Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

husecke, f.

husecke, f.
ein mantel des 15. bis 17. jahrh., ursprünglich für beide geschlechter, zuletzt nur für frauen; betont húsècke. das wort geht auf das franz. housse decke, überkleid, mantel (Littré 1, 2057ᵃ) zurück, welches der name für ein im 14. jahrh. dort aufgekommenes modisches kleidungsstück war, das sich seit anfang des 15. jahrh. auch in andere länder verbreitete (vergl. Weisz kostümkunde 3, 72. 73); zunächst in die Niederlande, wo wahrscheinlich die bezeichnung auch eine weiterbildung erfuhr, die zum theil in umdeutung übergieng: hussack, husseck, hushuyck toga, pallium, mastruca Kilian, die letztere form mit bezug auf hoike sp. 1731; dann nach Oberdeutschland: mastruga huseck, hasuyk Dief. 351ᵃ; husszäcken, langer rock, pallium, praetexta toga Maaler 233ᵃ, und mit ausdeutung auf alemannisch hûs, schriftdeutsch haus: mit einer hauszäcken bekleidet, palliatus 214ᶜ; palla schaub, huseck, frawenmantel Golii onomast. (1582) 206; pallium, husacken oder mantel dict. lat.-germ. (Frankf. 1610) 619; cyclas, sockeney- oder husacken 621; bei Stieler huschk und husack, diphthera, ein frauenmantel 872; nachdem undter den mannsbilden, nit allein den erbern, sonder auch den gemainen mann, ein mergkliche kostlichait entstanden ist, nemlich mit geprawchung merdreiner veher und ander kostlicher rawher claydung an schawben, hussecken, rocken und menteln. Nürnb. poliz.-ordn. 104; das nun hinfuro einich mannsbildt, burger, burgerskindt oder innwoner diser statt, an einichem rock, hussecken, schawben oder mantel, weder von samat, attlass, damasco oder ander seiden uber ein halbe elen allenthalben nit verpremen oder verpremen lassen, noch die also verprembt tragen soll. 107; wölcher wind hat den layen ir röck und mentel auf die achszel gewäet, wölcher wind hat in ire huszöcken vornen zerrissen, allso das man in sicht dʒ die natur understat zuͦ verbergen. Keisersberg schiff d. pen. 40ᵇ; Pura die jungkfraw gehet ab, der ritter setzt sich in ihr husecken und piret trawrig nider. H. Sachs 3, 1, 234ᵃ; der trabandt zeucht im die handt mit der husecken vom angesicht. 234ᵇ; in schwarzen husecken eingewickelt, nemmen sie (die Portugiesen) den schlaaf auf dem stroh. S. Frank weltb. 70ᵇ; (die Ungarn) tragen ob allen kleidern ein husecken oder langen rock. 80ᵇ; und da man noch husecken und feine lange jenker und ander ehrliche kleidung trüge, stünde es vil besser. Mathes. hochzeitpred. 28ᵇ; die aller schönste husäcken, so jemals in occident gesehen worden. Amadis 302; heutiges tages weisz man auch manchmal nicht, wie man die kleiderkästen gnug füllen soll, da haben manche frauen ihre 10. 20. röck nach einander hangen in der ordnung, so viel müder, so viel hussegen, dasz ihnen nur die wahl wehe thut. Creidius 2, 58. vgl. auch heisocke sp. 903.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 1975, Z. 24.

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Zitationshilfe
„husecke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/husecke>, abgerufen am 15.10.2021.

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