Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

huschen, verb.

huschen, verb.,
nach der interj. husch gebildet.
1)
in der bedeutung flüchtig über etwas hin gleiten, erscheint es vor dem 18. jahrhundert in der schriftsprache nicht verbreitet (M. Krämer wortbuch in deutsch-ital. sprach 1678 646ᵇ verzeichnet es zuerst als eines sinnes mit gleiten, glitschen, das war das hoschen des 16. jahrh., vgl. sp. 1837; nach dem heutigen begriffe steht es zufrühest bei Adelung, als wort des gemeinen lebens), bürgert sich aber schnell, und vornehmlich in der dichtersprache ein: bohren sie das bret, wo es am dünnsten ist. das ist, huschen sie über das weg, was sie zu lange aufhalten wird. Lessing 12, 489; und ein junges mädchen huschte rasch hinüber. Gutzkow ritter vom geiste 7, 93; verdächtige gestalten huschten im zwielicht an uns vorüber; vgl. auch hinhuschen sp. 1444;
bald huschen wir
leis aus der thür,
und fliegen, und fliegen zum tanze!
Hölty 195 Halm;
allnächtlich herunter vom rabenstein,
allnächtlich herunter vom rade
huscht bleich und molkicht ein schattengesicht.
Bürger 62ᵇ;
hui! wir schwestern, hand in hand,
huschen über see und land.
289ᵃ;
da sie (die fledermaus) durch das offne fenster
abendlich hereingehuscht.
Platen 283;
und hinter ihm, wie eine docke,
ein armes kind im flitterstaat,
mit seidnem fähnchen, seidner locke,
huscht frierend durch den engen pfad.
A. v. Droste ged. (1873) 145;
durch die waldung huschten eigne scheine.
Freiligrath dicht. 3, 31;
was huscht vorüber dort im nu,
verlegen und beklommen?
89.
2)
huschen, raufen, nach husche 2, aus der sprache des 17. jahrh. bezeugt: ich husche, vellico Steinbach 1, 797 als ein provinciales wort:
wer die warheit singt, den huscht man bei dem schopf.
Wiedemann Jul. 21;
bairisch einen huschen, behuschen, mit der hand an den kopf schlagen. Schm. 1, 1185 Fromm., alem. huschen. Stalder 2, 66.
3)
nach husch 1, der interjection bei kälteschauer, ist fränkisch geblieben huschen (neben huscheln und huschern) frösteln und vor frost sich zusammenkauern, einhüllen. Fromm. 3, 132.
4)
huschen, hetzen. Schm. 1, 1185 Fromm. Schmid 293; vgl. dazu oben den hetzruf husch, aber auch hurschen sp. 1969. auch niederländ. hussen, husschen, hisschen, stigare, instigare Kilian.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 1974, Z. 48.

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Zitationshilfe
„huschen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/huschen>, abgerufen am 25.10.2021.

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