, husch!
und herzt mich fast zu tod.
Uhland ged. 24;
oft in mehrfacher stellung: husch, husch, und ich bin fertig! Lessing 2, 140; husch, husch! ich bin hinüber. Kotzebue dram. sp. 2, 213;
mir hat geträumt, ich klopf auf den busch:
da rauschte der hirsch heraus, husch husch!
Uhland ged. 303;
und das gesindel, husch husch husch!
kam hinten nachgeprasselt,
wie wirbelwind am haselbusch
durch dürre blätter rasselt.
Bürger 15ᵃ.
d)
husch, ruf um aufmerksamkeit zu erregen, lehnt sich an hoscha sp. 1836 an: husch! nur näher angerückt! Fr. Müller 1, 294.
2)
husch, als masculines substantiv, an husch 1, c angeschlossen, bezeichnet
a)
grosze geschwindigkeit, eile, in Kärnten husch eine schnelle bewegung. Lexer 146:
doch nimmt es richtig seinen husch
und mit gewandter schnelle
eilt es durch anger, feld und busch
zur kirche, zur capelle.
Göthe 1, 225;
man sagt einen auf den husch besuchen, ganz flüchtig; ich sah ihn nur auf einen husch; im husch war die erscheinung verflogen;
und thöricht wars von uns, so unterm husch
ihn zu bestatten.
Shakesp. Hamlet 4, 5;
and we have done but greenly,
in hugger-mugger to inter him.
b)
einen geschwinden schlag, eine ohrfeige: husch, alapa Frischlin nomencl. 397; husch, masc., un soufflet, alapa Genfer dict. (1695) 178; schweiz. der husch ohrfeige neben die husche (s. d.). Stalder 2, 66; ebenso bairisch. Schm. 1, 1185 Fromm.
3)
husch, als adjectiv verwendet, eilig, geschwind:
ach! wie der wind,
so husch, so schwind.
Klinger theater 4, 166.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 1973, Z. 1.

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Zitationshilfe
„husch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/husch>, abgerufen am 20.10.2021.

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